:: Neues Jahr, neue Arten: Die Natur des Jahres 2016

29/01/2016 von / 0 Kommentare

Titelbild: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) Vogel des Jahres 2016 Quelle: Gernot Kunz via Kunzweb


Wie jedes Jahr wurden auch für 2016 verschiedene Tiere und Pflanzen zur Natur des Jahres gewählt. Die diversen Arten sollen dabei einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

An der Wahl der Organismen sind mehrere Organisationen im deutschsprachigen Raum beteiligt. Der Grundstock hierzu wurde vor 45 Jahren gelegt, als vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zum ersten Mal der Vogel des Jahres gekürt wurde. Seither folgten viele andere Tier- und Pflanzengruppen, welche in Österreich entweder dieselben sind wie in Deutschland und der Schweiz, oder sich – abhängig von der Thematik – von denen der anderen Länder unterscheiden. Die Nominierung durch die verschiedenen Organisationen muss nicht zwangsläufig zu Jahresbeginn erfolgen und es kommt auch vor, dass Arten nur alle zwei Jahre ernannt werden. So ist etwa die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea) bereits für die Jahre 2016 sowie 2017 ausgewählt worden. Die Idee hinter diesen öffentlichkeitswirksam präsentierten Organismen ist es, das Bewusstsein für eine bestimmte Art oder einen Lebensraum zu stärken und auf mögliche Gefährdungen hinzuweisen.

Abb. 1: Die Konusspinne (Cyclosa conica) Spinne des Jahres Quelle: Christian Komposch, Ökoteam

Abb. 1: Die Konusspinne (Cyclosa conica) Spinne des Jahres Quelle: Christian Komposch, Ökoteam

Auf der einen Seite wird mit den diesjährigen Arten des Jahres, wie etwa dem Biber oder dem Feuersalamander, auf allseits bekannte und attraktive Flaggschiff- und Schlüsselarten zurückgegriffen. Andererseits finden sich aber auch weitaus unbekanntere Arten, wie der Dunkelbraune Kugelspringer (Allacma fusca) und die Konusspinne (Cyclosa conica, Abb.1), unter den ausgewählten Organismen, die durch diese Nominierung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von großer Bedeutung sind vor allem auch gefährdete Lebensräume, wie etwa Hochmoore, welche 2016 durch das Mittlere Torfmoos repräsentiert sind.

Im Folgenden werden einige der diesjährigen Arten kurz vorgestellt:

Tier des Jahres:

Biber (Castor fiber)

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Abb. 2: Biber Quelle: Robert Hofrichter via Naturschutzbund

Nachdem er zuvor bei uns fast vollständig ausgerottet war, konnten sich die Bestände des europäischen Bibers (Abb.2) seit der Wiederansiedelung Mitte der 1970er bis 1980er Jahre fast gänzlich erholen. Aktuell wird der Bestand auf rund 5900 Tiere österreichweit geschätzt (Bibermerkblatt Naturschutzbund; Stand September 2015).
Als typische Art der Auenlandschaft, ist der Biber durch seine Fähigkeit zur selbstständigen Strukturierung seines Lebensraums, für diesen von großer Bedeutung. Dies zeigt sich durch eine höhere Biodiversität und Biomasse in den von Bibern besiedelten Flusslandschaften.

Mitverantwortlich für die Ausrottung war, dass die Tiere zum einen wegen ihrem Pelz, zum anderen wegen dem Fleisch stark bejagt wurden. Heute steht der Biber durch Anhang II und IV der FFH-Richtlinie unter Schutz, weshalb Österreich dazu verpflichtet ist den günstigen Erhaltungszustand zu gewährleisten. In einigen Teilen des Landes wird aktuell über eine neuerliche Bejagung des Bibers diskutiert, welche teilweise auch schon durchgeführt wird. Möglicherweise hat diese Problematik auch zur Nominierung als Tier des Jahres durch den Naturschutzbund Österreich beigetragen.

