Die Naturwissenschaften sind bisweilen wie gebohnertes Parkett, „ein Paradeis, für den, der gut zu tanzen weiß“ – und der männlich ist, wie es oft scheint. Doch gibt es sie, die weiblichen Vorbilder, die mit ihren Karrieren und Forschungserfolgen aktuell das Gegenteil beweisen. Eine „Tanzanleitung“.

Es ist ein ungewöhnliches Bild, das am 07. Oktober 2020 um die Welt geht – zwei Frauen, ein Nobelpreis für Chemie: Jennifer A. Doudna und Emmanuelle Charpentier überzeugen mit ihrer Forschung zu CRISPR/Cas9. Beide tragen Halstücher, lächeln in die Kamera. An der Stelle hätte so mancher eher Krawatten erwartet, Anzüge, Bärte, womöglich eine Brille zwischen angegrauten Schläfen. Die Naturwissenschaft ist für gewöhnlich männlich, zumindest auf dem Weltmeisterschaftsparkett. Zwei Naturwissenschaftlerinnen auf dieser Bühne, an sich schon selten in Nobelpreissphären, und dann noch als Team ist eine Revolution – ein erfreulicher Fortschritt und zugleich ein gesellschaftlich beschämender: denn unter mehr als 900 Laureaten, die seit 1901 ausgezeichnet wurden, waren trotz vorhandener Kandidatinnen bislang nur 57 Frauen; weniger als die Hälfte davon ausgezeichnet im Bereich Naturwissenschaft.

Mind the gap

Das spiegeln nicht nur die männlich dominierten Bildgalerien vieler Universitäten wider, sondern auch aktuelle Statistiken. Laut Eurostat betrug der Frauenanteil bei rund 15 Millionen WissenschaftlerInnen und IngenieurInnen in der EU im Jahr 2018 zwar 41 %. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch länder- und fachspezifisch große Unterschiede. So ist nur in vier EU-Mitgliedsstaaten das Verhältnis relativ ausgewogen (Litauen, Bulgarien, Lettland, Dänemark). In manch anderen Mitgliedsstaaten beträgt der Frauenanteil weniger als ein Drittel, etwa in Deutschland.

Österreich wiederum liegt im EU-weiten Vergleich mit Platz 10 gut im Rennen, bewegt sich aber was den Anteil der Naturwissenschafts-Absolventinnen betrifft noch immer bei nur 38 %: der Löwenanteil davon angesiedelt in den Biowissenschaften, dann folgen mit Abstand Mathematik & Statistik, Exakte Naturwissenschaften und, deutlich abgeschlagen, die Informatik. Schaut man zudem auf das obere Ende der Karriereleiter nehmen die Zahlen weiter ab. In der Schweiz etwa halbiert sich die Zahl der Frauen auf dem Weg Richtung Professur.  

Das verwundert nicht, scheinen doch weibliche Vorbilder, die es in die Spitzenforschung geschafft haben, auf den ersten Blick dünn gesät. Doch es gibt sie durchaus – nicht nur frühere Größen, wie Marie Curie mit ihren Arbeiten zur Radioaktivität oder Emmy Noether, die Begründerin der modernen Algebra. Auch aktuell finden sich weltweit Naturwissenschaftlerinnen mit tollen Karrieren, die in diversen Funktionen tätig sind und damit beweisen, dass man es schaffen kann.

Tanz auf dem Naturwissenschaftsparkett – drei Forscherinnen berichten

Im deutschen Raum gehören zu dieser Riege etwa Helma Wennemers,  Professorin für Organische Chemie an der ETH Zürich und Leiterin des Instituts für Organische Chemie; Ulrike Tappeiner, Professorin für  Ökologie an der Universität Innsbruck, Institutsleiterin am Institut für Alpine Umwelt an der EURAC Bozen und Präsidentin der Freien Universität Bozen sowie Gabriele Werner-Felmayer, Professorin für Biologische Chemie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Vorsitzende von Ethucation, der österreichischen Einheit des Internationalen Netzwerks für Medizinethik. Alle drei haben sämtliche Stationen durchlaufen, die es braucht, um in einer akademischen Laufbahn erfolgreich zu sein, und haben viele Hürden selbst erlebt oder beobachten können.

Frauen in den Naturwissenschaften
Ulrike Tappeiner (c) unibz, Helma Wennemers (c) ETH Zürich, Gabriele Werner-Felmayer (c) MUI/D. Bullock

#Vorrunde – Mut zu MINT

Beobachtbar sei z.B., dass es schon früh eine gesellschaftliche Erwartungshaltung und stereotype Vorstellungen gibt, welche oft auch von den Medien mitgetragen werden, betont Ulrike Tappeiner. Helma Wennemers hat die Auswirkungen bereits miterlebt: „Bei der Veranstaltung Girls at Science vor einigen Jahren hat ein Journalist ein Mädchen gefragt, ob sie auch Professorin werden wolle“, erzählt Wennemers, „es meinte darauf, als Mädchen wird man Laborantin, studieren ist was für Jungs.“ Das zeige, dass man die Gesellschaft mehr in die Pflicht nehmen müsse.  Studien zeigen zudem, dass die Erwartungshaltung sogar die Notengebung in der Schule negativ beeinflusst – als Folge trauen sich Mädchen manche MINT-Fächer oft nicht zu oder verlieren das Interesse. Das schlägt sich wiederum in der Einschreibungsstatistik der Universitäten nieder. Man müsse daher früh ansetzen, sind sich die Professorinnen einig.  

#Zwischenrunde– Partnersuche

Nach PhD und Post Doc – „wenn die Luft dünner wird“, wie es Gabriele Werner-Felmayer ausdrückt – seien dann härtere Bandagen und Sportsgeist gefragt, sowohl auf Konferenzen als auch bei Forschungsanträgen. Seilschaften und MentorInnen sind in dem Abschnitt der Karriere besonders wichtig. „Allerdings tun sich Männer etwas leichter damit, auf Netzwerke zuzugreifen“, meint Tappeiner. Frauen verfügen oft nicht über solche „Buddy Systeme“, gerade weil es so wenig Frauen in diesen Sphären der Naturwissenschaften gibt. Entweder macht man es also wie Nobelpreisträgerin Frances Arnold und sucht sich kurzerhand einen männlichen Mentor, der einen unterstützt, oder man wendet sich an spezielle Mentoring-Programme wie an jenes in Innsbruck. Gabriele Werner-Felmayer engagiert sich dort seit 15 Jahren beim Helene Wastl Medizin Mentoring-Programm für Frauen: „Es soll Frauen bei der Karriereplanung unterstützen, auch bei Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Forschung.“

#Endrunde – den Balanceakt schaffen

Familiengründung ist nicht leicht als Forscherin, v.a. nicht während der turbulenten Zeit bis zur Habilitierung, sofern diese angestrebt wird. Aber es ist möglich, wie die Professorinnen aus Erfahrung wissen. Allerdings gehe es nicht ohne Unterstützung des Arbeitgebers und des Umfeldes. Da seien auch die Väter gefragt – viele engagieren sich heute bereits sehr, wie die Professorinnen in ihren Forschungsgruppen bemerken. Einen besonders geeigneten Zeitpunkt für Familie gäbe es jedoch nicht, das sei situationsabhängig. Eine gewisse Unsicherheit bei der Planung resultiere da immer auch aus dem System heraus, weiß Tappeiner. „Die kurzen Verträge sind ein großes Problem.“ Auch unterschiedliche Regelungen in der EU machen die Situation schwierig. So gibt es z.B. das international lange etablierte Tenure-Track-System, das angehenden ProfessorInnen eine Laufbahnstelle verschafft, in Österreich de facto erst seit 2015. Da sei auch die Politik in der Pflicht, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, meint Werner-Felmayer.

Wer wagt gewinnt

„Was man in der Wissenschaft braucht sind Förderer“, sagt Tappeiner, Förderer und MentorInnen, die weiblich oder eben auch männlich sein können und sollen. Je bunt gemischter das Umfeld, desto besser. Das gilt für Forschungsgruppen ebenso wie für Gremien und Kommissionen, die z.B. über eine Berufung entscheiden. Hier können Frauenförderprogramme helfen sowie Quoten, aber mit Maß. Schließlich wolle keine nur als “Quotenfrau” berufen werden oder der Quote wegen ihre ganze Zeit in Gremien zubringen müssen, statt zu forschen, betont Tappeiner. Prinzipiell aber „macht unser System solche Regelungen nötig, damit sich was ändert“, ist Werner-Felmayer überzeugt. Am Ende hat jedoch jede Forscherin ihre Karriere selbst in der Hand. Frauen, die das Naturwissenschaftsparkett erobern möchten, sollten es daher wie beim Tanzen machen: eine grundsätzliche „Choreographie“ überlegen, individuelle Schritte wählen, die begeistern, optimistisch sein, dass es klappen wird und dann step by step ihren eigenen Weg auf dem Parkett machen. In jedem Falle sollten sie aber – da sind sich die Professorinnen einig – „an sich glauben und sich nicht beirren lassen.“

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Weiterführende Literatur

Helene Wastl Mentoring Programm für Frauen

Frauenanteil Österreich

Forschung als Männerdomäne

Studie Schulnoten Mädchen

bioskop
:: Wie Frauen das Natur­wissenschafts­parkett erobern
/

Titelbild: Seeigel und Schnecken im Roten Meer. Quelle: Andreas Kroh

Andreas Kroh

Seit 2005 Forscher und Kurator an der geologisch-paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien. Zu seinen Aufgaben zählen neben der Forschung auch Sammlungsbetreuung und Ausstellungsgestaltung, sowie die Pflege und Weiterentwicklung der Inventardatenbanken. Seit 2006 ist er auch der Chefredakteur der Annalen des Naturhistorischen Museums, Serie A, einer der wissenschaftlichen Zeitschriften des NHM. Im Jahr 2018 übernahm er zusätzlich zu seinen anderen Aufgaben die Gesamtleitung des Verlages des NHM Wien und ist in diesem Rahmen für die Planung, Produktion und den Vertrieb der vom NHM Wien herausgegebenen Bücher verantwortlich, darunter eine Fülle von Büchern mit biologischen Inhalten, wie die Naturführer des NHM.

1) Beschreibe bitte kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Meine Aufgaben am NHM Wien sind äußerst vielfältig: neben meiner Forschung und der Betreuung eines Teils der paläontologischen Sammlung des Museums kümmere ich mich vor allem um redaktionelle und technische Belange. So sorge ich dafür, dass die interaktiven Stationen im Bereich unserer geologischen und paläontologischen Ausstellung immer einsatzbereit sind und helfe GastforscherInnen wie KollegInnen beim Umgang mit unserer Inventardatenbank. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Redakteur der Annalen und Leiter des Verlags des NHM Wien betreue ich diverse Zeitschriften und Bücher des Museums von der ersten Idee bis zum fertig gedruckten Werk. International bin ich auch stark in WoRMS, dem World Register of Marine Species, involviert. Dort bin ich für die Taxonomie, Nomenklatur und Systematik der Seeigel zuständig und derzeit Vice-Chair des WoRMS Steering Committee.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Durch die große Fülle an verschiedenen Aufgaben ist mein Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich und ich arbeite mit vielen verschiedenen Menschen zusammen – sowohl international, im Rahmen meiner Forschungen, wie auch national und abteilungsübergreifend innerhalb des Museums bei der Produktion von Büchern und Gestaltung von Ausstellungen. Ich liebe neue Herausforderungen und die Vielfalt an unterschiedlichen Tätigkeiten, die meine Arbeit am Museum mit sich bringt. In einem tollen Team, wie dem des Museums, zu arbeiten macht viel Freude. Viele nationale, aber auch internationale KollegInnen wurden über die Jahre zu FreundInnen und es macht Spaß, diese bei Konferenzen wieder zu treffen oder gemeinsam im Gelände oder in Sammlungen zu forschen.

