In Österreich gibt es 50 verschiedene Gelsenarten (Stechmücken). Auch wenn diese sehr unterschiedliche ökologische Nischen besetzen, kann man kann sie grob in Lebensformtypen unterscheiden: Hausgelsen, Überschwemmungsgelsen, Frühjahrsgelsen und die Baumhöhlenbrüter. In den letzten Jahren wurden in Europa auch gebietsfremde Arten (Neobiota) eingeschleppt, wie z.B. die Asiatische Tigermücke.

Weltweit gibt es über 3500 Gelsenarten (=Stechmücken, Culicidae), und alle sind unterschiedlich. Sie unterscheiden sich in Aussehen und Genetik, bewohnen verschiedene Kontinente, haben unterschiedliche Vorlieben bezüglich Lebensraum und Brutgewässer. Manche Gelsenweibchen stechen am liebsten Säugetiere, andere haben es auf Amphibien abgesehen. Es gibt Generalisten (weniger anspruchsvoll) und Spezialisten, verschiedene Paarungssysteme und unterschiedliche Strategien um den Winter zu überstehen. Bevor man das nächste Mal über „die Gelsen“ schimpft, sollte man sich also genau ansehen, wen man da eigentlich vor sich hat.

In Österreich kann man 50 verschiedene Gelsenarten (aus 8 Gattungen) finden [1]. Nach ihren Präferenzen kann man diese grob in verschiedene Lebensraumtypen unterscheiden: Hausgelsen, Überschwemmungsgelsen, Frühjahrsgelsen und die Baumhöhlenbrüter.

Hausgelsen

Hausgelsen (hauptsächlich Arten der Gattung Culex; Abb. 1) sind vor allem im urbanen Raum zu finden. Der häufigste Vertreter dieser Gruppe ist in Österreich, sowie in vielen anderen Teilen Mitteleuropas, die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) [2]. Die Weibchen überwintern in der Natur in hohlen Bäumen und Erdlöchern, im Siedlungsbereich in Kellern, Dachböden oder anderen frostfreien Räumen. Im Frühjahr reichen kleinste Wasseransammlungen (in der Nähe ihres Winterschlafplatzes) für die Eiablage aus. Da diese Gelsen in unseren Behausungen überwintern, sind sie es auch, die uns im Frühling als erstes und im Spätherbst als letztes stechen wollen. Die Hausgelsen-Weibchen suchen ihre Opfer für die nächste Blutmahlzeit meist in der Dämmerung oder Nacht. Waren sie bei der Suche nach einem Wirtstier erfolgreich, nutzen sie nun das Protein aus der Blutmahlzeit, um daraus Eier zu entwickeln. Die Eier werden dann in Paketen – sogenannten Eischiffchen – auf der Wasseroberfläche abgelegt. Als Eiablageplatz eignen sich die Uferbereiche von Teichen und stehenden Wassergräben aber auch Regentonnen, Blumentopfuntersetzer oder Vogeltränken. Ein Weibchen legt etwa 150 - 250 Eier, aus denen sich dann mehrere Generationen pro Jahr entwickeln können [3]. Somit können Hausgelsen abhängig von den herrschenden Klimabedingungen (Niederschlag, Temperatur etc.) mehrere Generationen im Jahr hervorbringen. Je nach Witterung kann ein solches Weibchen bis zum Ende der Saison theoretisch mehrere Millionen Nachkommen haben.

Hausgelsen-Weibchen legt gerade ein Eischiffchen auf der Wasseroberfläche ab.
Abb. 1 Ein Hausgelsen-Weibchen legt gerade ein Eischiffchen auf der Wasseroberfläche ab. (Bild: flickr/Sean McCann, CC BY-NC-SA 2.0)

Frühjahrsgelsen

Im Gegensatz dazu haben Frühjahrsgelsen (diese stammen meist aus der Gattung Aedes, zB. Ae. cantans, Ae. communis, Ae. rusticus; aber auch Culiseta, zB. Cs. morsitans) nur eine Brut pro Jahr. Bei den Frühjahrsgelsen überwintern die Eier oder die Larven. Die Larven entwickeln sich bereits bei geringer Wassertemperatur (10 °C), sodass die ersten adulten Tiere bereits ab April zu finden sind.

Überschwemmungsgelsen

Überschwemmungsgelsen (eine Vielzahl der Aedes-Arten) sind aufgrund ihrer Eilegestrategie stark von der Dynamik der Auwälder abhängig. Die Weibchen legen ihre Eier in trockenliegende Überschwemmungsgebiete, wo diese oft über mehrere Jahre ohne Wasser überdauern können. Wenn nach einem Hochwasserereignis die Eier überflutet werden, kommt es zu einem Massenschlupf der Larven. Überschwemmungsgelsen verbleiben normalerweise in der Nähe ihres Brutplatzes, können aber passiv durch starken Wind weit vertragen werden. Im Gegensatz zur Hausgelse überleben die adulten Überschwemmungsgelsen meist nur bis zum nächsten Wetterumschwung und sterben spätestens im Herbst ab, und nur die Eier überwintern.

Fiebergelsen

Fiebergelsen (Gattung Anopheles) verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie Hauptüberträger der Malaria-Erreger sind. Sie sind vom Lebensformtyp ähnlich den Hausgelsen. Sie sind nachtaktiv und stechen am liebsten Säugetiere (v.a. Rinder, aber auch Menschen). Man findet sie in menschlichen Bauten aber noch häufiger in feuchten Räumen und Tierställen, in denen sie auch überwintern. Als Brutgewässer nutzen sie meist saubere natürliche Gewässer, wie grasige oder verkrautete Ufer von Seen oder Tümpeln.

Baumhöhlenbrüter

Die Baumhöhlenbrüter (hauptsächlich Vertreter der Gattung Aedes) waren bis vor ca. 30 Jahren eine recht wenig beachtete Gruppe. In dieser Gruppe legen Weibchen ihre Eier am Rand kleinster Wassermengen – wie eben in Baumhöhlen – ab. Kulturfolgende Vertreter dieser Gruppe finden im städtischen Raum eine Vielzahl an möglichen Brutgewässern. Regentonnen, Blumentopfuntersetzer, stehengelassener Müll, Spielzeug oder Werkzeug. Alle Gefäße, in denen sich Wasser sammeln kann, sind mögliche Brutgewässer für diese Arten – weshalb sie auch Container-Brüter genannt werden.

Gebietsfremde Arten

Gerade diese Container-brütenden Gelsen sind es, die in den letzten Jahrzehnten vermehrt in Europa eingeschleppt wurden. Hierbei gilt zu beachten, dass diese oft aus weit entfernten Gebieten (meist asiatischer Raum) stammenden, gebietsfremden Arten (Neobiota) nicht mit dem in den Medien gerne verwendeten Begriff „invasive Arten“ gleichzusetzen sind. Nach der Definition der IUCN (International Union for Conservation of Nature) gelten als invasive Arten nur solche, die nachweislich zu Veränderungen in der Struktur und Zusammensetzung von Ökosystemen führen, sich nachteilig auf die Ökosystemleistungen, die menschliche Wirtschaft und das Wohlbefinden auswirken [4]. Dies entspricht neben der Etablierung in einem neuen Gebiet auch der Verdrängung einheimischer Arten. Erst wenn dies zutrifft handelt es sich um invasive Arten.

Eine gebietsfremde Art konnte sich in Österreich bereits etablieren: die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus). Diese Art ist ursprünglich in Korea, Japan, Taiwan, sowie im Süden von China und Südosten von Russland heimisch und wurde in Europa vermutlich durch den Gebrauchtreifen-Handel eingeschleppt [5]. In Europa wurde sie erstmals im Jahr 2000 in der Normandie (Orne), im Norden Frankreichs, nachgewiesen. Seit 2002 gibt es Belege dieser Art in Belgien, in der Schweiz seit 2008 und seit 2011 in Deutschland. In Österreich wurde die Asiatische Buschmücke ebenfalls erstmals 2011 in der Steiermark ermittelt [6], inzwischen ist sie jedoch in allen Bundesländern nachgewiesen worden. Sie ist mammalophil/anthropophil (sticht daher gerne Menschen) und im Gegensatz zu den meisten heimischen Arten auch tagaktiv.

Im Gegensatz dazu konnte sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus; Abb. 2) in Österreich bisher noch nicht etablieren. Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus den tropischen Wäldern Südost-Asiens und wurde nach Europa vor allem mit Gütertransporten (insbesondere mit Gebrauchtreifen und Glücksbambus) eingeschleppt [5]. Vor ungefähr 30 Jahren wurde sie erstmals in Albanien und später in Italien nachgewiesen und konnte sich von dort rasch in Südeuropa ausbreiten. Durch den passiven Transport adulter Tiere in Autos und Lastwägen wurde sie auch weiter in nördliche Gebiete verschleppt [7]. So erfolgten in Deutschland und der
Schweiz Nachweise dieser Gelsenart besonders entlang Autobahnrouten aus Südeuropa [8], [9]. Die Asiatische Tigermücke hat sich in den letzten Jahren rapide in Europa ausgebreitet [5], [10] und wurde bereits in allen österreichischen Nachbarländern gefunden. In Italien, der Schweiz und Slowenien bestehen bereits etablierte Populationen.

Auch in Österreich konnte Ae. albopictus bereits nachgewiesen werden: im Jahr 2012 in Tirol und im Burgenland, und seit 2016 an mehreren Standorten in Tirol. Bisher bestehen jedoch keine stabilen, überwinternden Populationen dieser Art in Österreich. Die nachgewiesenen Exemplare der Asiatischen Tigermücke scheinen jedes Jahr aufs Neue aus Nachbarländern importiert worden zu sein. Grund hierfür dürfte vor allem sein, dass diese Art, im Gegensatz zu der Asiatischen Buschmücke, aus tropischen Gebieten stammt. Die nördliche Ausbreitungsgrenze der Asiatischen Tigermücke in Europa wird vor allem durch die vorherrschenden Wintertemperaturen und die jährliche Jahresmitteltemperatur bestimmt [11]. Steigende Temperaturen im Zuge der Klimaerwärmung begünstigen somit die Etablierung von Populationen der Asiatischen Tigermücke in immer nördlicheren Gebieten.

Eine Asiatische Tigermücke (Ae. albopictus)
Abb. 2 Eine Asiatische Tigermücke (Ae. albopictus) erkennt man an dem weißen Streifen am Rückenschild, den weißen Spitzen an den Palpen, sowie den gestreiften Beinen. (Bild: flickr/Sean McCann, CC BY-NC-SA 2.0)
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Ist es eine Tigermücke?

