Titelbild: Quelle: Katharina Rogenhofer

Österreich ist im mitteleuropäischen Vergleich eines der artenreichsten Länder. Dies lässt sich vor allem auf die landschaftliche und klimatische Vielfalt zurückführen, zu welcher wiederum das Höhenprofil der Alpen maßgeblich beiträgt. Viele Tiere und Pflanzen sind jedoch, vor allem durch den Klimawandel sowie land- und forstwirtschaftliche Nutzung, gefährdet.

Welche Rolle spielen die Alpen in Österreich?

Die Alpen nehmen rund 60 Prozent der Gesamtfläche Österreichs ein und sind für die Landschafts- und Biotopvielfalt in Österreich von unmittelbarer Bedeutung. Sie sind Lebensraum für eine große Zahl an Tier- und Pflanzenarten. Durch das Höhenprofil und die sich dadurch ergebenden unterschiedlichen Klimabedingungen findet man auf kleinem Raum viele verschiedene Biotope.

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Gefahren für die Alpen

Lokale Ebene:
Urbanisierung, Tourismus, Land- und Viehwirtschaft, Habitat-Fragmentierung, Einbringung allochthoner Arten, Verkehr, Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung.
Globale Ebene:
Klimaveränderungen, Luftverschmutzung, Stickstoffdüngung

Der Mensch und die Alpen

Menschlicher Einfluss war in der Geschichte der Alpen wesentlich für die Prägung der Landschaft. Ein nicht unbedeutender Teil der Biodiversität in den Alpen ist daher eng mit traditioneller Land- und Forstwirtschaft verzahnt. Die Nutzung der Alpen hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch rasch geändert. Tourismus und neue landwirtschaftliche Methoden führen zu intensiverer Nutzung und Ausbeutung einiger Gebiete. Andere Flächen werden aufgegeben, was eine Verringerung der Landschaftsdiversität zur Folge hat. Grasländer werden daraufhin durch die Ausbreitung von Busch- und Waldgesellschaften verdrängt und es kommt so zu einem Verlust der Artenvielfalt.

Endemiten

Die Alpen sind ein Hotspot für Endemiten – d.h. Spezies, die auf ein bestimmtes Areal (in diesem Fall Österreich) beschränkt sind. Klimatische Fluktuationen im Pleistozän führten zur Vergletscherung weiter Gebiete der Alpen und somit zur Migration und Restriktion von vielen Arten auf bestimmte Areale. Heutige Gebiete mit besonders hoher Anzahl an endemischen Arten befinden sich oft in solchen eiszeitlich wenig bis nicht vergletscherten Teilen der Alpen und stehen vermutlich in engem Zusammenhang mit eiszeitlichen Refugialgebieten (Schönswetter et al., 2005; Tribsch & Schönswetter, 2003). Diese Endemiten-Hotspots findet man dabei in den nordöstlichen Kalkalpen zwischen Schneeberg und westlichem Toten Gebirge, in Teilen der östlichen Zentralalpen zwischen den Eisenerzer Alpen und den westlichen Hohen Tauern sowie in den Südalpen (Abb.1).

Abb. 1: Raster-Summenkarte aller endemischen Tiere (575 Taxa) und Pflanzen (150 Gefäßpflanzen, 16 Flechten) in Österreich. Quelle: Rabitsch, W. & Essl, F. (2008).

Endemiten erreichen ihre maximale Artenzahl in deutlich höheren Gebieten als alle anderen Tier- und Pflanzenarten (Abb.2). Sie sind überwiegend auf kleine Areale beschränkt – so auch in den Alpen (45 Taxa der Gefäßpflanzen sind auf Areale unter 700 km2 angewiesen). Kleine ökologische Nischen, sehr spezifische Anforderungen und die geringe Artenzahl der Endemiten machen sie besonders vulnerabel und aufgrund der Höhenlage sind sie weitaus sensibler gegenüber klimatischen Schwankungen. Schon kleine Änderungen können dazu führen, dass die jetzigen Verbreitungsgebiete als Lebensräume nicht mehr geeignet sind, was zu einer starken Gefährdung endemischer Arten führt – besonders jener, die nicht in höhere Lagen ausweichen können.

Abb.2: Höhenverbreitung der endemischen Gefäßpflanzen (ohne Apomikten und Autogame) und Tiere Österreichs. Dargestellt in 100m Höhenintervallen. Quelle: Rabitsch, W. & Essl, F. (2008).

Endemiten und Schutzgebiete

Ein großer Teil der Endemiten-Hotspots sind durch das österreichische Schutzgebietsnetz erfasst. Schutzgebiete umfassen 59 Prozent aller endemischen Gefäßpflanzen. Bei endemischen Tierarten sind 55 Prozent aller besiedelten Quadranten durch Schutzgebiete abgedeckt. Allerdings sind einige der am stärksten gefährdeten Arten durch Schutzgebiete nur ungenügend erfasst.
Die Mehrheit der Endemiten Österreichs besiedelt naturnahe Standorte. Deshalb müssen Schutzmaßnahmen vor allem darin bestehen, Störungseinflüsse zu verringern und den Lebensraum in seiner charakteristischen Ausprägung zu erhalten.

