:: Uniko zwischen Brain Drain und Zulassungsbeschränkungen

16/02/2016 von / 0 Kommentare

Titelbild: Sonja Hammerschmidt ist seit Beginn des heurigen Jahres Präsidentin der Uniko. Bild: Neujahrsempfang der Uniko, Quelle: Österreichische Universitätenkonferenz – uniko/APA-Fotoservice/Preiss via APA-Fotoservice


Mit dem Beginn des neuen Jahres 2016 beginnt eine neue Amtsperiode der Uniko-Präsidentschaft. Mit Sonja Hammerschmid, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität, darf die nächsten zwei Jahre eine Molekularbiologin das Amt der Präsidentin schmücken.

Im Dezember lud die designierte Präsidentin der Universitätenkonferenz (Uniko), Sonja Hammerschmid, zusammen mit dem designierten Vizepräsidenten der Uniko und Rektor der Universität Klagenfurt, Oliver Vitouch, zur Pressekonferenz ein. Sonja Hammerschmid thematisierte die gegenwärtige und mögliche zukünftige Wahrnehmung der Leistungen der Universitäten in der Öffentlichkeit und gab damit eine Vorschau auf die künftige Amtsperiode, in der mit den Leistungsvereinbarungsverhandlungen 2018 die Weichen für das Budget der Universitäten 2019 bis 2021 gestellt werden.

Brain Drain


‚Brain Drain‘ bezeichnet das Phänomen und gegenwärtige Problem in einigen Staaten wie Österreich, dass es viele hochqualitative Fachkräfte ins Ausland zieht. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und können beispielsweise in der Forschungsinfrastruktur, in der BewerberInnenakquise oder in dem Gehalt gefunden werden.

Leistungen, nicht geringe Finanzen, sollen in Zukunft das Bild der öffentlichen Universitäten bestimmen

In letzter Zeit war der Fokus der Öffentlichkeit bei dem Thema Universitäten sehr einseitig auf dem Thema Finanzen und der damit verbundenen Budgetknappheit. Hammerschmid möchte, dass Österreich in Zukunft auch die Leistungen seiner Unis im Dienstleistungsbereich, in der Forschung und in der Lehre wahrnehme. „Im Jubiläumsjahr 2015, in dem die Universität Wien, die Veterinärmedizinische Universität Wien, die Technische Universität Wien, sowie die Montanuniversität Leoben ihre Gründungsjubiläen feierten, konnten die Unis auch gut ihre Leistungen präsentieren“, so die designierte Präsidentin der Uniko, die weiters bemerkt: „die österreichischen Universitäten haben weit mehr Strahlkraft, die über die Wissenschaft hinausgeht“. Sichtbar werden solle diese Strahlkraft durch verbesserte Öffentlichkeitsarbeit der Universitäten.

Kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung als Mittel gegen den Brain Drain

In der zukünftigen Amtsperiode sollen verschiedene Themen in Angriff genommen werden. So müsse über die kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung, aber auch über Zugangsregelungen diskutiert werden. Schließlich „brauche man in Österreich die besten Köpfe“, so Hammerschmid. Um diese zu bekommen und zu finanzieren benötigen die Universitäten ausreichendes Budget, um gerechte Förderung und ausreichende Betreuung zur Verfügung zu stellen zu können. Ziel ist auch den Brain Drain, also das Phänomen, dass viele hochqualifizierte Fachkräfte ins Ausland ziehen, zu beenden. Nichtsdestotrotz wird es weiter Förderungen, wie zum Beispiel vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) oder der EU für die Grundlagenforschung brauchen; der FWF sei der wichtigste Finanzierer der Grundlagenforschung in Österreich.

Dänemark als Modell

Als ein Beispiel für so eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung nannte Hammerschmid Dänemark: Dort gibt es eine nach oben offene Studienplatzfinanzierung mit ungedeckelten Preismodellen. Der Staat investiert dort in absolvierte ECTS-Punkte, die für abgelegte Prüfungen vergeben werden. Diese ECTS-Punkte sind dort in Medizin und in den Naturwissenschaften von den Rahmenbedingungen her wesentlich teurer als in anderen Fächergruppen wie den Geisteswissenschaften. Bemerkenswert am dänischen System sei laut Hammerschmid, „dass dieses Finanzierungsmodell dort aus einen ganz anderen Antrieb heraus initiiert wurde: Dänemark hat sich die Frage gestellt, wie es international wettbewerbsfähig bleiben könne und erkannte Investitionen in Bildung und Universitäten als Lösung.“

„Kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung“ – was ist das?