Tigermücken sind sehr kleine Gelsen (passen problemlos auf eine 1-Cent-Münze). Man erkennt sie an ihrem weißen Streifen auf dem schwarzen Rückenschild und den schwarz-weiß gestreiften Hinterbeinen (Abb. 2). Aber Achtung! Die gestreiften Beine alleine sind noch kein eindeutiges Merkmal – auch sehr viele heimische Arten haben diese.
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Literatur

[1] C. Zittra, M. Car, M. Lechthaler, and W. Mohrig, “Diptera: Culicidae,” in Fauna Aquatica Austriaca, 3rd ed., O. Moog and A. Hartmann, Eds. Wien: BMLFUW, 2017, pp. 1–11.
[2] K. Lebl et al., “Mosquitoes (Diptera: Culicidae) and their relevance as disease vectors in the city of Vienna, Austria,” Parasitol. Res., vol. 114, no. 2, 2014.
[3] N. Becker, D. Petric, M. Zgomba, M. Madon, C. Dahl, and A. Kaiser, Mosquitoes and Their Control, 2nd ed. Springer, 2010.
[4] C. Shine, N. Williams, and L. Gründling, Environmental Policy and Law Paper No. 40: A Guide to Designing Legal and Institutional Frameworks on Alien Invasive Species. 2000.
[5] J. M. Medlock et al., “A review of the invasive mosquitoes in Europe: Ecology, public health risks, and control options,” Vector-Borne Zoonotic Dis., vol. 12, no. 6, pp. 435–447, 2012.
[6] B. Seidel, D. Duh, N. Nowotny, and F. Allerberger, “Erstnachweis der Stechmücken Aedes (Ochlerotatus) japonicus japonicus (Theobald, 1901) in Österreich und Slowenien in 2011 und für Aedes (Stegomyia) albopictus (Skuse, 1895) in Österreich 2012 (Diptera: Culicidae),” Entomol. Zeitschrift – Stuttgart, vol. 112, no. 5, pp. 223–226, 2012.
[7] E.-J. Scholte and F. Schaffner, “Waiting for the tiger – establishment and spread of Aedes albopictus mosquito in Europe,” in Emerging pests and vector-borne diseases in Europe. volume 1: Ecology and contro of vector-borne diseases, W. Takken and B. G. J. Knols, Eds. Wageningen Academic, Wageningen, 2007, pp. 241–260.
[8] N. Becker et al., “Repeated introduction of Aedes albopictus into Germany, July to October 2012,” Parasitol. Res., vol. 112, no. 4, pp. 1787–1790, 2013.
[9] E. Flacio, L. Engeler, M. Tonolla, and P. Müller, “Spread and establishment of Aedes albopictus in southern Switzerland between 2003 and 2014: an analysis of oviposition data and weather conditions,” Parasit. Vectors, vol. 9, no. 1, p. 304, 2016.
[10] M. Bonizzoni, G. Gasperi, X. Chen, and A. A. James, “The invasive mosquito species Aedes albopictus: Current knowledge and future perspectives,” Trends Parasitol., vol. 29, no. 9, pp. 460–468, 2013.
[11] D. Roiz, M. Neteler, C. Castellani, D. Arnoldi, and A. Rizzoli, “Climatic factors driving invasion of the tiger mosquito (Aedes albopictus) into new areas of Trentino, Northern Italy,” PLoS One, vol. 6, no. 4, p. e14800, 2011.

Will man junge Menschen im schulischen Bereich für Biologie begeistern, braucht es bisweilen spezielle Formate. Dies ist die Geschichte der “Bio-Challenge” und wie man Österreich beinahe dazu bewegt, an einer Biologie Olympiade teilzunehmen.

Vom Brennen fürs Lebendige

Die Biologie – in all ihren Facetten und ihrer strukturellen Vielfalt, vom kleinsten biochemischen Baustein bis zu den komplexen Vernetzungen der Biosphäre – ist ein Quell unserer Inspiration und Motivation. Sie ist ein gewaltiges Konvolut von Disziplinen, die sich alle mit der Faszination des Lebendigen beschäftigen. Wer sich einmal darauf einlässt, dem bleibt letzten Endes nur eine mögliche Haltung demgegenüber: Faszination. Hingabe. Leidenschaft.

Wer nun Feuer für die Biologie fangen oder eine durch Kindheitserlebnisse bereits vorhandene Flamme pflegen möchte, für den bietet sich die Schule an [1]. Vor allem, wenn man dieses Feuer auch in seinen zukünftigen Erwerbsalltag tragen möchte. Schließlich ist der Unterrichtsgegenstand Biologie der wohl wichtigste schulische Gateway in die Medizin und die modernen Life-Sciences.


[1] Passenderweise befanden schon einige alte Griechen, dass es bei Bildung eher um das Entzünden von Fackeln als um das Befüllen von Fässern ginge

Bio Challenge
(c) Martin Bichler

Funkenflug und Schaumbremse

Es brauchte also ein Format, um junge Menschen im schulischen Kontext für Biologie zu begeistern. Einen Brandbeschleuniger quasi. Und dieses Format gab und gibt es tatsächlich seit 30 Jahren in Form der Internationalen Biologie Olympiade (zuletzt in Szeged/HU mit 273 Schüler/innen aus 73 Ländern). Was läge also näher, als mit einem Österreichischen Team auf internationalem Niveau anzutreten? Aus diesem Grund lud die ABA im April 2018 zu einem Erfahrungsaustausch mit unseren befreundeten Biologie-Verbänden des nahen Auslands, welche bereits seit längerer Zeit an den internationalen Bewerben teilnehmen.

Nach Klärung der Regulative und Formalvoraussetzungen war klar, dass eine österreichische Teilnahme ohne eine offizielle Fürsprache und finanzielle Förderung seitens des Bildungsministeriums nicht möglich wäre. Das war der Startschuss für eine Reihe vielversprechender Mails, Treffen und Gespräche. Epizentrum war dabei die Bildungsdirektion Tirol (damals noch Landesschulrat für Tirol), von der aus mit viel Unterstützung das Vorhaben in die ministerielle Ebene getragen wurde.

Doch manches Mal zerschellen Idealvorstellungen einfach an der realitätsschaffenden Hierarchie verwaltender Strukturen. Zu teuer, kein Bedarf, kein Interesse – so in etwa kann die ministerielle Antwort auf unser Anliegen zusammengefasst werden. Dass im Rahmen der Begabtenförderung bereits etablierte Olympiaden aus anderen Gegenständen weiterhin unterstützt werden, stellt aus Sicht des Bildungsministeriums keinen Logikbruch dar. ‚Man will halt derzeit nichts Neues‘[2].

Damit bleibt Österreich auf der Teilnehmerlandkarte bis auf weiteres umzingelt von teilnehmenden Nachbarstaaten und als eines der wenigen Länder Europas in Hinsicht Biologie-Olympiade teilnahmslos. Ein kleines gallisches Dorf im negativen Sinne.


[2] Fairerweise sei hinzugefügt, dass sich das Bildungsministerium zu diesem Zeitpunkt im Zuge der Bildungsreform in einer tiefgreifenden Umstellung befand und an allen Ecken und Enden mit Unsicherheiten bzgl seiner Struktur und Zuständigkeiten konfrontiert sah.

Resilienz

Doch es gibt eine Eigenschaft, die von der Biologie auf die Idee eines Schulwettbewerbs übergesprungen sein könnte: Resilienz. Es lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren, ob die Bruchstücke des Vorhabens top-down, bottom-up oder in beiden Richtungen kursierten[3], jedenfalls stand die Idee weiterhin im Raum und wurde schließlich von Franz Gapp und Markus Geiger, zwei Biologielehrern des BG/BRG Innsbruck aufgegriffen und im Rahmen der ARGE Biologie Tirol vorgestellt.

Bio Challenge
(c) Martin Bichler

So wurden vier weitere Mitstreiterschulen gefunden und der Entschluss gefasst, auf Landesniveau einen tirolweiten Schulwettbewerb in Biologie zu etablieren. Das Konzept sah vor, analog zum internationalen Vorbild, die Schüler/innen in Spezialkursen vertiefend in puncto Fachtheorie und Fachpraxis vorzubereiten und am Ende im Rahmen eines Abschlusswettbewerbes den oder die beste Nachwuchsbiologin Tirols zu küren. Die ‚Bio-Challenge‘ war geboren!

Im darauf folgenden Sommersemester (2019) fanden schließlich die ersten Vorbereitungskurse mit rund 30 Schüler/innen in zwei Gruppen an jeweils 4 Nachmittagsterminen statt. Das Angebot richtete sich an AHS Schüler/innen der 6. und 7. Klassen Oberstufe. Die fachtheoretischen und fachpraktischen Inhalte orientierten sich am Lehrplan und umfassten die Themen ‚Auge‘, ‚Herz-Kreislaufsystem‘, ‚Pflanzenanatomie‘ sowie ‚Nervensystem‘. Dabei konnten die Schüler/innen verschiedene Versuche, Sektions- und Präparations- und Mikroskopiertechniken erlernen.

Dass die Kursblöcke stets an einem Freitagnachmittag stattfanden und teils lange Anreisewege in Kauf genommen werden mussten, spricht für die außerordentlich hohe Motivation und den Ehrgeiz der teilnehmenden Schüler/innen.

Der Abschlusswettbewerb fand schließlich am 26. Juni 2019 statt, bei dem in einer der rund zweistündigen Prüfung die besten Nachwuchsbiologen und –biologinnen ermittelt wurden. Die Siegerehrung erfolgte schließlich durch hochrangige Vertreter der Bildungsdirektion Tirol und die Schulleitung der gastgebenden Schule. Unisono das Credo: Wir können stolz sein auf unsere Nachwuchsbiologen/innen, auf ihr Engagement und ihre Leistungen!

Ein großes Lob verdienen sich in dieser Hinsicht auch die Biologielehrer/innen der aller teilnehmenden Schulen, die in perfekter Teamarbeit die rasche und professionelle Korrektur der Arbeiten durchführen konnten.


[3] in diesem Falle wäre die Bio-Challenge quasi ‚paraphyletisch‘ entstanden ;-)

Evolution

Bio-Challenge
(c) BRG-APP

In Tirol verfolgen wir die Strategie, die Bio-Challenge nicht nur zu einem Spezifikum der allgemeinbildenden höheren Schulen zu machen, sondern auch andere Schultypen aus dem Berufsbildenden Bereich zu involvieren. Das reicht von der Herstellung der Siegerpokale bis zur Erstellung von Homepages und digitalen Druckwerken. Damit sollen auch jene in Kontakt mit Biologie kommen, die ansonsten aufgrund thematischer Ausrichtung der Schule traditionellerweise wenig Berührungspunkte mit Biologie haben.

Ja, die erste Tiroler Bio-Challenge war ein voller Erfolg. Doch dem Format steht noch ein langer Weg bevor, um vom Projekt zum Programm zu werden. Vielversprechend ist in erster Linie die positive Resonanz bei Schüler/innen, Lehrer/innen sowie der Schulleitung und –verwaltung. Wir freuen uns, dass unserer Einladung zum Abschlusswettbewerb auch Vertreter/innen der Biologie ARGEn der Bundesländer Vorarlberg und Salzburg gefolgt sind, die das Format auf der ‚Westachse‘ vermitteln können. Wir wissen um das Interesse weiterer Bundesländer und sogar einen ähnlichen Wettbewerb in Kärnten (Biologie im Team) und wir hoffen, aus diesem Ganzen eine runde Synthese schaffen zu können.

Möglicherweise formiert sich so ein österreichweiter Biologiewettbewerb ‚bottom-up‘ und wir sehen in Zukunft auf internationalen Biologie Olympiaden auch endlich Teams aus Österreich. Die talentierten Jugendlichen dafür hätten wir jedenfalls!

Bilder, Berichte und Kursunterlagen unter bio-challenge.at

Titelbild: mohamed Hassan |pixabay

Frauen in der Wissenschaft hatten es bis jetzt noch nicht leicht und an den Zahlen zeigt sich, es ist noch viel zu tun. Frauenförderungsprogramme soll(t)en da Abhilfe schaffen. Aber auch hier machen sich schon Veränderungen breit. Ein Blick zurück, in die Gegenwart und die Zukunft der Frauenförderung.