Klimawandel und die Alpen

Allgemein nimmt die Temperatur mit zunehmender Höhe ab. Dieses Phänomen führt dazu, dass sich Höhenstufen ergeben, die durch eine besondere Vegetation und bestimmte klimatische Verhältnisse gekennzeichnet sind. Durch den Klimawandel wird sich die Verteilung der Lebensräume in den Alpen jedoch dramatisch ändern. Die Erwärmung bedingt eine Verschiebung der Baumgrenze nach oben, was eine der größten Gefahren für die, auf wenige Gebiete beschränkten, alpinen Arten darstellt. Die Erwärmung alleine ist für die meisten Arten noch kein Gefährdungsfaktor. Es wurde gar gezeigt, dass sehr viele Pflanzen die erhöhten Temperaturen aushalten würden. Doch mit der Erwärmung kommt es zu erhöhter Konkurrenz, da Pflanzenarten aus tieferen Lagen immer weiter hinaufwandern. Die sich verschiebende Baumgrenze führt zum Schrumpfen der möglichen Besiedelungsgebiete vieler Arten. Dirnböck et al. (2011) zeigen, dass Endemiten fünf taxonomischer Gruppen (Gefäßpflanzen, Schnecken, Spinnen, Schmetterlinge und Käfer) bis 2100 ca. 77 Prozent ihrer bevorzugten Lebensräume verlieren werden, selbst wenn man von den konservativsten Klimaszenarien ausgeht. Dabei sind die Auswirkungen auf Spinnen und Schmetterlinge am geringsten, da diese sich schneller und effektiver auf andere Habitate ausbreiten können (fliegen, ballooning). Die Gefahr auszusterben ist daher sehr stark mit der Fähigkeit verbunden, andere Lebensräume besiedeln zu können.
Engler et al. (2011) sagen ähnliche Habitatverluste voraus. Es führt aber nicht nur die Erwärmung alleine zu dramatischen Veränderungen. Auch die vorausgesagten Veränderungen der Niederschlagsmengen werden zu einem Verlust passender Habitate führen.
Gerade für die alpine Stufe (den Bereich oberhalb der Waldgrenze) werden gravierende Auswirkungen erwartet. Hier werden Organismen immer weiter nach oben verdrängt, bis ihnen keine Ausweichmöglichkeit mehr zur Verfügung steht. All dies birgt Grund zu Sorge, da alpine Ökosysteme unverzichtbare Ressourcen zur Verfügung stellen – auch in Form von Ökosystemleistungen.

Ökosystemleistungen

Ökosystemleistungen sind wirtschaftliche Versorgungsleistungen (Produktion zahlreicher Güter, wie z.B. Trinkwasser, Nahrungsmittel, Energieträger, Baumaterialien oder medizinische Wirkstoffe), regulierende Leistungen (Speicherung von CO2, Schutz vor Lawinen und Hochwasser, Verhinderung von Erosion und Regulierung des Klimas), unterstützende Leistungen (Sauerstoffproduktion, Aufrechterhaltung der Nährstoffkreisläufe und des Wasserkreislaufs) sowie kulturelle Leistungen (Erholungsleistung usw.).
Wenn die Ökosystemleistungen der Alpen berechnet und in monetäre Einheiten übersetzt werden, beläuft sich der Wert der wirtschaftlichen Versorgungsleistungen auf bis zu 1400 €/ha Jahr. Die regulierenden Leistungen machen einen Wert von bis zu 760 €/ha Jahr aus (Paletto et al., 2015).

Die Alpen als Quellgebiete

Auch die Biodiversität in Süßwasserhabitaten ist den Gefahren des Klimawandels ausgesetzt. Zu einem nicht unwesentlichen Teil wird dies durch das Abschmelzen der Gletscher verursacht. Der Rückgang der Gletscher resultiert in einer Reduktion an Schmelzwasser, das wesentlich für einige Flusssysteme ist. Dies verändert die Artenzusammensetzung der von Gletschern gespeisten Flüsse. Jacobsen et al. (2012) zeigen, dass dadurch die Biodiversität sowohl lokal als auch regional abnehmen wird und 11-38 Prozent aller untersuchten Makroinvertebraten (darunter auch Endemiten) aussterben könnten.
Auch die Artenzusammensetzung in Quellgebieten wurde untersucht. Quellen sind zwar kleine Lebensräume, aber es findet sich eine überraschende Diversität an Taxa. Durch den hohen Grad an Spezialisierung und den azonalen Charakter (durch stabile physiochemische Gegebenheiten) sind Tiere die hier leben meist stenök. Das bedeutet, sie können nur eine kleine Schwankungsbreite der überlebenswichtigen Parameter tolerieren. Deshalb gibt es einige Organismen die entweder ausschließlich oder zumindest bevorzugt in Quellen vorkommen.
Durch indirekte oder direkte Einflussnahme auf diese Quellregionen, kommt es zur Gefährdung vieler spezialisierter Moose, Milben, Diptera, Schnecken und Köcherfliegen (Cantonati et al., 2006).

Was kann gegen Artenverluste getan werden?

