Wikimedia commons Säbelschnäbler und Europaflagge user:pjt56 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/59/Recurvirostra_avosetta-pjt2.jpg/1280px-Recurvirostra_avosetta-pjt2.jpg http://de.wikipedia.org/wiki/Europa#/media/File:Flag_of_Europe.svg

:: Der Europäische Songcontest der Tiere – Semifinale 2

21/05/2015 von / 2 Kommentare

Titelbild: Säbelschnäbler vor Europaflagge, Wikimedia Commons

Österreich darf in diesem Jahr den Eurovision Songcontest ausrichten und auch die europäische Tierwelt möchte mitmischen. Das bioskop hat daher TeilnehmerInnen aus allen ESC-Ländern ausgewählt, um den ersten Songcontest der Tiere zu ermöglichen. Viel Spaß!

2. Semifinale,  21. Mai 2015

 1. Litauen – Weißstorch (Ciconia ciconia)

(Ton: (c) Volodins)

In diesem Jahr entsendet Litauen seinen Nationalvogel, um den Sieg beim Song Contest zu sichern. Mit ihrem weißen Federkleid mit schwarzen Schwungfedern konkurriert die Weißstorchin mit einigen Sängern der anderen Nationen. Doch durch das einzigartige, rhythmische Schnabelklappern (vergleiche Tonaufnahme) setzt sich die Weißstorchin nach oben ab. Eine Gesangstechnik die nicht unterschätzt werden sollte! In feuchten Niederungen und im offenen Gelände mit Wiesen und Sümpfen verbringt sie den Großteil ihrer Zeit und klappert gerne mit anderen Weißstörchen a cappella. Im Sommer unternimmt die Weißstörchin lange Flugreisen nach Afrika zu ihrem Winterquartier. Vielleicht gewinnt ja dieses Jahr Litauen mit dieser hochgewachsenen Schönheit.

 2. Irland – Austernfischer (Haematopus ostralegus)

(Ton: (c) Morgan Williams)

Der Austernfischer (Haematopus ostralegus) fällt nicht nur durch sein zweifarbiges Gefieder, sondern vor allem durch seine weithin hörbaren Rufe auf. Schwarz oben und weiß unten – so präsentiert sich der Zugvogel stolz bei seinen Spaziergängen in den europäischen Wattenmeeren, Steilküsten und Dünengebieten. Die knallig rote Farbgebung am langen Schnabel und an den Beinen veranschaulichen die lebhafte Art des Austernfischers.  Nicht jeder kann Rot tragen. Der Gesang des Austernfischers variiert zwischen schrillen „quiewiehp“-Rufen und kräftigen „qui qui qui qui“-Pfeif- und Trillerlauten. „Qui qui qui qui“ – so äußerte sich der Austernfischer auch vor Kurzem zu seinem Song-Contest-Beitrag für Irland. Eindeutig ein Kandidat, der alles geben und auffallen will!

 3. San Marino – Waldohreule (Asio otus)

(Ton: Wikimedia Commons User:“Tam“ )

Asio otus, die Waldohreule, startet diese Woche für den Zwergstaat San Marino. Mit ihren großen Federohren ist sie eine prädestinierte Musikerin – kein falscher Ton, kein Geräusch kann ihr entgehen. Das Vokalrepertoire dieser Kandidatin ist breitgefächert und geht von „Üüiü“ und „Uijo“s der Weibchen über „Chwää“ der Jungtiere bis hin zum dumpfen „Huh“ der Männchen – ideale Voraussetzungen für eine spannende Darbietung.

SanMarino_Waldohreule_Urheber Sascha Rösner

Waldohreule in freier Wildbahn (c) Sascha Rösner @ Wikimedia Commons

 4. Montenegro – Gewöhnlicher Delfin (Delphinus delphis)

(Ton: Ulrich Reinartz)

Den Gewöhnlichen Delfin (Delphinus delphis) erkennt man an dem Sanduhrmuster auf den Flanken. Er ist einer der am meist verbeiteten Walarten und kommt auch vor der Küste Montenegros, in der Adria, vor. Doch auch die Adria-Delfine sind bedroht und es erfolgt ein Rückgang der Bestände. Von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) gibt es Schutzprojekte zur Rettung der letzten Adria-Delfine. Zur Verständigung untereinander verwenden sie hochfrequente Pfeif-, Quiek-, und Klicklaute, die einzeln, explosionsartig gehäuft oder kontinuierlich ausgestoßen werden.