Die Geschichte der Frauenförderung an österreichischen Universitäten beginnt spät. Mehr als 500 Jahre nach der Gründung der Universität Wien durfte im Jahr 1897 die erste Frau, Gabriele Possaner von Ehrenthal, immatrikulieren. Seit dem sind die Zahlen von weiblichen Studierenden stark gestiegen. Von einem anfänglichen Verhältnis Frauen zu Männern von 1:183 lag das Verhältnis zur Jahrtausendwende 2000/1 bei ungefähr 1,5:1 (Gleichstellung in Wissenschaft und Forschung in Österreich, BMBWF 2018, pdf). Auch im Österreichvergleich lassen sich ähnliche Werte feststellen. Der Frauenanteil an Studierenden liegt bei knapp 53 Prozent [unidata.gv.at]. Woran liegt es dann, dass der Frauenanteil bei Professuren nur bei 23 % liegt?

Die Leaky Pipeline: Frauenanteile nehmen im Karriereverlauf ab

Die so genannte „Leaky Pipeline“ fängt in Österreich schon früh an. Vergleicht man 28 EU-Länder liegt Österreich mit einem Frauenanteil von 42 Prozent unter den AbsolventInnen eines Doktorats –bzw. PhD Studiums abgeschlagen auf Platz 27. Die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in Wissenschaft und Forschung sind somit geringer als in anderen EU-Ländern. In Österreich ist jede fünfte Wissenschafterin einer Hochschule teilzeitbeschäftigt. Das wirkt sich auch auf den so genannten „Gender Pay Gap“ aus. In Österreich liegt das Einkommen für Frauen in Wissenschaft und Forschung um durchschnittlich 19,5 Prozent unter dem Einkommen von männlichen Kollegen.

Die „Leaky Pipeline“ zeigt sich vor allem auch in der Führungsebene. Hier wird es Frauen weiter erschwert, sobald sie die Karriereleiter erklimmen. „Die Netzwerkstrukturen in Führungsebenen sind immer noch männerdominiert“, so Politikwissenschafterin Sonja Puntscher Riekmann in einem Interview mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Frauen haben es oft noch nicht geschafft, in diese wirklich einzudringen. Warum das nicht gelingt, ist schwer zu sagen“, wie die Archäologin Katharina Rebay-Salisbury meint. Eine Theorie aus der Evolutionsforschung versucht dies jedoch zu erklären: Frauennetzwerke waren immer schon sehr „familienbasiert“, während Männer oft eigene Banden gegründet haben. Dies findet man heutzutage immer noch vor. „Frauen sollten sich davon aber auf keinen Fall unterkriegen lassen“, so Sonja Puntscher Riekmann.

Österreich hat in den letzten zehn Jahren versucht, diese Zahlen in eine andere Richtung zu lenken. So konnte etwa ein Anstieg um 40 Prozent bei den Professuren von Frauen verzeichnet werden. Im EU-Vergleich hat Österreich die höchste Steigerungsrate aufzuweisen. Wie kam es dazu? Gleichstellungsziele wurden das erste Mal Anfang der 1990er Jahre vom Wissenschaftsministerium geschaffen. Zu der Zeit wurden Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen errichtet, um Diskriminierung bei Personalverfahren zu verhindern. Im Jahr 2002 wurde dann das „Universitätsgesetz 2002“ verabschiedet in dem ein Frauenförderungsplan und ein Gleichstellungsplan in die Satzung aufgenommen wurden. Dies verlagerte die Zuständigkeit der Gleichstellung von Frauen und Männern an die Universitäten.

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Leaky Pipeline

Unter der „Leaky Pipeline“ versteht man den absinkenden Frauenanteil auf steigenden Bildungsabschlüssen und Karrierestufen. Der Begriff wurde in den 1979er Jahren in den USA eingeführt und soll als Metapher dienen. Schüttet man Wasser (junge Frauen) in ein Rohr, welches undicht ist, wird am auf der anderen Seite des Rohres wenig Wasser hinausfließen (Frauen in hohen Führungspositionen). (Understanding STEM: Current Perceptions, pdf)

Das Gesetz orientiert sich an drei Zielen:

1. Integration von Frauen auf allen Hierarchieebenen von Wissenschaft und Forschung.

2. Abschaffung „struktureller Barrieren“ für Frauen, damit beiden Geschlechtern dieselben Karrierewege offenstehen.

3. Integration von Genderfragen in Forschungsinhalte. Zur Unterstützung dieser Zielsetzungen wurden vom Ministerium Förderungsprogramme extra für Frauen ins Leben gerufen.

Frauenförderungsprogramme zur Umsetzung der Gleichstellungsziele

Zur Umsetzung dieser Gleichstellungsziele wurden von ministerieller Seite einige Frauenförderungsprogramme ins Leben gerufen

Zwei wichtige Frauenförderungsprogramme kommen vom Wissenschaftsfonds FWF:

  • Das Hertha-Firnberg-Programm richtet sich an Frauen am Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere. Dabei sollen die Karrierechancen an österreichischen Forschungsseinrichtungen erhöht werden. Außerdem soll das Programm dazu dienen, Frauen nach einer Karenzphase den Wiedereinstieg in die wissenschaftliche Laufbahn zu erleichtern.
  • Das Senior Postdoc-Programm Elise Richter soll Frauen nach Projektabschluss ermöglichen, eine inländische oder ausländische Professur anzutreten.
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Hertha Firnberg

Die 1909 in Niederösterreich geborene Hertha Firnberg war eine sozialdemokratische Politikerin und Soziologin. Sie war die erste Wissenschaftsministerin der Zweiten Republik und hat die Wissenschaftspolitik als eigenes Politfeld etabliert. In ihrer Amtszeit ist sie auch für Frauenrechte und Verbesserung der Bildungschancen von Mädchen und Frauen in der Wissenschaft eingetreten.

Mehr zu Hertha Firnberg auf Webseite der Universität Wien

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Elise Richter

Elise Richter, geboren 1865 in Wien, war die erste habilitierte Frau an der Universität Wien 1905 und erst die vierte promovierte Frau 1901. Ab 1928 leitete sie das „phonetische Institut“ an der Universität Wien und gründete 1922 den „Verband für akademische Frauen in Österreich“. Im Nationalsozialismus wurde sie aus rassistischen Gründen verfolgt und 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 verstarb. ()

Mehr zu Elise Richter auf der Webseite der Universität Wien

Das Bundesministerium BMK (für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) verfolgt mit dem Programm FEMtech das Ziel, dass Frauen gleiche Rahmenbedingungen und Erfolgschancen vorfinden wie Männer. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und gemischte Teams zu fördern, werden Forschungsinstitutionen mit dem Ziel eines höheren Frauenanteils unterstützt. Das Programm zielt auf die industrielle und außeruniversitäre Forschung ab. Auch junge Frauen werden von FEMtech bei der Praktikumsfindung untersucht.

Frauen sind in der Forschung immer noch unterrepräsentiert

Trotz all dieser Programme ist von Gleichstellung noch keine Rede. Einige vom FWF veröffentlichte Grafiken von 2018 zeigen deutlich die Unterrepräsentation von Frauen in der österreichischen Forschungslandschaft. Nur knapp über ein Drittel der Projektförderungen (35,5 Prozent) gehen an Frauen.

Obwohl die Frauenquoten bei Projekten in den Fachgebieten Biologie, Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften über 40 Prozent liegen, drückt das Fachgebiet Naturwissenschaften und Technik den Durchschnitt. In diesem Bereich liegt die Quote an bewilligten Projekten bei gerade einmal 20 Prozent. Auch die internationalen GutachterInnen sind zum Großteil männlich. Gerade einmal 24,1 Prozent der Gutachten werden von Frauen verfasst. Das ist auch nicht verwunderlich. Global betrachtet, ist weniger als ein Drittel der WissenschafterInnen weiblich (Unesco Institute for Statistics, pdf).

Abb. 1 Gestellte und bewilligte Projekte (FWF Chancengleichheit 2018).

Abb. 2 Angefragte und erhaltene Gutachten (FWF Chancengleichheit 2018).

In den nächsten Jahren soll es beim FWF zu einer Veränderung kommen. Wie im Mehrjahresprogramm 2019-2021 bekannt dargelegt wird, sollen die oben genannten Frauenförderprogramme komplett gestrichen werden. Das Hertha-Firnberg-Programm und das Lise-Meitner-Programm werden zu einem Early-Stage-Programm zusammengeführt und das Elise-Richter-Programm wird mit dem Start-Programm zu einem Advanced-Stage-Programm zusammengelegt. Bei beiden Programmen sollen sowohl männliche, als auch weibliche Forschende einreichen dürfen. Das Early-Stage-Programm richtet sich demnach an WissenschafterInnen am Beginn ihrer Karriere, um in der Forschung Fuß zu fassen. Das Advanced-Stage-Programm soll bei der Weiterentwicklung und Durchführung innovativer Projekte helfen. Warum aber ein bestehendes Modell verändern?

Abb. 3 Politische Meilensteine der Frauenförderung in Österreich.

Die Karriereprogramme werden „regelmäßig einer Zielüberprüfung unterzogen und – wo notwendig – weiterentwickelt“, so der FWF. „Die Universitäten verändern sich, so müssen es die Karriereproramme auch“. Besonders hervorgehoben wird allerdings, dass sich die Programme besonders auch an Frauen richten. Die Hälfte der Mittel soll an Frauen gehen und die Bewilligungsquote darf die der Männer nicht unterschreiten. Dabei soll auch an Frauen mehr Geld gehen, da diese Programme mit 40 Millionen Euro budgetiert werden sollen. Das Elise-Richter-Programm und Lise-Meitner-Programm waren zusammen auf 13 Millionen Euro budgetiert.

Es wird also wieder weniger auf Frauenförderprogramme gesetzt, sondern die Entwicklung soll wieder in Richtung Quotenregelungen gehen. Es besteht jetzt natürlich auch Grund zur Sorge, dass gute Projekte von Männern abgelehnt werden, weil zu wenige Frauen eingereicht haben und so wieder ein Ungleichgewicht entstehen wird. Der FWF teilt diese Bedenken jedoch nicht. „Die Anzahl der Doktorandinnen und Absolventinnen könne man nicht dahingehend deuten“, so Barbara Zimmermann vom FWF.

Dass die altbewährten Frauenförderprogramme auf der anderen Seite auch belächelt werden, hat Sonja Puntscher Riekmann auch schon am eigenen Leib erfahren. Sätze wie „Sie haben den Grant ja nur bekommen, weil Sie eine Frau sind“, gab es schon öfter. Trotzdem haben die Frauenexzellenzprogramme einen hervorragenden Ruf. Dies ist dem FWF bewusst. „Etablierte Frauenförderungsmaßnahmen“ sollen weitergeführt werden. Wie das aussehen wird, ist noch nicht ganz ersichtlich. Es wird sich also in den nächsten Jahren zeigen, wie das Projekt „Frauenquoten“ funktionieren wird. Der Staat sollte sich aber die Chance nicht entgehen lassen, gut ausgebildete Frauen zu fördern und diese 50 Prozent deshalb nicht einfach vergessen.