In Europa sind Naturschutzbemühungen wegen der räumlich und zeitlich intensiven Nutzung durch den Menschen besonders kompliziert durchzusetzen. Einerseits scheint extensive Landwirtschaft wichtig für den Erhalt vieler Arten zu sein, andererseits sind Gebiete, die noch in einem ursprünglichen Zustand erhalten sind (wilderness areas), relativ selten und sehr gefährdet. Der Verlust an Biodiversität und wichtiger Ökosystemleistungen zeigt deshalb, dass ein effektiverer Naturschutz gebraucht wird. Nationale und internationale Abkommen, aber auch die Gründung und Erhaltung von Naturschutzgebieten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Weiterführende Literatur

Chemini, C. & Rizzoli, A. (2003). Land use change and biodiversity conservation in the Alps. Journal of Mountain Ecology 7, 1-7.
Malcolm, J.R., Liu, C., Neilson, R.P., Hansen, L. & Hannah, L. (2006). Global warming and extinctions of endemic species from biodiversity hotspots. Conservation Biology 20, 538–548.
Moser, D., Dullinger, S., Englisch, T., Niklfeld, H., Plutzar, C., Sauberer, N., Plutzar, C., Sauberer, N., Zechmeister, H. G. & Grabherr, G. (2005). Environmental determinants of vascular plant species richness in the Austrian Alps. Journal of Biogeography 32, 1117-1127.
Pauli, H., Gottfried, M., Reiter, K., Klettner, C. & Grabherr, G. (2007). Signals of range expansions and contractions of vascular plants in the high Alps: Observations (1994-2004) at the GLORIA master site Schrankogel, Tyrol, Austria. Global Change Biology 13, 147–156.
Pearson, R. G. (2006) Climate change and the migration capacity of species. Trends in Ecology and Evolution 21, 111–113.
Schirpke, U., Leitinger, G., Tasser, E., Schermer, M., Steinbacher, M. & Tappeiner, U. (2013). Multiple ecosystem services of a changing Alpine landscape: past, present and future. International Journal of Biodiversity Science, Ecosystem Services & Management 9, 123-135.
Theurillat, J. & Guisan, A. (2001). Potential Impact of Climate Change on Vegetation in the European Alps: A Review. Climatic Change 50, 77–109.
Wrbka, T., Szerencsits, E., Moser, D., & Reiter, K. (1999). Biodiversity patterns in cultivated landscapes: experiences and first results from a nationwide Austrian survey. Heterogeneity in landscape ecology 3-17.

Titelbild: Im Schulbiologiezentrum – Wandelndes Blatt. Quelle: Lisa Fischinger

Lisa Fischinger arbeitet am Projekt „Bio für Kids & Teens“, das LehrerInnen und Biologie-Interessierten gratis Didaktikmaterialien im Internet zur Verfügung stellt. Sie gehört dem Team der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften, School of Education der Universität Salzburg, an. Dort arbeitet Lisa als Studienassistentin und schreibt ihre Diplomarbeit zum Thema „Handlungsorientierter Stationenbetrieb in der Humanbiologie am Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems“.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Unsere Hauptaufgabe, oder besser gesagt unser Ziel, ist es, durch moderne Unterrichtsmethoden Kinder und Jugendliche für die Biologie zu begeistern. Wenn ich von „uns“ spreche, dann meine ich Ulrike Unterbruner, Initiatorin des Projektes und Leiterin der Abteilung Didaktik der Naturwissenschaften und mich, als ihre Studienassistentin. Die Hauptaufgaben in unserer Tätigkeit bestehen darin, biologische Themen aus bereits evaluierten Diplomarbeiten der Biologiedidaktik auszuwählen und ansprechende Unterrichtsmaterialien, wie PowerPoint-Präsentationen, Arbeitsblätter und Multimedia-Lernprogramme, zu erstellen beziehungsweise zu überarbeiten. Einen besonderen Wert legen wir dabei auf die Handlungs- und Problemorientierung, das heißt, die Materialien so zu gestalten, dass dem aktiven und selbstständigen Lernprozess eine spannende Fragestellung vorausgeht. Sind die Materialien fertiggestellt, werden sie mit einer kurzen Beschreibung von mir auf unsere Webseite geladen.

Zusätzlich bin ich Tutorin für die Lehrveranstaltung „Lebende Organismen im Biologieunterricht“ von Lisa Virtbauer – Leiterin des Schulbiologiezentrums Salzburg der Universität Salzburg. Diese Lehrveranstaltung soll den StudentInnen die Möglichkeit bieten, Unterrichtseinheiten mit lebenden Organismen zu erarbeiten und diese in der Gruppe zu simulieren. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln um lebende Organismen auch später im praktischen Unterricht einzusetzen. Als Tutorin biete ich den StudentInnen Coachingtermine an, an denen sie im Umgang mit den Tieren geschult und unterstützt werden. Das Verleihangebot richtet sich aber auch an LehrerInnen, die schon im Berufsleben stehen.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung ist sehr reizvoll: ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen, mein technisches Know-how als Webmaster einbringen, stets verschiedene biologische Themengebiete erarbeiten und mit lebenden Organismen arbeiten. Die größte Freude für mich ist es jedoch, positives Feedback von LehrerInnen oder SchülerInnen zu bekommen, die mit unseren Materialien arbeiten.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Nicht ganz so einfach ist es manchmal, Dinge aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu betrachten. Für Erwachsene sind viele Sachverhalte oftmals glasklar; Kinder denken aber kreativer und sind neugieriger – man muss sich in sie hineinversetzen können. Ich frage mich bei der Erarbeitung von Materialien immer: „Was könnte ein Kind interessieren? Wie stellt sich ein Kind dieses oder jenes vor?“. Manchmal stellen mir aber auch Kinder in meiner Umgebung Fragen, die wieder den Anstoß zu neuen Materialien geben – zum Beispiel: „Warum bekomme ich blaue Flecken?“.

