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Titelbild: Myriam Visram taucht mit ihren Lesern in die Leidenschaft und Wissenschaft des Kochens ein. Quelle: Myriam Visram

Myriam Visram_Portrait

Myriam Visram

Bloggerin und Wissenschafterin

… und eine luxemburgische, englische, europäische „mischmasch“-Weltbürgerin. Sie hat einen BSC der Forensik und einen MSC und PhD der Biochemie und molekularen Biomedizin. Anfang letzten Jahres startete Myriam als Ausgleich zu vielen Bewerbungsschreiben einen Foodblog – Milly’s Melting Pot. Neben den Rezepten der Fusionsküche, versucht sie dort ihren Lesern auch die Biochemie des Essens und des Alltags näher zu bringen. Nach wenigen Monaten hat sich aus dem Blog eine wahre Leidenschaft entwickelt, sodass Myriam Visram Ende letzten Jahres ein Einzelunternehmen gründete. So wurde das Hobby zum Hauptberuf. Nun arbeitet sie als „Frau für alles“: Gründerin, Marketingmanagerin, Buchhalterin, Köchin, Wissenschafterin und vieles mehr.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Zum einen schreibe und suche ich interessanten Content für meinen Blog. Und zum anderen kümmere mich dann um die dazugehörenden sozialen Medien, das Marketing und vieles mehr.
Normalerweise fange ich mit einem 3/6/12 Monatsplan an, um mir der Richtung klar zu sein, in die ich gehen will. Zur Erarbeitung eines Rezeptes gehört auch das Einkaufen, Kochen, Dekorieren, Fotografieren, Fotos bearbeiten, Beitrag schreiben, veröffentlichen, bewerben etc. An einem Beitrag arbeite ich oft 15- 20 Stunden. Da steckt mehr Arbeit dahinter, als man glaubt!

Auf meinem Blog gibt es auch eine eigene Rubrik „The bubbly biochemist“ mit Artikeln, welche die wissenschaftliche Seite von Ernährung und Kochen zeigen. Über die Biochemie des Alltags zu schreiben ist sehr anders. Um jeden Artikel glaubwürdig und wahrheitsgemäß zu schreiben, muss ich gründlich recherchieren – Papers lesen, Informationen sammeln, vergleichen, analysieren. Am Schluss versuche ich einen Artikel zu schreiben, der für jeden verständlich ist. Der Zeitaufwand ist groß, aber es macht enorm viel Spaß! Da es aber so viel Zeit in Anspruch nimmt, schreibe ich nur einmal im Monat (oder weniger) einen Artikel für diese Rubrik. Ich spiele aber jetzt auch mit dem Gedanken, diese Rubrik nur aus Gastartikeln zu gestalten.

Ich versuche auch den Blog durch verschiedene Strategien zu erweitern und bekannter zu machen. Dazu gehört auch viel Fortbildung, da ich selber nicht aus dem Marketing komme. Zum Beispiel versuche ich mich jetzt in den Bereichen „Social Media Marketing“ fortzubilden, da ich dies tagtäglich brauche. Hier kommt mir meine wissenschaftliche Ausbildung sehr zugute, wie zum Beispiel die Fähigkeit viele Informationen schnell und kritisch zu analysieren, zu hinterfragen und dann das Beste herauszufiltern.


Abb. 2: Knoblauchbutter mit Wildblüten: Auf dem Blog gebe ich auch Tipps und Tricks, wie man viele Sachen selber zu Hause machen kann, unter anderem seine eigene Butter oder hausgemachten Naturjoghurt. Quelle: Myriam Visram

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Am meisten gefällt mir, dass ich meine Energie für etwas hergebe, das ich gerne mache und das mich glücklich macht. Besonders gefällt mir die Vielseitigkeit der Tätigkeiten und dass ich mich in so viele andere Richtungen fortbilden und entwickeln kann. Mir gefällt auch, dass bis zu einem gewissen Grad der Erfolg dieses Unternehmens in meinen eigenen Händen liegt, und dass ich tagtäglich aufstehen darf, um das zu tun was ich liebe – kochen!

Ein Herzenswunsch ist aber auch, die Erfolge der Wissenschaft, denen oft mit Skepsis und Angst begegnet wird, einem breiteren Publikum bereitzustellen. Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt ist sehr schnell – sogar als Wissenschafterin habe ich manchmal Mühe das ganze Ausmaß des wissenschaftlichen Fortschritts zu verstehen. Die „Science Busters“ machen das zum Beispiel gerade auf wundervolle Art und Weise einem breiten Publikum zugänglich.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Schwierig ist derzeit (wie bei jeder Gründung), dass es Zeit braucht, ein qualitativ hochwertiges Produkt auf den Markt zu bringen, das durch Authentizität die Menschen anspricht und das man dann auch monetarisieren kann. Das Geld ist knapp, die Angst ist groß, aber die Leidenschaft enorm!

Persönlich ist aber immer noch die größte Herausforderung, an mich selber zu glauben – zu glauben, dass ich es schaffen kann! Damit hadere ich jeden Tag!:) Mittlerweile ignoriere ich aber diese Zweifel und schreite voran! Denn was ist das Schlimmste, das passieren kann?