Auf den Kiesbänken des Tiroler Lechs werden bereits seit zwei Jahren die Heuschrecken-Populationen an drei unterschiedlichen Standorten systematisch erfasst und dokumentiert. Neben gut getarnten Exemplaren finden sich darunter auch pinkfarbige Besonderheiten.

Wer effizientes Monitoring in der Natur betreiben möchte, muss Geduld haben und vor allem scharfe Augen besitzen. Es dient dazu, herauszufinden, welche Arten überhaupt in einem Gebiet vertreten sind und welchem Geschlecht und welchen morphologischen Typen die gefundenen Individuen entsprechen. Im Lechtal findet seit zwei Jahren ein regelmäßiges Heuschrecken-Monitoring statt. Dabei wurde festgestellt, dass speziell drei Heuschreckenarten die Kiesbänke des Lechs zu ihrem Lebensraum erkoren haben: die Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata), der Kiesbank-Grashüpfer (Chorthippus pullus) und die Türks Dornschrecke (Tetrix tuerki).

Gefleckte Schnarrschrecken (Bryodemella tuberculata) (c) Johanna Propstmeier

Ausgerüstet mit Becherlupe, GPS-Gerät und viel Ausdauer geht es los auf die Suche nach diesen an den Wildfluss angepassten und gefährdeten Heuschreckenarten. Ganz so einfach wie es sich anhört ist es dann aber doch nicht – die Heuschrecken heben sich durch ihre Färbung kaum vom Untergrund ab. Ein gutes Hilfsmittel bei der Suche nach Heuschrecken ist ein Stock, den man vor sich hin und her führt. Dabei fliegen die Insekten auf und geben ihr Versteck preis. Eine Art, die man mit dieser Methode leichter auffinden kann, ist zum Beispiel die Gefleckte Schnarrschrecke. Sie weist eine graubraune Färbung auf und ist somit meist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Wenn man ihr aber zu nahekommt (bzw. der Stock), zeigt diese Heuschreckenart, was sie besonders gut kann: Mit einem lauten und schnarrenden Geräusch fliegt sie auf und entfaltet im Flug ihre purpurroten Hinterflügel. Dieses schnarrende Geräusch dient dazu, Fressfeinde oder auch Forscher*innen, die ihr auf den Leib rücken, abzuwehren. Letzteren entkommt sie aber nicht so leicht: Die Insekten werden einfach mit der Becherlupe eingefangen und bestimmt. Anschließend werden sie wieder in die Freiheit entlassen.

Pretty in pink

Allerdings sind nicht alle Heuschrecken gut getarnt. Es kann sogar vorkommen, dass man bereits von weitem rot-pinke Tiere auf der Kiesbank erblickt. Beim letzten Monitoring traute eine Kollegin ihren Augen nicht: Eine Heuschrecke ganz in pink – wie ihre Schuhe! Ein besonderer Anblick, aber doch nicht so selten. Diese Art von Färbung nennt man im Tierreich „Erythrismus“, manchmal auch bekannt als Rufinismus oder Rubilismus. Die Ursache ist ein Gendefekt, der bei vielen Tieren auftreten kann und bei Heuschrecken verhältnismäßig häufig zu sehen ist. Dabei färben sich unter anderem durch das Wegfallen der dunkeln Pigmente Haut, Haare oder auch Federn der betroffenen Tiere rötlich. Durch diese prägnante Färbung fehlt diesen Tieren, in dem Fall den Heuschrecken, natürlich ihre gute Tarnung, wodurch sie Fressfeinden quasi auf dem „Silbertablett“ serviert werden. Das erklärt auch, warum sie vom Menschen nicht sehr oft entdeckt werden.

Grashüpfer (Chorthippus sp.) mit Gendefekt, “Erythrismus” (c) Yvonne Markl

Die Begegnung mit der pinken Heuschrecke führt einem die Vielfalt der Natur vor Augen. Nicht nur in den Tropen gibt es farbenprächtige Tiere – auch hier im Lechtal kann man mit etwas Glück bunte Tiere entdecken. Wir hoffen, dass die pinke Heuschrecke dennoch lang ihren Fressfeinden trotzt.

Fotos: Yvonne Markl und Johanna Propstmeier

Weitere Infos:

Naturpark Tiroler Lech: https://www.naturpark-tiroler-lech.at/

World Rivers Day

Titelbild: Inn; Foto: Anna Schöpfer

Flüsse erlebt man im Wasserschloss Tirol oft als spaltendes Element, gerade im Bereich Wasserkraft. Unter dem Motto „Zusammenfluss“ möchte die ABA-Regionalgruppe Westösterreich (WÖB) zusammen mit ihren Partnern zeigen, dass Tirols Flüsse als verbindendes Element viel mehr Einfluss auf Mensch und Umwelt haben als man glauben möchte. Am Weltflusstag, den 27. September erwartet Interessierte daher ein vielfältiges Programm – vom Flusssurfen bis Flusskino.

Wie vieles mit größerer Dimension beginnt auch diese Geschichte ursprünglich in kleiner Runde bei Bier und Pub-Atmosphäre – nicht 2020, sondern schon 2019, allerdings lange vor Corona. Diverse Kraftwerksdiskussionen erforderten eine Fluss-Initiative anderer Art – etwas, das einen positiven Gegenpol bildete zu all den Rechtsstreitereien und den Fluss als Ökosystem wieder mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit hievte. 5000 einzigartige Fließgewässer in Tirol geben schließlich allen Grund zum Feiern. So entstand 2019 erstmals das Tiroler Flusskino am World Rivers Day, in Kooperation mit dem Nature Film Festival – ein Event kurzfristig geplant und auf den letzten Drücker organisiert, aber voller Herzblut aller Beteiligten. Und siehe da, der Abend draußen beim Strandcafé in Kranebitten wurde zum vollen Erfolg.

Mittlerweile gibt es das Strandcafé in Kranebitten leider nicht mehr, doch das Flusskino besteht noch immer, ist partiell umgezogen und in seiner Dimension gewachsen. Motiviert vom positiven Feedback im Vorjahr, hat sich die World Rivers Day-Crew der WÖB – bestehend aus Anna Schöpfer, Julia Ecker und Lena Nicklas – weitere Partner ins Boot geholt, um am 27. September 2020 ein tagesfüllendes, spannendes Programm für Jung und Alt bieten zu können. Das Motto lautet #zusamenfluss – passend zu den diversen Partnern, Programmpunkten, zwei Flüssen an den gewählten Standorten und einem hoffentlich breit gefächerten Publikum 😉

Surfen an der Kranebitter Au

Der frühe Nachmittag (13.30 Uhr) startet mit Up Stream Surfing – der nachhaltigen Surflösung für jede City mit Fluss und entsprechender Brücke. Am Airport-Reef, wie es im Surfer-Jargon mittlerweile heißt, nahe der Kranebitter Au bei Innsbruck können sich Interessierte zum Aktionspreis ins Neopren und schließlich mit ihrem Board in die kühlen, aber coolen Innfluten werfen. Unter dem wachsamen Auge der Surfinstructors gilt es hier gegen den Strom zu surfen oder es wenigstens so gut wie möglich zu versuchen ; ). Die Surf Session gibt es zu Ehren des World River Days zum günstigeren Preis, die Ausrüstung ist inkludiert und erhält man vor Ort, aber eine Anmeldung sollte frühzeitig erfolgen.

Wasseraction, Literatur pur und Flusskino am Sillzwickel Innsbruck

Die Session am Sillzwickel an der Sillbrücke Ost startet gegen 16 Uhr. Hier erwartet die jüngeren BesucherInnen ein Flusserlebnis der besonderen Art mit Natopia und die älteren interessante Infos am Stand des Projektes INNsieme des WWF. Dabei handelt es sich um ein interregionales Projekt zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland – jene drei Länder, durch die der Inn fließt. Das Projekt soll die Länder näher zusammenbringen und versucht, die unterschiedlichen Interessen – nämlich Naherholung für die Menschen und Naturschutz – zu vereinen, um den Inn und seine Ufer längerfristig zu erhalten ().

Um 18 Uhr wird`s dann literarisch bei der Gemeinschaftslesung zum Thema „Alles im Fluss“, powered by IG Autorinnen Autoren Tirol. Unmittelbar am Kreuzungspunkt zwischen Sill und Inn stehen hier Fluss und Fließen im Mittelpunkt: Wie prägen Flüsse die Landschaft und die Menschen? Was fließt wohin? Was schlummert unter der Wasseroberfläche? Ausgewählte Texte wagen Antwortmöglichkeiten, natürlich nahe und weit gefasste.

Den Abend bespielt das WOEB-Team wieder gemeinsam mit dem Innsbruck Natur Film Festival: Ab 19.30 Uhr ist demgemäß Zeit für bequeme Liegestühle und großes (Fluss)kino, heuer nachhaltig „elektrisiert“ durch Cubic und ihrem Radlkino-Equipment (ja – wer will, kann mitradeln!). Hier stapft dann einer der letzten „Creekwalker“ Kanadas über die Leinwand: Stan Hutchings folgt seit 40 Jahren hauptberuflich den Lachsen durch die kanadischen Flussläufe – beobachtet sie, zählt sie. Eine Sisyphusarbeit? Vermutlich. Wichtig? Mehr als je zuvor, jetzt in Zeiten des Klimawandels und der Überfischung. Darüber hinaus aber ist es auch die sehr persönliche und berührende Geschichte eines Mannes, der mit seinem Hund auf einem kleinen Hausboot wohnt und die Verbindung zur Natur nie verloren hat. Zum Ausklang des Abends gibt es noch ein kurzes Q&A zum Thema.

Am Sillzwickel ist der Eintritt zu allen Programmpunkten frei und bedarf keiner Anmeldung. Auch für Speis und Trank ist durch den feld Verein gesorgt.

Die ABA nahm im Februar 2020 am Council Meeting der European Countries Biologist Association teil und ebnete so gemeinsam mit Delegierten anderer Staaten den Weg für eine zukünftige europäische Zusammenarbeit, um das breite Feld der Biologie international zu stärken.

Vom 7. bis 9. Februar 2020 fand in Utrecht das Council Meeting der European Countries Biologist Association (ECBA) statt, bei der wir als ABA mit drei Mitgliedern (Gerhard Aigner, Berry Maletzky, Dominique Waddoup) vor Ort waren, um die Interessen österreichischer Biolog*innen zu vertreten. Gemeinsam mit den Gesandten biologischer Vereine aus Deutschland, Griechenland, Niederlande, Italien, Norwegen, Portugal und Zypern (türkisch) sprachen wir über die Zukunft der Biologie in Europa und wie wir es gemeinsam schaffen können, den Stellenwert dieses Fachgebietes sowohl in der Gesellschaft als auch bei politischen Entscheidungsträger*innen zu stärken. Das erklärte Ziel der ECBA ist es, die Interessen der Biologie als Wissenschaft, der Biologie in der Bildung, der Anwendung von biologischem Wissen im weitesten Sinn und die Interessen ihrer Mitglieder zu repräsentieren.

