:: IMP-Neubau – St. Marx im Wandel

26/09/2016 von / 0 Kommentare
Titelbild: Ein aktuelles Foto von der Baustelle des neuen Gebäudes des Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP). Quelle: IMP, 11.08.2016.

Der Neubau des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP) nimmt immer weiter Form an. Die Übersiedelung der ersten Forschungsgruppen wird noch heuer stattfinden. Aber nicht nur am IMP tut sich etwas in St. Marx: das bioskop hat nachgefragt, was in den nächsten Jahren im dritten Bezirk für Veränderungen anstehen.

Wie wir bereits letztes Jahr berichteten, investiert Böhringer Ingelheim 50 Millionen Euro in ein neues Forschungsgebäude für das IMP am Vienna Bio Center. Der Bau, der Anfang 2017 in Verwendung gehen sein soll, nimmt nun weiter Form an. Der Großteil der Übersiedelung soll noch Ende 2016 stattfinden. Laut bioskop-Anfrage erwartet sich das IMP durch den Neubau eine Verbesserung der Arbeitsabläufe und eine Erleichterung von Kooperationen: „Durch geschickte Anordnung von Arbeitsbereichen und gezielte Wegeführung wird die Kommunikation unter den MitarbeiterInnen auf informelle Weise gefördert“ .

Mit dem IMP, dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), dem Gregor Mendel Institut (GMI) der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), sowie den Max F. Perutz Laboratories (MFPL), befinden sich künftig die größten molekularbiologischen Institute des Landes im Vienna Bio Center (VBC). Auch die Architektur soll das unterstreichen: „Für das VBC wird das neue Gebäude nach außen hin sicher eine Flaggschiff-Rolle einnehmen. Sichtbarkeit und Attraktivität unterstützen den international hervorragenden Ruf des Standortes und sind ein zusätzlicher Bonus bei der Rekrutierung.“, so das IMP. Dabei wird das IMP auch weiterhin über eine Brücke mit dem IMBA verbunden sein, sodass einem Austausch sowohl in als auch abseits des Labors nichts im Wege stehen soll.
Was mit dem bisherigen Institutsgebäude geschieht, steht noch nicht fest. Der künftige Eigentümer, die Wirtschaftsagentur Wien, erarbeitet laut IMP derzeit Pläne für dessen zukünftige Nutzung. Seitens der Wirtschaftsagentur Wien heißt es, dass das Gebäude des IMP renoviert werde, um eine weitere Nutzung für LifeSciences-Infrastrukturen möglich zu machen. Wie genau das aussehe, sei aber auch erst in einem späteren Abschnitt der Planungsphase zu sagen.

Abb. 1: So soll das neue Gebäude des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Zukunft aussehen. Quelle: ATP architekten ingenieure/Telegram 71

Abb. 1: So soll das neue Gebäude des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Zukunft aussehen.
Quelle: ATP architekten ingenieure/Telegram 71


Forschungsinstitut für molekulare Pathologie (IMP)

Das Forschungsinstitut für molekulare Pathologie (IMP) ist ein privates Forschungsinstitut des deutschen Pharmakonzerns Böhringer Ingelheim, das 1988 in der Dr.-Bohr-Gasse gegründet wurde. Das IMP war eines der ersten Institute des Vienna Bio Centers. Es setzt vier thematische Schwerpunkte: Molekulare Biologie und Zellbiologie (Mollecular and Cellular Biology), Neurowissenschaften (Circuit Neurosciences), Zelldifferenzierung und Entzündungen (Differantiation and Disease), sowie interdisziplinäre, angewandte Biotechnologie (Biology, Computation and Engineering). Wissenschaftlicher Direktor des IMP ist Jan-Michael Peters, der heuer gemeinsam mit Tim Clausen und Jürgen Knoblich, stellvertretender Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) einen ERC Grant bekommen hat und 2011 mit dem Wittgenstein-Preis ausgezeichnet wurde.

IMBA: Stammzellforschung am Standort Wien in Planung

Bei den Instituten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bleibt die Zeit jedoch auch nicht stehen: So sind die 22,5 Millionen Euro Förderung und deren Investition für ein Stammzellforschungszentrum ebenfalls fixiert, die Josef Penninger, mit dem Wittgensteinpreis 2014 ausgezeichneter Wissenschaftler und wissenschaftlicher Direktor des IMBA, bereits letztes Jahr mit seinem Verbleib in Wien ankündigte. Genauere Details stehen hier aber auch erst im nächsten Frühjahr fest, da das Stammzellforschungszentrum ebenfalls erst in der Planungsphase ist.