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Der Blog ist als Hobby entstanden: Ich wollte am Anfang eine Art Tagebuch mit meinen Familienrezepten schreiben. Aber eigentlich wollte ich alles auf Papier niederschreiben – so ganz „old school“. Dann hat mein Freund vorgeschlagen, ich soll alles online machen, um es mit meiner Familie teilen zu können. Von da an ist der Ball ins Rollen gekommen. Der Blog entwickelt sich jeden Tag weiter. In Europa ist die Blogger-Szene gerade enorm am Wachsen und ich wollte daher diese Chance nützen.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Durch meine Qualifikation als Naturwissenschafterin bin ich sehr organisiert, habe einen guten Überblick und ein gutes analytisches Denkvermögen. Als Biochemikerin habe ich einen ganz anderen Ansatz in der Küche: ich versuche zu verstehen, wie alles funktioniert und wie ich verschiedene chemische und physikalische Prinzipien auch zuhause anwenden kann. Zum Beispiel: Wieso es wichtig ist, die Pasta ohne Öl im Wasser zu kochen! Ich glaube am meisten hilft mir aber gerade meine Fähigkeit als Wissenschafterin schwierige Informationen verständlich aufzubereiten und zu erklären. In diesem Sinne ist auch die Idee eines Kinderbuches geboren worden, das den Kindern einen verständlichen und gesunden Zugang zum Essen erklären soll.
Was mir ein bisschen fehlt, ist das Wissen im Marketing und Grafikdesign. Dafür investiere ich aber gerne in kompetente Hilfe. (Mit der Buchhaltung tue ich mir auch sehr schwer 🙂 .

Abb. 3: Schnelle Tomaten-Knoblauch-Linguine. Quelle: Myriam Visram

Abb. 3: Schnelle Tomaten-Knoblauch-Linguine. Quelle: Myriam Visram

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Früher habe ich eine akademische Karriere in der Forschung angestrebt. Nach dem Abschluss meines Doktorats habe ich aber gemerkt, dass diese Karriere doch nichts für mich ist. Ich habe lange gebraucht, um es mir selber einzugestehen.

Wichtig ist es zu wissen, dass kein Wissen je verloren ist. Und so nutze ich auch mein biochemisches Wissen in der Küche und in meiner Blogrubrik „The bubbly biochemist“. Dort versuche ich, den Lesern alltägliche Wissenschaft näher zu bringen. Zum Beispiel habe ich einen Artikel geschrieben, der die Unterschiede zwischen Homöopathie und Pflanzenheilkunde erklärt.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Als Blogger ist man selbstständig und muss daher sein Business selber aufbauen. Dazu gehört viel Kreativität und Durchhaltevermögen. Die Konkurrenz in der Foodblogszene ist groß und man muss sich von den Mitstreitern klar unterscheiden.

Die Öffentlichkeit hat aber großes Interesse am wissenschaftlichen Fortschritt, deshalb denke ich, dass man als Biologe/Biochemiker in der Wissenschaftskommunikation den Zahn der Zeit treffen kann! Die Menschen wollen wissen, was sie essen und wie es auf sie wirkt. Wie bleibt man gesund? Wie funktioniert mein Körper? Das sind alles Themen, auf die die Menschen sehr positiv und neugierig reagieren.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Mein naturwissenschaftliches Studium hilft mir enorm, da man als Wissenschafter oder Wissenschafterin nicht nur Fakten lernt, sondern es wird einem eine ganz spezielle inquisitive und analytische Denkweise mitgegeben. Als Forensikerin habe ich gelernt, wie man sein Umfeld anschaut, analysiert und mit den „unsichtbaren“ Sachen in diesem umgeht. Zum Beispiel wende ich das Prinzip des „Transfers“ jeden Tag an, wenn es um Hygiene in der Küche geht. Wo ist der Schmutz und wie kann ich die Küche reinigen?

Als Biochemikerin habe ich gelernt, wie der Körper funktioniert und auf seine Umwelt reagiert. Das Studium der Biomedizin hat mir auch geholfen zu verstehen, wie der Mensch als Ganzes funktioniert und nicht nur die Summe seiner Teile.

Außerdem hat mir bei der Planung auch der „Business Management“-Kurs geholfen, den ich seitens des AMS machen durfte, als ich arbeitslos war. Ich finde für jede Arbeit sollte man ein gewisses unternehmerisches Grundwissen besitzen, sei es Marketing, soziale Medien, Buchhaltung etc.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Das meiste Wissen, das ich anwende, ist das Wissen über die Biochemie des Essens, des Körpers und des Alltags. Darüber schreibe ich auch sehr viel.
Als leidenschaftliche Köchin kommen mir aber auch manche Labortricks in der Küche zugute. Zum Beispiel kann man die Farbe eines Rotkohls beeinflussen je nachdem, ob er in einer sauren Umgebung ist oder nicht. Auch kann man theoretisch ohne Eismaschine per Hand Eiscreme machen. Dafür stellt man die Schüssel mit der Eiscrememischung in eine andere Schüssel, die mit Eiswürfeln und Salz gefüllt ist. Durch das „Auflösen“ des Salzes wird die kristalline Struktur aufgebrochen, was wiederum Energie braucht. Diese Energie wird aus der „ersten“ Schüssel mit der Eiscreme gewonnen, was die Mixtur abkühlt. Daran arbeite ich aber noch, um eine Technik zu entwickeln, die bei jedem zuhause funktionieren kann. Bis jetzt habe ich erfolgreich Wasser zum Gefrieren gebracht, der nächste Schritt wird die Eiscreme sein. (Eher Physik als Biochemie, aber Wissenschaft ist Wissenschaft .) 🙂
Ich analysiere auch gerne Rezepte, um herauszufinden was den spezifischen Geschmack ausmacht. Zum Beispiel: bei Erdbeereis werde ich nicht aus Kaloriengründen auf die Sahne verzichten, da der Geschmack von ihr getragen wird. Beim Braten eines Steaks ist die Maillard-Reaktion wichtig, um die typischen Röstaromen zu bekommen!