Andreas Kroh mit Studenten im Gelände
Andreas Kroh mit Studenten im Gelände. Quelle: Andreas Kroh

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Am schwierigsten ist es, alle verschiedenen Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen und in allen Teilbereichen meiner Tätigkeit einen konstanten Fortschritt zu erzielen. Im „Endspurt“ eines Ausstellungs- oder Buchprojekts kann es durchaus vorkommen, dass es erforderlich ist, sich mehrere Tage ausschließlich auf das jeweilige Projekt zu konzentrieren und andere Tätigkeiten kurzfristig zurückzustellen. Eine weitere große Herausforderung ist die immer schwieriger werdende gesetzliche Situation bei der Geländearbeit, sei es im geologisch-paläontologischen Bereich oder im Bereich von DNA-Proben rezenter Organismen. Die Fülle lokaler Regelungen, nationaler und internationaler Gesetze ist für den/die einzelne/n ForscherIn kaum durchschaubar, AnsprechpartnerInnen bzw. zuständige Genehmigungsstellen sind nicht immer klar definiert oder nicht erreichbar. Materialbezogene Forschung, die Proben aus verschiedensten Ländern benötigt, ist daher meiner Erfahrung nach wesentlich schwieriger und aufwändiger in der Umsetzung geworden.

4) Wie bist Du auf diesen Job aufmerksam geworden?

Ich arbeitete schon während meiner Diplomarbeit und Dissertation wissenschaftlich mit einzelnen MitarbeiterInnen des NHM Wien zusammen und hatte bereits lange bevor ich zu studieren begann den Wunsch, hier zu arbeiten. Meine erste Bekanntschaft mit WissenschafterInnen des NHM Wien war während meiner Jugend, als ich mich an einen meiner Vorgänger, Ortwin Schultz, wandte, um Hilfe bei der Bestimmung von fossilen Haifischzähnen zu erhalten.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Flexibilität, der Wille neue Techniken und Fähigkeiten zu erlernen, sich und seine Ergebnisse präsentieren zu können und fähig zu sein, im Team zusammenzuarbeiten sind entscheidend in meinem Beruf. Eine sehr gute Kenntnis der englischen Sprache ist heute eine weitere Grundvoraussetzung für NaturwissenschafterInnen.

6) War es schon immer Dein Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Bereits als kleines Kind grub ich in einem von meinen Eltern gepachteten Garten nach Mammutknochen (ohne natürlich welche zu finden). Anfangs unterschied ich nicht zwischen der Tätigkeit von ArchäologInnen und der von PaläontologInnen, später jedoch zog es mich immer mehr zu den Fossilien hin. Unterstützt von meinen Eltern (an dieser Stelle sei ihnen herzlichen Dank dafür ausgesprochen!), konnte ich dem Hobby Fossiliensammeln in meiner Jugend intensiv nachgehen und viele Urlaubsziele wurden wegen der Möglichkeit, dort Fossilien zu finden, ausgewählt. Auch mein Biologielehrer in der Oberstufe, Herr Gerhard Deimel, unterstützte mein Interesse tatkräftig. Kurzfristig erwog ich auch ein Chemie-Studium, denn mein Chemielehrer, Herr Ralf Becker, konnte im Rahmen der Chemie-Olympiade meine Begeisterung für dieses Fach wecken. Letztlich gab aber ein Besuch beider Institute und ein Treffen mit Norbert Vavra, der damals am Institut für Paläontologie tätig war, den Ausschlag, dass ich meinem ursprünglichen Wunsch folgend Paläontologie studierte.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für BiologInnen?

Wie in vielen Bereichen der Grundlagenforschung ist es im Bereich der Biowissenschaften nicht einfach eine Anstellung zu finden. Nicht, weil es nicht genug Arbeit und Fragestellungen gäbe, sondern vor allem, weil die öffentlichen Mittel für die Grundlagenforschung leider sehr begrenzt sind. Wer aufgrund finanzieller Erwartungen in die Wissenschaft geht, wird wohl enttäuscht werden. Wer jedoch mit Begeisterung und Überzeugung an die Sache herangeht, wird automatisch bessere Leistungen erbringen, sich und seine Tätigkeit besser „verkaufen“ können und höchstwahrscheinlich erfolgreicher sein. Oft ist dafür allerdings ein „langer Atem“ und ein gehöriges Maß an Mobilität und Flexibilität nötig, was für die Familienplanung eine Herausforderung sein kann.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Nein, da ich nicht als Biologe, sondern als Paläontologe angestellt bin, auch wenn sich ein großer Teil meiner Forschung derzeit im Bereich der Evolutionsforschung, Phylogenetik und -genomik abspielt. Ein naturwissenschaftliches Studium im generellen hingegen, ist entscheidend und bildet die Grundlage für eine wissenschaftliche Karriere in diesem Bereich.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Am wesentlichsten sind hier wohl die generellen Grundkenntnisse über die Fülle an Organismen, ihre Morphologie, Diversität, Ökologie usw., die mir im Rahmen meines Paläontologiestudiums vermittelt wurden. Ebenso entscheidend für das Verständnis von Evolution und der Veränderung des Planeten Erde durch die Zeit waren die Grundlagen der Geologie, Sedimentologie und Stratigraphie – da diese ein ganz anderes Verständnis der „Deep Time“ ermöglicht haben, als wenn ich ein Biologiestudium absolviert hätte. Darüber hinaus habe ich einen Großteil der Fähigkeiten, die ich tagtäglich in meinem Beruf benötige, erst später im Berufsalltag erlernt. Und das Lernen hört nicht auf, denn ständig werden neue Methoden und Programme entwickelt, die für meine Forschung wesentlich sind, oder neue Sachverhalte entdeckt, die früher erhobene Daten in neuem Licht erscheinen lassen.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Sei neugierig, folge deinen Interessen und lass dir die Freude an der Wissenschaft nicht nehmen. Denn nur, wenn du begeistert bist und die Forschung aus innerem Antrieb machst, wirst du erfolgreich sein und berufliche Durststrecken überdauern können – denn sehr oft ist in der Forschung Ausdauer gefragt, mal weil sich die erwarteten Ergebnisse nicht einstellen, mal weil ein Antrag oder Manuskript abgelehnt wird, oder es schwierig sein kann, einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Titelbild: Myriam Visram taucht mit ihren Lesern in die Leidenschaft und Wissenschaft des Kochens ein. Quelle: Myriam Visram

Myriam Visram_Portrait

Myriam Visram

Bloggerin und Wissenschafterin

… und eine luxemburgische, englische, europäische „mischmasch“-Weltbürgerin. Sie hat einen BSC der Forensik und einen MSC und PhD der Biochemie und molekularen Biomedizin. Anfang letzten Jahres startete Myriam als Ausgleich zu vielen Bewerbungsschreiben einen Foodblog – Milly’s Melting Pot. Neben den Rezepten der Fusionsküche, versucht sie dort ihren Lesern auch die Biochemie des Essens und des Alltags näher zu bringen. Nach wenigen Monaten hat sich aus dem Blog eine wahre Leidenschaft entwickelt, sodass Myriam Visram Ende letzten Jahres ein Einzelunternehmen gründete. So wurde das Hobby zum Hauptberuf. Nun arbeitet sie als „Frau für alles“: Gründerin, Marketingmanagerin, Buchhalterin, Köchin, Wissenschafterin und vieles mehr.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Zum einen schreibe und suche ich interessanten Content für meinen Blog. Und zum anderen kümmere mich dann um die dazugehörenden sozialen Medien, das Marketing und vieles mehr.
Normalerweise fange ich mit einem 3/6/12 Monatsplan an, um mir der Richtung klar zu sein, in die ich gehen will. Zur Erarbeitung eines Rezeptes gehört auch das Einkaufen, Kochen, Dekorieren, Fotografieren, Fotos bearbeiten, Beitrag schreiben, veröffentlichen, bewerben etc. An einem Beitrag arbeite ich oft 15- 20 Stunden. Da steckt mehr Arbeit dahinter, als man glaubt!

Auf meinem Blog gibt es auch eine eigene Rubrik „The bubbly biochemist“ mit Artikeln, welche die wissenschaftliche Seite von Ernährung und Kochen zeigen. Über die Biochemie des Alltags zu schreiben ist sehr anders. Um jeden Artikel glaubwürdig und wahrheitsgemäß zu schreiben, muss ich gründlich recherchieren – Papers lesen, Informationen sammeln, vergleichen, analysieren. Am Schluss versuche ich einen Artikel zu schreiben, der für jeden verständlich ist. Der Zeitaufwand ist groß, aber es macht enorm viel Spaß! Da es aber so viel Zeit in Anspruch nimmt, schreibe ich nur einmal im Monat (oder weniger) einen Artikel für diese Rubrik. Ich spiele aber jetzt auch mit dem Gedanken, diese Rubrik nur aus Gastartikeln zu gestalten.

Ich versuche auch den Blog durch verschiedene Strategien zu erweitern und bekannter zu machen. Dazu gehört auch viel Fortbildung, da ich selber nicht aus dem Marketing komme. Zum Beispiel versuche ich mich jetzt in den Bereichen „Social Media Marketing“ fortzubilden, da ich dies tagtäglich brauche. Hier kommt mir meine wissenschaftliche Ausbildung sehr zugute, wie zum Beispiel die Fähigkeit viele Informationen schnell und kritisch zu analysieren, zu hinterfragen und dann das Beste herauszufiltern.


Abb. 2: Knoblauchbutter mit Wildblüten: Auf dem Blog gebe ich auch Tipps und Tricks, wie man viele Sachen selber zu Hause machen kann, unter anderem seine eigene Butter oder hausgemachten Naturjoghurt. Quelle: Myriam Visram

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Am meisten gefällt mir, dass ich meine Energie für etwas hergebe, das ich gerne mache und das mich glücklich macht. Besonders gefällt mir die Vielseitigkeit der Tätigkeiten und dass ich mich in so viele andere Richtungen fortbilden und entwickeln kann. Mir gefällt auch, dass bis zu einem gewissen Grad der Erfolg dieses Unternehmens in meinen eigenen Händen liegt, und dass ich tagtäglich aufstehen darf, um das zu tun was ich liebe – kochen!