Vogel des Jahres:

Stieglitz (Carduelis carduelis)

Abb. 3: Stieglitz Quelle: Gernot Kunz via Kunzweb

Abb. 3: Stieglitz Quelle: Gernot Kunz via Kunzweb

Der Stieglitz (Abb.3), auch als Distelfink bekannt, wurde von BirdLife Österreich und den deutschen Partnerorganisationen (NABU, LBV) als “Vogel des Jahres” ausgewählt. Damit fiel die Wahl auf einen der buntesten und bekanntesten Singvögel Mitteleuropas. Die charakteristischen „stiglit“ Laute des Vogels sind für seinen deutschen Namen Stieglitz verantwortlich.

Der Zweitname Distelfink stammt daher, dass sich dieser im Spätsommer mit Vorliebe an Disteln und Kletten aufhält. Flächen mit solchen Pflanzen sind jedoch stark im Rückgang, da sie durch Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenversiegelung und penibler „Pflege“ von Gärten und Parks, zunehmend aus unserem Landschaftsbild verdrängt werden. Allerdings können auch immer häufiger, brütende Stieglitze in innerstädtischen Siedlungsgebieten mit vielen naturnahen Gärten und Parks beobachtet werden. Die Vögel sind Teilzieher, das heißt ein Großteil zieht im Herbst ins Mediterrangebiet, aber es gibt auch Gruppen die vor allem in Ostösterreich überwintern.

Moos des Jahres:

Mittleres Torfmoos (Sphagnum magellanicum)

Abb. 4: Mittleres Torfmoos Quelle: Heike Hofmann

Abb. 4: Mittleres Torfmoos Quelle: Heike Hofmann via Naturschutzbund

Neben der Flechte des Jahres wird auch das Moos des Jahres von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V. ernannt. Gewählt wurde das Mittlere Torfmoos oder Magellans Torfmoos (Abb.4), welches wie die übrigen Arten der Gattung Sphagnum dazu fähig ist große Mengen von Wasser aufzunehmen und zu speichern. Es ist eine Charakterart für rein von Regenwasser gespeiste Hochmoore und prägt mit seinen großen, tief purpurroten Bulten dessen Erscheinungsbild.

Das Überleben des Mittleren Torfmooses steht und fällt mit dem Schutz von Hochmooren. Denn obwohl es in Mitteleuropa weit verbreitet ist, ist das Vorkommen dennoch auf Hochmoore sowie Hochmoorheiden und -wälder beschränkt. Es wird in den Anhängen I sowie V der FFH-Richtlinie geführt. In Österreich gibt es jedoch noch größere Vorkommen in den Alpen, wodurch es hier nur als „regional gefährdet“ eingestuft wird.

Lurch / Reptil des Jahres:

Feuersalamander (Salamandra salamandra salamandra)

Abb. 5: Feuersalamander Quelle: Richard Kunz

Abb. 5: Feuersalamander Quelle: Richard Kunz

In den letzten Jahren wurde jährlich abwechselnd ein Lurch oder ein Reptil durch die ernennenden Organisationen ausgewählt. Bei uns ist dafür die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie zuständig, die den Feuersalamander (Abb.5), gleich wie in Deutschland, zum Lurch des Jahres wählte. Durch die auffällige schwarz-gelbe Warnfärbung des Feuersalamanders zählt er sicherlich zu den bekanntesten Amphibien in Europa.

Die typischen Lebensräume des Feuersalamanders sind Laubmischwälder mit Fließgewässern, welche sie für das Ablegen der Larven benötigen. In Österreich stimmt das Verbreitungsgebiet weitgehend mit dem der Rotbuche überein. Obwohl sein Verbreitungsgebiet relativ groß ist, sind die Bestände des Feuersalamanders in einigen Regionen rückläufig. Neben Faktoren wie schwindenden Lebensräumen und Verschlechterung der Gewässerqualität trägt in jüngster Zeit auch ein eingeschleppter pathogener Pilz der Gattung Batrachochytrium zur Gefährdung bei.

Die übrigen Arten des Jahres und weitere Details sind unter http://naturschutzbund.at/natur-des-jahres.html zu finden.


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