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Egal was du tust, sei authentisch und höre darauf was dein Herz dir sagt. Investiere in dich! Und nur Geduld – nicht aufgeben. 🙂

Ich würde empfehlen, zu tun was man liebt. Denn nur so wird man Erfolg haben. Ich würde jedem raten, das Abenteuer zu wagen und seinen Traum zu verwirklichen, auch wenn es nicht ums Bloggen geht. So lange man alles ordentlich durchkalkuliert und plant, ist das Risiko minimal!

Vielen Dank für das Interview!

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Milly’s Melting Pot

Titelbild: Im Schulbiologiezentrum – Wandelndes Blatt. Quelle: Lisa Fischinger

Lisa Fischinger arbeitet am Projekt „Bio für Kids & Teens“, das LehrerInnen und Biologie-Interessierten gratis Didaktikmaterialien im Internet zur Verfügung stellt. Sie gehört dem Team der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften, School of Education der Universität Salzburg, an. Dort arbeitet Lisa als Studienassistentin und schreibt ihre Diplomarbeit zum Thema „Handlungsorientierter Stationenbetrieb in der Humanbiologie am Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems“.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Unsere Hauptaufgabe, oder besser gesagt unser Ziel, ist es, durch moderne Unterrichtsmethoden Kinder und Jugendliche für die Biologie zu begeistern. Wenn ich von „uns“ spreche, dann meine ich Ulrike Unterbruner, Initiatorin des Projektes und Leiterin der Abteilung Didaktik der Naturwissenschaften und mich, als ihre Studienassistentin. Die Hauptaufgaben in unserer Tätigkeit bestehen darin, biologische Themen aus bereits evaluierten Diplomarbeiten der Biologiedidaktik auszuwählen und ansprechende Unterrichtsmaterialien, wie PowerPoint-Präsentationen, Arbeitsblätter und Multimedia-Lernprogramme, zu erstellen beziehungsweise zu überarbeiten. Einen besonderen Wert legen wir dabei auf die Handlungs- und Problemorientierung, das heißt, die Materialien so zu gestalten, dass dem aktiven und selbstständigen Lernprozess eine spannende Fragestellung vorausgeht. Sind die Materialien fertiggestellt, werden sie mit einer kurzen Beschreibung von mir auf unsere Webseite geladen.

Zusätzlich bin ich Tutorin für die Lehrveranstaltung „Lebende Organismen im Biologieunterricht“ von Lisa Virtbauer – Leiterin des Schulbiologiezentrums Salzburg der Universität Salzburg. Diese Lehrveranstaltung soll den StudentInnen die Möglichkeit bieten, Unterrichtseinheiten mit lebenden Organismen zu erarbeiten und diese in der Gruppe zu simulieren. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln um lebende Organismen auch später im praktischen Unterricht einzusetzen. Als Tutorin biete ich den StudentInnen Coachingtermine an, an denen sie im Umgang mit den Tieren geschult und unterstützt werden. Das Verleihangebot richtet sich aber auch an LehrerInnen, die schon im Berufsleben stehen.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung ist sehr reizvoll: ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen, mein technisches Know-how als Webmaster einbringen, stets verschiedene biologische Themengebiete erarbeiten und mit lebenden Organismen arbeiten. Die größte Freude für mich ist es jedoch, positives Feedback von LehrerInnen oder SchülerInnen zu bekommen, die mit unseren Materialien arbeiten.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Nicht ganz so einfach ist es manchmal, Dinge aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu betrachten. Für Erwachsene sind viele Sachverhalte oftmals glasklar; Kinder denken aber kreativer und sind neugieriger – man muss sich in sie hineinversetzen können. Ich frage mich bei der Erarbeitung von Materialien immer: „Was könnte ein Kind interessieren? Wie stellt sich ein Kind dieses oder jenes vor?“. Manchmal stellen mir aber auch Kinder in meiner Umgebung Fragen, die wieder den Anstoß zu neuen Materialien geben – zum Beispiel: „Warum bekomme ich blaue Flecken?“.

Abb. 2: Am Arbeitsplatz. Quelle: Lisa Fischinger

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Das war eigentlich ein schöner Zufall: ich war als Studentin in der Lehrveranstaltung von Frau Virtbauer. Sie war auf der Suche nach einer Tutorin ab Herbst 2015 und ermutigte mich, eine Bewerbung dafür abzuschicken. Das habe ich gemacht und glücklicherweise hat es funktioniert. Über diese Stelle kam ich dann zur Studienassistenz und in das Projekt „Bio für Kids & Teens“.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Ich denke, dass mein Biologie-Lehramtsstudium, mein Interesse und Engagement dazu beigetragen haben, dass ich diese Jobs bekommen habe. Und wie immer und überall: eine Portion Glück war natürlich auch nötig.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Am Anfang meines Biologiestudiums hätte ich nicht gedacht, dass ich die Möglichkeit bekommen würde, an der Didaktik der Bio- und Geowissenschaften als Studienassistentin und Tutorin zu arbeiten.
Die Biologie fasziniert mich schon seit ich ein Kind war. Ebenso war für mich immer schon klar, im sozialen Bereich tätig sein zu wollen. Nach der Matura blieb noch die Frage, ein Medizinstudium in Innsbruck zu starten oder in Salzburg Biologie auf Lehramt zu studieren. Ich habe mich für letzteres entschieden und habe diese Entscheidung nie bereut. Die Biologiedidaktik fesselt mich aufgrund meiner Tätigkeiten als Studienassistentin jeden Tag mehr.

