Thunfisch (c) Paul Hilton

:: Der Fisch ist nackt – Methoden der Thunfisch-Fischerei im Vergleich

03/01/2015 von / 0 Kommentare

Titelbild: Thunfisch, mittlerweile beinahe schwimmendes Gold – und kurz vorm Aussterben. Seit Beginn der industriellen Fischerei wurden 90% dieser Tiere gefangen. ©Paul Hilton
Thunfisch ist in den letzten Jahren zu einem alltäglichen und stets verfügbaren Lebensmittel geworden, dabei ist es nur allzu einfach zu übersehen, wie schlecht es um die Populationen bereits steht. Außerdem wird Thun kaum alleine gefangen – bei fast allen Fischereimethoden ist die Menge der ungewollt mitgefangenen Tiere verschiedener Arten erschreckend hoch.

Ringwaden Fischerei in Asien ©Paul Hilton

Ringwaden Fischerei in Asien ©Paul Hilton

Der “klassische” Fang von Thunfischen wird mit so genannten Ringwaden durchgeführt. Dabei handelt es sich um Netze, die ringförmig um einen Schwarm gelegt und dann von unten her geschlossen werden. Die Methoden diesen Schwarm zu finden reichen dabei von einfachen Versionen, wie dem Aufspüren über andere Arten (man folgt beispielsweise einem Schwarm von Delfinen, welche einfacher zu finden sind) bis hin zu hochtechnisierten Hilfsmitteln, wie Helikopter oder Flugzeugen.
Aufgrund der hohen Beifangquote der Ringwaden-Methode war die Reaktion des Konsumenten nicht sehr positiv und es wurde zunehmend eine Fangmethode verlangt, bei der besonders Delfine nicht als Beifang unnötig getötet werden.

Langleinen haben eine extrem hohe Menge von Beifang. In Gebieten wie dem indischen Ozean wird Hai aber auch gezielt als "Beifang" angelockt und die Flossen teuer verkauft. ©Manuel Marinelli/Project Manaia

Langleinen haben eine extrem hohe Menge von Beifang. In Gebieten wie dem indischen Ozean wird Hai aber auch gezielt als „Beifang“ angelockt und die Flossen teuer verkauft. ©Manuel Marinelli/Project Manaia

Die nächste Evolutionsstufe der Thunfisch-Fischerei waren die Langleinen, welche im Grunde genau das sind wonach es klingt. Es handelt sich um Fischerleinen, die eine Länge von bis zu 200 Meilen, also etwa 380 Kilometer, haben können. Von dieser Hauptleine hängen alle 10 – 20 Meter kleinere Leinen mit jeweils einem Haken. Jeder dieser Haken ist wiederum mit einem Köder bestückt, was für sich schon eine Unmenge an Fisch bedeutet. Der Fangdruck durch Langleinen allein ist bereits enorm. Würde man alle Langleinen der Welt aneinander reihen, könnte man sie etwa 500-mal rund um die Welt wickeln!
So wie die Ringwaden ist aber auch diese Methode weit davon entfernt, nachhaltig zu sein: Zu den als “Beifang” mitgefangenen Tieren zählen unter anderem Schwertfische, Haie, Schildkröten aber nach wie vor auch Delfine.
Wenn man bedenkt, dass seit Beginn der industriellen Fischerei die Bestände der Thunfische um etwa 90% dezimiert wurden, sollte es doch jedem am Herzen liegen diese Bestände nicht vollständig zum Kollabieren zu bringen.
Ein weiteres Problem dieser zwei Fangmethoden besteht darin, dass Thun ein Spitzensportler unter den Fischen ist. Er kann aktiv den Körper über die Umgebungstemperatur aufheizen, um die volle Leistung seiner Muskeln zu erreichen. Und genau dieser Prozess geht auch vonstatten wenn die Tiere unter großem Stress stehen – der Fisch kocht sich gewissermaßen selbst von innen heraus, was den Wert des Fleisches stark reduziert.