Ein Herzenswunsch ist aber auch, die Erfolge der Wissenschaft, denen oft mit Skepsis und Angst begegnet wird, einem breiteren Publikum bereitzustellen. Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt ist sehr schnell – sogar als Wissenschafterin habe ich manchmal Mühe das ganze Ausmaß des wissenschaftlichen Fortschritts zu verstehen. Die „Science Busters“ machen das zum Beispiel gerade auf wundervolle Art und Weise einem breiten Publikum zugänglich.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Schwierig ist derzeit (wie bei jeder Gründung), dass es Zeit braucht, ein qualitativ hochwertiges Produkt auf den Markt zu bringen, das durch Authentizität die Menschen anspricht und das man dann auch monetarisieren kann. Das Geld ist knapp, die Angst ist groß, aber die Leidenschaft enorm!

Persönlich ist aber immer noch die größte Herausforderung, an mich selber zu glauben – zu glauben, dass ich es schaffen kann! Damit hadere ich jeden Tag!:) Mittlerweile ignoriere ich aber diese Zweifel und schreite voran! Denn was ist das Schlimmste, das passieren kann?

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Der Blog ist als Hobby entstanden: Ich wollte am Anfang eine Art Tagebuch mit meinen Familienrezepten schreiben. Aber eigentlich wollte ich alles auf Papier niederschreiben – so ganz „old school“. Dann hat mein Freund vorgeschlagen, ich soll alles online machen, um es mit meiner Familie teilen zu können. Von da an ist der Ball ins Rollen gekommen. Der Blog entwickelt sich jeden Tag weiter. In Europa ist die Blogger-Szene gerade enorm am Wachsen und ich wollte daher diese Chance nützen.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Durch meine Qualifikation als Naturwissenschafterin bin ich sehr organisiert, habe einen guten Überblick und ein gutes analytisches Denkvermögen. Als Biochemikerin habe ich einen ganz anderen Ansatz in der Küche: ich versuche zu verstehen, wie alles funktioniert und wie ich verschiedene chemische und physikalische Prinzipien auch zuhause anwenden kann. Zum Beispiel: Wieso es wichtig ist, die Pasta ohne Öl im Wasser zu kochen! Ich glaube am meisten hilft mir aber gerade meine Fähigkeit als Wissenschafterin schwierige Informationen verständlich aufzubereiten und zu erklären. In diesem Sinne ist auch die Idee eines Kinderbuches geboren worden, das den Kindern einen verständlichen und gesunden Zugang zum Essen erklären soll.
Was mir ein bisschen fehlt, ist das Wissen im Marketing und Grafikdesign. Dafür investiere ich aber gerne in kompetente Hilfe. (Mit der Buchhaltung tue ich mir auch sehr schwer 🙂 .

Abb. 3: Schnelle Tomaten-Knoblauch-Linguine. Quelle: Myriam Visram

Abb. 3: Schnelle Tomaten-Knoblauch-Linguine. Quelle: Myriam Visram

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Früher habe ich eine akademische Karriere in der Forschung angestrebt. Nach dem Abschluss meines Doktorats habe ich aber gemerkt, dass diese Karriere doch nichts für mich ist. Ich habe lange gebraucht, um es mir selber einzugestehen.

Wichtig ist es zu wissen, dass kein Wissen je verloren ist. Und so nutze ich auch mein biochemisches Wissen in der Küche und in meiner Blogrubrik „The bubbly biochemist“. Dort versuche ich, den Lesern alltägliche Wissenschaft näher zu bringen. Zum Beispiel habe ich einen Artikel geschrieben, der die Unterschiede zwischen Homöopathie und Pflanzenheilkunde erklärt.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Als Blogger ist man selbstständig und muss daher sein Business selber aufbauen. Dazu gehört viel Kreativität und Durchhaltevermögen. Die Konkurrenz in der Foodblogszene ist groß und man muss sich von den Mitstreitern klar unterscheiden.

Die Öffentlichkeit hat aber großes Interesse am wissenschaftlichen Fortschritt, deshalb denke ich, dass man als Biologe/Biochemiker in der Wissenschaftskommunikation den Zahn der Zeit treffen kann! Die Menschen wollen wissen, was sie essen und wie es auf sie wirkt. Wie bleibt man gesund? Wie funktioniert mein Körper? Das sind alles Themen, auf die die Menschen sehr positiv und neugierig reagieren.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Mein naturwissenschaftliches Studium hilft mir enorm, da man als Wissenschafter oder Wissenschafterin nicht nur Fakten lernt, sondern es wird einem eine ganz spezielle inquisitive und analytische Denkweise mitgegeben. Als Forensikerin habe ich gelernt, wie man sein Umfeld anschaut, analysiert und mit den „unsichtbaren“ Sachen in diesem umgeht. Zum Beispiel wende ich das Prinzip des „Transfers“ jeden Tag an, wenn es um Hygiene in der Küche geht. Wo ist der Schmutz und wie kann ich die Küche reinigen?

Als Biochemikerin habe ich gelernt, wie der Körper funktioniert und auf seine Umwelt reagiert. Das Studium der Biomedizin hat mir auch geholfen zu verstehen, wie der Mensch als Ganzes funktioniert und nicht nur die Summe seiner Teile.

Außerdem hat mir bei der Planung auch der „Business Management“-Kurs geholfen, den ich seitens des AMS machen durfte, als ich arbeitslos war. Ich finde für jede Arbeit sollte man ein gewisses unternehmerisches Grundwissen besitzen, sei es Marketing, soziale Medien, Buchhaltung etc.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Das meiste Wissen, das ich anwende, ist das Wissen über die Biochemie des Essens, des Körpers und des Alltags. Darüber schreibe ich auch sehr viel.
Als leidenschaftliche Köchin kommen mir aber auch manche Labortricks in der Küche zugute. Zum Beispiel kann man die Farbe eines Rotkohls beeinflussen je nachdem, ob er in einer sauren Umgebung ist oder nicht. Auch kann man theoretisch ohne Eismaschine per Hand Eiscreme machen. Dafür stellt man die Schüssel mit der Eiscrememischung in eine andere Schüssel, die mit Eiswürfeln und Salz gefüllt ist. Durch das „Auflösen“ des Salzes wird die kristalline Struktur aufgebrochen, was wiederum Energie braucht. Diese Energie wird aus der „ersten“ Schüssel mit der Eiscreme gewonnen, was die Mixtur abkühlt. Daran arbeite ich aber noch, um eine Technik zu entwickeln, die bei jedem zuhause funktionieren kann. Bis jetzt habe ich erfolgreich Wasser zum Gefrieren gebracht, der nächste Schritt wird die Eiscreme sein. (Eher Physik als Biochemie, aber Wissenschaft ist Wissenschaft .) 🙂
Ich analysiere auch gerne Rezepte, um herauszufinden was den spezifischen Geschmack ausmacht. Zum Beispiel: bei Erdbeereis werde ich nicht aus Kaloriengründen auf die Sahne verzichten, da der Geschmack von ihr getragen wird. Beim Braten eines Steaks ist die Maillard-Reaktion wichtig, um die typischen Röstaromen zu bekommen!

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Egal was du tust, sei authentisch und höre darauf was dein Herz dir sagt. Investiere in dich! Und nur Geduld – nicht aufgeben. 🙂

Ich würde empfehlen, zu tun was man liebt. Denn nur so wird man Erfolg haben. Ich würde jedem raten, das Abenteuer zu wagen und seinen Traum zu verwirklichen, auch wenn es nicht ums Bloggen geht. So lange man alles ordentlich durchkalkuliert und plant, ist das Risiko minimal!

Vielen Dank für das Interview!

Link:

Milly’s Melting Pot

Titelbild: Mark Benecke – der Sherlock Holmes der Kriminalbiologie. Quelle: Christoph Hardt

Mark Benecke ist Kriminalbiologe. Bekannt als „Herr der Maden“, gelobt als „Popstar der Wissenschaft“ und ins Rampenlicht gestellt als der „tätowierte Politiker“ – doch Mark bleibt Mark. Ein Biologe, der „macht wozu er Bock hat und fertig“. Im Interview erzählt Benecke von seinem Weg in die Kriminalbiologie und forensische Entomologie, das Insektensterben und seine Haustiere, die Fauchschaben (Gromphadorhina portentosa).

Mark Benecke ist Deutschlands einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für biologische Spuren. Als solcher wird er zu unterschiedlichen Kriminalfällen berufen und unterstützt die Spurensuche maßgeblich. So wurde Benecke auch zur Untersuchung von Adolf Hitlers vermeintlichem Schädel (Craniumfragment & Zähne) im Moskauer Staatsarchiv und im Archiv des russischen Inlandsgeheimdienstes (FSB) hinzugezogen.

Seit mehr als 25 Jahren ist Benecke international als Kriminalbiologie tätig und spezialisiert sich hier unter anderem auf die forensische Entomologie. Aktuell betreibt er als freiberuflicher Biologe das Institut „BENECKE FORENSIC BIOLOGY – International Forensic Research & Consulting“ in Köln. Studiert hat er zunächst Biologie/Zoologie und Psychologie an der Universität Köln. Erst durch ein Praktikum in der Rechtsmedizin gelangte er dann in die Forensik und promovierte schließlich auch am Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln. Benecke erweiterte seinen Fokus zudem durch diverse internationale Ausbildungen im Bereich der Forensik, u.a. absolvierte er ein Training an der FBI Academy. Später war er auch selber als Trainer auf der Body Farm des FBI in Tennessee tätig.

Wie Mark Benecke selbst sagt, ist er eigentlich einfach „ein Ärmel hochkrempelnder Biologe, der dann auch manchmal vor Gericht sitzt“ und so biologisches Wissen mit kriminalistischen Faktenstrukturen verbindet. Nebenbei trägt Benecke durch die Publikation von Sachbüchern und seine Vorträge vor breitem Publikum zur Wissenschaftskommunikation bei. Thematisiert werden vergangene Kriminalfälle und die spannenden Möglichkeiten entomologischer Untersuchungen in der Forensik, Tötungs-Methoden wie Erhängungen und Enthauptungen und, wie könnte es anders sein, der Kreislauf des Lebens. Ein informativer und spannender Abend ist garantiert.

Im Interview mit dem bioskop erzählt Mark von seinem Weg in die Kriminalbiologie und forensische Entomologie, das Insektensterben und seine Haustiere, die Fauchschaben (Gromphadorhina portentosa).

Fangen wir doch einfach ganz von vorne an. Die meisten BiologInnen in meinem Bekanntenkreis haben schon in der Kindheit Heuschrecken im Lupenglas beobachtet und Farbtabletten in Eprouvetten gemischt. Wie bist Du zur Biologie gekommen?

Als Kind wollte ich Koch werden. Aber die Spurensuche und das Experimentieren, vor allem in der Chemie, haben mich auch schon immer interessiert. Damals habe ich Staub auf Tesafilm geklebt und unter einem ganz billigen Mikroskop angeschaut oder auch jahrelang versucht, Schneeflocken mit Lack einzufangen. Ich liebe Tatsachen, Beweisbares und Messbares. Das erfahren wir durch Experimente, sonst nicht. So kam das dann, dass ich Biologie studiert habe.

Und die BiologInnen hatten die besten Partys. Kein Witz.

Fakten und Spurensuche – da bist Du in der Forensik genau richtig. Wie sieht denn Dein Arbeitsalltag als Kriminalbiologe aus?