Abb. 3: Annam-Stabschrecke (Medauroidea extradentata). Quelle: Lisa Fischinger

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Als junge/r BiologielehrerIn ist es bei uns in Salzburg und Umgebung momentan nicht ganz so einfach eine Stelle zu bekommen. Zeigt man Flexibilität und ist man bereit, den Wohnort zu wechseln oder in einem anderen Bundesland zu unterrichten, könnten einem mehr Türen offen stehen.
Aktuell bin ich gerade dabei mein Studium abzuschließen. Es ist und bleibt spannend, wo mich die Zukunft hinführt. Ein kleiner Traum wäre es jedoch, eine Dissertationsstelle an der Didaktik für Naturwissenschaften zu bekommen und ein Doktoratsstudium absolvieren zu können. Träumen darf man ja… und wo ein Wille, da ein Weg.
Man sollte auf jeden Fall studieren, wofür das Herz brennt. Wenn man die Leidenschaft für seinen Beruf und sein Tun ausstrahlt und lebt, dann werden sich auch berufliche Chancen auftun. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man nicht aufhören darf, in seine eigene Fort- und Weiterbildung zu investieren – vor allem dann, wenn die Arbeitsmarktsituation nicht gerade rosig aussieht. Ich nutze meinen Wissensdrang und absolviere ab Herbst 2016 eine zweijährige Ausbildung zur Sexualpädagogin. Vielleicht sind es gerade auch solche Spezialisierungen, mit denen man sich eigene Nischen schaffen kann.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ja, es ist auf jeden Fall von Vorteil beziehungsweise nötig biologische, pädagogische und didaktische Grundkenntnisse zu haben.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Wie bereits erwähnt, stellt „Bio für Kids & Teens“ Materialien verschiedenster biologischer Themen zur Verfügung: Ökologie – Umwelt, Pflanzen, Mikrobiologie, Tiere, Geologie, Wasser, etc. – die Arbeit ist also thematisch sehr abwechslungsreich.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Auf jeden Fall dranbleiben – studiert das, wofür euer Herz schlägt! Es gibt nichts, was man nicht lernen kann (solange es auch Freude macht).

Vielen Dank für das Interview!

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Titelbild: MitarbeiterInnen des Büros des Rektorats. Quelle: Universität Wien

Johannes Sorz

Johannes Sorz ist an der Uni Wien im Büro des Rektorats beschäftigt, wo er als Referent für Forschung und Nachwuchsförderung tätig ist. Nach seinem Studium der Botanik an der Uni Wien hat er sein Doktoratsstudium an der Universität für Bodenkultur am Department für Integrative Biologie abgeschlossen. Vor seiner derzeitigen Tätigkeit war er als Experte für das FP7 (7 th Framework Programme for Research and Technological Development der EU) im Bereich europäische und internationale Programme der FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) beschäftigt.

Im Büro des Rektorats ist er einerseits die direkte Ansprechperson für alle fachlichen Fragen des für die Forschung zuständigen Rektoratsmitglieds als auch Ansprechpartner für alle zentralen Einrichtungen der Universität im Bereich Forschung (z. B. Forschungsservice, DoktorandInnenzentrum, Qualitätssicherung). Er unterstützt das Rektorat zudem bei der Ausarbeitung und bei den Verhandlungen der Leistungsvereinbarungen mit dem Bundesministerium, bei den Budgetverhandlungen (Zielvereinbarungen) mit den Fakultäten und Zentren und ist für Auswertungen und Monitoring von wissenschaftlichen Leistungen (Drittmitteleinwerbungen, Publikationen, Patente, etc.) und für die Entwicklung von Indikatoren zur leistungsorientierten Mittelvergabe im Bereich der Forschung zuständig. Seine weiteren Kernaufgaben umfassen außerdem: Entwicklung und Administration der universitätsinternen Forschungsförderungsmechanismen (Forschungsplattformen, Forschungsverbünde, Forschungscluster); Hochschulrankings (Analyse der Ergebnisse und Vorbereitung der Presseaussendungen); Erstellung von Analysen und Berichten zu aktuellen Trends in der Forschung und in der nationalen und internationalen Forschungs- und Forschungsförderungslandschaft.

