Felstrockenrasen Südtirol, Vinschgau © Benjamin Wiesmair

:: Tagfalter Österreichs: Diversität, Gefährdung und Schutz im eigenen Garten

24/08/2015 von / 1 Kommentar

Titelbild: Felstrockenrasen Südtirol, Vinschgau © Benjamin Wiesmair

Die Faszination an Tagfaltern ist ungebrochen groß. Man findet sie als Abbildung auf Kleidung, Schmuck oder auch in der Werbung. Doch die so gern gesehenen – und vor allem für die Bestäubung sehr nützlichen – Bewohner der Wiesen und Wälder werden immer weniger, weswegen ihr Erhalt eine wichtige Aufgabe des Naturschutzes ist.
Die Schmetterlinge gehören zu den holometabolen Insekten. Holometabol bedeutet, sie machen eine vollkommene Metamorphose von einer Larve über eine Puppe zum ausgewachsenen Insekt durch und die Raupe ähnelt dem adulten Tier nicht. Die Dauer des Entwicklungszyklus vom Ei zum Falter ist sehr unterschiedlich, nicht nur von Art zu Art, sondern auch zwischen den Generationen. Die Dauer eines Entwicklungszyklus kann sich zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren bewegen. Nach der Befruchtung werden 50-3000 Eier abgelegt. Aus diesen schlüpfen die Raupen, welche das Wachstumsstadium der Schmetterlinge darstellen und sich im Zuge der Entwicklung mehrmals häuten. Schließlich verpuppen die Raupen sich, wobei es dann im Inneren dieser Puppe zur Metamorphose kommt.

li: Gürtelpuppe vom Schwalbenschwanz (<em>Papilio machaon</em>) Quelle: Wikipedia (Urheber: Luis Miguel Bugallo Sánchez) re: Stürzpuppe © PeterBuchner/TLMF

Abb.1: linkes Bild: Gürtelpuppe vom Schwalbenschwanz (Papilio machaon) Quelle: Wikipedia (Urheber: Luis Miguel Bugallo Sánchez), rechtes Bild: Stürzpuppe © PeterBuchner/TLMF

Bei Tagfaltern wird zwischen Gürtelpuppen und Stürzpuppen (Abbildung 1) unterschieden. Gürtelpuppen sind mit einem Gespinstfaden um die Körpermitte an einen Ast oder Halm befestigt, während Stürzpuppen kopfüber am Kremaster (dem hinteren Ende der Puppe) an einer Unterlage befestigt sind. Nach dem Schlupf des Falters muss dieser zuerst Hämolymphe (Körperflüssigkeit) in die Flügel pumpen und diese aushärten lassen. Anschließend kann das adulte Tier mittels Saugrüssels zum ersten Mal Nektar aufnehmen. Die Lebensdauer der adulten Tiere kann von wenigen Wochen bis zu zehn Monaten bei überwinterten Arten betragen.

 

Esparsetten-Widderchen (<em>Zygaena carniolica</em>) © Peter Buchner/TLMF

Abb.2: Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) © Peter Buchner/TLMF

In Österreich sind derzeit 209 Arten von Tagfaltern (Papilionoidea) heimisch. Diese verteilen sich auf sechs Familien. Allen Tagfaltern gemeinsam ist ihre Tagaktivität. Es gibt aber auch weitere Schmetterlingsfamilien neben den Tagfaltern, welche durch Tagaktivität charakterisiert sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Familie der Widderchen (Zygaenidae, Abbildung 2). Ein weiteres wichtiges Merkmal von Tagfaltern, ist die Form der Fühler. Diese sind entweder knopfförmig oder keulenförmig am Ende verdickt. Im Gegensatz dazu, sind die Fühler der meisten Nachtfalter fadenförmig oder gefiedert.


Familien der Tagfalter in Österreich

Edelfalter – Nymphalidae

Abb.3: Tagpfauenauge © Peter Buchner/TLMF

Abb.3: Tagpfauenauge © Peter Buchner/TLMF

Die Familie Edelfalter (Nymphalidae) ist mit 103 Arten die artenreichste Familie der Tagfalter in Österreich. Die Vertreter der Familie zeichnen sich durch ihr reduziertes erstes Beinpaar aus, auch Putzbeine genannt. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist sehr divers. Gute Bespiele hierfür sind die blauschillernden Schillerfalterarten Apaturinae oder auch die eher in Brauntönen gehaltenen Augenfalter Satyrinae. Zu den Nymphalidae gehören die bekanntesten Tagfalterarten, wie das Tagpfauenauge (Aglais io, Abbildung 3) oder auch der Admiral (Vanessa atalanta).