Das kommt auf den Fall an. Wenn es sich um einen aktiven Tatort handelt und die Zeit da ist, dann gehe ich auf Spurensuche und bin mit der Tatortrekonstruktion beschäftigt. Erstmal wird alles dokumentiert. Wenn es um die Bedeutung der Spuren für den Fall geht, lautet die Regel: Ich glaube erst einmal gar nichts. Niemals das annehmen, was vermeintlich offensichtlich ist – ganz im Gegenteil. Man muss neutral und ohne jede Annahme vorgehen. Ich halte mich da an Sherlock Holmes: “There is nothing more deceptive than an obvious fact.”

Die Aufträge bekommen wir von verschiedenen Leuten. Grundsätzlich kann mein Team und mich jeder beauftragen. Ich arbeite für offizielle Stellen und für Angehörige, wenn sie nicht zu traumatisiert sind und noch Energie für die Fallarbeit haben. Wir kriegen auch oft Akten, und entweder der Angehörige, Staatsanwalt, Polizist oder auch Journalist sagt: Guck mal, hier stimmt etwas nicht.

In einigen Fällen übergibt uns die Polizei die Insekten direkt und wir bestimmen dann erst im Labor die wichtigsten Fakten, wie Art, Lebensraum, Alter, Lebenszeit auf der Leiche und so. Durch solche Details lässt sich schon einiges feststellen, das für die Fallbewertung interessant ist.

Welche Spuren sind an einem Tatort für Dich interessant?

Blutspuren, genetische Fingerabdrücke, Insekten, auch andere Spuren – jedes kleine Detail kann spannend sein oder werden. Sogar Teelichter. Ich wurde einmal zu einem Mordtatort gerufen, an dem noch Teelichter brannten. Ein scheinbar nebensächliches Detail. Ich habe sie dennoch fotografiert und im Nachhinein haben die Fotos bei der zeitlich-räumlichen Rekonstruktion der Tat geholfen.

Insekten sind für das Verständnis auch sehr hilfreich. Ich gucke mir Gliedertiere an, um beispielsweise Hinweise zu bekommen, wie lange die Leiche am Fundort war oder ob sie mit Sicherheit längere Zeit am Fundort gelegen hat und nicht transportiert wurde.

Bei deinen Interviews und Auftritten thematisiert Du auch ein sehr wichtiges Thema: Das Insektensterben. Beeinflusst der Artenverlust auch Deine Arbeit?

Die Untersuchung von Todesfällen wird dadurch schwieriger. Vor dreizehn Jahren ist uns das Insektenproblem zum ersten Mal aufgefallen. Da fielen uns im Sommer die Schmeißfliegen (Calliphoridae) weg, deren Larven wir zur Bestimmung der Leichenliegezeit verwenden. Wir müssen also drumherum arbeiten und uns mehr auf andere Spuren konzentrieren. Ich arbeite ja auch mit Blut, Sperma und so. Es gehen auch manchmal aus anderen Gründen Spuren verloren, so ungewöhnlich ist das also nicht. Wir arbeiten mit dem, was wir haben.

Die Frage ist eher, wie wir Menschen weiterleben können, wenn durch den Verlust anderer Tier- und Pflanzenarten das gesamte Lebensnetzwerk zusammenbricht. Populationszusammenbrüche sind biologisch nichts Besonderes, aber hier wirkt der Mensch mit. Das ist kein Spruch vom Wollsocken-Biolehrer, sondern Realität.

Insekten, Larven, Maden – das sind deine täglichen Wegbegleiter. Hast Du Lieblinge?

Abb.1.: Mark Benecke mit seinen Haustieren – den Fauchschaben. Quelle: Thomas van de Scheck

Eigentlich mag ich ja alle Insekten, denn sie sind großartige, teils uralte Konstruktionen. Aber es ist eine ziemlich einseitige Zuneigung. Insekten interessieren sich nicht für menschliche Gefühle.

Im Berliner Naturkundemuseum bin ich Pate der Markusmücke, auch Markus- oder Märzfliege (Bibio marci) genannt. Die kommen nur einmal im Jahr zum Vorschein. Wenn man eine Markusfliege mit einer Leiche in einen Teppich einwickelt und im See versenkt, kann ich dann anhand der Fliege bestimmen, in welcher Jahreszeit das war. Außerdem sind Markusfliegen ganz schwarz, und ich mag alles, was schwarz ist.

Lustig sind auch Käsefliegenmaden. Die können springen und krümmen sich vorher wie ein Croissant zusammen. Außerdem schreien alle im Labor noch lauter, wenn diese Maden aus einem Leichensack springen.

Siehst Du dich eher als Biologe oder Forensiker?

Eigentlich bin ich einfach ein Ärmel hochkrempelnder Biologe, der manchmal vor Gericht sitzt. Wichtig ist, dass ich im Herzen Biologe bin. Kriminalistik ist einfach eine Anwendung meiner biologischen Tätigkeit.

An der Universität Wien interessieren sich vor allem Studierende der physischen/biologischen Anthropologie für eine Karriere in der Forensik. War deine Karriere ein Glücksfall?

„Karriere“ würde ich es jetzt nicht nennen. Mir macht es einfach Spaß. Meine Frau und ich arbeiten 365 Tage im Jahr und haben keinen Urlaub. Wer spannende, unbekannte Welten im Kleinen erforschen will, hat als freiberufliche/r Forensiker/in einen der vielfältigsten und verantwortungsvollsten Spielplätze im naturwissenschaftlichen Bereich.

Siehst du Bedarf für BiologInnen in der Forensik?

Klar, massenhaft. Es macht nur keiner. Die meisten wollen halt Hubschrauber fliegen, mit Blaulicht herumrasen oder so was. Bei uns geht es aber um Messen, Zählen, Sortieren und Fotografieren. So gesehen trifft unsere Wirklichkeit eigentlich nie die Erwartungen. Wer gerne sehr vertieft und verkauzt rumwurschtelt, extrem ordentlich und sehr ehrlich ist, für den ist das was.

Mein Tipp wäre, auf der Jobsuche auch mal bei der Polizei und bei Routine-Labors reinzuschnuppern. Da herrschen normalere Arbeitsbedingungen.

Gibt es bestimmte Qualifikationen, die man mitbringen sollte?

Ja. Freude an sehr guter, präziser Fotografie, Akribie, Ordnungsliebe, Detailversessenheit und Offenheit für die schrägsten Dinge: Unsere Fälle klingen oft nahezu unmöglich. Wir untersuchen auch Blutwunder, Leichen-Öle, Mumienkeller und dergleichen. Es ist auch zwingend notwendig, jederzeit zu reisen und andere Menschen, Lebensweisen und Kulturen ganz ehrlich und tief zu akzeptieren.

Spaß an Ausrüstung ist auch gut. Ich suche immer neue, noch präzisere Messgeräte, die aber nie digital sein dürfen, weil sie sonst zu schnell kaputt gehen. Ich habe bestimmt schon fünfzig Taschenlampen getestet, und ein großer Testbericht für eine stabile Metall-Tatort-Lampe mit Sperma auf verschiedenen Textilien stammt auch aus unserem Labor.

Hast du noch einen abschließenden Tipp für die Studierenden?

Ja: Arbeiten, nicht reden.

Durch Deine Arbeit bist Du ja ziemlich abgeklärt, wenn es um das Thema „Tod“ geht. Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, wie man den menschlichen Körper nach dem biologischen Tod noch verwenden kann. Angefangen von der Nutzung für Forschung und Wissenschaft bis zum Einsatz als Dünger durch Promession. Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, was mit Deinem Körper passieren soll?

Mir egal, das können andere entscheiden. Ich bin dann ja tot und kriege nix mehr mit. Fäulnis im Freien finde ich normal, natürlich und energieeffizient, aber da sich viele Menschen davor gruseln, will ich nichts erzwingen, was anderen unangenehm ist.

Danke für das Interview. Und vielleicht sieht man sich ja bei deiner nächsten Vorstellung in Wien.

PROMESSION ist eine neue Bestattungsmethode, die auf der Forschung der schwedischen Biologin Susanne Wiigh-Mäsak beruht. Der Verwesungsvorgang wird hierbei durch vorheriges kryotechnisches Granulieren und Trocknen der Leiche beschleunigt. Anschließend kann das Granulat kompostiert werden. Die Methode erlangte in den letzten Jahren unter dem Schlagwort „Öko-Bestattung“ mediale Aufmerksamkeit.

MARK BENECKE IN WIEN
Termine: 6. Juni 2018 – Hitlers Schädel
               8. Juni 2018 – Bakterien, Gerüche und Leichen
Ort:         Rabenhof Theater
Rabengasse 3, 1030 Wien
Mehr Informationen zu Mark Benecke: http://home.benecke.com/

Titelbild: Im Schulbiologiezentrum – Wandelndes Blatt. Quelle: Lisa Fischinger

Lisa Fischinger arbeitet am Projekt „Bio für Kids & Teens“, das LehrerInnen und Biologie-Interessierten gratis Didaktikmaterialien im Internet zur Verfügung stellt. Sie gehört dem Team der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften, School of Education der Universität Salzburg, an. Dort arbeitet Lisa als Studienassistentin und schreibt ihre Diplomarbeit zum Thema „Handlungsorientierter Stationenbetrieb in der Humanbiologie am Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems“.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Unsere Hauptaufgabe, oder besser gesagt unser Ziel, ist es, durch moderne Unterrichtsmethoden Kinder und Jugendliche für die Biologie zu begeistern. Wenn ich von „uns“ spreche, dann meine ich Ulrike Unterbruner, Initiatorin des Projektes und Leiterin der Abteilung Didaktik der Naturwissenschaften und mich, als ihre Studienassistentin. Die Hauptaufgaben in unserer Tätigkeit bestehen darin, biologische Themen aus bereits evaluierten Diplomarbeiten der Biologiedidaktik auszuwählen und ansprechende Unterrichtsmaterialien, wie PowerPoint-Präsentationen, Arbeitsblätter und Multimedia-Lernprogramme, zu erstellen beziehungsweise zu überarbeiten. Einen besonderen Wert legen wir dabei auf die Handlungs- und Problemorientierung, das heißt, die Materialien so zu gestalten, dass dem aktiven und selbstständigen Lernprozess eine spannende Fragestellung vorausgeht. Sind die Materialien fertiggestellt, werden sie mit einer kurzen Beschreibung von mir auf unsere Webseite geladen.

