:: Résumé: CITES CoP17 – Ist groß auch erfolgreich?

24/10/2016 von / 0 Kommentare
Titelbild: Komitee I. Quelle: Martin Rose

152 Staaten, 3.500 Teilnehmer, 250 Medien – das klingt nicht unbedingt nach dem Interesse, das Artenschutz üblicherweise hat. Zwei Wochen Diskussionen über tausende Seiten von Dokumenten klingen üblicherweise auch nicht nach einer erfolgreichen Konferenz. Beides trifft aber auf die letzte Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens zu. Es ist auch ein Zeichen für den Erfolg von CITES.

All diese Zahlen beschreiben die bisher größte CITES-Konferenz (Conference of Parties/CoP), es sind aber nur Zahlen. Denn man muss auch sagen, dass das starke Interesse vor allem durch einige wenige Arten hervorgerufen wird. Üblicherweise sind in Komitee I (siehe Kasten „Ablauf einer CoP“) deutlich mehr Delegierte und BeobachterInnen anwesend. Als in Komitee II allerdings über Elfenbein verhandelt wurde, konnte man sich in Komitee I, das im großen Plenarsaal getagt hat, ein wenig verloren vorkommen. Aus Sicht eines Botanikers war es allerdings sehr erfreulich, dass Pflanzen vorgezogen wurden und sie diesmal nicht das Schicksal hatten, extrem schnell am Ende behandelt werden zu müssen. Die HerpetologInnen sind darüber vermutlich weniger erfreut gewesen.

Abb.1: Komitee I im Plenarsaal. Verantwortlich für die Artspezifischen Anträge und Dokumente. Quelle: Martin Rose

Abb.1: Komitee I im Plenarsaal. Verantwortlich für die Artspezifischen Anträge und Dokumente. Quelle: Martin Rose

In 90 Punkten der Agenda wurde über die gesamte Vielfalt des internationalen Handels mit gefährdeten Arten gesprochen. Vom Thema Bushmeat und Kaviar über Änderungen in der Nomenklatur bis hin zur Frage, was noch „künstlich vermehrt“ ist. Aus vielen Bereichen waren ExpertInnen anwesend, um sich an den Diskussionen zu beteiligen.

Über die Ergebnisse der Vertragsstaatenkonferenz lassen sich viele Dinge schreiben. Es gab Entscheidungen, die eine große Aufmerksamkeit bekommen haben:
– Die Erfolge bei der Listung von Schuppentieren, Graupapageien, Haien und Tropenholz sind beachtlich.
– Die Meilensteine der Resolutionen zu Korruption und zum illegalen Handel im Internet.
– Die Fortschritte, die für Berücksichtigung von lokaler Bevölkerung gemacht wurden.

Abb.2: Ergebnis der Wahl zur Listung der Gattung Beaucarnea. Quelle: Martin Rose

Abb.2: Ergebnis der Wahl zur Listung der Gattung Beaucarnea. Quelle: Martin Rose


Abb.3: Beaucarnea recurvata, aufgenommen in Mexiko. Quelle: Martin Rose

Abb.3: Beaucarnea recurvata, aufgenommen in Mexiko. Quelle: Martin Rose

Es gibt aber auch Dinge, die weniger Aufmerksamkeit erhalten haben, aber dennoch bemerkenswert sind.
Krokodile zum Beispiel sind eine der großen Erfolgsgeschichten von CITES, da es gelungen ist, das große Ziel einer nachhaltigen Nutzung, die das Überleben der Art nicht gefährdet, für viele Arten zu erreichen. Die logische Konsequenz ist eine Herunterlistung der Arten oder Streichung einer Quote. Kolumbien, Mexiko und Malaysia haben bei den Krokodilen Erfolge erzielt und CITES hat das honoriert.

