Blick über den Nationalpark Cuc Phuong im Herzen Vietnams: ein Stück wiedergewonnene Heimat für bedrohte Primaten (© Manuela Lembeck)

:: Vietnams bedrohte Affen: ein Besuch im „Endangered Primate Rescue Center“

18/11/2014 von / 2 Kommentare
Beitragsbild: Blick über den Nationalpark Cuc Phuong im Herzen Vietnams: ein Stück wiedergewonnene Heimat für bedrohte Primaten (© Manuela Lembeck)
Abb. 1: Eingang zum Primate Rescue Center (© Manuela Lembeck)

Abb. 1: Eingang zum Primate Rescue Center (© Manuela Lembeck)

Das „Endangered Primate Rescue Center“ liegt im Norden Vietnams, am Rande des ältesten Nationalparks Cuc Phuong. Als der deutsche Tierarzt und Primatologe Thilo Nadler die Station vor 30 Jahren gründete, wusste er noch nicht, dass es einst Zufluchtsort für 6 der am meisten bedrohten Langurenarten sein wird. Ob diese Arten noch zu retten sind, weiß niemand, auch wenn die Station auf einige Erfolge stolz sein kann.

Schon von weiten hören wir die Gibbons, obwohl wir noch 10 Minuten Fußmarsch bis zum Eingang des Primate Rescue Center vor uns haben. Wir folgen einer asphaltierten Straße, die von dichter Vegetation umgeben ist und die einst der Revolutionär Ho Chi Minh quer durch Nordvietnam anlegen ließ. Über viele Jahre hinweg marschierten hunderte Soldaten auf ihr durch den Dschungel, heute dient sie vor allem Touristen als Hauptstraße quer durch den größten und ältesten Nationalpark Vietnams. Die freundliche vietnamesische Nationalparkführerin die uns begleitet, erzählt uns auf dem Weg stolz die Gründungsgeschichte des Parks, führt uns am „Turtle Rescue Center“ vorbei und lässt uns in Ruhe die wunderschönen Schmetterlinge fotografieren, welche plötzlich aus dem Dickicht am Straßenrand hochflattern. Es ist heiß und schwül und wir sehen keine weiteren Touristen auf dem Weg. Nicht verwunderlich, denn es ist Mitte August und Monsunzeit, was die meisten Vietnamreisenden vor einer Tour in den Regenwald abschreckt. Doch meine beiden Kolleginnen und ich haben Glück und kein Tropfen ist gefallen, seit wir die internationale Primatologentagung in Hanoi verlassen haben, um für 3 Tage Vietnams Wildnis und seine Bewohner kennen zu lernen.

Abb. 2: Sponsoren und Kooperationspartner der Station (© M. Lembeck)

Abb. 2: Sponsoren und Kooperationspartner der Station (© M. Lembeck)

Das Primate Rescue Center

Unsere Führerin öffnet ein großes Tor und sofort fällt der Blick auf die vielen grünen Tafeln an einer Hauswand, die von namhaften Institutionen stammen. Allen voran die der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, welche die Gründung der Station im Jahre 1993 ermöglichte, aber auch andere Zoos oder sogar Botschaften finden einen Platz und sorgen für den wissenschaftlichen Austausch und die finanzielle Erhaltung der Station. Thilo Nadler läuft an uns vorbei und nickt freundlich in unsere Richtung. Er war es, der vor 30 Jahren Pionierarbeit leistete, auf die bedrohte Lage einiger Primatenarten aufmerksam gemacht hat und ein mehr als 5 Hektar großes Areal für den Aufbau seiner Station gewinnen konnte. Wir gehen auf einem Besucherweg zwischen den, mit überwiegend Naturmaterialen ausgestatteten, Gehegeanlagen vorbei und erhaschen einen ersten Blick auf deren Bewohner. Anders als man es von vielen Zoos kennt, ist der Abstand zwischen Besucherweg und Affengehege relativ groß und dicht bewachsen, nur kleine Pfade zwischen den Anlagen sind für die Tierpfleger ausgespart worden. Während uns unsere Führerin an den verschiedenen Affengruppen vorbeiführt, erklärt sie, dass der Abstand sehr wichtig ist für die Tiere, um sich nicht zu sehr an die menschlichen Besucher zu gewöhnen. Darüber hinaus sind einige Affen verletzt oder traumatisiert in die Station gelangt und sollen so wenig Stress wie möglich erfahren müssen. Heute leben hier mehr als 150 Primaten, die entweder gerettet, rehabilitiert oder in der Station geboren wurden und in mehr als 40 Gehegen leben. Wir sehen auf unsere Tour durch das Center Gibbons, Makaken, Loris, Nasenaffen, sowie einige vom Aussterben bedrohte Langurenarten.