Den Ausdruck „kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung“ hat bereits der ehemalige Bundeskanzler Bruno Kreisky verwendet. Diese Wortschöpfung soll Modelle bezeichnen, in denen Studienplätze nach den finanziellen und personellen Kapazitäten der Universitäten finanziert werden. KritikerInnen, wie die ÖH (Pressemitteilung), sehen in der Wortwahl aber eine Umschreibung von Zulassungsbeschränkungen.
2012 wurde die kapazitätsorientierte Studienfinanzierung vom damaligen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle erneut zum Diskurs gestellt und sollte mit 95 Professuren und Zugangsbeschränkungen in einzelnen Fächern umgesetzt werden (Stenographisches Protokoll der 181. Sitzung des Nationalrats) – demnach würde der aktuelle Status Quo an den heimischen Universitäten der von Töchterle initiierten „kapazitätsorientierten, studierendenbezogenen Universitätenfinanzierung“ entsprechen. Die Uniko sah den Entwurf der Bundesregierung aber schon damals in einer Pressemitteilung als „weder kapazitätsorientiert, noch studierendenbezogen“ an, da sie sich nicht an den Kapazitäten der Universitäten orientiere, sondern lediglich ein „Status Quo an Studienplätzen festgeschrieben“ wurde.

Uniko-Vizepräsident Oliver Vitouch erklärte auf der Pressekonferenz, dass die Idee innerhalb der Uniko eine breite Unterstützung finde. Daher ist es auch nicht überraschend, dass dieses Konzept im Rahmen eines Dreierinterviews (ORF) mit Sonja Hammerschmid als Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität, Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, und Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien zur Sprache kam. Nach der Aussage Engls sei die Kapazität demnach nach dem Nadelöhr des Studiums zu richten, was bei naturwissenschaftlichen Studien oftmals die Laborpraktika sind. In dem Dreiergespräch nannte Engl den Fall der Pharmazie, wo für Laborkapazitäten für 200 Personen an der Universität Wien bestehen. Wirft man einen Blick auf das Studium der Biologie der selben Universität, so sieht es im Bachelorstudium auch nicht viel anders aus: Die für alle Studierenden obligatorischen Laborpraktika, die „chemischen Übungen“, bieten 160 Plätze. Somit wäre eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung mit Zulassungsbeschränkungen verbunden; mit dem Vorzug, dass dafür jeder Studienplatz ausfinanziert ist. Zudem wäre das Modell der Uniko mit einer Trennung des Budgets in separate Töpfe für Forschung beziehungsweise Lehre verbunden. Die aktuellen Probleme seien, so Vitouch, zum Einen die Finanzierung, zum Anderen die Frage der Zugangsregelung: für eine optimale Leistungsfähigkeit der österreichischen Universitäten sollen diese beiden Komponenten ins Lot gebracht werden.

Österreichische Universitätenkonferenz (Uniko)

Die österreichische Universitätenkonferenz (Uniko) koordiniert die 21 staatlichen Universitäten und unterstützt sie in deren Aufgabenerfüllung. Sie ist Stimme der Universitäten in nationalen und internationalen Gremien sowie in der Öffentlichkeit. Die Uniko verfügt über keinerlei Machtbefugnisse.
Entstanden ist die Uniko aus der Einberufung einer allgemeinen Rektorenkonferenz im Jahre 1911 durch die Initiative von Hans Freiherr Jüptner von Jonstorff, damaliger Rektor der Technischen Hochschule Wien.
In den Universitäts-Organisationsgesetzen 1975 wurde die Uniko gesetzlich vorgesehen und agierte als staatlich finanzierte, öffentlich-rechtliche Einrichtung, die autonom handelte. Im bereits vielfach novellierten Universitätsgesetz von 2002 (UG) wurde die Uniko nicht mehr vom Gesetzgeber vorgesehen. Daraufhin organisierte sie sich 2003 als Verein neu.

Weiterführende Links


Erläuterungen der Uniko zur Kapazitätsorientierten Universitätsfinanzierung, Quelle: uniko-pedia

Finanzierungsmodelle universitärer Lehre: Internationale Beispiele, Erfahrungen mögliche Strategien für Österreichs Universitäten (Endbericht zum Projekt Nr. 1.63.00294.0.0 im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, heute integriert im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft)

Kommentar des Verhaltensbiologen Kurt Kotrschal (Universität Wien): „Was den Universitäten in Österreich fehlt“ in der Online-Ausgabe der Tageszeitung ‚Der Standard‘


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