:: Kommentar: Nachhaltigkeitskommunikation – lass uns darüber reden

05/11/2015 von / 1 Kommentar
Titelbild: „Nachhaltigkeitskommunikation findet in vielen Handlungsfeldern unter Beteiligung unterschiedlicher Akteure statt“ (Michelsen und Godemann, 2007) – Bildnachweis: © Herr Olsen via Flickr

Nachhaltigkeit – man kann ihr heutzutage kaum mehr entgehen. Aber was versteht man denn unter Nachhaltigkeitskommunikation? Eines sollte hier klargestellt werden: Nachhaltigkeit ist nur ein Wort. Aber die Thematiken, welche tatsächlich dahinter stecken, sind hingegen real und komplex. Es geht um Umweltprobleme, deren Ausmaß die eigene Vorstellungskraft und das Fassungsvermögen übersteigen können; die verständliche Kommunikation von Inhalten kann hier dabei helfen, Information weitzugeben und zu verbreiten. Kommunikation kann also dazu beitragen, Bewusstsein zu schaffen und eine Austauschebene zwischen den Akteuren zu ermöglichen, sodass jede/r die Möglichkeit hat sich zu beteiligen und mitzugestalten.

Historisch gesehen hat sich der Begriff Nachhaltigkeitskommunikation aus dem Terminus Umweltkommunikation abgeleitet, da sich gezeigt hat, dass die Kommunikation über Umweltfragen nicht mehr ohne Bezug auf das Leitbild der „Nachhaltigkeit“ erfolgen kann. Dahinter steckt aber dennoch ein gemeinsames Ziel: Die Verständigung über Umweltthemen, mit Einbezug von ökonomischen und soziokulturellen Aspekten.

Diskurse zu Umweltthemen setzten sich auch unweigerlich mit der Frage einer nachhaltigen Entwicklung auseinander. Da wundert einen auch die Definition der Nachhaltigkeitskommunikation nicht: „Ein Prozess, in dem es zukunftsbezogen um die Auseinandersetzung mit Argumenten, Handlungsoptionen oder Positionen zu einer gesellschaftlichen Entwicklung aus ökonomischer, ökologischer, sozialer und kultureller Perspektive geht, wobei diese Perspektiven von den Individuen in der Gesellschaft unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert werden.“ (Michelsen und Godemann, 2007) . Es werden hier bereits zwei wichtige Punkte angesprochen: Einerseits die Zukunftsorientierung der Themen, die sich auch in der Definition von Nachhaltigkeit im Brundtland-Bericht zeigt; andererseits wird klargestellt, dass Inhalte in der Gesellschaft unterschiedlich wahrgenommen werden können.

Definition Nachhaltigkeit


Nachhaltig ist eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

Originaltext im Brundtland-Bericht (1987): „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

In der Nachhaltigkeitskommunikation ist also auch ein Verständnis über die verschiedenen Realitäten und Wahrnehmungsebenen der Beteiligten wichtig. Ein Verständigungsprozess, während dem versucht wird eine gemeinsame Diskussionsebene zu finden – darum geht es also. Kommunikation ist eben nicht einfach – aber wirksam.

Da Nachhaltigkeit immer mehr Teil unseres Alltages ist – das Prinzip schon länger als der Begriff – hat sich auch die Kommunikation geändert. Sowohl in der Politik, als auch in der Gesellschaft wird allerseits diskutiert; und auch in den Medien ist nun alles „nachhaltig“. Auch wenn man das Wort vielleicht nicht mehr hören kann, so sollte man nicht aufhören darüber zu reden. Denn wie gesagt: Nachhaltigkeit ist nur ein Wort – die Themen, die dahinter stehen, sind aber vielfältig. Und was passiert, wenn keiner etwas sagt? Niklas Luhmann (1990) hat einmal geschrieben: „Es mögen Fische sterben oder Menschen, das Baden in Seen und Flüssen mag Krankheiten erzeugen, es mag kein Öl mehr aus den Pumpen kommen und die Durchschnittstemperaturen mögen sinken oder steigen: solange darüber nicht kommuniziert wird, hat dies keine gesellschaftlichen Auswirkungen.“.

Mit diesen Worten: Viel Freude mit den Inhalten unseres Themenmonats zu Nachhaltigkeit!

Quellen


WCED (1987) Brundtland-Bericht: Unsere gemeinsame Zukunft

Michelsen G., Godemann J. (2007) Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation – Grundlagen und Praxis. München: oekom Verlag.

Luhmann N. (1990) Ökologische Kommunikation: Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?. Opladen: Westdeutscher Verlag.


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