Abb. 2: Am Arbeitsplatz. Quelle: Lisa Fischinger

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Das war eigentlich ein schöner Zufall: ich war als Studentin in der Lehrveranstaltung von Frau Virtbauer. Sie war auf der Suche nach einer Tutorin ab Herbst 2015 und ermutigte mich, eine Bewerbung dafür abzuschicken. Das habe ich gemacht und glücklicherweise hat es funktioniert. Über diese Stelle kam ich dann zur Studienassistenz und in das Projekt „Bio für Kids & Teens“.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Ich denke, dass mein Biologie-Lehramtsstudium, mein Interesse und Engagement dazu beigetragen haben, dass ich diese Jobs bekommen habe. Und wie immer und überall: eine Portion Glück war natürlich auch nötig.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Am Anfang meines Biologiestudiums hätte ich nicht gedacht, dass ich die Möglichkeit bekommen würde, an der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften als Studienassistentin und Tutorin zu arbeiten.
Die Biologie fasziniert mich schon seit ich ein Kind war. Ebenso war für mich immer schon klar, im sozialen Bereich tätig sein zu wollen. Nach der Matura blieb noch die Frage, ein Medizinstudium in Innsbruck zu starten oder in Salzburg Biologie auf Lehramt zu studieren. Ich habe mich für letzteres entschieden und habe diese Entscheidung nie bereut. Die Biologiedidaktik fesselt mich aufgrund meiner Tätigkeiten als Studienassistentin jeden Tag mehr.

Abb. 3: Annam-Stabschrecke (Medauroidea extradentata). Quelle: Lisa Fischinger

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Als junge/r BiologielehrerIn ist es bei uns in Salzburg und Umgebung momentan nicht ganz so einfach eine Stelle zu bekommen. Zeigt man Flexibilität und ist man bereit, den Wohnort zu wechseln oder in einem anderen Bundesland zu unterrichten, könnten einem mehr Türen offen stehen.
Aktuell bin ich gerade dabei mein Studium abzuschließen. Es ist und bleibt spannend, wo mich die Zukunft hinführt. Ein kleiner Traum wäre es jedoch, eine Dissertationsstelle an der Didaktik für Naturwissenschaften zu bekommen und ein Doktoratsstudium absolvieren zu können. Träumen darf man ja… und wo ein Wille, da ein Weg.
Man sollte auf jeden Fall studieren, wofür das Herz brennt. Wenn man die Leidenschaft für seinen Beruf und sein Tun ausstrahlt und lebt, dann werden sich auch berufliche Chancen auftun. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man nicht aufhören darf, in seine eigene Fort- und Weiterbildung zu investieren – vor allem dann, wenn die Arbeitsmarktsituation nicht gerade rosig aussieht. Ich nutze meinen Wissensdrang und absolviere ab Herbst 2016 eine zweijährige Ausbildung zur Sexualpädagogin. Vielleicht sind es gerade auch solche Spezialisierungen, mit denen man sich eigene Nischen schaffen kann.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ja, es ist auf jeden Fall von Vorteil beziehungsweise nötig biologische, pädagogische und didaktische Grundkenntnisse zu haben.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Wie bereits erwähnt, stellt „Bio für Kids & Teens“ Materialien verschiedenster biologischer Themen zur Verfügung: Ökologie – Umwelt, Pflanzen, Mikrobiologie, Tiere, Geologie, Wasser, etc. – die Arbeit ist also thematisch sehr abwechslungsreich.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Auf jeden Fall dranbleiben – studiert das, wofür euer Herz schlägt! Es gibt nichts, was man nicht lernen kann (solange es auch Freude macht).

Vielen Dank für das Interview!

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Titelbild: Ökologe Albin Blaschka – die Arbeit im Freiland ist neben Literaturrecherche, Absprachen mit Projektbeteiligten, Nachbereitung, Auswertung und Publikationstätigkeit nur ein Aspekt seines Arbeitsbereiches. Quelle: Albin Blaschka

Albin Blaschka

Albin Blaschka ist seit September 2002 an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft (einer Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – BMLFUW), zuerst über Werkverträge, seit Anfang 2004 als „Freier Dienstnehmer“, tätig. Zwischen 1992 und 2000 hat er Ökologie an der Universität Salzburg studiert (Magister) und zwischen 2008 und 2015 im Rahmen seiner Tätigkeiten, über die Universität Salzburg ein Doktorat absolviert.