ECBA-Council Meeting
Council Meeting der European Countries Biologist Association (ECBA) in Utrecht (7.-9.2.2020). Foto: ECBA

Die Tätigkeiten der ECBA waren in der jüngeren Vergangenheit relativ überschaubar und es fanden kaum gemeinsame Projekte zwischen den Mitgliedsländern statt. Außerdem wurde die Möglichkeit der internationalen Kommunikation nur von wenigen Mitgliedstaaten genutzt. Entsprechend war es das Ziel des Meetings einen Neustart der europäischen Idee zu forcieren und Statutenänderungen vorzunehmen. Wir setzten uns dafür ein, dass für zukünftige Entscheidungen jedes Mitgliedsland der ECBA eine Stimme hat, sodass jedes Land gemäß dem europäischen Geist gleichberechtigt ist.

Einige Vereine dieser Gesellschaft haben hohe Mitgliedszahlen wie beispielsweise der Ordine Nazionale dei Biologi (Italien) und Ordem dos Biólogos (Portugal). Das liegt unter anderem daran, dass diese Organisationen in ihren Ländern als Berufskammern agieren, ähnlich wie die Ärztekammer in Österreich. Hierzu muss man entsprechend Mitglied des jeweiligen Vereines sein, um als Biologe tätig sein zu dürfen. Durch die hohen Mitgliedszahlen haben diese Organisationen ebenfalls eine entsprechende Gewichtung bei Behörden und der zugehörigen Politik in ihrem Land. Die ABA gehört zwar zu den kleineren nationalen Vereinen, jedoch sind wir gemeinsam mit den Niederländern eine der motiviertesten Gruppierungen, welche die internationale Zusammenarbeit fördern und die ECBA unterstützen möchten. So engagiert sich auch Dominique Waddoup als Schriftführerin für die Organisation.

ABA zur Stellung der Biologie in Österreich

Hinsichtlich der aktuellen Situation in Österreich gingen wir insbesondere auf die geringen Stellenangebote für Biologieabsolvent*innen im Allgemeinen ein. Zusätzlich machten wir auf die geringe Bezahlung im Vergleich zu Hochschulabsolvent*innen anderer Fachrichtungen in privaten Wirtschaftssektoren aufmerksam. Ebenso sprachen wir die Situation jüngerer Biolog*innen an den Universitäten an: Häufig werden nur Teilzeitanstellungen vergeben, der Workload verlangt es jedoch regelmäßig weit mehr Zeit in den Job zu investieren als dies der Arbeitsvertrag vorsehen würde. Außerdem sind uns die befristeten Verträge an den Universitäten allgemein ein Dorn im Auge. Im Bereich der Wissenschaft wird das Feld der Biologie häufig in den Life Sciences integriert. Life Science Förderungen werden jedoch bevorzugt an medizinisch und molekularbiologisch sowie biotechnologische Forschungsprojekte vergeben. Klassische und fundamentale Felder wie beispielsweise Zoologie oder Botanik bleiben häufig außen vor. Ebenso werden bei Life Science Kongressen Präsentationen primär an Vortragende aus ersteren Bereichen vergeben. Zusätzlich kommt es derzeit in Österreich teilweise zu Überregulierungen in biologischen Bereichen: So nützt einem ein Hochschulabschluss in biologischen Disziplinen wenig, sei es Bachelor, Master oder PhD, wenn man selbständig Naturführungen oder naturpädagogische Tätigkeiten anbieten möchte. Erwirbt man eine dieser Lizenzen gelten diese nur in Österreich. Möchte man diese Tätigkeiten in anderen EU-Ländern ausüben, muss man zusätzliche Aufbaukurse absolvieren. Hierzu muss man nicht nur viel Zeit in die zusätzlichen Ausbildungen investieren, sondern auch tief ins eigene Geldbörserl greifen. Dies wäre eine Möglichkeit, in der sich die ECBA für eine europaweit einheitliche Lösung stark machen könnte.

 Ebenso hört man in Österreich von einigen Kliniken wo beispielsweise Masterabsolvent*innen der Mikrobiologie oder Molekularbiologie nicht in medizinischen Diagnostiklaboren angestellt werden dürfen. Das Ausstreichen von Agarplatten und die Kultivierung von Bakterien aus Patient*innenproben ist lediglich zertifizierten Biomedizinischen Analytiker*innen vorbehalten, wofür man wiederum separat ein FH Bachelor Studium absolvieren muss. Wenn die zukünftigen Entwicklungen in Österreich weiter in diese Richtung gehen, werden immer weniger Stellen für akademische Biolog*innen verfügbar sein.

Doch gibt es aus österreichischer Sicht der Dinge auch Positives zu Berichten. Die ABA ist sehr gut mit anderen nationalen biologieinteressierten Vereinen vernetzt und arbeitet an gemeinsamen Projekten. Zusätzlich steigt das Interesse für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in der Öffentlichkeit; Greta Thunberg sei Dank! Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass unsere Politiker*innen demnächst nachziehen werden. Ich hoffe zumindest, dass mittlerweile auch unseren Touristiker*innen klar sein dürfte, dass die steigenden Nächtigungszahlen die Österreich in den Sommermonaten in den letzten Jahren verzeichnen durfte daher rühren, dass Urlauber zu uns kommen, um sportliche Aktivitäten auszuüben und parallel dazu unsere Natur genießen. Längst ist es nicht nur mehr der Wintersport oder unsere kulturellen Highlights die Touristen in unser schönes Österreich locken.

Wie geht es nun weiter?

Abschließend muss erwähnt werden, dass die ECBA nur das werden kann, was deren Mitglieder der verschiedenen Länder daraus machen und wie wir als ABA uns dort aktiv einbringen. Die ECBA gibt uns die Möglichkeiten einen starken, international agierenden Partner zur Seite zu haben, auch wenn wir nationale Projekte umsetzen wollen oder unserer Stimme bei Regierungsentscheidungen und Ähnlichem zukünftig einbringen möchten. Wir können die ECBA als Plattform nutzen, um bilateral mit Vereinen von Mitgliedsstaaten zu kommunizieren, gemeinsame Kampagnen zu starten oder Praktikumsaustauschprogramme für Biolog*innen zu organisieren (An letzterem zeigten sich beispielsweise die Norweger und Griechen sehr interessiert.) Deshalb sollten wir als ABA diese Chance nutzen, damit wir von diesem europäischen Dachverband profitieren können.

Zum diesjährigen „fish migration day“ haben Lena Fehlinger und die ABA zusammen ein Online-Event organisiert. ZOOM sei Dank mussten wir trotz der Einschränkungen durch die Covid19-Bestimmungen nicht auf eine spannende Vortragsreihe verzichten. Der offizielle „fish migration day“ wurde übrigens in den Oktober verlegt – im Herbst dürfen dann hoffentlich die tollen Workshops und Aktionen wieder stattfinden. Für alle, die nicht teilnehmen konnten oder die Vorträge noch einmal Revue passieren lassen möchten, haben wir noch einmal kurz zusammen gefasst, womit wir uns am 16. Mai beschäftigten.

Der World Fish Migration Day (WFMD) ist ein jährlicher Aktionstag, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Wanderfischen und frei-fließenden Flüssen zu stärken.

Fischwanderhilfen-Monitoring beim Kraftwerk Greifenstein

Mag. Dr. Michael Schabuss hat die Vortragsreihe eröffnet und über seine Arbeit und das fischökologische Monitoring der Fischwanderhilfe beim Kraftwerk Greifenstein berichtet.

Im Rahmen des LIFE+ 10 NAT/AT/016 „Network Danube“ Projekts, welches von 2011 bis Ende 2019 lief, sollte die Durchgängigkeit für die Donau-Fische wiederhergestellt,  mehrere Natura2000 Gebiete vernetzt  und Schlüsselhabitate wiederhergestellt und geschaffen werden, vor allem Jung- und Laichfischlebensräume.

Beim KW Greifenstein wurde ein naturnaher Umgehungsbach von circa vier Kilometern Länge konstruiert. Mittels Fischreusen, PIT-Antennen, Elektrobefischungen und Fang-Wiederfang-Methodik wurden im ersten und zweiten Jahr nach der Fertigstellung Fische markiert und kartiert.


Die Fischaufstiegshilfe beim KW Greifenstein
copyright: PROFISCH, Michael Schabuss

In den Jahren 2018 und 2019 wurden an die 17.000 Fische aus 50 Arten in der Reuse, der Donau und der Fischwanderhilfe beim KW Greifenstein gefangen. Davon waren 42 Arten heimische Fische und acht nicht-heimische Arten. Es wurden ebenso 13 geschützte Arten nach der FFH (Annex II & V) nachgewiesen. Insgesamt waren es an die 11.600 Fische, die in der Auf- und Abstiegsreuse der Fischwanderhilfe dokumentiert wurden.

Mittels Elektrobefischung wurden 29 Arten im Umgehungsgerinne gefangen, in der Donau waren es 27 Arten – auch seltene Arten wie der Sichling (Pelecus cultratus) und der Perlfisch (Rutilus meidingeri) wurden nachgewiesen. Die häufigsten Arten in den Reusen waren Rotauge (Rutilus rutilus), Laube (Alburnus alburnus), Aitel/Döbel (Squalius cephalus) und Flussbarsch (Perca fluviatilis).

Mittels PIT-Tag wurden insgesamt 10.000 Fische aus 46 Arten markiert. 56 Prozent der markierten Fische wurden an einer der Antennen und 40 Prozent am Ausstieg registriert. Der Großteil der Fische nutzte das System über einen längeren Zeitraum, die maximale Verweildauer eines Fisches lag gar bei 16 Monaten, was für eine gute Akzeptanz der Maßnahme durch die Fische spricht! Rund 30 Prozent der Fische, die in der Donau unterhalb des KW Greifenstein markiert wurden,  konnten in der Fischwanderhilfe Greifenstein mittels PIT-Tag-Antennen registriert werden. Hierbei zeigte sich außerdem, dass auch kleine Arten wie die Laube über sehr weite Strecken wandern, schließlich sind es von Greifenstein nach Ottensheim an die 200 Flusskilometer.

Eine weitere Vermutung ist, dass Fische auch die Schiffsschleusen nutzen, wie es sie zum Beispiel beim KW Ybbs-Persenbeug, das noch keine Fischwanderhilfe hat, gibt.

Grundsätzlich zeigten die Ergebnisse, dass die Fische die Wanderhilfe gut annehmen und nutzen, sowohl große Adulte als auch sehr kleine und/oder juvenile Fische.

Die Kombination von herkömmlichen Methoden (Elektrobefischungen in der Donau und im Umgehungsgerinne, sowie Reusenuntersuchungen) mit PIT-Tag-Untersuchungen liefert wichtige Daten über die Fischzönose und das Wanderverhalten der Donaufischfauna und ermöglicht somit eine Funktionsüberprüfung von Fischwanderhilfen an großen Fließgewässern.

Rechtliche Hürden der Fischmigrationen

Darauf folgend widmete sich Mag. Christoph Cudlik den „rechtlichen Hürden“ der Fischmigrationen.

In Österreich bestanden 2015 an die 30.000 Wanderhindernisse, wovon an die 70 Prozent Hochwasserschutzmaßnahmen und an die 11 Prozent der Wasserkraftnutzung zuzurechnen sind, die restlichen Hindernisse kommen durch u.a. den Tourismus, Fischzuchten und Bewässerungsanlagen zustande. Nach der Wasserrahmenrichtlinie (RL 2000/60/EG; kurz: WRRL) besteht die Hauptaufgabe darin, die bestehenden Hindernisse passierbar zu machen und neue Hindernisse direkt mit Hinblick auf Durchwanderbarkeit zu planen. Dabei ist zu beachten, dass hinter jedem Wanderhindernis auch ein Wasserrecht steht, das durch die im Verfassungsrecht verankerte „Eigentumsgarantie“ geschützt ist und eine besondere Rechtfertigung für jeden Eingriff erforderlich macht.