Delphins delphis, Foto: Oliver Bruck

Delphins delphis, Foto: Oliver Bruck

 5. Malta – Grindwal (Globicephala melas)

(Ton: (c) L. Ginzkey)

Dank der Zusage des Grindwals (Globicephala melas) als Vertreter des maltesischen Komitees, können wir uns auf einen weiteren hochkarätigen Star beim Songcontest freuen: Mit seinen pfiffartigen Lauten, die im Frequenzbereich von 3 – 18 kHz liegen und etwa 14 bis 40 Mal in der Minute ausgestoßen werden, verzückt er seit Jahrtausenden die Bewohner aller sieben Weltmeere. Lampenfieber könnte ihm allerdings zum Verhängnis werden: Geschieht einem Grindwal etwas, schwimmt dieser in Panik davon und die Gruppe folgt ihm – selbst ins seichte Wasser. Wir wünschen ihm viel Erfolg!

Globicephala melas, Foto: Barney Moss

Globicephala melas, Foto: Barney Moss

 6. Norwegen – Sperbereule (Surnia ulula)

(Ton: © 1997 – 2015, Nature North Zine. All rights reserved.)

Die Sperbereule (Surnia ulula) besiedelt die borealen Nadelwälder der Holarktis und so kommt sie auch in Norwegen vor. Ihren Namen hat sie aufgrund der großen Ähnlichkeit zum Sperber erhalten. Nicht nur ihre Art (ulula) hat einen klingenden Namen, sondern sie verfügt, wie viele andere Eulenarten auch, über eine Vielzahl von Lautäußerungen, wobei die häufigste ein von beiden Geschlechtern gleichermaßen geäußerter, kurzer, lockerer Triller ist, der sehr unspezifisch nahezu jede Aktion dieser Eulen begleitet. Fazit: Sehr melodiöser Gesang mit Ohrwurmqualität und uns gefällt´s.

Sperbereule, 2015, Nature North Zine. All rights reserved.

Sperbereule (c) BS Thurner Hof @ Wikimedia Commons

 7. Portugal – Singzikaden (Cicada orni)

(Ton: (c) wikimedia commons; by Travus 2006)

Dank der Singzikade (Cicada orni), die ihr Land beim Songcontest 2015 vertritt, darf sich Portugal über gute Chancen auf einen Sieg freuen. Schließlich weckt der Gesang der Zikade bei vielen kältegeplagten Mittel- und Nordeuropäern angenehme Urlaubserinnerungen an warme Sommernächte am Mittelmeer. Von den anderen Teilnehmern unterscheidet sich die Singzikade durch ihre Art der Lauterzeugung. Diese erfolgt mithilfe des Tymbalorgans, einer Konstruktion aus Platten und kräftigen Muskeln am Hinterleib. Nicht zuletzt der Einsatz dieses körpereigenen Instruments macht die Singzikade zu einer spannenden Kandidatin, deren Auftritt man sich nicht entgehen lassen sollte.

 8. Tschechische Republik – Großtrappe (Otis tarda)

(Ton: (c) Schweizer Vogelwarte)

Angeblich soll es noch letzte Großtrappen (Otis tarda) in Tschechien geben. Über den tschechischen Bestand liegen derzeit keine gesicherten Daten vor. Mit ihrer einzigartigen Stimme möchte sie auf ihre derzeitige Situation in Tschechien aufmerksam machen, denn sie ist dort vom Aussterben bedroht.