Sein „offizieller“ Arbeitsbereich ist Projektmanagement und Support von internationalen Projekten. Die fachlich-wissenschaftlichen Tätigkeiten umfassen angewandte Fragestellungen aus den Bereichen Vegetationsökologie, Landschaftsökologie, ökologische Wiederbegrünung und Renaturierungsökologie. Zurzeit beschäftigt sich Albin Blaschka intensiv mit dem Management von Almweiden unter sich ändernden Bedingungen, unterschiedlichen Landnutzungssystemen und multifunktional genutzten Landschaften. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist es, Wissen und Erkenntnisse der Grundlagenforschung für die praktische Anwendung aufzubereiten und an Bedarfsträger (Landwirte, aber auch Naturschutz und Tourismus, etc.) weiterzugeben.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Mein eigentlicher Aufgabenbereich liegt im Projektmanagement für internationale Projekte unserer Forschungsanstalt: Informationen über Ausschreibungen zusammentragen, bei der Antragsstellung mitarbeiten, Berichtswesen und Abrechnungen sowie Beratungen und Hilfestellungen für KollegInnen an der Forschungsanstalt.
Es bleibt aber auch Zeit für fachlich-wissenschaftliche Tätigkeiten, entweder in den Projekten für deren Management ich verantwortlich bin, oder aber auch in eigenen oder von KollegInnen durchgeführten Projekten. Die zeitliche Aufteilung hängt stark von der Jahreszeit beziehungsweise vom jeweiligen Projektzyklus ab und natürlich davon, wie viele Projekte gerade an unserer Anstalt laufen. Wenn ich hauptsächlich wissenschaftlich arbeite, verteilt sich meine Zeit auf verschiedene Bereiche: Vorbereitungen und Literaturrecherche, Absprachen sowohl mit am Projekt beteiligten KollegInnen, aber auch mit GrundeigentümerInnen usw., Geländearbeit/Datenaufnahmen während der Vegetationsperiode(spätes Frühjahr und Sommer), Nachbereitung (Proben versorgen, Dokumentation, Datenmanagement, Nachbestimmungen von Arten) und Auswertungen (Statistik, GIS, etc.), Berichtswesen und Publikationstätigkeiten.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung, die Herausforderung, Theorie und Konzepte in praxistaugliche Maßnahmen oder Empfehlungen umzusetzen, Wissen aus unterschiedlichen Bereichen (Botanik/Ökologie, Landschaftsökologie, Naturschutz, Landwirtschaft) zu verknüpfen und manchmal zu sehen, dass Ergebnisse der eigenen Arbeit von den BedarfsträgerInnen verwendet werden.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Anstrengend wird es, wenn es gilt gegen vorgefasste Meinungen und gegenseitige Vorurteile (Ökologie/Naturschutz auf der einen und Landwirtschaft auf der anderen Seite) anzukämpfen – „Wir haben das immer schon so gemacht, und werden das jetzt nicht ändern“. Auch Hierarchien und Bürokratie lassen einen von Zeit zu Zeit das Vorbild von Don Quijote ziemlich erstrebenswert erscheinen, bei allem Verständnis, dass in einer (alpinen Kultur-) Landschaft, in der viele Interessen zu Recht herrschen, Regeln und deren Einhaltung unbedingt notwendig sind.

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Durch puren Zufall bzw. eigentlich Glück: Eine Studienkollegin hatte einen Werkvertrag an der Forschungsanstalt, den sie aber wegen einer anderen Jobmöglichkeit, die ihr mehr entsprach, nicht mehr vollständig erfüllen konnte. Nach Gesprächen mit dem verantwortlichen Kollegen, konnte sie den Werkvertrag auf mich übertragen – ich war damals freiberuflich tätig und immer auf der Suche nach Aufträgen. Daraus ergaben sich Folgeaufträge, zuerst ebenfalls auf Werkvertragsbasis. So entstand dann im Rahmen meines ersten EU/INTERREG – Projektes ein zeitlich begrenzter Vertrag als freier Dienstnehmer, dem durchgehend bis heute weitere folgten.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Die fachlichen Grundlagen der Ökologie bzw. die Kenntnis naturräumlicher Zusammenhänge und Grundkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung und Arbeit sind die unverzichtbare Basis. Weiter sind Datenmanagement, systemtheoretisches und räumliches Denken, GIS, grundlegende Programmierkenntnisse und Organisationstalent notwendig.
Jedoch alles, was irgendwann notwendig wäre, kann man nicht lernen/beherrschen. Daher ist es ebenso unverzichtbar, zu wissen, wo die eigenen Kenntnisse aufhören und es nicht klug ist, zu versuchen diese sich anzueignen, sondern sich KollegInnen zu suchen und mit diesen Kooperationen aufzubauen und gemeinsam an die Lösung des Problems heranzugehen.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Im Prinzip entspricht es meinem Berufswunsch – auch wenn mein absoluter Wunschtraum während des Studiums ursprünglich mehr im universitären Umfeld bzw. im Bereich der Grundlagenforschung angesiedelt war. Auch ist der Teil meiner Arbeit, der rein im administrativen Bereich angesiedelt ist, nicht unbedingt motivierend. Er gehört jedoch dazu und bietet andererseits auch interessante Einblicke in andere Tätigkeitsbereiche. Abgesehen davon ist Projektmanagement auch ein Teil jeder wissenschaftlichen Arbeit, auch wenn mir das früher noch nicht bewusst war.

