The petri dishes below show sterilization effects of negative air ionization on Salmonella. Source: Wikicommons

:: 10 Fragen an berufstätige BiologInnen: Mag. Harald Truschner – Lebensmittelgutachter

02/02/2015 von / 0 Kommentare

Titelbild: Sterilisation von Petrischalen und Effekt auf Salmonella (rechts steril). Quelle: Wikicommons.

Zur Person

Mag. Harald Truschner hat an der Karl-Franzens-Universität in Graz Biologie studiert. Weiters absolvierte er zahlreiche Lehrveranstaltungen an der Technischen Universität Graz. Seit 1990 ist er am ILV – Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen und Umwelt des Landes Kärnten, im Bereich Lebensmittelsicherheit tätig. Dort bekleidet er die Funktion als Lebensmittelgutachter.

Harald Truschner Lebensmittelgutachten

Mag. Harald Truschner

1) Beschreibe bitte kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Als Lebensmittelgutachter bin ich verantwortlich für die Prüfung von Lebensmitteln. Oberstes Ziel ist es, dass Lebensmittel für die KonsumentInnen sicher sind und nicht irreführend vermarktet werden. Meine Aufgabe ist es auch der Lebensmittelaufsicht und LebensmittelunternehmerInnen bei Fragen beratend zur Seite zu stehen. Bei lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen bin ich Teil des Teams zur Aufklärung.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Dieser Job ist so vielfältig wie die Lebensmittel, von denen wir uns ernähren und bringt täglich neue Fragestellungen und Herausforderungen.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Schwierig ist es die Fülle von neuen Entwicklungen und Fragestellungen zu überblicken. Als Lebensmittelgutachter habe ich auch die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen zu kennen und muss mit deren Anwendung und Interpretation vertraut sein – keine leichte Aufgabe, da das Lebensmittelrecht sehr vielfältig ist und ständig Neuerungen zu beachten sind. Eine Herausforderung ist es mit den knappen Personalressourcen zurechtzukommen und dennoch zeitlich und qualitativ befriedigende Ergebnisse zu liefern.

4) Wie bist Du auf diesen Job aufmerksam geworden?

Aufmerksam geworden bin ich durch eine Stellenausschreibung einer Karenzstelle – damals im Bereich Trinkwasseranalytik.

5) Welche Qualifikationen waren besonders entscheidend, dass Du diesen Job bekommen hast?

Neben meiner Grundausbildung im chemisch-analytischen Bereich im Rahmen des Biologiestudiums (Wahlfach Biochemie) und einer Diplomarbeit bei der Analysenmethoden wie HPLC und GC angewendet worden sind, habe ich in viele Lehrveranstaltungen der TU Graz im Bereich der Technischen Chemie hineingeschnuppert um meine Kenntnisse und meinen Horizont zu erweitern – dies war sehr nützlich bei meiner ersten Tätigkeit am ILV im damals für mich neuen Bereich der Trinkwasseranalytik.

6) War es schon immer Dein Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Ehrlich gesagt waren meine Berufswünsche nicht ganz so konkret, im Laufe des Studiums hat sich jedoch herauskristallisiert, dass angewandte Arbeitsfelder für mich interessanter waren als rein wissenschaftliche Fragestellungen.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Wie stehen die Jobaussichten für BiologInnen?

Das kann ich nicht beurteilen, halte diese Frage aber auch gar nicht für wichtig: Viel wichtiger als vermeintliche Jobaussichten ist es, dass junge Leute ein Studium mit Elan und Interesse angehen und auch mal in andere Bereiche Einblicke gewinnen – Studienpläne sollten eine solche offene und flexible Herangehensweise fördern.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Neben Biologie sind für LebensmittelgutachterInnen folgende Ausbildungen laut Lebensmittelgutachterverordnung möglich:

  • Für die wissenschaftliche Berufsvorbildung ist die Erlangung des Diplomgrades, konsekutiven Mastergrades oder Doktorgrades einer inländischen Universität oder Fachhochschule oder eines gleichwertigen Abschlusses in einem Mitglied- oder Vertragsstaat der EU oder EWR-Staat oder der Schweiz in einer der angestrebten Tätigkeit entsprechenden Ausbildung, wie beispielsweise Chemie, Biologie, Pharmazie, Medizin, Veterinärmedizin, Lebensmittel- und Biotechnologie, Ernährungswissenschaften, oder eines in Österreich nostrifizierten gleichwertigen ausländischen Diplomgrades, konsekutiven Mastergrades oder Doktorgrades nachzuweisen.
  • Für die praktische Ausbildung ist eine nach erlangtem Diplomgrad, konsekutivem Mastergrad, Doktorgrad oder gleichwertigem Abschluss absolvierte praktische Tätigkeit auf dem Gebiet von dem LMSVG unterliegenden Waren nachzuweisen, aus der abgeleitet werden kann, dass Untersuchungen durchgeführt und Gutachten entsprechend den lebensmittelrechtlichen Vorschriften erstattet werden können

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Meine Kenntnisse im chemisch-analytischen Bereich und mikroskopischen Arbeitstechniken brauche ich als Grundvoraussetzung. Vieles andere ist nützlich, darunter beispielsweise taxonomische Kenntnisse und Grundlagen der Mikrobiologie.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Schaut ob ihr ein Praktikum, eine Ferialarbeit oder eine Diplomarbeit bei einem einschlägigen Institut oder Lebensmittelbetrieb machen könnt, diese Einblicke werden für euch sehr wertvoll sein!


Hinterlasse einen Kommentar