 9. Israel – Rosa Flamingo (Phoenicopterus roseus)

(Ton: (c) Fernand Deroussen)

Für Israel hören wir den Rosa Flamingo (Phoenicopterus roseus). Bei ihrem Anblick wird jedes Topmodel grün vor Neid. Mit langen schlanken Beinen und rosa Federkleid schreiten sie durchs Flachwasser, wo sie nach kleinen Beutetieren suchen. Ihr Gesang allerdings hat eher etwas rauchig-rockiges. Vorhang auf für die eleganten Rockröhren!

Flamingos in Salt pond (c) Eli Shany @ Wikimedia commons

Flamingos in Salt pond (c) Eli Shany @ Wikimedia commons

 10. Lettland – Reh (Capreolus capreolus)

(Ton: (c) www.jagd.bz)

Mit dem Europäischen Reh (Capreolus capreolus) tritt für Lettland ein Verwandter des heurigen schwedischen Kandidaten, des Elchs, an. Seine bellenden Lautäußerungen erinnern aber mehr an das Lautrepertoire des Dachshundes (Anm.: diesjähriger Kandidat für Deutschland). Wir hoffen, dass der Songcontest dennoch ohne Urheberrechtsstreitigkeiten über die Bühne gehen kann – zumal sich das Reh ohnehin schon in ständigen Konflikten mit Stöberdackeln, zumindest während der Jagdsaison, befindet.

Capreolus capreolus Foto: Marek Szczepanek

Capreolus capreolus Foto: Marek Szczepanek @ Wikimedia Commons

 11. Aserbaidschan – Streifenhyäne (Hyaena hyaena)

(Ton: (c) www.tierstimmenarchiv.de)

Für Aserbaidschan tritt heuer die Streifenhyäne (Hyaena hyaena) an. Sie ist nachtaktiv, was ihr sicherlich helfen wird, zu später Stunde einen fulminanten Auftritt hinzulegen. Berichten zufolge soll sie sich in ihre Garderobe nur das feinste Aas bestellen. Auftreten wird sie in einem gestreiften Pelzmantel. Trotz der etwas anachronistischen Bekleidung und der Starallüren wünschen wir der Streifenhyäne viel Glück – mit ihrem etwas unmelodischen Gelächter, das sie noch dazu nur selten von sich gibt, wird sie es auch brauchen.

Aserbaidschan_Hyaena hyaena_Urheber Sumeet Moghe

Hyaena hyaena Foto: Sumeet Moghe @ Wikimedia Commons

 12. Island – Papageitauchers (Fratercula arctica)

(Ton: (c) Hans Petter Kristoffersen)

Unser nächster Star kommt quasi durch die Hintertür und würde dabei gar nicht auffallen: die Rufe des Papageitauchers (Fratercula arctica) sind auf Island wohl bekannt und erinnern oft an das Knarren einer Tür. Das „orr…o-o“ und „arr…ha-ha“ werden häufig auf dem Wasser oder innerhalb der Kolonie ausgestoßen, um das Publikum zu beeindrucken. Wenn die Papageitaucher einmal nicht auf hoher See unterwegs sind – also während der Brutzeit – kann man sie auch in ihren Bruthöhlen rufen hören. Das heißt dann, dass es Zeit ist abgelöst zu werden. Auch diese Vögel werden sich vom Stress in diesen Tagen erholen müssen.

Papageitaucher (c) Jörg Hempel @ Wikimedia Commons

Papageitaucher (c) Jörg Hempel @ Wikimedia Commons

 13. Schweden – Elch (Alces alces)

(Ton: (c) www.ferris.edu)

Der Lebensraum des Elches (Alces alces) sind die borealen Wälder und Taigagebiete und so kommt er in Nordamerika, Nordeuropa und Nordasien vor. Mit einer maximalen Schulterhöhe von 2,30 m ist der Elch die größte heute vorkommende Art der Hirsche. Auch Elche verwenden zur Verständigung eine Anzahl von Lauten: Die Palette reicht von Jammern, Wimmern der Elchkühe und Kälber über Wiehern bis hin zum Brunftlaut des Bullen, der zum Teil wie Löwengebrüll anmuten kann. Aufgrund des Palettenreichtums seiner Stimme ein äussert würdiger Vertreter aus dem Land der Wikinger.