Auch selbst ist er in der Forschung aktiv, nämlich im Bereich der Bibliometrie/Szientometrie (Auswertung von wissenschaftlichen Ergebnissen) und beschäftigt sich außerdem wissenschaftlich mit der Aussagekraft von Universitätsrankings. In diesen Bereichen hat er bereits wissenschaftliche Artikel publiziert. Seine neueste Arbeit kann man hier nachlesen.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Ich komme so um acht Uhr ins Büro und arbeite in der Regel acht bis neun Stunden. Es gibt saisonale Stoßzeiten wie zum Beispiel die Vorbereitungen der Zielvereinbarungen mit den Fakultäten, die eher arbeitsintensiv sind. Meist sind Anfragen (Mail, Telefon) von WissenschaftlerInnen der Uni Wien zu den Förderinstrumenten oder von FunktionsträgerInnen zu den diversen Beschlüssen des Rektorats zu beantworten. Sehr oft benötigen entweder der Vizerektor für Forschung oder der Rektor bestimmte Auswertungen. Wie z.B. wer forscht an der Uni Wien zum Thema x? Oder eine Delegation aus dem Land x kommt zu Besuch, wer kooperiert in der Forschung mit Universitäten in diesem Land? Wieviel hat der oder die ForscherIn y in den letzten Jahren publiziert? Welche Universitäten in Österreich oder in einem anderen Land forschen im Bereich x?
Stehen Leistungsvereinbarungen, Zielvereinbarungen oder die Erstellung eines aktuellen Entwicklungsplans an, dann sind vorbereitende Unterlagen für das Rektorat zu erstellen und man macht sich gemeinsam mit den Rektoratsmitgliedern Gedanken über die strategischen Ziele der Universität und wie diese mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen sind. Dafür gibt es immer eine Menge Termine fachlich zu betreuen, rektoratsintern, mit den Fakultätsleitungen, mit den Leitungen der Serviceeinrichtungen oder anderen Leitungsorganen (Senat, Unirat), Ministerialbeamten, etc.
Ein wichtiger Teil der Regelarbeit ist auch die Vorbereitung der Rektoratssitzungen. Einmal die Woche findet ein Treffen aller Rektoratsmitglieder statt und dafür müssen alle möglichen Unterlagen vorbereitet werden. Hat der/die VizerektorIn für Forschung einen Bericht vorzulegen oder es gibt ein Thema, das einen Beschluss aller Rektoratsmitglieder benötigt (z.B. Budgets für Ausschreibungen, Bestellung von FunktionsträgerInnen, Entwurf einer Leistungsvereinbarung), dann muss ich die Unterlagen dafür vorbereiten und mich um die Umsetzung der Beschlüsse kümmern.
Wenn eine Ausschreibung, zum Beispiel für Forschungsplattformen, offen ist, dann nimmt das über mehrere Monate den Großteil meiner Arbeitszeit ein. Hier sind die Ausschreibungen zu konzipieren und zu budgetieren, viele Anfragen von WissenschaftlerInnen zu beantworten, die Ausschreibungen abzuwickeln, die Einrichtung der erfolgreichen Projekte zu administrieren und der Fortschritt der Projekte zu überwachen und zu dokumentieren.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Vielseitigkeit der Aufgaben (es gibt immer neue Anfragen, Projekte, Themen…) und des Teams (Ex-WissenschaftlerInnen, JuristInnen, PR-Leute) sowie die sehr kompetente Büroleitung.
Außerdem kann ich mich mit dem Bereich Forschung und Hochschulen beschäftigen, was mich interessiert. An einer großen, fachlich sehr heterogenen Universität hat man mit vielen unterschiedlichen Forschungsthemen aus allen Bereichen von Archäologie über Molekularbiologie bis Quantenphysik zu tun, was ich persönlich sehr spannend finde.
Selbstverständlich ist auch die freie Zeiteinteilung ein großer Vorteil. Es gibt bestimmte Deadlines, die zu erfüllen sind, aber keine Stechuhr. Das ist sehr praktisch, wenn man ein Kind hat, das zum Beispiel am Nachmittag zum Arzt oder früher aus dem Kindergarten abgeholt werden muss. Ich kann entweder früher in die Arbeit kommen, am Abend von zuhause aus arbeiten oder die Arbeit an anderen Tagen nachholen.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Zeitdisziplin: die Deadlines auch einzuhalten ist eine Herausforderung.
Bei den vielen verschiedenen Anforderungen und Themen ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren, und abzuschätzen wieviel Zeit und Energie in eine Aufgabe investiert werden muss, und/oder ob eine Aufgabe auch delegiert werden kann, etwa an eine zentrale Serviceeinrichtung.

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Ich habe mich auf ein Inserat in einer österreichischen Tageszeitung beworben.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Es gibt mehrere wichtige Punkte:

  • Akademischer Abschluss und Promotion: Für den akademischen Reputationsnachweis – von ForscherInnen, insbesondere ProfessorInnen, wird man ohne Doktorat kaum wahrgenommen, beziehungsweise würden sie sich „nichts erzählen“ lassen, wenn es um Forschung geht.
  • Eigene Erfahrung in der Forschung: Diese hatte ich durch meine Dissertation und meine Mitarbeit bei einem FWF-Projekt.
  • Erfahrung im Bereich Forschungsförderung, vor allem mit EU-Projekten: Diese hatte ich durch meine Tätigkeit bei der FFG.
  • Zeitliche Flexibilität (mal viel, mal wenig arbeiten, mal muss was schnell fertig sein, mal hat man Zeit…).

