:: Wissenschaftliche Poster: was gilt es zu vermeiden?

12/08/2016 von / 1 Kommentar

Titelbild: Poster Presentations. Quelle: NCCARF/flickr

Sprache der Wissenschaft:: Wissenschafter drücken sich vor allem in den letzten Jahren immer häufiger über das Medium des Posters aus. Postersessions auf Konferenzen sind häufig ausgedehnt, die Konkurrenz ist groß und dann will doch auch jeder, dass sein Poster so heraussticht, dass einem der Best Poster Award sicher ist.
Die Gestaltung eines gelungenen Posters ist allerdings gar nicht so einfach – wie so oft steckt der Teufel im Detail: Ist wirklich alles gleich formatiert? Habe ich alle Inhalte transportiert, die ich vermitteln wollte? Kann ein Außenstehender, eine Außenstehende noch nachvollziehen, was ich gemacht habe? In diesem Beitrag wollen wir euch anhand eines fiktiven Datensatzes der Populationsökologie des Fantasielandes Fantasmanila illustrieren, welche Fehler man beim Posterbau begehen und wie man es besser machen kann.

1. Die Daten sind an den Haaren herbeigezogen.

Ok, fairerweise können wir bei einem fiktiven Datensatz keine nicht-fingierten Daten einbauen. Dennoch – für die reale Welt gilt: die Daten müssen wissenschaftlich korrekt erhoben werden. Was das bedeutet, kann man in den diversen Guidelines der Universitäten nachlesen. Als Beispiel findet ihr hier die Verordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Wien.

2. Die grafische Umsetzung wirkt unprofessionell / stört beim Lesen.

Ausgefallene Bilder, Schraffuren, Farben sollen dein Poster aufpeppen? Weniger ist oft mehr: achte immer auf gute Kontraste; zum Beispiel klassischer weißer Hintergrund mit schwarzer Schrift.

3. Schlampiges Poster – schlampige Forschungsarbeit?

Die Achsen der Grafiken sind nicht beschriftet und enthalten weder Legende noch sonstige Erklärungen, der Text enthält Tippfehler und ist verschieden formatiert – die Kollegenschaft wird davon ausgehen, dass du genauso schlampig forschst wie du dein Poster gestaltest.

4. #overlyhonestmethods

Ihr habt nur fünf Proben gezogen, weil euch danach das Analysenmaterial ausgegangen ist? Ihr habt einen anderen Puffer verwendet, weil der gerade im Labor herumgestanden ist? Ihr habt das Modell in Drosophila ausprobiert, weil diese einfacher zu halten ist und weniger Arbeit macht? Fein. Einen wissenschaftlicheren Erklärungsansatz zu haben wäre dennoch von Vorteil – nicht nur für euer Ansehen, sondern auch für die Sinnhaftigkeit eurer Forschung. Sonst könnte eure Arbeit auch ganz schnell mal auf Twitter landen – unter dem Hashtag #overlyhonestmethods findet ihr einige besonders ehrliche Kolleginnen und Kollegen.

5. Niemand versteht das Poster.

Du hast wochen-, monate-, ja, oft jahrelang geforscht, bist von deinen Daten und deiner Interpretation überzeugt und willst deine Erkenntnisse nun bei der Poster Session unter die Leute bringen. Aber jeder, der sich dein Poster eine Minute ansieht, schüttelt nur den Kopf – du siehst schon: alle verstehen nur Bahnhof. Liegt es wohl an den unverständlichen Abkürzungen, die nirgends erklärt wurden? Oder doch an den unnötig langen Sätzen mit den vielen Nominalisierungen? Es hilft manchmal den Tunnelblick abzuschütteln und die Ergebnisse in neue Worte zu fassen. Hilfe gibt’s hierbei von jedem Menschen außer dir – jeder Person, die nicht im Forschungsprojekt involviert ist.