Die Uni Wien zieht mit Life Science Departments in die Nachbarschaft

Ebenfalls hat die Uni Wien heuer angekündigt (siehe auch Bericht in der Presse vom 22.06.2016), mit über 100 Millionen Euro in St. Marx zu investieren. Entstehen soll ein neuer Standort für die biologischen Forschungsgruppen, die derzeit in dem Gebäude der Alten WU an der Althanstraße angesiedelt sind. Dabei, so die Info von der Wiener Standortentwicklung, befinde sich der neue Standort nicht auf dem Campus des Vienna Bio Centers, sondern in der daneben befindlichen Schlachthausgasse. Hierfür ist nun die Finanzierung von über 100 Millionen Euro über das BMWFW fix. Weitere Daten sind noch nicht offiziell, außer dass heuer noch ein ArchitektInnenwettbewerb für das Projekt ausgeschrieben werden soll.

Vienna Bio Center – ein Teil von „Neu Marx“

Die Institute GMI, IMP, IMBA, und MFPL sind alle Teile des Vienna Bio Centers, in dessen Nachbarschaft auch der neue Biostandort der Uni Wien sein wird. Hier ist ebenfalls der Studiengang der Molekularen Biotechnologie der FH Campus Wien ansässig. Am VBC sind laut Angaben von Neu Marx derzeit 1700 WissenschaftlerInnen und Studierende ansässig.

Abb. 2: Unter dem Slogan „neu marx – Hier passiert Zukunft!“ soll das Gelände rund um das ehemalige Schlachthausgelände wieder zukunftsfähig gemacht werden. Quelle: Neu Marx/Wiener Standortentwicklung

Abb. 2: Unter dem Slogan „neu marx – Hier passiert Zukunft!“ soll das Gelände rund um das ehemalige Schlachthausgelände wieder zukunftsfähig gemacht werden. Quelle: Neu Marx/Wiener Standortentwicklung


Neu Marx ist ein Campus, zusammengesetzt aus „Betrieben der Medien, Forschung, Kreativwirtschaft und Technologie“, wie die Wiener Standortentwicklung erklärt. Das Profil soll in Zukunft noch weiter gestärkt werden. Im Fokus hat das Team von Neu Marx dabei die 40.000 m2 große Freifläche in der Karl-Farkas-Gasse 1, die derzeit für Urban Gardening und Street Art zwischengenutzt wird.
Unter dem Motto „Neu Marx gemeinsam gestalten“ wurde heuer ein ArchitektInnenwettbewerb ausgeschrieben, der mit einer Umwidmung der Fläche für „Arbeiten und Wohnen“, sowie dem Ziel, die anknüpfenden Grünflächen einzubinden, verbunden ist. In der Marx-Halle soll Platz für Start-Ups entstehen. Weiteres hat sich auf dem Gelände ein Sportverein angesiedelt.
Abb. 3: Die ursprünglich für den ORF reservierte Fläche in Karl-Farkas-Gasse 1 ist in Fokus weiterer Planungen. Derzeit wird ein Teil der Fläche für Urban Gardening verwendet, während auf einem Großteil der Fläche eine 30 000 m2 große Malerei des tiroler Künstler Golifs angebracht ist. Mehr zu dem Gemälde kann man in der Presse lesen. Quelle: WSE/Dieter Bartsch

Abb. 3: Die ursprünglich für den ORF reservierte Fläche in Karl-Farkas-Gasse 1 ist in Fokus weiterer Planungen. Derzeit wird ein Teil der Fläche für Urban Gardening verwendet, während auf einem Großteil der Fläche eine 30 000 m2 große Malerei des tiroler Künstler Golifs angebracht ist. Mehr zu dem Gemälde kann man in der Presse lesen. Quelle: WSE/Dieter Bartsch


Was sich sonst in den kommenden fünf Jahren, dem geplanten Fertigstellungszeitraum des angrenzenden Biozentrums der Uni Wien, auf dem Campus ändern soll, steht noch nicht fest. Ein Ausbau der derzeitigen Parkgarage unter der Südosttangente deckt den momentanen Bedarf ab; ein weiterer Ausbau ist, wie auch weitere Schaffung von Infrastruktur wie zum Beispiel der Bau oder Ausbau von Kindergärten, „von der gesamten Standortentwicklung abgängig“. Mit den Wiener Linien wird zudem verhandelt, ob zusätzlich zu den bereits bestehenden Straßenbahnverbindungen eine Verlängerung der Buslinie 74A zukünftig umgesetzt werden kann.

'Neu Marx'

Neu Marx ist ein Campus im dritten Bezirk rund um das ehemalige Schlachthausgelände. Es beherbergt das Vienna Bio Center, den Hauptsitz von T-Mobile Austria, die derzeitige Event-Location Marx Halle und das Media Quarter Marx, in dem Medienunternehmen wie die Fernsehsender ProSieben, Sat.1 und Puls 4, sowie die Wiener Zeitung untergebracht sind. Gemeinsam soll damit das Profil Medien, Forschung, Kreativwirtschaft und Technologie abgedeckt werden.

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