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Nein. Ich wollte ursprünglich Wissenschaftler werden und den Wald retten. Habe mich aber aus pragmatischen Gründen dann für eine Karriere in der Wissenschaftsadministration entschieden, da ich nach dem Doktoratsstudium in Wien bleiben und eine Familie gründen wollte. Einen unbefristeten Arbeitsvertrag findet man in diesem Lebensabschnitt eher in der Administration als in der Forschung. Ich wollte mein Leben nicht darauf aufbauen, von einer zeitlich befristeten oft prekären Stelle zur nächsten zu springen. Seit ich an der Universität Wien tätig bin, weiß ich, dass das eigentlich der Regelfall ist und, dass es für eine erfolgreiche ForscherInnenkarriere auch notwendig ist, Forschungserfahrung im Ausland zu sammeln. Ich habe für mich persönlich allerdings gemerkt, dass mich die Wissenschaft nicht in diesem Ausmaß begeistert, dass ich dafür bereit wäre, ein Leben als wissenschaftlicher Nomade zu führen, der mit viel Glück irgendwann mal nach Wien zurückberufen wird oder eine Dauerstelle bekommt.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Das hängt sehr stark vom genauen Betätigungsfeld und Schwerpunkt ab, und davon was man machen will. In der Wissenschaft gibt es immer Möglichkeiten, wenn man bereit ist Opfer zu bringen, und ins Ausland zu gehen, siehe oben. Es gibt Felder, die derzeit sehr gefragt sind, wie etwa die Bioinformatik. Hier sind die Chancen, in Österreich und abseits der Universität was zu finden sehr gut. Das gleiche gilt für Biochemie und Molekularbiologie, wobei der Markt hier teilweise schon gesättigt ist. Mit organismischer Biologie ist es sehr schwer abseits der universitären Forschung etwas zu finden, wo man das Gelernte auch anwenden kann. Ich kenne allerdings niemanden, der lange arbeitslos geblieben ist. Viele meiner damaligen StudienkollegInnen sind in der Wissenschaftsadministration oder in ganz anderen Betätigungsfeldern tätig.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Wie oben beschrieben: Ein Doktorat war Voraussetzung, obwohl nicht notwendigerweise in der Biologie. Für die Stelle bei der FFG war ein naturwissenschaftliches Doktorat Voraussetzung, und diese war mein Sprungbrett für meine derzeitige Position. Man lernt dann eigentlich alles im Job. Wenn man in dem Bereich noch höher hinaus will, ist ein MBA oder jede Art der Ausbildung im Bereich Wirtschaft/Finanzen sicher hilfreich.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Statistik, Mathematik und Kenntnisse der Aufbereitung wissenschaftlicher Daten.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

1. Sich bereits im Studium Gedanken über die Berufswahl und mögliche Alternativen machen, und bei der Wahl des Studienzweiges darauf zu achten. Auch bei der Masterarbeit ein einschlägiges Thema wählen.
2. Rechtzeitig während des Studiums einschlägige Praktika machen, um einen Einblick in mögliche Betätigungsfelder zu bekommen und um Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
3. Wenn man wirklich eine Tätigkeit im Bereich der Wissenschaftsadministration von vornherein anstrebt, sollte man eher nach dem BA ein Jus- oder Wirtschaftsstudium anhängen. Sich jedenfalls den MA und insbesondere das Doktorat wirklich gut überlegen. Das kann Lebenszeit sparen, wenn man nicht wirklich in die Forschung gehen will und bringt oft mehr Chancen, auch abseits der Unis. Es gibt auch interessante Postgraduate-Angebote (wie Wissenschaftskommunikation, PR, MBA, etc.), die mehr Sinn machen als ein Doktorat.

Vielen Dank für das Interview!

Universität Wien
Die Universität Wien wurde 1365 in Wien gegründet und zählt zu den ältesten und größten in Europa. Sie ist mit derzeit rund 93.000 Studenten und circa 9.700 MitarbeiterInnen die größte Forschungsinstitution Österreichs, und bietet mit über 180 Studien das vielfältigste Studienangebot des Landes. Im Bereich der Forschung gliedert sie sich in 15 Fakultäten und 4 Zentren, für die Organisation der Studien sind 49 Studienprogrammleitungen und der Studienpräses verantwortlich. Administrativ gliedert sich die Uni in 5 Stabstellen, 11 Dienstleistungseinrichtungen und die Qualitätssicherung.
Das Büro des Rektorats unterstützt den Rektor und die VizerektorInnen bei der Vorbereitung der zu treffenden strategischen Entscheidungen im Zusammenwirken mit den anderen universitären Organen (insbesondere Universitätsrat, Senat, DekanInnen, StudienprogrammleiterInnen, etc.).

FP7: 7th Framework Programme for Research and Technological Development
Das 7. Rahmenprogramm (7. RP) mit einer Laufzeit von 7 Jahren (2007-2013) war das zu der Zeit größte transnationale Forschungsprogramm der Europäischen Union mit einem Gesamtbudget von 54 Milliarden Euro. Das Ziel der Rahmenprogramme ist die Stärkung der wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der Industrie der Gemeinschaft sowie die Förderung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Im Rahmenprogramm werden die wissenschaftlichen und technologischen Ziele, die Grundzüge der Maßnahmen und Forschungsprioritäten, der Gesamthöchstbetrag und vorläufige Verteilung der Mittel, sowie die Einzelheiten der finanziellen Beteiligung der EU festgelegt.
Das Nachfolgeprogramm, gültig von 2014 – 2020, nennt sich Horizon 2020.

Titelbild: Ökologe Albin Blaschka – die Arbeit im Freiland ist neben Literaturrecherche, Absprachen mit Projektbeteiligten, Nachbereitung, Auswertung und Publikationstätigkeit nur ein Aspekt seines Arbeitsbereiches. Quelle: Albin Blaschka

Albin Blaschka

Albin Blaschka ist seit September 2002 an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft (einer Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – BMLFUW), zuerst über Werkverträge, seit Anfang 2004 als „Freier Dienstnehmer“, tätig. Zwischen 1992 und 2000 hat er Ökologie an der Universität Salzburg studiert (Magister) und zwischen 2008 und 2015 im Rahmen seiner Tätigkeiten, über die Universität Salzburg ein Doktorat absolviert.