Bläulinge – Lycaenidae

Die Bläulinge weisen 54 heimische Arten in Österreich auf. Bläulinge sind eher kleine Tagfalter, die meist weiß geringelte Fühler aufweisen. Aus den drei Unterfamilien sind die Echten Bläulinge Polyommatinae die bekanntesten. Deren Männchen weisen meist die namensgebende blaue Färbung der Flügeloberseite auf. Die Raupen haben in der Regel eine asselförmige Gestalt. Zu dieser Familie zählt auch das Insekt des Jahres 2015, der Silbergrüne Bläuling (Lysandra coridon).

Abb.4: <em>Lysandra coridon</em> Männchen

Abb.4: Lysandra coridon Männchen © TLMF

Der Silbergrüne Bläuling (L. coridon) benötigt kurzrasige Kalkmagerrasen oder Sandtrockenrasen, welche einen sehr hohen Blütenreichtum aufweisen. Die Raupen nutzen nur Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), die Bunten Kronwicke (Coronilla varia) und den Süßen Tragant (Astragalus glycyphyllos) als Nahrungspflanze. Da diese Art sehr sensibel auf Verschlechterung von Habitatsqualität, wie z.B. Aufgabe oder Intensivierung der Bewirtschaftung, reagiert, eignet sie sich als Indikatorart. In der Roten Liste der Tierarten Österreichs wird diese Art als potenziell gefährdet (Near Threatened, NT) geführt. Wie viele Bläulingsarten weist L. coridon einen markanten Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen (Abbildung 4), welche aufgrund ihrer silberblauen Färbung der Flügeloberseite leicht zu bestimmen sind, unterscheiden sich stark vom oberseits braun gefärbten Weibchen, welches mit anderen Arten (z.B. Hauhechel- oder Eros-Bläuling) verwechselt werden kann.

Weißlinge – Pieridae

Zitronenfalter © Peter Buchner/TLMF

Abb.5: Zitronenfalter © Peter Buchner/TLMF

Weißlinge sind meist gelb oder weißlich gefärbt. Unter den 21 in Österreich heimischen Arten finden sich auch solche, die als Schädlinge in der Agrarwirtschaft auftreten können (z.B die Kohlweißlinge Pieris spec.). Aber auch der, als Frühjahrsbote bekannte, Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni, Abbildung 5) ist ein Vertreter dieser Familie.

Dickkopffalter – Hesperiidae

Rostfarbiger Dickkopffalter © Peter Buchner/TLMF

Abb.6: Rostfarbiger Dickkopffalter © Peter Buchner/TLMF

Neben den Fühlern, deren Spitzen kolbenförmig verdickt sind, machen der breite Körper und Kopf die Vertreter dieser Familie unverkennbar (Abbildung 6). In Österreich sind derzeit 24 Arten nachgewiesen.

Abb.7: Schwalbenschwanz © Peter Buchner/TLMF

Abb.7: Schwalbenschwanz © Peter Buchner/TLMF

Ritterfalter – Papilionidae

Die Familie der Ritterfalter ist in Österreich mit sechs Arten vertreten, ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt jedoch in den Tropen. Die heimischen Arten sind überwiegend große Tagfalter. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel der Schwalbenschwanz (Papilio machaon, Abbildung 7) oder der Rote Apollo (Parnassius apollo).

Gefährdung

Mehr als die Hälfte der Tagfalter wird in der Roten Liste Österreichs als gefährdet geführt. Derzeit gelten fünf Arten (zum Beispiel der Östliche Esparsetten-Bläuling Polyommatus admetus) schon als ausgestorben und zwölf weitere Arten sind vom Aussterben bedroht. An dem Verschwinden vieler Arten sind mehrere Faktoren schuld. Einer der Hauptfaktoren ist der Verlust von geeigneten Habitaten. Hierbei spielt vor allem die Intensivierung der Nutzung, z.B. durch Düngung, Entwässerung oder häufigere Mahd, eine große Rolle. Auch die Auflassung der Nutzung von wenig ertragreichen Flächen und deren fortschreitende Sukzession stellen große Probleme dar. Weiters führen große Bauvorhaben und der damit einhergehende Raumverlust, vor allem für nur mehr sehr lokal vorkommende Arten, zu einer großen Gefährdung. Immer bedeutender werden Umweltgifte, vor allem Pestizide, welche auch für die hohe Sterblichkeit bei Bienenvölkern verantwortlich sind. Diese führen nicht nur direkt – in den Anbauflächen selbst – zum Tod der dort lebenden Insektenarten, sondern auch in den umliegenden Flächen. Wind kann diese Gifte über größere Distanzen verbreiten. So kommt es auch zur Schädigung von kleinräumigen Naturschutzgebieten, welche in der Nähe der Anbauflächen liegen.