Beispielposter

Poster_schiach_small

Poster_schön_small

6. Lost in Translation?

Wenn dein Poster auf Englisch ist, gilt es einiges zu beachten. Zuallererst: Punkte sind die englischen Kommas – Kommas sind die englischen Punkte. Weil es doch einen kleinen, aber feinen Unterschied macht, ob du 45,232 oder 45.232 mg von deiner Substanz gefunden hast! Verpönt sind außerdem Abkürzungen wie didn’t oder can’t – did not und cannot werden genauso ausgeschrieben wie have not, will not, shall not, usw.

7. Dein Poster liest sich wie die Besetzung von Herr der Ringe.

Ja, zugegeben, an deinen Forschungsergebnissen waren viele Leute beteiligt – dein Kollege, der dir deine Proben in den Kühlschrank gestellt hat, während du wie ein Zombie halbverschlafen nach Hause getorkelt bist (natürlich nur, weil er dich dorthin geschickt hat!). Deine Kollegin, die dir einen wichtigen Tipp zur Auswertung gegeben hat. Deine Freunde, die dich moralisch unterstützt und regelmäßig mit Koffein und/oder Bier versorgt haben. Deine Eltern, die dir immer eingetrichtert haben, nie aufzugeben. Zugegeben: sie alle haben sich deine Dankbarkeit verdient. Am Poster stehen jedoch nur Leute, die auch wirklich etwas mit dem Projekt zu tun haben: jene, die den Löwenanteil an der Arbeit hatten – die tage- und wochenlang im Labor gestanden sind, die sich ewig über die Statistik und Interpretation der Daten geärgert haben. Das bedeutet: der Vorgesetzte deines Vorgesetzen, der weder von der Existenz des Poster weiß, geschweige denn Input dafür geliefert hat, hat auch nichts auf dem Poster verloren. Wenn deine Co-AutorInnen feststehen: achte auf die korrekte Nummerierung und bei internationalen Teams auch darauf, dass klar hervorgeht, aus welchem Land der Beitrag stammt.
Apropos Herr der Ringe: Posters werden natürlich nicht im Erzählstil geschrieben. Es ist schön, dass es ein sonniger Sommermorgen war, an dem du deine Zikaden gesammelt hast und dass du ein herrliches, ausgedehntes Frühstück in der pittoresken Landschaft zu dir genommen hast bevor es losging in die ungezähmte Wildnis – für das Poster ist es jedoch nicht relevant.

8. Schwafelei

Ein Poster mag zumeist das „große“ Format A0 (84,1 x 118,9 cm) einnehmen, dennoch wirst du schnell feststellen: das ist gar nicht so viel Platz wie man meinen möchte. Formuliere kurz und prägnant, wiederhol dich nicht und schau, dass du trotzdem alles unterbringst, das du sagen möchtest. Wenn alle Stricke reißen, kann man noch mit dem Vermerk „data not shown“ arbeiten.
Der Hinweis „kurz und prägnant“ – allerdings mit dem Zusatz „dennoch plakativ und catchy“ gilt übrigens auch für den Titel des Posters: sollte dir diesbezüglich nichts einfallen, lass dich von Papertiteln und TED Talks inspirieren oder versuchs mit einem kreativen Brainstorming gemeinsam mit deinen Co-AutorInnen – irgendwann bekommst du deine zündende Idee!

Für ein gemeinsames Forschungsprojekt zum Thema Silage wurden die Autorinnen 2015 beim Boku-Symposium für Tierernährung mit dem Poster Award ausgezeichnet.

Eine Antwort
  1. Stefan Kapeller

    Danke für den Beitrag. Eine tolle Seite, wo insbesondere die grafische Gestaltung von wissenschaftlichen Postern diskutiert wird, ist http://betterposters.blogspot.co.at/
    Dort findet man konkrete Verbesserungsvorschläge und Vorher-/Nahherbilder. Find ich recht aufschlussreich. (Der Betreiber, @doctorzen, ist auch auf Twitter.)

    04.09.2016 um 10:50
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