:: Natur erleben und zum Forscher werden

18/02/2016 von / 0 Kommentare

Titelbild: Naturbeobachtung hautnah: Das Weibchen des Großen Blaupfeils. Quelle: Walter Wallner

naturbeobachtung.at ist die Online-Meldeplattform in Österreich für alle NaturliebhaberInnen. Man kann sich über Tier- und Pflanzenarten informieren, diese melden, sich im Diskussionsforum austauschen und von ExpertInnen bei der Bestimmung helfen lassen. Die von den „Citizen Scientists“ gemeldeten Daten fließen in aktuelle Verbreitungskarten, Publikationen, Rote Listen und die tägliche Naturschutzarbeit des | naturschutzbund |ein.

Internet-Meldeplattformen für Naturbeobachtungen bieten naturinteressierten Personen einen Einstieg, um sich mit der Vielfalt der heimischen Pflanzen und Tiere auseinander zu setzen. Durch solche Plattformen können die biologische Artenkenntnis in der Bevölkerung gehoben und Naturschutzanliegen durch Einbindung vieler Menschen leichter umgesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist das Portal www.naturbeobachtung.at des Naturschutzbundes, das 2006 online ging. Im Laufe der Jahre haben hier fast 5.000 Melderinnen und Melder 270.000 Fundmeldungen abgegeben und 74.000 Belegfotos hochgeladen. Im Diskussionsforum wurden 85.000 Texteinträge verfasst und weitere 43.000 Bilder hochgeladen (Stand Oktober 2015).

So funktioniert das Melden von Beobachtungen

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Abb.1: In den jeweiligen Artsteckbriefen finden sich allerlei wertvolle Bestimmungshilfen von Experten. Quelle: via naturbeobachtung.at

Der Zugang zu naturbeobachtung.at ist prinzipiell frei. Um Spaßeinträge möglichst zu vermeiden muss man sich aber erst registrieren, bevor man Meldungen abgeben kann. Das Melden selbst funktioniert ganz einfach nach dem „5-W-Prinzip“: Wer hat wo, wann, was und wie viel gesehen? Der Nutzer/Die Nutzerin kann dann optional seinen Fund weiter präzisieren (z.B. die Fundstelle genauer beschreiben, geo-referenzieren oder die Uhrzeit der Beobachtung eintragen) und auch ein Belegfoto mit hochladen. Solche Bilder sind wichtig, da sie bei bestimmten Arten den ExpertInnen die Nach-Bestimmung erleichtern. In Zukunft wird es auf der Plattform eine Belegfototafel aller eingehenden Beobachtungen mit Bild geben, die sich jede/r ansehen kann und die es den ExpertInnen ermöglicht, besonderen Fundmeldungen sofort nachzugehen.

Ist man sich nicht ganz sicher, ob man die richtige Tier- oder Pflanzenart meldet, bietet die Plattform Hilfestellungen: für beinahe alle meldbaren Arten gibt es ausführliche Steckbriefe (Abb.1.) mit konkreten Bestimmungshilfen, wissenswerten Infos und aussagekräftigen Bildern.

Im gut besuchten Diskussionsforum kann man sich mit anderen Naturinteressierten austauschen, seine schönsten Naturbilder hochladen oder ExpertInnen um Bestimmungshilfe bitten. Moderiert wird das Forum von MitarbeiterInnen des Naturschutzbundes und 35 FachexpertInnen, die eine optimale Betreuung der naturinteressierten Melderinnen und Melder gewährleisten.

Abb2_Bunthummel_Beate Schoba

Abb.2: Im Diskussionsforum wird täglich eine Vielzahl wunderschöner Bilder hochgeladen. Im Bild eine Bunthummel. Quelle: Beate Schoba

Sobald eine Naturbeobachtung eingetragen ist, ist sie sofort auch in einer Listendarstellung und als Punkt auf einer (Österreich-)Karte sichtbar. Man kann sich verschiedene Verbreitungskarten anzeigen lassen und in der eigenen „Fundverwaltung“ sieht man eine Übersicht seiner gemeldeten Beobachtungen und kann diese beliebig bearbeiten oder entfernen. Auf der Startseite sind außerdem die aktuellsten Fundmeldungen mit Fotobeleg sowie das aktuellste Foto aus dem Diskussionsforum zu sehen.

Momentan sind zur Gänze alle Tagfalter (215 Arten), Vögel (425), Amphibien (20) und Hummeln (46) Österreichs meldbar. Darüber hinaus kann man über hundert weitere großteils leicht erkennbare unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten melden.

Tagfalter, Hummeln & Co.

Zu den Amphibien, Hummeln, Tagfaltern und Vögeln Österreichs gibt es auf naturbeobachtung.at spezielle Unterseiten mit umfangreichen Informationen über diese Tiergruppen. In aktuellen Artikeln können sich die UserInnen über Neuigkeiten in der Forschung oder gerade aktive Arten informieren und die neueste Beobachtung der jeweiligen Tiergruppe sehen. Bei den „Amphibien Österreichs“ kann man sich die Stimmen aller einheimischen Amphibien anhören und sich einen Bestimmungsfolder downloaden.