Schutz im eigenen Garten

Der Schutz im eigenen Garten beginnt mit der Auswahl der Pflanzenarten. Einheimische Wildpflanzen dienen den oft hoch spezialisierten Arten als Nektarquelle oder als Nahrungspflanze der Raupen. Um Schmetterlingen ein gutes Habitat zu bieten, sollte zusätzlich auf Dünger verzichtet werden. Insektizide, die im Heimgarten oft in viel zu großen Mengen angewendet werden, haben ein sehr großes Wirtsspektrum. Damit werden nicht nur Schädlinge sondern auch viele andere Insektenarten im Garten getötet. Der Verzicht von Gift und der Einsatz alternativer Schädlingsbekämpfungen führen zu besseren Lebensbedingungen für Tagfalter. Grundsätzlich ist zu sagen, dass ein Garten der gut strukturiert ist und dadurch eine große Anzahl an unterschiedlichen Nischen aufweist, eine größere Biodiversität beherbergen kann. Des Weiteren kann es hilfreich sein, nicht die gesamte Wiesenfläche gleichzeitig zu mähen und zudem Hecken als Nahrungsquelle sowie als Ruheplätze zu pflanzen.

Literatur

Lepidopterologen-Arbeitsgruppe (1994): Tagfalter und ihre Lebensräume Arten Gefährdung und Schutz, 4 Auflage, Schweizer Bund für Naturschutz, Basel

Höttinger und J. Pennersdorfer (2005): Rote Liste der Tagschmetterlinge Österreichs (Papiliodea & Hesperioidea) in Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs , Grüne Reihe Band 14/1, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien

P. Huemer (2013) Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera) – Systematische und faunistische Checkliste, Studiohefte 12, Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.H., Innsbruck


Eine Antwort
  1. Claudia Radler
    Claudia Radler

    Aus gegebenen Anlass möchte ich hier kurz ein Projekt des Naturschutzbund ansprechen. Es geht um den Enzian-Ameisenbläuling Phengaris rebeli bzw P. alcon.

    Ameisenbläulinge (in Österreich kommen insgesamt fünf Arten vor: Phengaris rebeli, P. alcon, P. nausithous, P. teleius und P. arion) haben eine enge Beziehung zu Ameisen der Gattung Myrmica. Die Raupen der Ameisenbläulinge werden in den Ameisennestern gefüttert und gepflegt und zwar bevorzugt, da sie Duftstoffe und Geräusche abgeben, die jenen der Ameisenkönigin ähneln. Bei manchen Ameisenbläuling-Arten kommt es auch zu Parasitismus an der Ameisenbrut, d.h. diese ernähren sich von den Ameiseneiern und -larven im Nest. Die Verpuppung findet ebenfalls noch im Nest statt. Doch nun kann der Schmetterling die Ameisen nicht mehr täuschen und wird, wenn er das Nest nicht sofort verläßt, von den Ameisen gefressen.

    Die bevorzugten Pflanzen für die Eiablage des Enzian-Ameisenbläulings sind Kreuz- und Lungenenzian, welche beide – ebenso wie der Schmetterling – nur mehr selten vorkommen. Die Ameisenart mit der der Enzian-Ameisenbläuling interagiert ist die Knotenameise Myrmica schnecki. Beides, Pflanze und Ameisenart, müssen für eine erfolgreiche Fortpflanzung des Enzian-Ameisenbläulings am selben Ort vorkommen und dies ist immer seltener der Fall.

    Im Rahmen der Schmetterlingsschutz-Aktion „dm flugland“ hat der Naturschutzbund in Poysdorf eine Wiese mit Kreuzenzianvorkommen angekauft und wird diese fachgerecht pflegen – damit der bedrohte Falter auch künftig einen Platz zum Durchleben seines komplizierten Entwicklungszyklus findet.

    Enzian-Ameisenbläuling (c) Hans Glader

    Quelle: Naturschutzbund: Wiesenankauf für Enzian-Ameisenbläuling

    02.09.2015 um 10:52
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