Zusätzlich bin ich Tutorin für die Lehrveranstaltung „Lebende Organismen im Biologieunterricht“ von Lisa Virtbauer – Leiterin des Schulbiologiezentrums Salzburg der Universität Salzburg. Diese Lehrveranstaltung soll den StudentInnen die Möglichkeit bieten, Unterrichtseinheiten mit lebenden Organismen zu erarbeiten und diese in der Gruppe zu simulieren. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln um lebende Organismen auch später im praktischen Unterricht einzusetzen. Als Tutorin biete ich den StudentInnen Coachingtermine an, an denen sie im Umgang mit den Tieren geschult und unterstützt werden. Das Verleihangebot richtet sich aber auch an LehrerInnen, die schon im Berufsleben stehen.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung ist sehr reizvoll: ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen, mein technisches Know-how als Webmaster einbringen, stets verschiedene biologische Themengebiete erarbeiten und mit lebenden Organismen arbeiten. Die größte Freude für mich ist es jedoch, positives Feedback von LehrerInnen oder SchülerInnen zu bekommen, die mit unseren Materialien arbeiten.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Nicht ganz so einfach ist es manchmal, Dinge aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu betrachten. Für Erwachsene sind viele Sachverhalte oftmals glasklar; Kinder denken aber kreativer und sind neugieriger – man muss sich in sie hineinversetzen können. Ich frage mich bei der Erarbeitung von Materialien immer: „Was könnte ein Kind interessieren? Wie stellt sich ein Kind dieses oder jenes vor?“. Manchmal stellen mir aber auch Kinder in meiner Umgebung Fragen, die wieder den Anstoß zu neuen Materialien geben – zum Beispiel: „Warum bekomme ich blaue Flecken?“.

Abb. 2: Am Arbeitsplatz. Quelle: Lisa Fischinger

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Das war eigentlich ein schöner Zufall: ich war als Studentin in der Lehrveranstaltung von Frau Virtbauer. Sie war auf der Suche nach einer Tutorin ab Herbst 2015 und ermutigte mich, eine Bewerbung dafür abzuschicken. Das habe ich gemacht und glücklicherweise hat es funktioniert. Über diese Stelle kam ich dann zur Studienassistenz und in das Projekt „Bio für Kids & Teens“.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Ich denke, dass mein Biologie-Lehramtsstudium, mein Interesse und Engagement dazu beigetragen haben, dass ich diese Jobs bekommen habe. Und wie immer und überall: eine Portion Glück war natürlich auch nötig.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Am Anfang meines Biologiestudiums hätte ich nicht gedacht, dass ich die Möglichkeit bekommen würde, an der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften als Studienassistentin und Tutorin zu arbeiten.
Die Biologie fasziniert mich schon seit ich ein Kind war. Ebenso war für mich immer schon klar, im sozialen Bereich tätig sein zu wollen. Nach der Matura blieb noch die Frage, ein Medizinstudium in Innsbruck zu starten oder in Salzburg Biologie auf Lehramt zu studieren. Ich habe mich für letzteres entschieden und habe diese Entscheidung nie bereut. Die Biologiedidaktik fesselt mich aufgrund meiner Tätigkeiten als Studienassistentin jeden Tag mehr.

Abb. 3: Annam-Stabschrecke (Medauroidea extradentata). Quelle: Lisa Fischinger

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Als junge/r BiologielehrerIn ist es bei uns in Salzburg und Umgebung momentan nicht ganz so einfach eine Stelle zu bekommen. Zeigt man Flexibilität und ist man bereit, den Wohnort zu wechseln oder in einem anderen Bundesland zu unterrichten, könnten einem mehr Türen offen stehen.
Aktuell bin ich gerade dabei mein Studium abzuschließen. Es ist und bleibt spannend, wo mich die Zukunft hinführt. Ein kleiner Traum wäre es jedoch, eine Dissertationsstelle an der Didaktik für Naturwissenschaften zu bekommen und ein Doktoratsstudium absolvieren zu können. Träumen darf man ja… und wo ein Wille, da ein Weg.
Man sollte auf jeden Fall studieren, wofür das Herz brennt. Wenn man die Leidenschaft für seinen Beruf und sein Tun ausstrahlt und lebt, dann werden sich auch berufliche Chancen auftun. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man nicht aufhören darf, in seine eigene Fort- und Weiterbildung zu investieren – vor allem dann, wenn die Arbeitsmarktsituation nicht gerade rosig aussieht. Ich nutze meinen Wissensdrang und absolviere ab Herbst 2016 eine zweijährige Ausbildung zur Sexualpädagogin. Vielleicht sind es gerade auch solche Spezialisierungen, mit denen man sich eigene Nischen schaffen kann.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ja, es ist auf jeden Fall von Vorteil beziehungsweise nötig biologische, pädagogische und didaktische Grundkenntnisse zu haben.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Wie bereits erwähnt, stellt „Bio für Kids & Teens“ Materialien verschiedenster biologischer Themen zur Verfügung: Ökologie – Umwelt, Pflanzen, Mikrobiologie, Tiere, Geologie, Wasser, etc. – die Arbeit ist also thematisch sehr abwechslungsreich.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Auf jeden Fall dranbleiben – studiert das, wofür euer Herz schlägt! Es gibt nichts, was man nicht lernen kann (solange es auch Freude macht).

Vielen Dank für das Interview!

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Titelbild: MitarbeiterInnen des Büros des Rektorats. Quelle: Universität Wien

Johannes Sorz

Johannes Sorz ist an der Uni Wien im Büro des Rektorats beschäftigt, wo er als Referent für Forschung und Nachwuchsförderung tätig ist. Nach seinem Studium der Botanik an der Uni Wien hat er sein Doktoratsstudium an der Universität für Bodenkultur am Department für Integrative Biologie abgeschlossen. Vor seiner derzeitigen Tätigkeit war er als Experte für das FP7 (7 th Framework Programme for Research and Technological Development der EU) im Bereich europäische und internationale Programme der FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) beschäftigt.

Im Büro des Rektorats ist er einerseits die direkte Ansprechperson für alle fachlichen Fragen des für die Forschung zuständigen Rektoratsmitglieds als auch Ansprechpartner für alle zentralen Einrichtungen der Universität im Bereich Forschung (z. B. Forschungsservice, DoktorandInnenzentrum, Qualitätssicherung). Er unterstützt das Rektorat zudem bei der Ausarbeitung und bei den Verhandlungen der Leistungsvereinbarungen mit dem Bundesministerium, bei den Budgetverhandlungen (Zielvereinbarungen) mit den Fakultäten und Zentren und ist für Auswertungen und Monitoring von wissenschaftlichen Leistungen (Drittmitteleinwerbungen, Publikationen, Patente, etc.) und für die Entwicklung von Indikatoren zur leistungsorientierten Mittelvergabe im Bereich der Forschung zuständig. Seine weiteren Kernaufgaben umfassen außerdem: Entwicklung und Administration der universitätsinternen Forschungsförderungsmechanismen (Forschungsplattformen, Forschungsverbünde, Forschungscluster); Hochschulrankings (Analyse der Ergebnisse und Vorbereitung der Presseaussendungen); Erstellung von Analysen und Berichten zu aktuellen Trends in der Forschung und in der nationalen und internationalen Forschungs- und Forschungsförderungslandschaft.

Auch selbst ist er in der Forschung aktiv, nämlich im Bereich der Bibliometrie/Szientometrie (Auswertung von wissenschaftlichen Ergebnissen) und beschäftigt sich außerdem wissenschaftlich mit der Aussagekraft von Universitätsrankings. In diesen Bereichen hat er bereits wissenschaftliche Artikel publiziert. Seine neueste Arbeit kann man hier nachlesen.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Ich komme so um acht Uhr ins Büro und arbeite in der Regel acht bis neun Stunden. Es gibt saisonale Stoßzeiten wie zum Beispiel die Vorbereitungen der Zielvereinbarungen mit den Fakultäten, die eher arbeitsintensiv sind. Meist sind Anfragen (Mail, Telefon) von WissenschaftlerInnen der Uni Wien zu den Förderinstrumenten oder von FunktionsträgerInnen zu den diversen Beschlüssen des Rektorats zu beantworten. Sehr oft benötigen entweder der Vizerektor für Forschung oder der Rektor bestimmte Auswertungen. Wie z.B. wer forscht an der Uni Wien zum Thema x? Oder eine Delegation aus dem Land x kommt zu Besuch, wer kooperiert in der Forschung mit Universitäten in diesem Land? Wieviel hat der oder die ForscherIn y in den letzten Jahren publiziert? Welche Universitäten in Österreich oder in einem anderen Land forschen im Bereich x?
Stehen Leistungsvereinbarungen, Zielvereinbarungen oder die Erstellung eines aktuellen Entwicklungsplans an, dann sind vorbereitende Unterlagen für das Rektorat zu erstellen und man macht sich gemeinsam mit den Rektoratsmitgliedern Gedanken über die strategischen Ziele der Universität und wie diese mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen sind. Dafür gibt es immer eine Menge Termine fachlich zu betreuen, rektoratsintern, mit den Fakultätsleitungen, mit den Leitungen der Serviceeinrichtungen oder anderen Leitungsorganen (Senat, Unirat), Ministerialbeamten, etc.
Ein wichtiger Teil der Regelarbeit ist auch die Vorbereitung der Rektoratssitzungen. Einmal die Woche findet ein Treffen aller Rektoratsmitglieder statt und dafür müssen alle möglichen Unterlagen vorbereitet werden. Hat der/die VizerektorIn für Forschung einen Bericht vorzulegen oder es gibt ein Thema, das einen Beschluss aller Rektoratsmitglieder benötigt (z.B. Budgets für Ausschreibungen, Bestellung von FunktionsträgerInnen, Entwurf einer Leistungsvereinbarung), dann muss ich die Unterlagen dafür vorbereiten und mich um die Umsetzung der Beschlüsse kümmern.
Wenn eine Ausschreibung, zum Beispiel für Forschungsplattformen, offen ist, dann nimmt das über mehrere Monate den Großteil meiner Arbeitszeit ein. Hier sind die Ausschreibungen zu konzipieren und zu budgetieren, viele Anfragen von WissenschaftlerInnen zu beantworten, die Ausschreibungen abzuwickeln, die Einrichtung der erfolgreichen Projekte zu administrieren und der Fortschritt der Projekte zu überwachen und zu dokumentieren.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Vielseitigkeit der Aufgaben (es gibt immer neue Anfragen, Projekte, Themen…) und des Teams (Ex-WissenschaftlerInnen, JuristInnen, PR-Leute) sowie die sehr kompetente Büroleitung.
Außerdem kann ich mich mit dem Bereich Forschung und Hochschulen beschäftigen, was mich interessiert. An einer großen, fachlich sehr heterogenen Universität hat man mit vielen unterschiedlichen Forschungsthemen aus allen Bereichen von Archäologie über Molekularbiologie bis Quantenphysik zu tun, was ich persönlich sehr spannend finde.
Selbstverständlich ist auch die freie Zeiteinteilung ein großer Vorteil. Es gibt bestimmte Deadlines, die zu erfüllen sind, aber keine Stechuhr. Das ist sehr praktisch, wenn man ein Kind hat, das zum Beispiel am Nachmittag zum Arzt oder früher aus dem Kindergarten abgeholt werden muss. Ich kann entweder früher in die Arbeit kommen, am Abend von zuhause aus arbeiten oder die Arbeit an anderen Tagen nachholen.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Zeitdisziplin: die Deadlines auch einzuhalten ist eine Herausforderung.
Bei den vielen verschiedenen Anforderungen und Themen ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren, und abzuschätzen wieviel Zeit und Energie in eine Aufgabe investiert werden muss, und/oder ob eine Aufgabe auch delegiert werden kann, etwa an eine zentrale Serviceeinrichtung.