Überdies dienen Wanderhindernisse regelmäßig auch öffentlichen Interessen,  wie beispielsweise Hochwasserschutz, Energieerzeugung, Nahrungsmittelsicherheit und Trinkwasserversorgung.

Diesen öffentlichen Interessen stehen die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie WRRL,  das Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot gegenüber. Nach dem Verschlechterungsverbot ist eine Verschlechterung des ökologischen Zustandes von Wasserkörpern zu verhindern, nach dem Verbesserungsgebot sind Wasserkörper überdies zu sanieren und zu verbessern, um einen guten Zustand und ein gutes ökologisches Potential zu erreichen.

Um den Gewässerzustand und damit die Einhaltung der Umweltziele zu beurteilen,  enthält die WRRL unterschiedliche Qualitätskomponenten, wie die biologische Qualitätskomponente Fische. Zur Erreichung des Zielzustands müssen lediglich geringfügige Abweichungen von der typspezifischen Gemeinschaft hinsichtlich Zusammensetzung und Abundanz sowie das Fehlen einzelner Altersstufen in der Population toleriert werden. Wanderhindernisse sind insbesondere dann passierbar zu gestalten, wenn selbst dieser (herabgesetzte) Zielzustand der Qualitätskomponente Fische nicht erreicht werden kann.


So oder so ähnlich könnte es unter Fischen ablaufen bei der Wanderung.
copyright: Lena Fehlinger

Die WRRL sieht vor, dass die Mitgliedstaaten Pläne darüber aufstellen, wie sie die Umweltziele der Richtlinie erreichen wollen: Im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP)  Österreichs werden in sechsjährigen Planungszyklen prioritäre Sanierungsräume und Maßnahmen zur Zielerreichung festgelegt. Die Maßnahmen des NGP sind jedoch nicht unmittelbar verbindlich. Es kommen drei Möglichkeiten in Betracht, um die Sanierungsziele zu erreichen: Eine freiwillige Sanierung, eine Sanierungsprogrammverordnung (der Landeshauptleute) oder einen §21a Bescheid der zuständigen Wasserrechtsbehörde.

Wenn eine Zielerreichung per Verordnung durchgesetzt werden soll, legt der/die LH Sanierungsziele und -maßnahmen fest, die Wasserberechtigten haben dann innerhalb von zwei Jahren ein Sanierungsprojekt vorzulegen. Dabei ist auch eine Leermeldung möglich, wenn laut Wasserberechtigtem das Ziel bereits erreicht oder der Eingriff unverhältnismäßig wäre. Sowohl ein Sanierungsprojekt als auch eine Leermeldung werden in weiterer Folge von der zuständigen Wasserrechtsbehörde geprüft, bei Vorliegen aller Voraussetzungen (hinsichtlich der Zielerreichung) bewilligt und in weiterer Folge umgesetzt.

Ein Weiterbestand eines Wanderhindernisses ist insbesondere dann denkbar, wenn der Zielzustand erreicht oder die Maßnahmen zur Zielerreichung unverhältnismäßig wären. Der Zielzustand kann insbesondere dann erreicht sein, wenn  entweder ein „erheblich veränderter Wasserkörper“ vorliegt, weil in diesen Wasserkörpern bestehende Nutzungen bei der Festlegung des Umweltziels zu berücksichtigen sind, oder der Zielzustand nur kleinräumig überschritten wird. Ein Eingriff wird als unverhältnismäßig erachtet, wenn der Aufwand nicht in Relation zum Nutzen steht, wenn die Maßnahme nicht das gelindeste zum Ziel führende Mittel ist beziehungsweise wenn die Verhältnismäßigkeitsprüfung nicht gesetzeskonform erfolgte.

Ein §21a Bescheid kommt zustanden, wenn sich nach der Bestandsaufnahme ergibt, dass öffentliche Interessen nicht hinreichend geschützt sind. In diesem Fall werden individuelle Anpassungsziele festgelegt und Auflagen vorgeschrieben. Es wäre sogar denkbar, dass die Wasserbenutzung vorübergehend oder auf Dauer eingeschränkt oder untersagt wird.

Zusammenfassend ist ein Weiterbestand von Wanderhindernissen aus rechtlicher Sicht nur unter sehr strengen Voraussetzungen beziehungsweise in Ausnahmefällen denkbar.  Nach der WRRL sollen bis 2027 in allen Wasserkörpern die Umweltziele erreicht werden. Aus rechtlicher Sicht sind die gesetzlichen Mittel dazu jedenfalls vorhanden. Allerdings könnte die Zielerreichung in vielen Wasserkörpern vor allem an den wirtschaftlichen Voraussetzungen scheitern.

Von der Vjosa zur Donau

Dr. Paul Meulenbroek vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG) der Universität für Bodenkultur (BOKU)  hielt einen Vortrag über die Vjosa in Albanien und zeigte anhand eindrucksvoller Aufnahmen, wie dieser oft als „letzter wilder Fluss Europas“ betitelter Fluss sich von den hierzulande bekannten, teils begradigten und veränderten Flussläufen unterscheidet.


Die Vjosa – so kann ein wilder Fluss aussehen.
https://www.euronatur.org/unsere-themen/kampagnen-und-initiativen/rettet-das-blaue-herz-europas/aktuell/detail/news/berner-konvention-fordert-albanien-zum-schutz-der-vjosa-auf/
copyright: Gregor Subic

Anadrome Fische kommen zum Ablaichen ins Süßwasser (z.B.: Stör), katadrome Fische wandern zum Laichen ins Meer (z.B.: Aal) und potamodrome Fische wandern im Süßwasser von Standort zu Standort (z.B.: Barbe oder Nase). Für all diese Fischarten ist es notwendig, durchgängig passierbare Flussläufe zu haben oder wieder zu schaffen, um ihrem natürlichen Lebenszyklus zu entsprechen. An der Vjosa mit ihren teils abgeschnittenen, ruhigen Seitenkanälen, dem Hauptkanal und ausgedehnten Schotterbänken finden nicht nur unterschiedlichste Fischarten den für sie perfekten Lebensraum, auch profitieren die Lebensräume um den Fluss – Uferzonen, Wälder, Grasland – von den regelmäßigen Überschwemmungen und Sedimentumlagerungen.

Im Zuge der geplanten Bauprojekte an der Vjosa wurde das „Scientists for Vjosa“-Komitee gegründet, welches sich zum Ziel setzt, international Aufmerksamkeit auf die Lage der Vjosa und deren unsichere Zukunft zu lenken.

  • Im Hauptkanal (Eupotamon A) finden sich beispielsweise Arten wie Dünnlippige Meeräsche (Liza ramada), Europäischer Aal (Anguilla anguilla), Briana (Barbus prespensis) oder Chondrostoma vardarense.
  • In den seichteren Verbindungsstücken des Hauptkanals, in welchen sich auch regelmäßig Totholz-Ansammlungen bilden – wenn auch nicht so viele wie es sein sollten) findet man u.a.die Pindus-Schmerle (Oxynoemacheilus pindus), Skadar-Gründling (Gobio skadarensi)s und Briana (Barbus prespensis).
  • In den zum Hauptkanal verbundenen Seitenarmen (Parapotamon) tummeln sich u.a. Alburnus scoronza und der Schneider (Alburnoides bipunctatus).
  • In abgeschnittenen Seitenarmen (Plesiopotamon) welche nur bei Überflutungsereignissen mit dem Hauptkanal in Verbindung treten, kann man den Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva) und Cobitis ohridana finden.
  • Ausgeprägte Makrophytenbestände (Paläopotamon) in Altwassergebieten bieten ein weiteres wichtiges Habitat.
  • In Teichen in Flussnähe finden sich zudem Arten wie Pelasqus thesproticus, Pachychilon pictum und Cobitis ohridana.

Die „connectivity“ (Verbundenheit) dieser unterschiedlichen verfügbaren Habitate führt dazu, dass saisonalen und alltäglichen Ansprüchen von Arten in unterschiedlichsten Lebenszyklusstadien und artspezifischen Ansprüchen gleichermaßen Genüge getan wird.

Momentan sind am Balkan, besonders auch um und an der Vjosa, unzählige Bauprojekte in Planung, teilweise auch schon in Konstruktion oder fertiggestellt.

Wenn die Pläne an der Vjosa umgesetzt werden, wird sich die Vjosa in eine Kette von Stauseen verwandeln, der Rückstau der einzelnen Hindernisse wird sich also bis zum jeweils dahinterliegenden Hindernis ziehen. Man kann sich ausmalen, was das für die vielen verschiedenen Arten bedeuten würde, wenn sich statt des vielfältigen Flusslaufes ein riesiger Stausee  bilden würde.

Im Zuge der Recherche und Forschung an der Vjosa hat sich nun ergeben, dass an die 625 Hektaran Lebensräumen, die durch Habitat-Richtlinie eigentlich geschützt wären, direkt durch den Stau verloren gehen würden. Zudem sindweitere 2578 Hektar flussabwärts von den Veränderungen indirekt betroffen. Man kann davon ausgehen, dass sie langfristig ebenso verloren gehen werden.

An der Vjosa wurden insgesamt mehr als 1200 Arten nachgewiesen, wovon viele in den Gefährdungskategorien der IUCN und albanischen Roten Liste geführt werden.

Verglichen mit anderen europäischen Flüssen, welche sich aufgrund der historischen Änderungen von einem wilden Fluss, welcher viel Raum beanspruchte, zu einem Kanal und einer Aneinanderreihung von Rückstau-Gebieten entwickelte, kann die Vjosa als eines der letzten Referenzsysteme für einen noch unverbauten Fluss herangezogen werden.

Grundlegende Funktionen von natürlichen Fließgewässern können hier noch untersucht  und Restaurierungsmöglichkeiten für andere degradierte Flüsse abgeleitet werden.

Immer der Nase nach …

Kristof Reuther studiert an der Universität für Bodenkultur „Applied Limnology“ (Angewandte Gewässerökologie) und dreht weiters großartige Filme. Auf seiner persönlichen Webseite kann man sich u.a. seinen 2020 gedrehten Film über die Nase ansehen: www.kristof-reuther.de.

Sein Vortrag drehte sich vornehmlich um die Notwendigkeit von Renaturierung und Revitalisierung am Beispiel von Wanderfischarten wie der Nase. Zunächst wurden die beiden Begriffe näher definiert: Renaturierung bezieht sich auf die Wiederherstellung naturnaher Lebensräume und Revitalisierung wertet bestehende Lebensräume in Teilaspekten auf. Physische Veränderungen von Flussbett, Flusslauf, Uferzone und sämtliche Hindernisse (Querbauwerke) sind die Hauptgründe für Revitalisierungs- und Renaturierungsmaßnahmen.

Global betrachtet nehmen die Artenzahlen der Süßwasserarten drastisch ab.

Wanderfische, insbesondere Kieslaicher (wie die Nase), die Ihre Eier auf oder im Substrat ablegen, stellen besonders hohe Ansprüche an die Durchgängigkeit und die Intaktheit der Habitate.