Käfige zur Mast von Thunfisch an der Küste Siziliens. Hier werden die Tiere einen Sommer lang gefüttert, um sie im Herbst teuer verkaufen zu können. ©Manuel Marinelli/Project Manaia

Käfige zur Mast von Thunfisch an der Küste Siziliens. Hier werden die Tiere einen Sommer lang gefüttert, um sie im Herbst teuer verkaufen zu können. ©Manuel Marinelli/Project Manaia

Deshalb wird speziell beim Roten Thun oder auch Blauflossen Thun, der besonders auf Sushi bekannt geworden ist, Wert darauf gelegt, die Tiere vor ihrem Tod nicht unnötigem Stress auszusetzen: Die Methode ist so einfach wie schockierend: Wiederum werden die Fische mit Ringwaden gefangen, diese werden aber nicht an Deck geholt, sondern erstmal offen gehalten (der Fang passiert meist auf hoher See, weiter entfernt von der Küste) bis ein Käfig (eine runde Konstruktion von etwa 50 Metern Durchmesser und einem Netz, das darunter fixiert ist) an die Stelle geschleppt wurde. Danach werden die Tiere in diesen Käfig transferiert und zurück an die Küste geschleppt. Dort werden sie die restliche Saison mit Kraftfutter gemästet und im Herbst mit Harpunen geschossen, um genau dieses Aufheizen des Fleisches zu verhindern. Auf diese Art können noch Spitzenpreise für die Tiere erlangt werden – wenn auch nicht mehr lange, denn der Blauflossen Thunfisch ist bereits an der Grenze zum Aussterben und jede weitere Fangsaison könnte bereits die letzte sein.

Pole and Line Fishing in den Malediven - Extrem effektiv, aber vollkommen frei von Beifang! ©Paul Hilton

Pole and Line Fishing in den Malediven – Extrem effektiv, aber vollkommen frei von Beifang! ©Paul Hilton

Zum Glück gibt es aber auch positive Beispiele, die man vermerken kann. Auf den Malediven etwa hat sich unter dem Namen “Pole and Line Fishing” eine bessere Art etabliert den Thunfisch zu fangen. Es wird zwar nach wie vor Jagd auf eine Spezies gemacht, die einen gefährdeten Status hat, jedoch nur geringere Mengen und zu 100% ohne Beifang. Die Fischer fangen die Tiere einfach nur mit Stange und Schnur: Nachts werden kleine Netze durch die Lagune gezogen um Ährenfischartige Tiere zu fangen, die am nächsten Morgen als Köder verwendet werden. Bei der Jagd auf den Großfisch stehen die Männer am Heck des Bootes, von wo auch ein feiner Nebel aus Wasser versprüht wird, der von unterhalb der Wasseroberfläche aussieht wie ein Schwarm kleiner Fische. Der Nebel wird zusätzlich mit echten, kleinen Fischen durchsetzt. Die Männer an Bord halten tatsächlich nur den Haken in das Wasser und ziehen die Thunfische an Bord – vollkommen frei von jeglichem Beifang.
Die Entscheidung ob man Thunfisch im Allgemeinen mit ruhigem Gewissen essen kann, muss trotzdem jedem selbst überlassen werden. Denn was damit bewirkt wird, muss jedem bewusst sein – auch für die eigene Gesundheit.
Ein großer Unterschied zwischen Tieren an Land und im Wasser diesbezüglich ist die Länge der Nahrungsketten dahinter. In einer typischen Nahrungskette an Land gibt es nur zwei bis drei Stufen: beispielsweise wird Gras, das seine Nährstoffe aus dem Boden zieht, von einer Kuh gefressen und diese landet auf unseren Tellern. Es bleiben also im Grunde zwei Stufen in denen sich potentielle Schadstoffe anreichern können.
Unter Wasser zieht pflanzliches Plankton die Nährstoffe aus dem Wasser, wird von Zooplankton gefressen, dieses von (zum Beispiel) Ährenfischen, diese von kleineren Räubern und diese wiederum von den Top-Jägern wie Thunfisch und Hai. Man hat also nun fünf Stufen in der Nahrungskette und in jedem Schritt kann sich die Dosis von Schwermetallen und anderen Stoffen verzehnfachen. Damit hat die gleiche Menge Fleisch etwa 1000-mal mehr Schadstoffe in sich als bei Landlebewesen. Und dabei handelt es sich nicht nur um Schwermetalle, auch Antibiotika, Pestizide und Hormone können sich in dem gleichen Ausmaß anreichern.
Je weiter unten in der Nahrungskette sich also ein Lebensmittel befindet, desto gesünder ist es auch für den Menschen – egal ob bei Fleisch oder Fisch.
Und auch wenn der Trend in eine Richtung geht, die sehr beunruhigend ist, gibt es viele Naturschutzorganisationen wie “Project Manaia”, Greenpeace, WWF, die dafür kämpfen die Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken. Am Ende liegt die Macht aber doch beim Konsumenten, der kleine Unterschied den jeder und jede von uns machen kann – jeden Tag!


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