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Ich habe mich auf ein Inserat in einer österreichischen Tageszeitung beworben.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Es gibt mehrere wichtige Punkte:

  • Akademischer Abschluss und Promotion: Für den akademischen Reputationsnachweis – von ForscherInnen, insbesondere ProfessorInnen, wird man ohne Doktorat kaum wahrgenommen, beziehungsweise würden sie sich „nichts erzählen“ lassen, wenn es um Forschung geht.
  • Eigene Erfahrung in der Forschung: Diese hatte ich durch meine Dissertation und meine Mitarbeit bei einem FWF-Projekt.
  • Erfahrung im Bereich Forschungsförderung, vor allem mit EU-Projekten: Diese hatte ich durch meine Tätigkeit bei der FFG.
  • Zeitliche Flexibilität (mal viel, mal wenig arbeiten, mal muss was schnell fertig sein, mal hat man Zeit…).

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Nein. Ich wollte ursprünglich Wissenschaftler werden und den Wald retten. Habe mich aber aus pragmatischen Gründen dann für eine Karriere in der Wissenschaftsadministration entschieden, da ich nach dem Doktoratsstudium in Wien bleiben und eine Familie gründen wollte. Einen unbefristeten Arbeitsvertrag findet man in diesem Lebensabschnitt eher in der Administration als in der Forschung. Ich wollte mein Leben nicht darauf aufbauen, von einer zeitlich befristeten oft prekären Stelle zur nächsten zu springen. Seit ich an der Universität Wien tätig bin, weiß ich, dass das eigentlich der Regelfall ist und, dass es für eine erfolgreiche ForscherInnenkarriere auch notwendig ist, Forschungserfahrung im Ausland zu sammeln. Ich habe für mich persönlich allerdings gemerkt, dass mich die Wissenschaft nicht in diesem Ausmaß begeistert, dass ich dafür bereit wäre, ein Leben als wissenschaftlicher Nomade zu führen, der mit viel Glück irgendwann mal nach Wien zurückberufen wird oder eine Dauerstelle bekommt.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Das hängt sehr stark vom genauen Betätigungsfeld und Schwerpunkt ab, und davon was man machen will. In der Wissenschaft gibt es immer Möglichkeiten, wenn man bereit ist Opfer zu bringen, und ins Ausland zu gehen, siehe oben. Es gibt Felder, die derzeit sehr gefragt sind, wie etwa die Bioinformatik. Hier sind die Chancen, in Österreich und abseits der Universität was zu finden sehr gut. Das gleiche gilt für Biochemie und Molekularbiologie, wobei der Markt hier teilweise schon gesättigt ist. Mit organismischer Biologie ist es sehr schwer abseits der universitären Forschung etwas zu finden, wo man das Gelernte auch anwenden kann. Ich kenne allerdings niemanden, der lange arbeitslos geblieben ist. Viele meiner damaligen StudienkollegInnen sind in der Wissenschaftsadministration oder in ganz anderen Betätigungsfeldern tätig.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Wie oben beschrieben: Ein Doktorat war Voraussetzung, obwohl nicht notwendigerweise in der Biologie. Für die Stelle bei der FFG war ein naturwissenschaftliches Doktorat Voraussetzung, und diese war mein Sprungbrett für meine derzeitige Position. Man lernt dann eigentlich alles im Job. Wenn man in dem Bereich noch höher hinaus will, ist ein MBA oder jede Art der Ausbildung im Bereich Wirtschaft/Finanzen sicher hilfreich.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Statistik, Mathematik und Kenntnisse der Aufbereitung wissenschaftlicher Daten.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

1. Sich bereits im Studium Gedanken über die Berufswahl und mögliche Alternativen machen, und bei der Wahl des Studienzweiges darauf zu achten. Auch bei der Masterarbeit ein einschlägiges Thema wählen.
2. Rechtzeitig während des Studiums einschlägige Praktika machen, um einen Einblick in mögliche Betätigungsfelder zu bekommen und um Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
3. Wenn man wirklich eine Tätigkeit im Bereich der Wissenschaftsadministration von vornherein anstrebt, sollte man eher nach dem BA ein Jus- oder Wirtschaftsstudium anhängen. Sich jedenfalls den MA und insbesondere das Doktorat wirklich gut überlegen. Das kann Lebenszeit sparen, wenn man nicht wirklich in die Forschung gehen will und bringt oft mehr Chancen, auch abseits der Unis. Es gibt auch interessante Postgraduate-Angebote (wie Wissenschaftskommunikation, PR, MBA, etc.), die mehr Sinn machen als ein Doktorat.

Vielen Dank für das Interview!

Universität Wien
Die Universität Wien wurde 1365 in Wien gegründet und zählt zu den ältesten und größten in Europa. Sie ist mit derzeit rund 93.000 Studenten und circa 9.700 MitarbeiterInnen die größte Forschungsinstitution Österreichs, und bietet mit über 180 Studien das vielfältigste Studienangebot des Landes. Im Bereich der Forschung gliedert sie sich in 15 Fakultäten und 4 Zentren, für die Organisation der Studien sind 49 Studienprogrammleitungen und der Studienpräses verantwortlich. Administrativ gliedert sich die Uni in 5 Stabstellen, 11 Dienstleistungseinrichtungen und die Qualitätssicherung.
Das Büro des Rektorats unterstützt den Rektor und die VizerektorInnen bei der Vorbereitung der zu treffenden strategischen Entscheidungen im Zusammenwirken mit den anderen universitären Organen (insbesondere Universitätsrat, Senat, DekanInnen, StudienprogrammleiterInnen, etc.).

FP7: 7th Framework Programme for Research and Technological Development
Das 7. Rahmenprogramm (7. RP) mit einer Laufzeit von 7 Jahren (2007-2013) war das zu der Zeit größte transnationale Forschungsprogramm der Europäischen Union mit einem Gesamtbudget von 54 Milliarden Euro. Das Ziel der Rahmenprogramme ist die Stärkung der wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der Industrie der Gemeinschaft sowie die Förderung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Im Rahmenprogramm werden die wissenschaftlichen und technologischen Ziele, die Grundzüge der Maßnahmen und Forschungsprioritäten, der Gesamthöchstbetrag und vorläufige Verteilung der Mittel, sowie die Einzelheiten der finanziellen Beteiligung der EU festgelegt.
Das Nachfolgeprogramm, gültig von 2014 – 2020, nennt sich Horizon 2020.

Ciliat in Tusche. Diese „Lebenddarstellung“ wird für Bestimmungsliteratur verwendet. Quelle: Michael Gruber

Michael Gruber hat sein Ökologiestudium an der Universität Wien mit Schwerpunkt Meeresbiologie und Elektronenmikroskopie absolviert. Er ist seit 2012 technischer Assistent an der Universität Salzburg und seit 2015 außerdem freischaffender naturwissenschaftlicher Illustrator.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Abb. 1: Michael Gruber bei der Arbeit: Es erfordert viel Genauigkeit und einen guten Blick fürs Detail, Illustrationen von Organismen anzufertigen. Quelle: Michael Gruber

Hauptberuflich vermesse und zeichne ich Ciliaten (Einzeller) im Zuge eines FWF Projektes zur taxonomischen Bestimmung von Bodeneinzellern aus Venezuela, Galapagos und Australien. Da diese Tiere sehr klein sind, so zwischen 40-200µm, benötigt man ein Mikroskop um sie zu sehen. Mittels eines sogenannten „Zeichenapparates“ (Camera lucida), der seitlich am Mikroskop befestigt ist, fertige ich zuerst Bleistiftzeichnungen an, die dann noch reingezeichnet und zum Schluss in Tusche ausgeführt werden. Die Ciliaten befinden sich fixiert auf Objektträgern und werden mittels Öl-Immersion (1000-fache Vergrößerung) bestimmt.

Nebenberuflich bin ich seit Mitte 2015 als naturwissenschaftlicher Illustrator selbstständig tätig. Hier richtet sich der Arbeitsalltag nach den Aufträgen und Wünschen der Kunden.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Zuallererst, dass es ein Job ist, den ich von Herzen gerne mache: ich kann meine Kreativität nutzen, um Leute auf Besonderheiten der Natur aufmerksam zu machen. Dieser Job verbindet dadurch meine beiden Lieblingsbereiche: Biologie und Illustration.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Ich bin noch nicht sehr lange als freischaffender Illustrator tätig, aber das Schwierigste ist bislang die Suche nach Kunden gewesen. Die meisten, die per Mail antworten, bedanken sich freundlich, aber haben meist nicht die nötige Finanzierung oder bereits eigene Illustratoren oder Grafiker. Es gibt aber immer wieder sehr nette Kolleginnen und Kollegen, die Einblicke in ihre Sammlung erlauben, um das eigene Portfolio ein bisschen zu vergrößern oder unentgeltlich Zeichnungen in Magazinen veröffentlichen, was als Werbung natürlich auch nicht zu verachten ist.

Abb. 2: Chamäleon: Farbstifte, Tusche und Marker für die Highlights. Quelle: M. Gruber

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Die Stelle an der Universität Salzburg als technischer Assistent war eigentlich als Doktoratsstelle im Internet und in der Zeitung ausgeschrieben. Wir konnten uns aber einigen, mich als technischen Assistenten anzustellen, da mir eine weitere wissenschaftliche Laufbahn aus familiären Gründen nicht zusagte. Dies war ein echter Glücksgriff und gab mir die Chance eine neue Zeichenart für mich zu entdecken: die Mikroskopie-Zeichnung. Viele der Organismen, die wir nicht oder nur sehr schlecht sehen, haben eine beeindruckende Körpersymmetrie und Schönheit wie man sie zum Beispiel in den Darstellungen von Ernst Haeckl findet. Dies sind die Dinge, die mich faszinieren und die ich den Leuten, die mit diesen Lebewesen im Alltag nicht so viel zu tun haben, näherbringen will.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Genauigkeit, Neugierde und Faszination.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Eigentlich wollte ich als aktiver Meeresbiologe am Meer leben und forschen. Dieser Gedanke an endlose Freilandarbeit im Wasser, tolle Entdeckungen und viel Spaß waren zwar rückblickend gesehen leicht naiv, aber sehr anspornend. Erst bei meinem 10-jährigen Maturaklassentreffen, da arbeitete ich bereits seit Kurzem als technischer Assistent, sagte meine ehemalige Deutschlehrerin zu mir, dass sie eigentlich früher dachte ich würde einmal Zeichner oder Künstler werden – das hat mir dann letztlich die Augen für diesen Beruf geöffnet.

Abb. 3: Krebs in Punktiertechnik mit Tusche. Quelle: M. Gruber

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Die Arbeitsmarktsituation ist meiner Meinung nach nicht sehr gut; speziell in meiner Branche. Auf hochwertige Illustrationen wird leider sehr wenig Wert gelegt. Viele Kunden möchten Qualität – aber am liebsten gratis. Am Stellenmarkt findet man am ehesten etwas in der Pharmabranche und in der Mikrobiologie oder Genetik, aber wenn man etwas Anderes sucht, stößt man bald an seine Grenzen. Trotzdem sollte man die Hoffnung nicht aufgeben: auch wenn man anfänglich nicht den Job macht den man sich gewünscht hat, der richtige kommt bestimmt!