Sein „offizieller“ Arbeitsbereich ist Projektmanagement und Support von internationalen Projekten. Die fachlich-wissenschaftlichen Tätigkeiten umfassen angewandte Fragestellungen aus den Bereichen Vegetationsökologie, Landschaftsökologie, ökologische Wiederbegrünung und Renaturierungsökologie. Zurzeit beschäftigt sich Albin Blaschka intensiv mit dem Management von Almweiden unter sich ändernden Bedingungen, unterschiedlichen Landnutzungssystemen und multifunktional genutzten Landschaften. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist es, Wissen und Erkenntnisse der Grundlagenforschung für die praktische Anwendung aufzubereiten und an Bedarfsträger (Landwirte, aber auch Naturschutz und Tourismus, etc.) weiterzugeben.

1) Beschreibe kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Mein eigentlicher Aufgabenbereich liegt im Projektmanagement für internationale Projekte unserer Forschungsanstalt: Informationen über Ausschreibungen zusammentragen, bei der Antragsstellung mitarbeiten, Berichtswesen und Abrechnungen sowie Beratungen und Hilfestellungen für KollegInnen an der Forschungsanstalt.
Es bleibt aber auch Zeit für fachlich-wissenschaftliche Tätigkeiten, entweder in den Projekten für deren Management ich verantwortlich bin, oder aber auch in eigenen oder von KollegInnen durchgeführten Projekten. Die zeitliche Aufteilung hängt stark von der Jahreszeit beziehungsweise vom jeweiligen Projektzyklus ab und natürlich davon, wie viele Projekte gerade an unserer Anstalt laufen. Wenn ich hauptsächlich wissenschaftlich arbeite, verteilt sich meine Zeit auf verschiedene Bereiche: Vorbereitungen und Literaturrecherche, Absprachen sowohl mit am Projekt beteiligten KollegInnen, aber auch mit GrundeigentümerInnen usw., Geländearbeit/Datenaufnahmen während der Vegetationsperiode(spätes Frühjahr und Sommer), Nachbereitung (Proben versorgen, Dokumentation, Datenmanagement, Nachbestimmungen von Arten) und Auswertungen (Statistik, GIS, etc.), Berichtswesen und Publikationstätigkeiten.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Abwechslung, die Herausforderung, Theorie und Konzepte in praxistaugliche Maßnahmen oder Empfehlungen umzusetzen, Wissen aus unterschiedlichen Bereichen (Botanik/Ökologie, Landschaftsökologie, Naturschutz, Landwirtschaft) zu verknüpfen und manchmal zu sehen, dass Ergebnisse der eigenen Arbeit von den BedarfsträgerInnen verwendet werden.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Anstrengend wird es, wenn es gilt gegen vorgefasste Meinungen und gegenseitige Vorurteile (Ökologie/Naturschutz auf der einen und Landwirtschaft auf der anderen Seite) anzukämpfen – „Wir haben das immer schon so gemacht, und werden das jetzt nicht ändern“. Auch Hierarchien und Bürokratie lassen einen von Zeit zu Zeit das Vorbild von Don Quijote ziemlich erstrebenswert erscheinen, bei allem Verständnis, dass in einer (alpinen Kultur-) Landschaft, in der viele Interessen zu Recht herrschen, Regeln und deren Einhaltung unbedingt notwendig sind.

4) Wie bist Du auf Deinen Job aufmerksam geworden?

Durch puren Zufall bzw. eigentlich Glück: Eine Studienkollegin hatte einen Werkvertrag an der Forschungsanstalt, den sie aber wegen einer anderen Jobmöglichkeit, die ihr mehr entsprach, nicht mehr vollständig erfüllen konnte. Nach Gesprächen mit dem verantwortlichen Kollegen, konnte sie den Werkvertrag auf mich übertragen – ich war damals freiberuflich tätig und immer auf der Suche nach Aufträgen. Daraus ergaben sich Folgeaufträge, zuerst ebenfalls auf Werkvertragsbasis. So entstand dann im Rahmen meines ersten EU/INTERREG – Projektes ein zeitlich begrenzter Vertrag als freier Dienstnehmer, dem durchgehend bis heute weitere folgten.

5) Welche Qualifikationen sind für Deine Tätigkeit besonders wichtig?

Die fachlichen Grundlagen der Ökologie bzw. die Kenntnis naturräumlicher Zusammenhänge und Grundkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung und Arbeit sind die unverzichtbare Basis. Weiter sind Datenmanagement, systemtheoretisches und räumliches Denken, GIS, grundlegende Programmierkenntnisse und Organisationstalent notwendig.
Jedoch alles, was irgendwann notwendig wäre, kann man nicht lernen/beherrschen. Daher ist es ebenso unverzichtbar, zu wissen, wo die eigenen Kenntnisse aufhören und es nicht klug ist, zu versuchen diese sich anzueignen, sondern sich KollegInnen zu suchen und mit diesen Kooperationen aufzubauen und gemeinsam an die Lösung des Problems heranzugehen.

6) War es schon immer Dein Wunsch, eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Im Prinzip entspricht es meinem Berufswunsch – auch wenn mein absoluter Wunschtraum während des Studiums ursprünglich mehr im universitären Umfeld bzw. im Bereich der Grundlagenforschung angesiedelt war. Auch ist der Teil meiner Arbeit, der rein im administrativen Bereich angesiedelt ist, nicht unbedingt motivierend. Er gehört jedoch dazu und bietet andererseits auch interessante Einblicke in andere Tätigkeitsbereiche. Abgesehen davon ist Projektmanagement auch ein Teil jeder wissenschaftlichen Arbeit, auch wenn mir das früher noch nicht bewusst war.