Ebenfalls erwähnenswert ist die Herunterlistung von zwei Australischen Vögeln (Lichenostomus melanops cassidix und Ninox novaeseelandiae undulata) und einer Tillandsie (Tillandsia mauryana) aus Mexiko. Bei CITES gilt das Vorsorgeprinzip, d.h. im Zweifel wird im Sinne der Art entschieden. Es kann daher eine gute Sache sein, im Zweifel eine Art zu listen. Dann muss diese Entscheidung aber später erneut bewertet werden. Wenn das Ergebnis dann ist, dass die Art zwar selten aber nicht handelsrelevant ist und es ausreichende Vorkehrungen gibt, die ein Aussterben verhindern, dann muss auch hier die logische Konsequenz gezogen werden. Bei den drei genannten Arten ist diese Konsequenz richtigerweise gezogen worden. Gut begründete Herunterlistungen sind die Erfolge, die es wert sind gefeiert zu werden. Denn dies sind die Erfolge des Artenschutzes.

Es ist daher auch erfreulich, dass viele Entscheidungen im Konsens getroffen wurden. Die Staaten sind offensichtlich gewillt Kompromisse einzugehen, um gemeinsam eine gute Lösung zu erreichen. Das ist wichtiger als es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Aber beschlossene Agenden müssen auch umgesetzt werden und dabei ist CITES auf jeden Staat angewiesen.
Man darf daher hoffen, dass die beeindruckenden Zahlen sich auch in einer guten Umsetzung niederschlagen.

Übersicht über die Ergebnisse der Listungsanträge.
Zusammenfassung von Earth Negotiation Bulletin (ENB).

Ablauf einer CITES CoP


Die Agenda wird zeitgleich in zwei Komitees diskutiert. Eines (Komitee I) beschäftigt sich vor allem mit den Dokumenten, die sich direkt mit Arten beschäftigen, unter anderem den Listungsanträgen. Das andere (Komitee II) hingegen setzt sich mit allen Dokumenten auseinander, die sich mit Umsetzung und Implementierung der Konvention befassen.

Es wird nach Möglichkeit versucht Konsens herzustellen, dies geschieht durch Diskussion im Komitee und gegebenenfalls in einer in-session Arbeitsgruppe. Wenn ein Konsens aber nicht erreicht werden kann, wird gewählt. Für Listungsanträge ist dabei eine zweidrittel Mehrheit notwendig. Die Ergebnisse der beiden Komitees werden am Ende dem Plenum präsentiert. Dort kann eine Diskussion zwar grundsätzlich wieder geöffnet werden, dazu muss es aber eine Mehrheit geben. In der Regel geschieht dies bei sehr knappen Ergebnissen, bei denen sich Staaten noch die Möglichkeit ausrechnen die Stimmung und damit die Abstimmung ändern zu können.

Die EU auf einer CoP


Die Europäische Union (EU) hat zum ersten Mal als eigenständiges Mitglied an einer CITES Vertragsstaatenkonferenz teilgenommen. Dies hat eine Änderung der Geschäftsordnung notwendig gemacht. Darauf konnten sich die Staaten allerdings nicht abschließend einigen. Es gab nach langer Diskussion lediglich eine Vereinbarung für CoP17 und die grundsätzliche Änderung wird für CoP18 im Jahr 2019 erarbeitet. Auf die Abläufe innerhalb der EU hat dies fürs Erste daher keinen Einfluss.

Die EU tritt bei den Konferenzen geschlossen und einstimmig auf. Das bedeutet, dass sich die Mitgliedsstaaten im Vorfeld einer Konferenz auf eine Meinung bzw. ein Verhandlungsmandat einigen und das dann vertreten. Während der Konferenz gibt es regelmäßig EU-Sitzungen, in denen aktuelle Entwicklungen besprochen werden und die Strategie angepasst wird. Dabei darf vom Mandat aber nur abgewichen werden, wenn Einstimmigkeit besteht. Bei CoP17 wurde ein paar Mal diskutiert vom Mandat abzuweichen, jedes Mal gab es aber keine Einstimmigkeit.

Die Position wird dann in den Sitzungen der Komitees von der Kommission, der Präsidentschaft oder einem Mitgliedsland mit einem vorher angefertigten Text verlesen. Diese wird dabei immer vom Platz der EU verlesen um deutlich zu machen, dass es sich um eine EU-Position handelt.


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