Nasen beispielsweise nutzen die Zubringer der Donau als Laich- und Jungfischhabitate. Früher kamen sie in großen Schwärmen vor, durch die Zerstörung und Zerschneidung der Lebensräume schrumpfen die Populationen jedoch und damit auch die anderen Fischarten.

Junge Nasen sind ein Indikator für einen guten Gewässerzustand. Die Fische laichen zwischen März und Mai bei 8-12 Grad Wassertemperatur an schnell fließenden Stellen, sogenannten Riffeln oder Furten. Bei funktionalem Substrat können wesentlich mehr Eier ins Substrat gelangen und die embryonale Entwicklung bis zur Emergenz vergleichsweise ungestört stattfinden, wohingegen bei verschlämmtem (kolmatiertem) Substrat die Eier nur in die oberste Schicht gelangen und viel leichter gestört werden und verdriften, und so vergleichsweise viel weniger zur Emergenz gelangen.

Das Laichgeschehen wird durch viele Faktoren beeinflusst, beispielsweise Wassertemperatur, Wassertiefe, die schon erwähnte Substratbeschaffenheit und Fließgeschwindigkeiten. Alle diese Faktoren können durch (hauptsächlich) anthropogene Störungen beeinträchtigt werden: die Wassertemperaturen verändern sich zunehmend durch den Klimawandel, Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen werden durch Flussbegradigungen homogenisiert, der Geschiebetrieb wird durch Wasserkraftwerke unterbrochen. Wenn das Gewässer nicht mehr in der Breite arbeiten kann, tieft es sich ein und die Seitenbäche verlieren ihre Anbindung.

An der Pielach (LIFE+ Projekt 2009-2014) und der Traisen (LIFE+ Projekt 2012-2016) wurde neuer Lebensraum geschaffen und die Mündung und Anbindung verbessert.


Die Donau und die darin einmündende Traisen
copyright: Kristof Reuther

Studenten der BOKU, wie Kristof Reuther, untersuchten, ob die gesetzten Maßnahmen an diesen Zubringern erfolgreich waren. Es zeigte sich, dass in der Pielach die Nasenpopulation aktuell sogar zu steigen scheint und hunderte von Nasen jedes Jahr in die Traisen zum Laichen ziehen. Auch andere Fischarten wie Barben, Aitel und Rußnasen profitieren von den Maßnahmen und finden in den neu geschaffenen Abschnitten der Traisen passende Habitate.

Es wird deutlich, dass durch die Schaffung von geeigneten Habitaten geschwächte Fischpopulationen unterstützt werden können und auch müssen.

Wir hoffen mit dieser Vortragsreihe Anstoß gegeben zu haben – zum Nachdenken, Grübeln, sich informieren und aktiv werden.

Der Unterrichtsgegenstand Biologie und Umweltkunde umfasst vielfältige Lerninhalte. Um diese Themenfülle zu ordnen, wurden im Lehrplan für die Oberstufe (2018) sieben Basiskonzepte der Biologie formuliert. Sie helfen, erlernte Inhalte zu vernetzen und wiederkehrende biologische Grundprinzipien zu erkennen.

Themenvielfalt im Biologieunterricht

Mit der letzten Lehrplanbearbeitung 2017/2018 der Sekundarstufe II (Oberstufe) wurden für den Unterrichtsgegenstand Biologie und Umweltkunde sieben „Basiskonzepte der Biologie“ definiert. Sie sollen Ordnung in die biologische Themendiversität bringen.
Grundsätzlich legen die Lehrpläne des Bundesministeriums  fest, welche Themen (Lerninhalte) eines Unterrichtsgegenstandes in welcher Schulstufe unterrichtet werden. In der Biologie reihen sich vielfältige Themen aneinander, wie ein stichwortartiger Auszug aus der 5. Klasse für allgemeinbildende, höhere Schulen zeigt: Die Zelle, Mitose, Pro- und Eukaryoten, Mikroorganismen, Biotechnologie, Botanik, Assimilation und Dissimilation, Ökologie und Nachhaltigkeit, Organsysteme des Stoffwechsels, gesunde und ausgewogene Ernährung. Die Reihenfolge der Einheiten ist den Lehrkräften überlassen. In den Folgejahren setzt sich die bunte biologische Vielfalt fort.

Auf den ersten Blick scheint der Biologieunterricht ein Sammelsurium von Themen ohne roten Faden zu sein. Natürlich basiert die Strukturierung des Lehrplans aber auf didaktischen Überlegungen. Dem Alter der Schülerinnen und Schüler entsprechend gehen die Lerninhalte von bekannten Phänomenen aus und nähern sich dem Unbekannten: Haustiere, Verdauungsorgane und Aufbau einer Blüte in der 1. Klasse bis zu Gentechnik und Evolutionstheorien in der 8. Klasse. Trotz einiger Bearbeitungen in den letzten Jahren hat sich im groben Aufbau des Lehrplans wenig geändert. Vorschläge, Wünsche und Kritik an der Lehrplangestaltung hat es auch von Seiten der ABA bereits bei der Gründung des Vereins vor 25 Jahren gegeben (damals noch als VÖBL Verein österreichischer Biologielehrer).

Die Basiskonzepte im Lehrplan 2018

Auch die letzte Bearbeitung des Oberstufenlehrplans hat keine wesentliche Veränderung der Inhalte gebracht. Eine wichtige neue Ergänzung sind die sieben Basiskonzepte. Sie sind in der Oberstufe für alle Schulstufen gleichlautend formuliert und stellen quasi „sieben rote Fäden“ durch die Biologie dar. Der Lehrplan für die Sekundarstufe I (Mittelschule, Unterstufe) ist derzeit in Bearbeitung. Es ist anzunehmen, dass die Basiskonzepte demnächst auch dort Einzug finden werden.

Das Ziel dieser Basiskonzepte ist es, den Schülerinnen und Schülern einen strukturierten Blick über den Themendschungel Biologie zu ermöglichen. Die Wiederholung derselben Basiskonzepte über Kapitel und Jahrgänge hinweg ermöglicht eine Quervernetzung von Inhalten, die im Alltag üblicherweise nicht miteinander in Verbindung gebracht werden (z.B. Stoffaustausch in der menschlichen Lunge und an Blättern eines Baumes, siehe Abb. 1). Neu erlernte Inhalte werden dadurch mit bereits bekannten Phänomenen verknüpft und das Verständnis für wesentliche Merkmale biologischer Systeme und Prozesse wird gefestigt.

Abb. 1: Struktur und Funktion. Das Prinzip der Oberflächenvergrößerung ist überall dort von Bedeutung, wo an Oberflächen ein Stoffaustausch stattfindet, z. B. im Blattwerk von Bäumen oder der Lunge des Menschen.

Keine Revolution, aber Unterstützung

Hinsichtlich der übrigen Vorgaben und den erforderlichen Lerninhalten wurde der Lehrplan wenig verändert. Die Anzahl der Themen, die in einem Schuljahr unterrichtet werden müssen, ist nach wie vor sehr groß. Inhaltlich und didaktisch revolutionieren die Basiskonzepte den Unterricht sicherlich nicht, denn Quer- und Rückverweise auf bereits Erlerntes haben Lehrerinnen und Lehrer immer schon in ihren Unterricht einfließen lassen. Mithilfe der Basiskonzepte geschieht dies nun routinemäßig und strukturiert. Mit der Verankerung im Lehrplan werden sie auch in den Schulbüchern Einzug halten.

Die Basiskonzepte im Überblick

Struktur und Funktion

Ausprägung und Form von Merkmalen lebendiger Systeme (Struktur) hängt mit deren Wirkungsweise (Funktion) zusammen. Beispiele sind das Prinzip der Oberflächen­vergrößerung oder das Schlüssel-­­Schloss-­Prinzip.

Steuerung und Regelung

Lebewesen reagieren auf Veränderungen, um bestimmte Zustände aufrechtzuerhalten. Beispiele sind Rückkoppelung-Mechanismen im Stoffwechsel (Homöostase) oder Räuber-Beute-Beziehungen auf ökosystemarer Ebene.

Reproduktion

Die Lebensdauer von Organismen ist begrenzt. Sie müssen sich selbst reproduzieren, um das Überleben ihrer Art zu sichern. Das gilt für Menschen genauso wie für Bakterien oder Bäume (“eine Eiche ist das Mittel einer Eichel neue Eicheln zu produzieren”). Möglich ist das dadurch, dass jede Zelle aller Organismen ihren genetischen Bauplan in sich trägt und diesen verdoppeln kann.

Stoff- und Energieumwandlung

Lebewesen sind auf eine Energiezufuhr von außen angewiesen, um den eigenen Energiebedarf auszugleichen. Die externe Energie muss in eine Form umgewandelt werden, die im Organismus gespeichert und wieder freigesetzt werden kann. Diese Prozesse finden sich u.a. bei der Ernährung des Menschen und bei der Foto- und Chemosynthese anderer Organismen.

Kompartimentierung

Abgegrenzte Reaktionsräume innerhalb von Zellen oder Organismen ermöglichen den ungestörten, parallelen Ablauf verschiedener Prozesse. Zellen stellen eine wichtige Grund­einheit lebendiger Systeme dar (Baustein­prinzip). Kompartimentierung findet sich auf Ebene von Zellen (Zellorganellen), Geweben und Organen (Viel­zelligkeit, Spezialisierung) oder auch bei Gesell­schaften und Populationen (Arbeits­teilung).

Information und Kommunikation

Zellen, Gewebe, Organe und Organismen können Information aus ihrer Umwelt aufnehmen, bearbeiten und weiterleiten. Signale müssen dabei vom Sender verschlüsselt und vom Empfänger ent­schlüsselt werden können. Austausch von Informationen findet zwischen Zellen, Individuen und per Erb­information sogar über Generationen hinweg statt.

Variabilität, Verwandtschaft, Geschichte und Evolution

„Nothing in Biology makes sense except in the light of evolution” (Dobzhansky, 1973). Dieses Zitat unterstreicht die Bedeutung dieses zentralen Basis­konzeptes, das mit allen anderen verknüpft ist.
Lebewesen sind an ihre jeweilige Umwelt angepasst, als (Zwischen-)Ergebnis eines andauernden Entwicklungs­prozesses. Alle rezenten Arten sind ein Produkt ihrer stammes­geschichtlichen Entwicklung und stehen in einem Verwandt­schafts­verhältnis zueinander.
Der Grad der Verwandtschaft wird auf molekularer Ebene, z.B. beim Blick auf DNA-Sequenzen, ebenso ersichtlich wie bei morphologischen Untersuchungen. Dieses Verständnis schärft die Eigen­wahrnehmung des Menschen als Teil der Natur und ist somit Voraussetzung für ein ökologisches und nachhaltiges Handeln.

Titelfoto: evdn via pixabay

2019 wurde das „Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat“ ins Leben gerufen. Es soll einen Anreiz bieten, sich in pflanzlicher Diversität zu vertiefen. Das Zertifikat gibt Interessierten die Möglichkeit, ihre botanischen Artenkenntnisse und weitere freilandrelevante Fähigkeiten unabhängig und nach einheitlichen Standards überprüfen zu lassen.