Landschaft als Labor bzw. Untersuchungsobjekt und angewandtes Arbeiten ist abwechslungsreich, heißt auch außerhalb der eigenen Expertise selbst mit anzupacken. Quelle: Albin Blaschka

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Die Situation ist sicher sehr schwierig und mit hohem Risiko verbunden, einen guten Job zu finden, speziell wenn man räumlich nicht so flexibel sein kann oder will. Beschränkt man sich auf die Stadt, in der man studiert hat oder die unmittelbare Umgebung, gibt man sich selber noch ein großes Handicap dazu. Sieht man sich als EuropäerIn und hat man auch entsprechende Fremdsprachenkenntnisse (im Prinzip heißt das zusätzlich zu Englisch eine weitere Sprache), erweitert dies die Chancen sehr. Wichtig sind auf jeden Fall Engagement, Fertigkeiten und Fähigkeiten („soft skills“), die über das rein Fachliche hinausgehen, leider auch meist mehr als für einen „normalen“ Job.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ein Biologiestudium ist auf jeden Fall notwendig. Kenntnisse der Landwirtschaft, zu Landnutzungssystemen allgemein und der Tierhaltung im speziellen, die ich mir in großen Teilen „on the job“ angeeignet habe, sind für die Art von Fragen, die ich bearbeite, ebenso notwendig. Kenntnisse in Ökonomie wären wünschenswert, fundierte Kenntnisse in Datenmanagement und Computer allgemein sind ebenso unverzichtbarer Teil des „Handwerks“. Diese habe ich mir zuerst als Hobby bereits zu Schulzeiten, dann im Rahmen meiner Arbeiten seit der Diplomarbeit selbst angeeignet. Statistik war während meines Diplomstudiums noch nicht so bedeutend, was sich aber inzwischen geändert hat, und das ist gut so.
Über Ausbildung/Lernen hinausgehend ist sicher ein gutes Maß an Organisationstalent und ein gewisses Selbstvertrauen und Auftreten (Vorträge, Besprechungen, etc.) zumindest hilfreich. Auch erleichtert eine gewisse Stressresistenz und Leidensfähigkeit, „Wetterfestigkeit“ und „Robustheit“ die Geländearbeiten.
Im Umfeld internationaler Kooperationen und dem Publizieren der Ergebnisse sind gute Englischkenntnisse Grundbedingung, (grundlegende) Kenntnisse einer weiteren Fremdsprache auf jeden Fall hilfreich und ein zusätzlicher Bonus.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Kenntnisse von ökosystemaren Zusammenhängen, Wissen über heimische Pflanzengemeinschaften, systemisches Denken, Artenkenntnisse und das systematische Herangehen an ein Problem/an eine Frage, also die „wissenschaftliche Methodik“ als solches, auch wenn das jetzt ein wenig klischeehaft klingt.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Bei aller Begeisterung für das eigene Fach und der notwendigen Konzentration darauf, ist es unbedingt notwendig, sich einen offenen Geist zu bewahren und zu akzeptieren, dass das Studium einem nur den Weg weist und Lernen ein ständiger Prozess und damit Teil des eigenen Lebens sein muss. Auch sich eine gesunde Portion kindlicher Neugierde und Spieltrieb zu bewahren, sich die Hartnäckigkeit aneignen, alles (auch sich selbst bzw. die eigene Meinung) in Frage zu stellen. Und über allem muss Ausdauer stehen und die Konsequenz sich von Misserfolgen jeglicher Art auf dem Weg zu einem „guten“ Job nicht abbringen zu lassensowie dabei auch nicht zu vergessen, dass das Leben aus mehr als Arbeit besteht, mag man sich auch noch so sehr damit identifizieren.

Vielen Dank für das Interview!

Der Titel ist bei dem Spiel der Firma Schmidt Spiele tatsächlich Programm: Alles dreht sich für die zwei bis fünf Spieler darum, überlebensfähige – sowohl carnivore als auch herbivore – Urzeit-Tierarten zu erschaffen. Während sich die Herbivoren von den Pflanzen aus dem Wasserloch bedienen, müssen die Carnivoren in jeder Runde auf die Jagd gehen. Das knappe Nahrungsangebot kann sich schnell zu einem Problem enwickeln – so kann eine Spezies genauso schnell aussterben wie sie entstanden ist!

Spielmaterial und Aufmachung

Rezension: Evolution – fressen und gefressen werden!

Beim Auspacken sind sofort die liebevoll gestalteten Illustrationen aufgefallen: „Schaaaaauuuuu mal, das Tier da – so schön!“ konnte man beim ersten Auspacken häufiger hören. Das Spiel besteht aus bunten, schön illustrierten Karten sowie aus einem Spielbrett in Form eines Wasserlochs und Nahrungschips. Die Karten verleihen den Tierarten Fähigkeiten und dienen als eine Art Währung, die man für Nahrung eintauschen kann.

Beispiel für eine Eigenschaftskarte.

Weiters gibt es für jede Tierart ein Tableau mit Holzmarkern zur Erfassung ihrer Populationsgröße und ihres Nahrungsbedarfs, und für jeden Spieler einen Nahrungschips-Beutel. Ein Highlight ist auch der süße hölzerne Startspielermarker in Form eines pflanzenfressenden Dinosauriers. Sämtliches Spielmaterial ist hochwertig verarbeitet und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Begeisterung macht sich in der Redaktion breit.

Das Spiel

Vorab: Wenn man die vier Phasen des Spielablaufs sowie den Umfang der Fähigkeiten seiner Tierarten einmal verinnerlicht hat – und das zu tun, dauert nicht sehr lange – ist das Spiel einfach zu lernen. Es ist aber gar nicht so einfach, darin richtig gut zu werden: Gewinner ist der, der am Ende des Spiels die meiste Nahrung auf die Seite schaffen und die meisten Tierarten am Leben erhalten kann. Um das zu erreichen, braucht man aber nicht nur Kartenglück, sondern durchaus auch eine gute Strategie.

Evolution in Action: Das Spiel in vollem Gange.

