:: Fleisch oder Fleisch?

05/02/2016 von / 0 Kommentare
Titelbild: Fleisch als Massenware. Quelle: via pixabay

Der Konsum von Fleisch und tierischen Produkten trägt einen wesentlichen Teil zur weltweiten ökologischen Krise bei: In der EU verursacht die Fleischproduktion 12,8 Prozent der gesamten CO2-Emissionen.

Steak versus Ökosystem

Abb.1: Das Schwein als Nutztier Quelle: via pixabay

Abb.1: Das Schwein als Nutztier. Quelle: via pixabay

Weltweit werden derzeit etwa 30 Prozent der gesamten eisfreien Landfläche für die Nutztierhaltung verwendet. Außerdem verursachen Nutztiere zirka 18 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen auf unserem Planeten. Und diese Werte werden vermutlich nur noch ansteigen, wenn man sich vor Augen hält, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen ansteigen wird. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländer wächst die Bevölkerung und damit auch die Lust auf Fleisch.

In China zum Beispiel, zeigt die neue Mittelschicht gerne ihren neuen Wohlstand durch regelmäßigen Fleischkonsum. Es ist zwar auch zu beobachten, dass immer mehr Menschen ganz auf Fleisch oder tierische Produkte verzichten, allerdings steigt dafür der Fleischkonsum in den Entwicklungs- bzw. ehemaligen Entwicklungsländern enorm an – da fallen ein paar Veganer in Europa oder Amerika nicht sonderlich ins Gewicht. Ich glaube, den meisten Menschen ist klar, dass wir früher oder später (eher früher) mit der herkömmlichen Nutztierhaltung einfach nicht mehr weitermachen können. Die biologische Landwirtschaft ist natürlich die ökologischere Variante, und der herkömmlichen damit vorzuziehen. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum würde aber der Preis für Bio-Fleisch vermutlich derart ansteigen, dass es für die meisten Menschen unerschwinglich wäre.

Und jetzt?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für die wachsende Menschheit auf die schwindenden Ressourcen unseres Planeten zu reagieren: Verzicht oder Weiterentwicklung. Theoretisch wäre bewusster Verzicht die einfachste Variante; allerdings dürfte es sehr schwierig sein, ein paar Milliarden Menschen davon zu überzeugen, freiwillig auf Fleisch zu verzichten. Bleibt noch die Weiterentwicklung. In-vitro-Fleisch wäre hier auf den ersten Blick eine durchaus attraktive Lösung.

Fleisch aus dem Glas

Steak 2.0? Quelle: via pixabay

Abb.2: Steak 2.0? Quelle: via pixabay

Die Idee, essbares Fleisch im Labor zu züchten ist gar nicht so neu: Der, vor kurzem mit 91 Jahren verstorbene, Holländer Willem van Eelen gilt als einer der Vordenker auf diesem Gebiet. Willem van Eelens Vision war es, Fleisch ohne Tieropfer zu produzieren. In den letzten Jahren gab es mehrere wissenschaftliche Projekte, die sich mit essbarem In-vitro-Fleisch beschäftigten (Bonny et al, 2015, Kadim et al, 2015).

Im Jahr 2013 wurde der Welt der erste im Labor hergestellte Hamburger präsentiert. Trotzdem ist die Forschung auf diesem Gebiet leider immer noch weit von einem Durchbruch entfernt. Das Steak aus dem Labor scheint noch eine ferne Zukunftsvision zu sein. Laut Forschern tauchen bei jedem Schritt der In-vitro-Fleischherstellung noch Probleme auf, die eine große Produktion verhindern (siehe Infobox).


Infobox - Wie funktionierts?


"Fleischer" der Zukunft? Quelle: via pixabay
Abb.3:“Fleischer“ der Zukunft? Quelle: via pixabay

Zuerst werden einem Tier (adulte oder embryonale) Stammzellen entnommen. Diese wachsen dann in Bioreaktoren mit Hilfe einer Nährsubstanz. Es folgen Zellteilungen über mehrere Monate. Nun müssen die Zellen dazu gebracht werden sich zu Muskelzellen auszudifferenzieren. Als letzter Schritt, folgt das Training. Die Muskelzellen müssen durch Spannungskräfte trainiert werden, damit sie zu einer verwertbaren Größe wachsen.

Was tun?

Natürlich muss sich diese Frage jeder selbst stellen. Muss es wirklich das günstige XXL – Schnitzel sein oder das schon fast lächerlich billige Kebab? Eigentlich ist es doch mittlerweile schon fast eine Binsenweisheit, dass uns zu viel Fleisch im Allgemeinen und billig produziertes Fleisch im Speziellen direkt und indirekt schadet. Es gab eine Zeit in der Entwicklung des Menschen in der Fleisch vermutlich unser Überleben sicherte und unsere Entwicklung förderte, doch aus dem Segen scheint eine Art Fluch geworden zu sein: heute könnte unsere Lust auf Fleisch vielleicht unser Überleben verhindern.

Literaturverweise

  • Bonny, Sarah PF, et al. „What is artificial meat and what does it mean for the future of the meat industry?.“ Journal of Integrative Agriculture 14.2 (2015): 255-263. doi:10.1016/S2095-3119(14)60888-1
  • Kadim, Isam T., et al. „Cultured meat from muscle stem cells: A review of challenges and prospects.“ Journal of Integrative Agriculture 14.2 (2015): 222-233. doi:10.1016/S2095-3119(14)60881-9

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