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Das Biologiestudium ist nicht zwingend notwendig, hilft aber sehr, die komplexen Strukturen und die Anatomie von Tieren und Pflanzen besser zu verstehen. Am besten wäre es, gleich naturwissenschaftliche Illustration zu studieren.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Die diversen anatomischen Zeichenübungen, Zoologie und Systematik.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Beharrlich seine Ziele zu verfolgen und sich immer weiterzuentwickeln. Jede neue Technik, jede zusätzliche Ausbildung kann nur von Nutzen sein.

Vielen Dank für das Interview!

Abb. 4: Gorillas in Gouache, einer Art Wasserfarbentechnik. Quelle: M. Gruber
Abb. 1: Katharina Bastl. Quelle: MedUni Wien/F. Matern

Titelbild: Regelmäßige Gänge in die Natur und Beobachtung der Blühfortschritte sind ein wichtiger Bestandteil in der Aerobiologie. Quelle: Katharina Bastl

Katharina Bastl hat Biologie in Wien studiert und danach ihren Doktor im Schwerpunkt Paläontologie absolviert. Seit 2012 ist sie als Universitätsassistentin befristet an der Medizinischen Universität Wien angestellt. Hier arbeitet sie am Institut für Hals-, Nasen- und Ohren-Erkrankungen und ist für den Österreichischen Pollenwarndienst mitverantwortlich.

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Titelbild: Ökologe Albin Blaschka – die Arbeit im Freiland ist neben Literaturrecherche, Absprachen mit Projektbeteiligten, Nachbereitung, Auswertung und Publikationstätigkeit nur ein Aspekt seines Arbeitsbereiches. Quelle: Albin Blaschka

Albin Blaschka

Albin Blaschka ist seit September 2002 an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft (einer Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – BMLFUW), zuerst über Werkverträge, seit Anfang 2004 als „Freier Dienstnehmer“, tätig. Zwischen 1992 und 2000 hat er Ökologie an der Universität Salzburg studiert (Magister) und zwischen 2008 und 2015 im Rahmen seiner Tätigkeiten, über die Universität Salzburg ein Doktorat absolviert.

Sein „offizieller“ Arbeitsbereich ist Projektmanagement und Support von internationalen Projekten. Die fachlich-wissenschaftlichen Tätigkeiten umfassen angewandte Fragestellungen aus den Bereichen Vegetationsökologie, Landschaftsökologie, ökologische Wiederbegrünung und Renaturierungsökologie. Zurzeit beschäftigt sich Albin Blaschka intensiv mit dem Management von Almweiden unter sich ändernden Bedingungen, unterschiedlichen Landnutzungssystemen und multifunktional genutzten Landschaften. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist es, Wissen und Erkenntnisse der Grundlagenforschung für die praktische Anwendung aufzubereiten und an Bedarfsträger (Landwirte, aber auch Naturschutz und Tourismus, etc.) weiterzugeben.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Mein eigentlicher Aufgabenbereich liegt im Projektmanagement für internationale Projekte unserer Forschungsanstalt: Informationen über Ausschreibungen zusammentragen, bei der Antragsstellung mitarbeiten, Berichtswesen und Abrechnungen sowie Beratungen und Hilfestellungen für KollegInnen an der Forschungsanstalt.
Es bleibt aber auch Zeit für fachlich-wissenschaftliche Tätigkeiten, entweder in den Projekten für deren Management ich verantwortlich bin, oder aber auch in eigenen oder von KollegInnen durchgeführten Projekten. Die zeitliche Aufteilung hängt stark von der Jahreszeit beziehungsweise vom jeweiligen Projektzyklus ab und natürlich davon, wie viele Projekte gerade an unserer Anstalt laufen. Wenn ich hauptsächlich wissenschaftlich arbeite, verteilt sich meine Zeit auf verschiedene Bereiche: Vorbereitungen und Literaturrecherche, Absprachen sowohl mit am Projekt beteiligten KollegInnen, aber auch mit GrundeigentümerInnen usw., Geländearbeit/Datenaufnahmen während der Vegetationsperiode(spätes Frühjahr und Sommer), Nachbereitung (Proben versorgen, Dokumentation, Datenmanagement, Nachbestimmungen von Arten) und Auswertungen (Statistik, GIS, etc.), Berichtswesen und Publikationstätigkeiten.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung, die Herausforderung, Theorie und Konzepte in praxistaugliche Maßnahmen oder Empfehlungen umzusetzen, Wissen aus unterschiedlichen Bereichen (Botanik/Ökologie, Landschaftsökologie, Naturschutz, Landwirtschaft) zu verknüpfen und manchmal zu sehen, dass Ergebnisse der eigenen Arbeit von den BedarfsträgerInnen verwendet werden.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Anstrengend wird es, wenn es gilt gegen vorgefasste Meinungen und gegenseitige Vorurteile (Ökologie/Naturschutz auf der einen und Landwirtschaft auf der anderen Seite) anzukämpfen – „Wir haben das immer schon so gemacht, und werden das jetzt nicht ändern“. Auch Hierarchien und Bürokratie lassen einen von Zeit zu Zeit das Vorbild von Don Quijote ziemlich erstrebenswert erscheinen, bei allem Verständnis, dass in einer (alpinen Kultur-) Landschaft, in der viele Interessen zu Recht herrschen, Regeln und deren Einhaltung unbedingt notwendig sind.

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Durch puren Zufall bzw. eigentlich Glück: Eine Studienkollegin hatte einen Werkvertrag an der Forschungsanstalt, den sie aber wegen einer anderen Jobmöglichkeit, die ihr mehr entsprach, nicht mehr vollständig erfüllen konnte. Nach Gesprächen mit dem verantwortlichen Kollegen, konnte sie den Werkvertrag auf mich übertragen – ich war damals freiberuflich tätig und immer auf der Suche nach Aufträgen. Daraus ergaben sich Folgeaufträge, zuerst ebenfalls auf Werkvertragsbasis. So entstand dann im Rahmen meines ersten EU/INTERREG – Projektes ein zeitlich begrenzter Vertrag als freier Dienstnehmer, dem durchgehend bis heute weitere folgten.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Die fachlichen Grundlagen der Ökologie bzw. die Kenntnis naturräumlicher Zusammenhänge und Grundkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung und Arbeit sind die unverzichtbare Basis. Weiter sind Datenmanagement, systemtheoretisches und räumliches Denken, GIS, grundlegende Programmierkenntnisse und Organisationstalent notwendig.
Jedoch alles, was irgendwann notwendig wäre, kann man nicht lernen/beherrschen. Daher ist es ebenso unverzichtbar, zu wissen, wo die eigenen Kenntnisse aufhören und es nicht klug ist, zu versuchen diese sich anzueignen, sondern sich KollegInnen zu suchen und mit diesen Kooperationen aufzubauen und gemeinsam an die Lösung des Problems heranzugehen.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Im Prinzip entspricht es meinem Berufswunsch – auch wenn mein absoluter Wunschtraum während des Studiums ursprünglich mehr im universitären Umfeld bzw. im Bereich der Grundlagenforschung angesiedelt war. Auch ist der Teil meiner Arbeit, der rein im administrativen Bereich angesiedelt ist, nicht unbedingt motivierend. Er gehört jedoch dazu und bietet andererseits auch interessante Einblicke in andere Tätigkeitsbereiche. Abgesehen davon ist Projektmanagement auch ein Teil jeder wissenschaftlichen Arbeit, auch wenn mir das früher noch nicht bewusst war.

Landschaft als Labor bzw. Untersuchungsobjekt und angewandtes Arbeiten ist abwechslungsreich, heißt auch außerhalb der eigenen Expertise selbst mit anzupacken. Quelle: Albin Blaschka

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Die Situation ist sicher sehr schwierig und mit hohem Risiko verbunden, einen guten Job zu finden, speziell wenn man räumlich nicht so flexibel sein kann oder will. Beschränkt man sich auf die Stadt, in der man studiert hat oder die unmittelbare Umgebung, gibt man sich selber noch ein großes Handicap dazu. Sieht man sich als EuropäerIn und hat man auch entsprechende Fremdsprachenkenntnisse (im Prinzip heißt das zusätzlich zu Englisch eine weitere Sprache), erweitert dies die Chancen sehr. Wichtig sind auf jeden Fall Engagement, Fertigkeiten und Fähigkeiten („soft skills“), die über das rein Fachliche hinausgehen, leider auch meist mehr als für einen „normalen“ Job.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ein Biologiestudium ist auf jeden Fall notwendig. Kenntnisse der Landwirtschaft, zu Landnutzungssystemen allgemein und der Tierhaltung im speziellen, die ich mir in großen Teilen „on the job“ angeeignet habe, sind für die Art von Fragen, die ich bearbeite, ebenso notwendig. Kenntnisse in Ökonomie wären wünschenswert, fundierte Kenntnisse in Datenmanagement und Computer allgemein sind ebenso unverzichtbarer Teil des „Handwerks“. Diese habe ich mir zuerst als Hobby bereits zu Schulzeiten, dann im Rahmen meiner Arbeiten seit der Diplomarbeit selbst angeeignet. Statistik war während meines Diplomstudiums noch nicht so bedeutend, was sich aber inzwischen geändert hat, und das ist gut so.
Über Ausbildung/Lernen hinausgehend ist sicher ein gutes Maß an Organisationstalent und ein gewisses Selbstvertrauen und Auftreten (Vorträge, Besprechungen, etc.) zumindest hilfreich. Auch erleichtert eine gewisse Stressresistenz und Leidensfähigkeit, „Wetterfestigkeit“ und „Robustheit“ die Geländearbeiten.
Im Umfeld internationaler Kooperationen und dem Publizieren der Ergebnisse sind gute Englischkenntnisse Grundbedingung, (grundlegende) Kenntnisse einer weiteren Fremdsprache auf jeden Fall hilfreich und ein zusätzlicher Bonus.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Kenntnisse von ökosystemaren Zusammenhängen, Wissen über heimische Pflanzengemeinschaften, systemisches Denken, Artenkenntnisse und das systematische Herangehen an ein Problem/an eine Frage, also die „wissenschaftliche Methodik“ als solches, auch wenn das jetzt ein wenig klischeehaft klingt.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Bei aller Begeisterung für das eigene Fach und der notwendigen Konzentration darauf, ist es unbedingt notwendig, sich einen offenen Geist zu bewahren und zu akzeptieren, dass das Studium einem nur den Weg weist und Lernen ein ständiger Prozess und damit Teil des eigenen Lebens sein muss. Auch sich eine gesunde Portion kindlicher Neugierde und Spieltrieb zu bewahren, sich die Hartnäckigkeit aneignen, alles (auch sich selbst bzw. die eigene Meinung) in Frage zu stellen. Und über allem muss Ausdauer stehen und die Konsequenz sich von Misserfolgen jeglicher Art auf dem Weg zu einem „guten“ Job nicht abbringen zu lassensowie dabei auch nicht zu vergessen, dass das Leben aus mehr als Arbeit besteht, mag man sich auch noch so sehr damit identifizieren.