Das Spiel machte allen getesteten Altersgruppen Spaß und birgt einen gewissen Suchtfaktor in sich. Um eine gute Strategie zu entwickeln und so den vollen Funktionsumfang der Fähigkeiten der Tierarten tatsächlich ausschöpfen zu können, bedarf es bei uns nach den ersten beiden Durchgängen noch etwas Übung. Die bioskop-Redaktion wird sich damit in den nächsten Wochen und Monaten sicherlich noch eingehend beschäftigen – wir können nicht mehr die Finger von dem Spiel lassen.

Eigenschaften, Populations- und Körpergröße der Tierarten im Überblick. Im Bild: ein Fleisch- (links) und ein Pflanzenfresser (rechts).

Evolution – ein Spiel für Biologen?

Das Thema Evolution in Spielform zu packen erscheint zunächst als schier unmögliche Aufgabe. Wer sich komplette wissenschaftliche Korrektheit erwartet, ist mit diesem Spiel natürlich nicht ausreichend bedient. Diesen Anspruch muss ein Brettspiel unseres Erachtens nach aber auch nicht haben.

Evolution bietet einen guten Einblick darin, was nötig ist, um sich als Spezies zu entwickeln – und wie wenig es braucht, um danach gleich wieder auszusterben: Die Spieler müssen sich genau überlegen, ob sie besser noch eine fleisch- oder doch lieber eine pflanzenfressende Art erschaffen. Auch was das Futterangebot anbelangt sollte gut taktiert werden – schließlich will man ja, dass die Tierarten der Gegner möglichst früh wieder von der Bildfläche verschwinden. Außerdem müssen für die Tierarten auch passende ökologische Nischen gesucht werden, indem die Spieler ihre Fähigkeiten den Konkurrenten entsprechend auswählen – ein Wettrüsten wie im richtigen Leben. Die bioskop-Redaktion kann dieses lehrreiche Spiel nur wärmstens weiterempfehlen.

Die Redaktion dankt auch unserem objektiven Mittester: Jörg Sommerauer.

Eckdaten
Autoren: Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre, Sergey Machin
Illustration: Catherine Hamilton
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 10 Jahren
Dauer: 30-45 min
Von: Schmidt Spiele (Lizenz von NorthStarGames)
Spielmaterial:
110 Karten
1 Spielbrett in Form eines Wasserlochs
180 Nahrungschips
19 Tierarten-Tableaus mit 38 Holzmarkern
5 Stoffbeutel zur Sammlung von Nahrungschips
1 Startspielermarker in Form eines pflanzenfressenden Dinosauriers

Titelbild: Eine mikrofluidische Kammer für in-vitro Kultur, die in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Enschede entwickelt wurde. Diese neuartige Kulturmethode, die das Milieu der Eileiter simuliert, wurde von Kieslinger im IVF Labor VUmc erstmalig an menschlichen Embryonen getestet. © D.C. Kieslinger

Mag. Dorit Kieslinger hat in Graz Zoologie studiert und ist nach ihrem Erasmus Jahr in Utrecht (Niederlande), nach Amsterdam gezogen. Sie arbeitet seit 6 ½ Jahren im IVF Zentrum des Universitätskrankenhauses Amsterdam (VUmc) und ist dort seit 2010 als Klinische Embryologin beschäftigt. Zusätzlich zu ihrer Arbeit im IVF Labor erforscht sie neue Methoden, die die Erfolgsquote von In-vitro-Fertilisation (IVF) Behandlungen erhöhen sollen.

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Titelbild: Sterilisation von Petrischalen und Effekt auf Salmonella (rechts steril). Quelle: Wikicommons.

Mag. Harald Truschner hat an der Karl-Franzens-Universität in Graz Biologie studiert. Weiters absolvierte er zahlreiche Lehrveranstaltungen an der Technischen Universität Graz. Seit 1990 ist er am ILV – Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen und Umwelt des Landes Kärnten, im Bereich Lebensmittelsicherheit tätig. Dort bekleidet er die Funktion als Lebensmittelgutachter.

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Titelbild: Habichtskauz-Kücken (c)Marc Graf
Übersetzung aus dem Englischen: Kerstin Thonhauser
Izquierdo-Acebes D., 2011. Die Rückkehr des Königs des Waldes. Bioskop (1), 21-23.

Die Wiederansiedelung des Habichtskauz (Strix uralensis) in Österreichs Wäldern.

Es ist schon fast hundert Jahre her, dass der tiefe Ruf des Habichtskauz an klaren, späten Herbstnächten im Wienerwald widerhallte. Dank der Bemühungen einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Richard Zink, befindet sich diese großartige Spezies auf ihrem Weg zurück in Österreichs Wälder, wo sie Ende des 20. Jahrhunderts verschwunden ist.

Es handelt sich hierbei um ein sehr umfangreiches Projekt an dem sich verschiedene Kollaborationspartner beteiligen und das von der Jagd- und Forstgesellschaft unterstützt wird. Seit 2009 sind 50 Vögel zwischen dem Wienerwald (29 Vögel, 17 Männchen und 12 Weibchen) und dem Wildnissgebiet Dürrenstein (21 Vögel, 10 Männchen und 11 Weibchen) freigelassen worden. Diese Vögel haben sich außerordentlich gut angepasst und zeigen, dass der Habichtskauz auf dem Weg  zurück zu jenem Thron ist den er damals verloren hat. Der König des Waldes kehrt zurück!