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Abb. 3: Eine spezielle Unterseite informiert über alle einheimischen Amphibienarten. Im Bild zwei Feuersalamander. Quelle: Peter Pflügl

Es gibt außerdem einen Schulbereich, auf dem sich LehrerInnen Unterrichtsmaterialien für die direkte Verwendung im Unterricht herunterladen können. Auch bei den „Hummeln Österreichs“ gibt es einen Bestimmungsfolder der häufigsten Hummelarten zum Download. Man kann sich einen Feldbestimmungsschlüssel bestellen und in Kooperation mit dem Lebensmitteleinzelhändler Hofer wird jedes Jahr zum Melden von bestimmten Hummelarten aufgerufen. Unter „Abenteuer Faltertage“ findet man alles Wissenswerte zu den heimischen Tagfaltern, es gibt Unterseiten für jedes Bundesland inklusive landesspezifischer Verbreitungskarte und einen Schulbereich mit Lehrerservice. Die Unterseite „Vögel Österreichs“ bietet Tipps zum Vogelbeobachten. Somit kann sich jeder über seine Lieblingstiergruppe auf dem Laufenden halten und direkt auf den Unterseiten seine Beobachtungen melden.

Was passiert mit den Funddaten?

Die gesammelten Funddaten auf naturbeobachtung.at können und sollen für wissenschaftliche Zwecke und Publikationen zur Verfügung stehen. Damit mit den Daten kein Missbrauch geschieht, ist die Weitergabe der Daten klar geregelt. Interessierte Institutionen und Forschungseinrichtungen stellen beim Naturschutzbund einen Antrag auf Einsicht in bestimmte Funddaten und verpflichten sich gleichzeitig zu einem vertrauensvollen Umgang mit diesen. Der wissenschaftliche Fachbeirat von naturbeobachtung.at nimmt zum Antrag Stellung und stimmt darüber ab. Die letzte größere Studie, in die Daten von naturbeobachtung.at einflossen, war die Distelfalterstudie von Constantí Stefanescu et al. (Ecography, 2012)[1].

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Abb. 4: Ein Distelfalter. Dieser einheimische Tagfalter ist ein Wanderfalter und steht im Projekt „Abenteuer Faltertage“ im Fokus. Quelle: Anton Vorauer

Zum „Citizen Scientist“ werden

Auf naturbeobachtung.at kann jeder und jede aktiv dazu beitragen, dass wir alle mehr über unsere schöne und vielfältige Natur erfahren. Die Mitarbeit bereitet Spaß und Freude, leistet aber auch einen wichtigen Beitrag zur konstanten Beobachtung der Artbestände. So kann die Meldeplattform wissenschaftliche Forschungsarbeiten sinnvoll ergänzen („Citizen Science“).

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Abb. 5: Das Naturbeobachten ist für Groß und Klein ein Spaß. So kann jeder zum Forscher werden. Quelle: Dagmar Breschar

Aktuell kann man sich im Projekt „Abenteuer Faltertage“ an der großen Schmetterlingszählung 2016 beteiligen. Jede/r ist zum Schmetterlinge beobachten, fotografieren und melden aufgerufen, sobald die ersten Falter wieder fliegen. Im Fokus stehen die heimischen Tagfalterarten, von denen bereits rund die Hälfte gefährdet ist. Schulen können sich noch bis 15.3. zum Projekt anmelden, sie erwartet ein besonderes „Schmetterlingspaket“. Die fleißigsten Schmetterlings-Melder und Melderinnen werden Ende des Jahres ausgezeichnet. Alle Meldungen werden in einer Fototafel von ExpertInnen evaluiert und validiert (Ampelsystem: geprüft-zweifelhaft-falsch) und für aktuelle Verbreitungskarten, Forschungsprojekte, Rote Listen und Schutzmaßnahmen verwendet.

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naturbeobachtung.at in Kürze

  • Registrierung mit Namen und Kontaktdaten (werden nur intern verwendet).
  • Vor dem Melden mit Artsteckbriefen informieren.
  • ExpertInnen um Bestimmungshilfe fragen.
  • Melden mit Angabe von Art, Ort, Datum, Zeit und Belegfoto.
  • Austausch im Diskussionsforum mit anderen NaturliebhaberInnen und -kennerInnen.
  • Ansehen von Verbreitungskarten der eigenen Funde oder der Lieblingsarten.
  • Durch eigene Fundmeldungen einen Beitrag zur Wissenschaft und Erhaltung der Biodiversität leisten.
  • Viel Spaß!


  • Literaturverweis


    • [1] Stefanescu, C. et al. Multi-generational long-distance migration of insects: studying the painted lady butterfly in the Western Palearctic. Ecography 35: 001-014, 2012.


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