Vielen Dank für das Interview!

Titelbild: © Rodrigo Soldon 2 via Flickr

Wolfram Tertschnig ist derzeit Leiter der Abteilung I/3 Umweltförderpolitik, Nachhaltigkeit, Biodiversität des Bundesministerium für ein lebenswertes Österreich (BMLFUW). Das Doktoratsstudium der Zoologie, mit Nebenfach Psychologie, hat er 1986 mit seiner Dissertation an der damals neu eingerichteten Abteilung für Marinbiologie – Meeresökologie abgeschlossen. Bevor er 1988 als Referent für Chemikalienpolitik im österreichischen Umweltministerium tätig wurde, arbeitete er vor allem an FWF-finanzierten und mit ausländischen Forschungsfinanzierungen dotierten Projekten mit, zum Beispiel im tropischen Atlantik (Bermuda) und in Mittelamerika (Belize).
Nach einem Jahr im Ministerium bekam er bereits die Chance Abteilungsleiter der neuen Abteilung für Technologiepolitik im Umweltbereich zu werden; von da an folgten weitere leitende Funktionen in den Bereichen Umweltförderung, Umweltforschung und Forschungskoordination, Umweltbildung, sowie Planung im Bereich nachhaltige Entwicklung. Tertschnig war maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung des Nationalen Umweltplans und der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie beteiligt.

1) Beschreiben Sie bitte kurz Ihren Arbeitsalltag. Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Wolfram Tertschnig – Leiter der Abteilung I/3 Umweltförderpolitik, Nachhaltigkeit, Biodiversität des BMLFUW © BMLFUW

Der Arbeitsalltag besteht im Wesentlichen aus Steuerung und Koordination in meinen Zuständigkeitsbereichen. Dazu gehört ebenso die koordinierende Steuerung im Bereich von umweltschutzrelevanten Förderungen – im betrieblichen Bereich aber auch teilweise privat (zum Beispiel thermische Sanierung), als auch die Lenkung in Bereichen wie Bildung, NGO-Management, Ressourcenpolitik, Corporate Social Responsibility, und so weiter. Zudem bin ich für die Abteilung an sich und für die Führung meiner MitarbeiterInnen verantwortlich – wir sind derzeit 16 Personen in der Abteilung. Personalmanagement und die notwendigen Skills, die man in diesem Bereich braucht, sind also ebenfalls wesentliche und prägende Aufgaben meiner Rolle.

2) Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am meisten?

Ich bin in einem Bereich gelandet, in dem ich gestalten und entwickeln, sowie auch politische Prozesse beeinflussen kann. Das war aber nicht mein Motiv, Biologie zu studieren und ist auch nicht der typische Startpunkt im Ministerium. Durch vielfältige Interessen konnte ich mich über die Zeit hinweg für diese Position qualifizieren. So ist es mir nun möglich, in Dingen, die mir wichtig sind einen Beitrag zu leisten, sodass sich Veränderungen zum Positiven ergeben – ob es nun Klimapolitik ist oder die Frage, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Ich beschäftige mich mit echten Zukunftsfragen. Diese haben zwar nicht viel mit Detailkenntnissen aus meinem Studium zu tun – aber hier liegt mein spezielles Interesse. In meinem Tätigkeitsbereich ist es sehr von Vorteil, wenn man einen breiten Interessensbereich hat und in der Lage ist, über den Tellerrand zu blicken.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Ihrem Beruf? Was sind für Sie die größten Herausforderungen?

Wenn man im Umweltschutz, der Umweltpolitik, der Umweltverwaltung und nahen Bereichen arbeitet, dann ist man in fast allen Konstellationen mit einer Schwierigkeit konfrontiert: bereichsübergreifend zu denken und arbeiten. Man muss sich bei Herausforderungen bewähren, die ganz wenig mit fachspezifischer Komplexität einer bestimmten Frage zu tun haben, sondern viel mehr mit der Fähigkeit, sich mit Themenbereichen zu vernetzen, in denen man keine Fachkompetenz besitzt. Dies hat viel mit der eigenen Arbeitsweise zu tun: wieweit man in der Lage ist, eigenständig zu arbeiten und zu denken, sowie wie sozialkompetent jemand ist.

Natürlich kann dies von Bereich zu Bereich ein bisschen unterschiedlich sein. Ich bin an eigenständigen und vielseitigen Personen interessiert. In anderen Bereich geht es vielleicht eher um fachspezifische Ausbildungen.

4) Wie sind Sie auf diesen Job aufmerksam geworden?

Eigentlich bin ich zufällig über persönliche Beziehungen im Ministerium gelandet. Ich war nach meinem Studium im Wackel zwischen der Erfüllung meines Lebenstraums im Wasser zu arbeiten und der Notwendigkeit, mit einem sicheren Job in das Berufsleben einzusteigen. Damals gab es das Instrument “Akademikertraining”, wodurch ich verschiedene Möglichkeiten ausprobieren konnte; ich habe auch versucht, im Umweltbundesamt unterzukommen. Dann bekam ich die Chance im Ministerium zu arbeiten und bin hier picken geblieben.

5) Welche Qualifikationen sind für Ihre Tätigkeit besonders wichtig?

Es gibt hierfür keine Einheitsempfehlung, da es vom Anwendungs- und Tätigkeitsbereich abhängt, welche Kombinationen nun gesucht werden. Ich kann nur soviel sagen: Leute, die ich interessant finde, sind jene, die aus dem Regelstudium ausbrechen. Niemand im Ministerium sucht explizit eine/n BiologIn mit Spezialkenntnissen. Es werden Generalisten mit Querschnittserfahrungen, sowohl im Studium als auch studiumsbegleitend, gesucht. Hierzu zählen naturwissenschaftliche, technische, juristische, ökonomische Kenntnisse, sowie Erfahrungen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zentral mit dem gewählten Studium oder der Bachelor-/Masterarbeit zu tun haben. Die Kenntnise müssen nicht auf akademischer Basis gewonnen werden, sondern können auch in (gesellschaftlichem) Engagement Ausdruck finden. Des Weiteren sind auch vielfältige Auslandserfahrungen und Sprachkenntnisse wichtig. Ich war damals einer der wenigen in meinem Studium, die versuchten während der Dissertation und danach Auslandserfahrungen zu sammeln; heute gehören solche Punkte zu einem guten Lebenslauf dazu.

Ein Grundverständnis von Biologie reicht in einem Bereich, in dem es um Generalistentum und sektorübergreifende Arbeit geht, nicht aus. Es braucht auch die Motivation sich mit Bereichen auseinanderzusetzen, die man im Rahmen der Uniausbildung nicht gelernt hat, oder bereits ein fächerübergreifendes Studium zu betreiben.

Tertschnig bei der Green Events Conference 2015 © F.J. Morgenbesser via Flickr

6) War es schon immer Ihr Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hatten Sie früher andere Berufswünsche?

Nein, überhaupt nicht. Das Ministerium war für mich vor meiner Anstellung eine unbekannte Welt. Mit zwölf Jahren habe ich gewusst, dass ich im Meer arbeiten möchte. Das war auch der Grund warum ich Biologie studierte: ich war viecherdamisch und wollte etwas mit Meer machen. Ich bin auch lange Zeit jeden zweiten Abend auf der Uni gesessen und habe verbissen versucht, berufsbegleitend zu habilitieren, aber irgendwann ist mir die Puste ausgegangen. Der Traumjob wäre also gewesen in der Meeresforschung bleiben zu können, aber ich habe mich dann für einen anderen Weg entschieden. Die Möglichkeiten für eine universitäre Anstellung waren eben auch damals schon überschaubar.

7) Wie sehen Sie die Arbeitsmarktsituation in Ihrem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für BiologInnen?

Es gibt Chancen für BiologInnen im Ministerium, allerdings sind diese nicht besser, als für Leute, die aus anderen Studienrichtungen kommen. Ein abgeschlossenes Biologiestudium ist noch kein Garant für eine Anstellung im Ministerium. Wir suchen hier vor allem Generalisten, die Kenntnisse und Interesse in drei Bereichen haben: Jus – man sollte mit rechtlichen Fragestellungen konzeptiv und im Vollzug umgehen können; Naturwissenschaften – ein technisch-naturwissenschaftlicher oder biologischer Hintergrund; sowie Kenntnise bezüglich betriebs- und volkswirtschaftlicher Fragestellungen. Auch ein bisschen akademisches Wissen hinsichtlich der Frage, wie Politik zustande kommt kann nicht schaden. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass NaturwissenschaftlerInnen bessere Karten haben. Zudem sind betriebliche Erfahrungen und Verwaltungspraktika, sowie auch Auslandserfahrungen und eine breite Qualifikation von Vorteil.

8) Ist ein Biologiestudium für Ihre Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Wie ich bereits erwähnt habe: Wer mit einer reinen akademischen Qualifikation als BiologIn im Ministerium unterkommen möchte, muss extremes Glück haben, etwa weil in einer bestimmten Nische gerade Spezialwissen gefragt ist, welches auf hohe politische Nachfrage stößt – da fällt mir im Moment aber nicht direkt etwas ein. Bei uns werden eher Menschen gesucht, die durch ihre Vita nicht nur qualifiziert, sondern auch interessant sind, da sie Qualifikationen im Kernbereiche des Studiums aufweisen, aber auch darüber hinaus. In meiner Abteilung arbeiten zum Beispiel auch Juristen, Landschaftsplaner sowie Wasser- und Kulturtechniker. Eine der Stärken einer thematisch so breit aufgestellten Abteilung, wie ich sie leite ist, dass man Einblicke in vielfältige Bereiche gewinnt. Ich tu mir selber leicht, mich mit möglichst vielen Dingen zu beschäftigen und ich denke, das ist etwas, das Leute auszeichnen sollte, die in diesem Ministerium arbeiten.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigen Sie in Ihrem Berufsalltag am häufigsten?

Nichts – das Studium war damals anders angelegt. Ich habe durch die oberflächliche Wissensvermittlung nur ein bisschen Grundwissen erhalten. Die Ausbildung in der Biologie war zudem damals sehr politikfremd.

Meine nicht intensiv betreute Dissertation hat hingegen dazu beigetragen Selbstständigkeit zu entwickeln und komplexe Zusammenhänge analytisch betrachten und interpretieren zu lernen. Die relevanten Inhalte für meinen derzeitigen Beruf habe ich mir also mehr oder weniger selber beigebracht, sicherlich nicht im damaligen Betrieb von Vorlesungen und Praktika. Ich hatte auch das Glück zu einer Zeit in den Beruf einzusteigen, in der Learning-on-the-Job noch Praxis und nicht die Ausnahme war.

10) Was würden Sie Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Ich beziehe mich auf meine vorherigen Antworten: Schaut über den Tellerrand! Es bringt viel, wenn man inhaltlich vielfältig und multidisziplinär orientiert ist; in sprachlicher Hinsicht mehr als lediglich Deutsch kann und möglichweise außerhalb des akademischen und universitären Betriebs bereits Erfahrungen gewonnen hat, wie zum Beispiel im verwaltlichen und betrieblichen Bereich.


Vielen Dank!