:: Rezension: Claude Martin – Endspiel

17/11/2015 von / 1 Kommentar

Titelbild: links: Buchcover; rechts: Palmölplantage in Cigudeg © Achmad Rabin Taim [Wikimedia Commons]

Mit der Problematik der Entwaldung tropischer Regenwälder setzt sich der ehemalige Generaldirektor des WWF International Claude Martin auseinander. In seinem Buch „Endspiel – Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können“ fasst er historische und aktuelle Bestrebungen (illegale) Entwaldung zu erkennen und zu verhindern zusammen und gibt einen Ausblick wie die Zukunft dieser Wälder aussehen könnte.

Claude Martin


Claude Martin (*1945 in Zürich) ist ein Schweizer Biologe und Umweltschützer. Er absolvierte sein Biologiestudium an der Universität Zürich, wo er 1975 mit einer Doktorarbeit in Wildökologie promovierte.
Seine Karriere beim WWF startet bereits nach seinem Studium in den frühen 70er Jahren. Von 1980-1990 war er Geschäftsführer des WWF Schweiz. 1990 wechselte er zum WWF International wo er zuerst als Direktor für Programme tätig war und 1993 zum Generaldirektor berufen wurde. Während seiner 12jährigen Amtszeit entwickelte sich der WWF zur weltweit größten Umweltorganisation.
Zur Zeit ist Claude Martin Rektor der Interantionalen Universität in Genf (IUG) – einer Wirtschaftshochschule, und im Vorstand von „NATUR“ – dem Schweizer Forum für nachhaltige Entwicklung.

Seit 1920 hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdreifacht und die Industrialisierung weitet sich immer mehr aus. Der damit einhergehende gesteigerte Bedarf an Holz sowie an Produktionsflächen für Nutzpflanzen und Fleisch, führte zu einer beschleunigten Entwaldung, vor allem in den Tropen. Während im 18. und 19. Jahrhundert Schätzungen zufolge jährlich weniger als eine Million Hektar Regenwaldfläche gerodet wurde, stieg diese Zahl zwischen den 1920er und 1930er Jahren auf acht Millionen Hektar pro Jahr und in den 1970er Jahren bereits auf geschätzte elf Millionen Hektar gerodeten Regenwald pro Jahr. Diese und weitere alarmierende Fakten zum Thema tropischer Regenwald, trägt Claude Martin in seinem Buch „Endspiel – Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können“ (2015) zusammen, welches gleichzeitig als 34. Bericht an den Club of Rome akzeptiert wurde.
Claude Martin beschreibt darin Projekte und Aktionspläne, in denen es um die Bestandsaufnahme von tropischen Regenwäldern, die globalen Veränderungen sowie die Überwachung der Walddecke und die damit einhergehenden Problematiken geht. Außerdem zeigt er, dass sich das Augenmerk beim Schutz des Regenwaldes vom Erhalt der Biodiversität hin zur Bedeutung für das Erdklima verschoben hat.

Club of Rome


1968 gegründet, ist der Club of Rome ein Zusammenschluss von Experten verschiedener Disziplinen deren gemeinsames Anliegen die Zukunft der Menschheit und des Planeten Erde ist. Die Ziele sind, wichtige Zukunftsprobleme durch ganzheitliche und zukunftsorientierte Analysen zu erkennen, alternative Zukunftsszenarien zu evaluieren und Risiken und (Auswahl-)Möglichkeiten zu bewerten. Diese Erkenntnisse werden der Öffentlichkeit und Politikern mitgeteilt um eine gesellschaftliche Debatte anzuregen und so Maßnahmen zur Verbesserung der Zukunftsaussichten zu erreichen.
Unter dem Dach des Club of Romes wurde 2004 in Hamburg auch der Think Tank 30 ein Netzwerk aus jungen Leuten um die 30 gegründet um sich ebenfalls mit Zukunftsfragen auseinanderzusetzen.
Zur Zeit wird ein neuer internationaler Club für Leute zwischen 20 und 35 Jahren etabliert.