Landschaft als Labor bzw. Untersuchungsobjekt und angewandtes Arbeiten ist abwechslungsreich, heißt auch außerhalb der eigenen Expertise selbst mit anzupacken. Quelle: Albin Blaschka

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für Biologinnen und Biologen?

Die Situation ist sicher sehr schwierig und mit hohem Risiko verbunden, einen guten Job zu finden, speziell wenn man räumlich nicht so flexibel sein kann oder will. Beschränkt man sich auf die Stadt, in der man studiert hat oder die unmittelbare Umgebung, gibt man sich selber noch ein großes Handicap dazu. Sieht man sich als EuropäerIn und hat man auch entsprechende Fremdsprachenkenntnisse (im Prinzip heißt das zusätzlich zu Englisch eine weitere Sprache), erweitert dies die Chancen sehr. Wichtig sind auf jeden Fall Engagement, Fertigkeiten und Fähigkeiten („soft skills“), die über das rein Fachliche hinausgehen, leider auch meist mehr als für einen „normalen“ Job.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig; welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ein Biologiestudium ist auf jeden Fall notwendig. Kenntnisse der Landwirtschaft, zu Landnutzungssystemen allgemein und der Tierhaltung im speziellen, die ich mir in großen Teilen „on the job“ angeeignet habe, sind für die Art von Fragen, die ich bearbeite, ebenso notwendig. Kenntnisse in Ökonomie wären wünschenswert, fundierte Kenntnisse in Datenmanagement und Computer allgemein sind ebenso unverzichtbarer Teil des „Handwerks“. Diese habe ich mir zuerst als Hobby bereits zu Schulzeiten, dann im Rahmen meiner Arbeiten seit der Diplomarbeit selbst angeeignet. Statistik war während meines Diplomstudiums noch nicht so bedeutend, was sich aber inzwischen geändert hat, und das ist gut so.
Über Ausbildung/Lernen hinausgehend ist sicher ein gutes Maß an Organisationstalent und ein gewisses Selbstvertrauen und Auftreten (Vorträge, Besprechungen, etc.) zumindest hilfreich. Auch erleichtert eine gewisse Stressresistenz und Leidensfähigkeit, „Wetterfestigkeit“ und „Robustheit“ die Geländearbeiten.
Im Umfeld internationaler Kooperationen und dem Publizieren der Ergebnisse sind gute Englischkenntnisse Grundbedingung, (grundlegende) Kenntnisse einer weiteren Fremdsprache auf jeden Fall hilfreich und ein zusätzlicher Bonus.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Kenntnisse von ökosystemaren Zusammenhängen, Wissen über heimische Pflanzengemeinschaften, systemisches Denken, Artenkenntnisse und das systematische Herangehen an ein Problem/an eine Frage, also die „wissenschaftliche Methodik“ als solches, auch wenn das jetzt ein wenig klischeehaft klingt.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Bei aller Begeisterung für das eigene Fach und der notwendigen Konzentration darauf, ist es unbedingt notwendig, sich einen offenen Geist zu bewahren und zu akzeptieren, dass das Studium einem nur den Weg weist und Lernen ein ständiger Prozess und damit Teil des eigenen Lebens sein muss. Auch sich eine gesunde Portion kindlicher Neugierde und Spieltrieb zu bewahren, sich die Hartnäckigkeit aneignen, alles (auch sich selbst bzw. die eigene Meinung) in Frage zu stellen. Und über allem muss Ausdauer stehen und die Konsequenz sich von Misserfolgen jeglicher Art auf dem Weg zu einem „guten“ Job nicht abbringen zu lassensowie dabei auch nicht zu vergessen, dass das Leben aus mehr als Arbeit besteht, mag man sich auch noch so sehr damit identifizieren.

Vielen Dank für das Interview!

Titelbild: Eine mikrofluidische Kammer für in-vitro Kultur, die in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Enschede entwickelt wurde. Diese neuartige Kulturmethode, die das Milieu der Eileiter simuliert, wurde von Kieslinger im IVF Labor VUmc erstmalig an menschlichen Embryonen getestet. © D.C. Kieslinger

Mag. Dorit Kieslinger hat in Graz Zoologie studiert und ist nach ihrem Erasmus Jahr in Utrecht (Niederlande), nach Amsterdam gezogen. Sie arbeitet seit 6 ½ Jahren im IVF Zentrum des Universitätskrankenhauses Amsterdam (VUmc) und ist dort seit 2010 als Klinische Embryologin beschäftigt. Zusätzlich zu ihrer Arbeit im IVF Labor erforscht sie neue Methoden, die die Erfolgsquote von In-vitro-Fertilisation (IVF) Behandlungen erhöhen sollen.

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Titelbild: Sterilisation von Petrischalen und Effekt auf Salmonella (rechts steril). Quelle: Wikicommons.

Mag. Harald Truschner hat an der Karl-Franzens-Universität in Graz Biologie studiert. Weiters absolvierte er zahlreiche Lehrveranstaltungen an der Technischen Universität Graz. Seit 1990 ist er am ILV – Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen und Umwelt des Landes Kärnten, im Bereich Lebensmittelsicherheit tätig. Dort bekleidet er die Funktion als Lebensmittelgutachter.

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