Schlagwörter wie Artenschwund, Diversitätsverlust oder Biodiversitätskrise haben heute mittlerweile auch den Weg über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Flora und Fauna hinaus gefunden. Veränderung unserer heimischen Diversität in Form von Wandel und Verlust finden unbestreitbar statt  und sie ist regelmäßiger Teil der medialen Berichterstattung geworden und so auch ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Artenkennerinnen und -kenner werden selten

Es gibt aber einen weiteren Aspekt in Zusammenhang mit Biodiversität, der kaum nach außen dringt und damit der Allgemeinheit meist verborgen bleibt – nämlich die Situation der Artenkenner. Aussagen wie „Artenkenntnis bzw. Artenkenner stehen selbst auf der Roten Liste“ bringen zum einen den Zustand zum Ausdruck, dass versierte Freilandbiologinnen und -biologen mit fundierter Artenkenntnis selbst zu den bedrohten Arten zählen. Sie spiegeln aber auch den subjektiven Eindruck beharrlich abnehmender Artenkenntnis wider. Tatsächlich zeigt sich die Situation in Form von Gutachten und Kartierungen im Auftrag der öffentlichen Hand, im Wissenschaftsbetrieb von universitären Einrichtungen oder wissenschaftlichen Sammlungen von Museen und Universitäten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht zuletzt kommt auch der Verschiebung der Schwerpunktsetzung in der einschlägigen Ausbildung an den Universitäten, angepasst an die Vergabekriterien von Wissenschaftsfonds und den Schwerpunktsetzungen wissenschaftlicher Zeitschriften oder Tagungen eine tragende Rolle zu.

Die derzeit zunehmende Diskussion im Zusammenhang mit dem Biodiversitätswandel verdeutlicht einmal mehr, dass oft die Grundlagen für eine seriöse Beurteilung der Veränderungen fehlt. Eine entsprechende Datenerhebung wäre dringend notwendig, dazu fehlt jedoch meist das Geld und immer öfter auch qualifizierte Artenkenner, für manche Organismengruppen gibt es sie fast gar nicht mehr.

Das „Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat“ bescheinigt Artenkenntnis

Vor diesem Hintergrund wurde unter der Federführung des Instituts für Botanik der Universität Innsbruck in einer Zusammenarbeit von einschlägigen botanischen Forschungs- und Sammlungseinrichtungen wie Universitäten und Museen nach einer Möglichkeit gesucht, einen Anreiz zu schaffen und Freilandbotanik und botanische Artenkenntnis wieder ins Gespräch zu bringen. 2019 wurde basierend auf einem in der Schweiz seit Jahren erfolgreichen Modell das „Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat“ ins Leben gerufen.

Das „Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat“ gibt allen Interessierten die Möglichkeit, ihre botanische Artenkenntnis und weitere freilandrelevante Fähigkeiten unabhängig nach einheitlichen Standards überprüfen zu lassen. Die Prüfungen werden von einschlägigen botanischen Einrichtungen öffentlicher Institutionen wie Universitäten oder Museen abgehalten. Die Zertifizierung umfasst die Prüfungsabwicklung und Ausstellung des Zertifikates. Eigene Kurse werden im Rahmen der Zertifizierung nicht angeboten. Die Ausstellung des Zertifikates erfolgt im Namen des „Verein zur Erforschung der Flora Österreichs“, die verwaltungsmäßige Abwicklung über das Institut für Botanik der Universität Innsbruck.

Das Österreichische Freilandbotanik-Zertifikat soll Interesse an pflanzlicher Diversität wecken und gleichzeitig auch Anreiz sein, sich darin zu vertiefen. Der Zugang zu den Prüfungen ist daher einfach und unkompliziert, Voraussetzungen werden nicht verlangt. Zudem hat man die Möglichkeit, je nach eigenem Kenntnisstand und eigener Einschätzung derzeit zwischen drei Stufen zu wählen, die jeweils drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vom Einsteiger bis stark Fortgeschrittenen entsprechen. Grundsätzlich liegt bei allen Stufen der Fokus auf Artenkenntnis.

Drei Stufen zum Freilandbotanik-Gütesiegel

Die erste Stufe verlangt ausschließlich das sichere Erkennen von 250 Arten. Die Stufen zwei und drei umfassen 500 bzw. 750 Arten. Hier kommen aber zunehmend weitere, ebenfalls durchwegs Freiland relevante Kenntnisse dazu. Insbesondere die dritte Stufe soll mit 750 Arten, 60 Gattungen und 40 Familien und deren Merkmalen, erweitert durch das Ansprechen von Lebensräumen und Lebensgemeinschaften, Kartierung und Bestimmung eine echte Herausforderung darstellen, die einem „Gütesiegel“ gleichkommt.

Es gibt ein österreichweites Zertifikat mit einer Basisliste an Arten. Regionale Unterschiede in der österreichischen Flora können aber berücksichtigt werden, indem der Tausch von bis zu 50 Arten gegenüber der Basisliste pro Stufe und Prüfungsstandort möglich ist. Dies soll insbesondere Einsteigenrinnen und Einsteigern den Zugang erleichtern. Derzeit kann man zwischen fünf Prüfungsstandorte wählen. Zur Erlangung des Zertifikates sind für die Stufen 1 und 2 dezentrale Prüfungen an allen fünf Prüfungsstandorten vorgesehen, die Stufe 3 wird zentral in Innsbruck durchgeführt. Die Prüfungsantritte pro Person sind nicht begrenzt und Einsteigen ist auf jeder Stufe möglich.

Ein paar Fotos gleich zur Übung (deswegen stehen keine Namen dabei):

Interesse geweckt?

Konnten Sie die Arten erkennen und die Fragen beantworten?
Die heurigen Prüfungstermine finden Anfang Juli und im September 2020 statt!
Weitere Informationen zum Zertifikat, Artenlisten, Prüfungsstandorten und Prüfungsterminen finden Sie unter folgendem Link:

Titelfoto: Baustelle im Längental. Foto: Anna Schöpfer

Für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz wird das Längental in den Stubaier Alpen zerstört und Wasser aus mehreren Gebirgsbächen abgeleitet – ABA kritisiert Naturzerstörung und die mangelnde Berücksichtigung von EU-Umweltrichtlinien und Alpenkonvention.

Seit Mai hat Tirol eine neue Großbaustelle im Hochgebirge. Über 800 Millionen Euro kostet die unter dem Projektnamen Speicherkraftwerk Kühtai bekannte Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz. Neben einem neuen Pumpspeicherkraftwerk umfasst das Projekt der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) die Neuanlage eines Speicherteichs im Längental sowie den Bau eines weitläufigen Stollensystems quer durch die Stubaier Alpen. An dem Kühtai zugewandten Talbeginn des Längentals wurden in den vergangenen Wochen massive Erdumwälzungen und zahlreiche Baumentwurzelungen durchgeführt. Auch der Verbindungsstollen zum Finstertalspeicher befindet sich bereits im Bau. Die Maschinen arbeiten sich bergauf zum weitläufigen Talschluss.

Alpine Gewässer und einzigartige Tiroler Landschaft in Gefahr

Das Tal ist geprägt durch einen seltenen und aus naturschutzfachlicher Sicht besonders wertvollen Biotopverbund. Der mäandrierende Längentalbach, Quellfluren, Niedermoore und Alpenrosen-Zwergstrauchheiden prägen die alpine Landschaft. Für die Anlage des Speicherteichs wird das Tal ausgefräst und verschwindet hinter einer 113 Meter hohen Staumauer. Mithilfe eines 25,5 Kilometer langen Stollensystems soll Wasser aus sechs Gletscherbächen in den neuen Speicher im Längental eingeleitet werden. In den Sommermonaten handelt es sich um bis zu 80 % der Abflussmenge. Die betroffenen Fließgewässer entwässern naturgemäß teils in die Ruetz (Fernaubach, Daunkogelfernerbach und Unterbergbach) sowie teils in die Ötztaler Ache (Fischbach, Schranbach und Winnebach).

Der WildeWasserWeg ist bedroht

Der massive Eingriff in den natürlichen Wasserhaushalt der Stubaier Alpen gefährdet den „WildeWasserWeg“ im Stubai. Dem Ötztal als inneralpines Trockental drohen weitreichende Folgen für die Landwirtschaft. Schon jetzt ist durch den Klimawandel in Berglagen des betroffenen Gebiets oft nicht ausreichend Wasser vorhanden, um die Almbewirtschaftung aufrecht zu halten. Die Ableitung großer Wassermengen in den Kraftwerksspeicher würde die Wasserknappheit verschärfen. Absinkende Grundwasserspiegel führen zur Verlandung von Flussauen und anderen Feuchtlebensräumen.

EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie Alpenkonvention werden missachtet

Obwohl sowohl die EU-Wasserrahmenrichtlinie als auch die von Österreich ratifizierte Alpenkonvention ein Projekt dieser Art prinzipiell ausschließen, wurde es mit dem Argument des „übergeordneten öffentlichen Interesses“ dennoch auf Schiene gebracht. Da die betroffenen Gebirgsbäche überwiegend im Ruhegebiet Stubaier Alpen verortet sind, waren Eingriffe wie die Ableitung von erheblichen Wassermengen durch das Stollensystem untersagt. Erst eine Abänderung des Tiroler Naturschutzgesetzes, welche eine Ausnahme für Eingriffe im Rahmen der Energiewende einführte, ermöglichte das Voranschreiten der Projektplanung.

Kritik an umweltrechtlicher Verfahrenspraxis in Österreich

„Nicht nur bei der Sellrain-Silz Erweiterung, sondern auch bei vielen anderen UVP-pflichtigen Bauvorhaben, dient das „übergeordnete öffentliche Interesse“ als Totschlagargument im Bewilligungsverfahren. Nicht nachprüfbar und nicht widerlegbar ist diese Argumentationslinie ein praktisches Instrument, um sachliche wie fachlich relevante Bedenken gegen das Projekt abzuweisen“.

Senta Stix (ABA)

Auch die für die Umwelteingriffe im Rahmen des Kraftwerksbaus Kühtai konzipierten Ausgleichsmaßnahmen sind nicht zweckerfüllend. „Im Längental werden sensible Lebensräume, von Gewässern und Mooren bis zu alpinen Heiden, unwiederbringlich zerstört. Auch die umliegende Natur und der menschliche und tierische Lebensraum im gesamten Projektgebiet werden stark geschädigt. Im Gegenzug werden in anderen Bezirken Landwirtschaftsflächen aufgewertet. Dieses Vorgehen entspricht der gängigen Praxis, in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu Bauvorhaben Ausgleichsmaßnahmen zu formulieren, welche völlig losgelöst vom eigentlichen Gegenstand des Verfahrens sind. Ein Umstand der seit Jahren von ExpertInnen beklagt wird“, so Senta Stix.

In Anbetracht des Vorgehens für den Ausbau von Sellrain-Silz fordert die ABA deshalb:

  • Einhaltung der EU-Naturschutzrichtlinien, der Wasserrahmenrichtlinie und der Alpenkonvention
  • Reflexion der Auslegung der Begrifflichkeit „übergeordnetes öffentliches Interesse“
  • Stopp der zweckentfremdeten Ausgleichsmaßnahmen in Umweltschutzverfahren
  • Energiewende ohne folgenschwere Eingriffe in bedrohte alpine Freiräume und naturbelassene Ökosysteme

(Aktualisierung am 19.06.2020: Heute hat der VwGH die vom Alpenverein und der Gemeinde Neustift eingebrachten Revisionen gegen den Baubescheid abgewiesen. Das gerichtliche Verfahren ist damit formell angeschlossen, der Text wurde adaptiert.)