Vor allem in den ersten Kapiteln ist die Geduld und das Durchhaltevermögen des auf diesem Gebiet unerfahrenen Lesers gefordert: Durch einen Abkürzungsdschungel von Konzepten, Projektnamen und diversen Organisationen fällt das Lesen anfangs schwer und das Verständnis kommt an manchen Stellen erst nach wiederholter Lektüre. Doch Claude Martin versteht es auch mit wissenschaftlichen Fakten den Leser zu fesseln; nach und nach bekommt man immer mehr Einblick in die Problematik der Entwaldung, welche auch stark von illegalem Holzeinschlag und Korruption beeinflusst wird – und das nicht nur in tropischen Ländern. „Jedes Jahr werden weltweit immerhin noch mehr als 100 Millionen Kubikmeter Holz illegal geschlagen, was zur Degradierung oder Zerstörung von fünf Millionen Hektar Wald führt.“ (Claude Martin; Endspiel. (2015) S. 99)

Neben Claude Martin kommen auch acht Tropenwaldexperten zu Wort, die zu den unterschiedlichsten Themen ihre Expertenmeinung abgeben oder weiterführende Informationen zur Verfügung stellen. So stellt sich zum Beispiel Jeffrey Sayer (ehemaliger Generaldirektor des Zentrums für Internationale Waldforschung CIFOR) die Frage: „Die Ölpalme: Gefahr für den Naturschutz, Chance für die Armen?“. Ölpalmenplantagen gelten, ebenso wie der Anbau von Soja und die Schaffung von Viehweiden, vor allem für die Rindfleischproduktion, als Haupttreiber für Entwaldung und Walddegradierung.
Jürgen Blaser (Professor für Internationale Forstwirtschaft an der Hochschule für Forst-, Agrar, und Lebensmittelwissenschaften in Bern) setzt sich mit nachhaltigem Forstmanagement in tropischen Regenwäldern auseinander. Dieses ist seiner Meinung nach zwar „[…] weit von dem Ideal entfernt, das dem Begriff »Nachhaltigkeit« innewohnt. In ihrer Gesamtheit können jedoch auch Strategien unterhalb des Idealbildes substanziell zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen“.

Zwischen all den wissenschaftlichen Fakten, Informationen und Grafiken des Buches, die zeigen wie viele Millionen Hektar Primärwaldfläche bereits vernichtet wurden und wie schwer es – auch mit modernster Technik – immer noch ist die verbleibenden Flächen zu schützen und nachhaltig zu nutzen, klingt immer wieder die tiefe Überzeugung Claude Martins durch, dass das Schicksal der tropischen Regenwälder noch nicht besiegelt ist: „[..] kann man heute trotzdem davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der in historischer Zeit existierenden tropischen Regenwälder verschwunden ist. Sollen wir die andere Hälfte deshalb vergessen, sie als wertlos abtun, nur weil wir von den schlechten Nachrichten derart überwältigt sind? […] ich will ein Handlungsprogramm darlegen, damit sich das Schicksal der Regenwälder bis zum Ende dieses Jahrhunderts nicht zu einer Katastrophe entwickelt.“

Claude Martin: Endspiel – Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können


Titel_Martin_Tropical_Rainforest_fb_Presse

320 Seiten, oekom verlag München, 2015
ISBN-13: 978-3-86581-708-2
Erscheinungstermin: 21.05.2015
Preis: 22,95€


Ankündigung: Dr. Claude Martin - Endspiel @ Linz


Buchvorstellung mit anschließender Podiumsdiskussion
Termin: 18. November 2015, 19:00
Ort: Wissensturm Linz, Kärntnerstraße 26, 4020 Linz
Veranstalter: ABA, Klimabündnis OÖ, oekom Verlag, Südwind OÖ, VHS Linz


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