S. uralensis ist die zweitgrößte Eulenart in Österreich, einzig der Uhu (Bubo bubo) übertrifft ihn noch in seiner Größe. Da der Uhu jedoch bevorzugt auf offenen Flächen jagt, ist der Habichtskauz der größte, nachtaktive Greifvogel in Österreichs Wäldern.

Trotz seiner liebenswerten und teils verschlafenen  Erscheinung, handelt es sich beim Habichtskauz um einen gewandten Überlebenskünstler, dem selbst schlechteste Wetterbedingungen nichts anhaben  können. Er ist ein überaus geschickter Jäger, der sogar noch unter einer 15 cm dicken Schneedecke Beute machen kann. Als Elternteil zeichnet er sich durch große Aufopferung und wenn die Situation es verlangt, auch durch eine vehemente Verteidigung der Kücken aus.

www.habichtskauz.at
(c) Norbert Potensky

Das Verbreitungsgebiet des Habichtkauzes erstreckt sich über Eurasien obwohl er in den westlichsten Gebieten schon ausgestorben ist. Auf der IUCN Roten Liste wird er als „nicht gefährdet“ eingestuft, da sein natürliches Verbreitungsgebiet sehr groß ist und speziell in den östlichen Staaten mehrere tausend Paare in gesunden Populationen leben. In Deutschland (Nationalpark Bayrischer Wald) und der tschechischen Republik (Národní Park Šumava) konnte der Habichtskauz bereits erfolgreich wieder angesiedelt werden. Das Hauptziel der Wiederansiedelung in Österreich ist es, diese neuen Populationen mit angrenzenden Populationen in Italien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Slowakei zu verbinden.

Der erste Schritt, bevor man eine Spezies in ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet wiedereinführt, ist es all jene Faktoren die zum Aussterben geführt haben zu eliminieren. Im Falle des Habichtskauzes waren dies vor allem eine direkte Ausrottung und der Verlust von Lebensraum und Brutstätten. Durch die Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Jägern, bei der es vor allem um ein besseres Verständnis für die Rolle des Habichtskauz im Ökosystem Wald geht, konnte der erste Faktor bereits stark reduziert werden.

Es wurde gezeigt, dass Arten der Gattung Strix an bestimmte Habitate im Wald sehr stark gebunden und angepasst sind. Moderne Waldwirtschaft hat daher einen negativen Einfluss auf diese Arten da sie starke Veränderungen im Ökosystem Wald bewirken. Diese Veränderungen betreffen die Eulen hauptsächlich auf zwei Arten:
Erstens, es kommt zum Verlust von Brutstätten. Obwohl man gewöhnlich annimmt, dass Eulen nur in Baumhöhlen brüten, weiß man mittlerweile, dass sie  auch gebrochene Baumstümpfe oder sogar die Nester von anderen Raubvögeln verwenden. Durch intensive Waldwirtschaft reduziert sich die Anzahl an Totholz und alten Bäumen, welche als potenzielle Nitzplätze dienen könnten signifikant, da die meisten Bäume bereits sehr jung geschlagen werden.

Zweitens, in bewirtschafteten Wäldern kommt es zu einem Verlust der Heterogenität. Durch die Pflanzung von schnell wachsenden Baumarten nach Abholzungen kommt es zur Bildung von homogenen Wäldern. Das führt nicht nur zu einem Abfall der Biodiversität per se, sondern hat auch einen negativen Einfluss auf die Nahrungskette. Wenn zum Beispiel, in einem heterogenen Ökosystem eine Baumart, aus welchen Gründen auch immer, weniger Früchte produziert, so kann dieser Futter mangel, der für bestimmte pflanzenfressende Arten entsteht, durch andere Arten wettgemacht werden. Dadurch werden die Populationen von Pflanzenfressern weniger stark dezimiert, die ihrerseits ja wieder einen Einfluss auf die Populationen von Raubtieren haben.

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Die Einführung von Schutzgebieten, wie zum Beispiel die Kernzonen im Biosphärenpark Wienerwald oder dem Wildnissgebiet Dürrnstein, sollten helfen, um dieser Art von Problemen in Zukunft aus dem Weg zu gehen, obwohl man schon anmerken muss, dass diese Schutzgebiete räumlich einge-schränkt und auch sehr jung sind. Ein Problem das nicht in naher Zukunft geklärt werden kann ist der Mangel an Beutetieren (es gibt ein Programm, das sich der Zufütterung von Jungvögeln im ersten Jahr angenommen hat, um die Überlebenschancen der noch unerfahrenen Jungen im ersten Winter zu erhöhen). Der Mangel an Nistmöglichkeiten kann mithilfe von künstlichen Nistkästen überbrückt werden (momentan gibt es ca. 100 Stück und 50 weitere in Planung). In den zwei Jahren seit Beginn der Installation haben sich die Nistkästen als ein sehr effizientes System bewährt, wie sich anhand der hohen Besetzungsrate durch den Waldkauz (Strix aluco) gezeigt hat.

Obwohl es noch ein weiter Weg bis zur Etablierung einer nachhaltigen Habichtskauz Population in Österreichs Wäldern ist, so ist die Rückkehr der Spezies bereits Realität und mit dem Engagement und der Mitarbeit von vielen begeisterten Menschen mag der Tag nicht mehr allzu fern sein, an dem der tiefe Ruf des Habichtskauz wieder durch klare, späte Herbstnächte hallt.