Elch (c) Gunnar Creutz @ Wikimedia Commons

Elch (c) Gunnar Creutz @ Wikimedia Commons

 14. Schweiz – Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta)

(Ton: (c) Wikimedia Commons)

Die Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta) ist als Vertreterin der Schweiz im Rennen. Sie ist eine afrikanisch-iberische Migrantin, die von Menschen nach Europa geschleppt wurde. Mittlerweile hat sie sich unter anderem in der Schweiz gut eingelebt und wird als exzellente Springerin und Kletterin vor allem auch mit einer akrobatischen Bühnenshow begeistern.

Genetta genetta felina (c) Guérin Nicolas @ Wikimedia Commons

Genetta genetta felina (c) Guérin Nicolas @ Wikimedia Commons

 15. Zypern – Mufflon (Ovis orientalis)

(Ton: (c) www.bioacoustica.org)

Das Mufflon ist ein auf der Insel Zypern beheimatetes Wildschaf, dessen Abbild sich auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen des Euros findet. In der Fachwelt ist umstritten, ob es sich hierbei tatsächlich um Wildschafe oder Nachkommen von sehr ursprünglichen Hausschafen handelt. Das Lautrepertoire ist umfangreich: Die Schafe suchen mit einem lang gezogenen Meckern nach ihren Lämmern; Lämmer, die ihre Mutter suchen lassen ein plärrendes Meckern vernehmen, auch zischende Laute sind bei Beunruhigung zu hören. Während der Brunft geben die Widder röchelnde und schnarrende Laute von sich. In unserem Tonbeispiel ist das Meckern von Schafen und Lämmern zu hören. So schön kann Meckern klingen! Ob es für das Finale reicht, wird sich zeigen.

Zypernmufflon - (c) Smichael21 @ Wikimedia Commons

Zypernmufflon (c) Smichael21 @ Wikimedia Commons

 16. Slowenien – Europäischer Biber (Castor fiber)

(Ton: (c) wildlifeofct.com)

Als recht scheues Lebewesen ist der Europäische Biber (Castor fiber) ein echter Überraschungskandidat beim Songcontest der Tiere. Das größte Nagetier Europas lebt zum Teil im Wasser und nützt dementsprechende Soundeffekte bei seiner Darbietung. In der Klatschpresse fällt der Biber, im Gegensatz zu seinem kanadischen Verwandten dem Bieber, relativ wenig auf: Er ist ein monogames Tier, das zurückgezogen in kleinen Familienverbänden lebt. Als echter Star lebt er mit seiner Familie in einer Burg und ist eigentlich vor allem als Architekt und kreativer Kopf für Bioniker tätig: Seine selbstschärfenden Zähne haben bereits Eingang in die menschliche Technik gefunden. Wir wünschen dem Biber viel Erfolg beim Versuch, in einer für ihn neuen Branche Fuß zu fassen!

Castor fiber, (c) Sven Začek @ Wikimedia Commons

Castor fiber, (c) Sven Začek @ Wikimedia Commons

 17. Polen – Wisent (Bison bonasus)

(Ton: (c) www.tierstimmenarchiv.de)

Polen lässt sich heuer vom Wisent (Bison bonasus) beim Songcontest vertreten.  In der Wildnis ausgestorben und erst 1952 im polnischen Białowieża-Nationalpark wieder ausgewildert, ist das Wisent mit seinen archaischen Gesängen auch ein Botschafter des letzten Tieflandurwaldes Europas. Wir freuen uns über die Teilnahme einer so charismatischen Stimme des Naturschutzes.

Wisent (c) Jackowy @ Wikimedia commons

Wisent (c) Jackowy @ Wikimedia commons

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2 Antworten
  1. Oy

    Great!!

    23.05.2015 um 08:43
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  1. Europäischer Songcontest der Tiere 2015 - die zoologische Alternativveranstaltung
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