Abb. 4: Phayre-Brillenlangur (© M. Lembeck)

Abb. 3: Rotschenkliger Kleideraffe (© M. Lembeck)

Wir sind aufgeregt, als wir in manchen Affengruppen ein paar Jungtiere entdecken, die sich fest an den Bauch ihrer Mutter klammern. Stolz wird uns erzählt, dass dies auch die erste Einrichtung weltweit war, in der jemals Delacour-Schwarzlanguren (Trachypithecus delacouri), Cat-Ba-Languren (Trachypithecus poliocephalus), Rotschenklige Kleideraffen (Pygathrix nemaeus) und Hatinh-Languren (Trachypithecus hatinhensis) Nachwuchs hatten. 20 einheimische Tierpfleger sind rund um die Uhr in Park, Klinik oder Quarantänestation im Einsatz und freuen sich, wenn sie einen ausgewilderten „Ex-Bewohner“ im Areal des angrenzenden Nationalparks erspähen oder dessen Rufe hören können. Doch nicht nur in angrenzende, sondern auch weiter entfernt gelegene Nationalparks, konnten in den letzten Jahren Kleideraffen, Gibbons und Hatinh-Languren erfolgreich angesiedelt werden.

 Das Problem: Pet-Trade und illegale Jagd

Wir bleiben noch lange vor einem großen Poster am Eingang zur Futterküche stehen, auf welchem verdeutlicht wird, wie es um Vietnams Affenwelt steht. Die Bedrohung ist groß, denn von den weltweit 25 am meisten bedrohten Affenarten sind davon alleine 5 in Vietnam heimisch.

Abb. 5: Die 5 Primatenarten Vietnams, die zu den traurigen „Top 25“ der Welt zählen (© Manuela Lembeck)

Abb. 5: Die 5 Primatenarten Vietnams, die zu den traurigen „Top 25“ der Welt zählen (© Manuela Lembeck)

Die größte Gefahr stellt immer noch der sogenannte „Pet-Trade“ dar, also der Handel mit Affen, die gefangen und als Haustiere verkauft und gehalten werden, sowie die Brandrodung und die illegale Jagd. Darüber hinaus gilt leider vielerorts noch Affenfleisch als Delikatesse und wird nicht selten am Schwarzmarkt angeboten.

 Hoffnung für die Zukunft

Zum Ende der Tour wird uns noch einmal im Gespräch mit der Führerin klar, wie wichtig die Aufgabe dieser oder andere Rettungsstationen ist: nämlich stabile Gruppen zu bilden, Zuchtprogramme zu unterstützen und dann Tiere möglicherweise wieder auszuwildern. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die jeweilige Affenpopulation, ähnlich wie es auch in Zuchtprogrammen in vielen Zoos der Fall ist, geschützt werden kann. Einfach ist dieser Weg allerdings nicht, denn selbst wenn ein neues Habitat gefunden, erworben und behördlich genehmigt wurde, sind manche Affen bereits zu lange in menschliche Obhut gewesen, wissen nicht, was sie fressen sollen und kommen immer wieder zurück. Thilo Nadler läuft wieder an uns vorbei und steigt spontan in unser Gespräch ein.

Abb. 6: Die Autorin vor dem Parkeingang, August 2014 (© Manuela Lembeck)

Abb. 6: Die Autorin vor dem Parkeingang, August 2014 (© Manuela Lembeck)

Als er hört, dass wir drei auch in der Forschung tätig sind, klärt er uns auch über die wissenschaftlichen Projekte und die enge Zusammenarbeit mit vielen internationalen Universitäten auf. Schnell merkt man dem 75-jährigen die Begeisterung an, die ihn seit Jahrzehnten vorantreibt und er erzählt von der Entdeckung einer neuen Gibbonart und den erfolgreichen Auswilderungen in den letzten Jahren. Und davon, wie wichtig ihm die enge Zusammenarbeit mit den Einheimischen ist, der Aufklärungsarbeit, die noch sehr in den Kinderschuhen steckt und hoffentlich irgendwann ein Umdenken in der Bevölkerung bewirkt. Beim Abschied sind wir etwas bedrückt, doch Thilo Nadler gibt uns Hoffnung auf den Heimweg mit: „Auch wenn durch den momentanen Trend, die eine oder andere Langurenart vielleicht in 10 Jahren ausgestorben ist, es ist immer einen Versuch Wert, dagegen anzukämpfen“.

 

 


2 Antworten
  1. J.B.

    Schöner Artikel, allerdings gibt es einen Punkt der mir aufgefallen ist: Im Center werden keine Makaken gehalten, der Pet Trade mit diesen Tieren ist viel zu groß um diese dort auffangen zu können. Nasenaffen finden sich dort auch nicht, da diese gar nicht in Vietnam vorkommen…

    26.06.2016 um 01:59
  2. super mario games

    Thanks for finally writing about >Vietnams bedrohte Affen: ein Besuch im „Endangered Primate Rescue Center“
    <Liked it!

    27.02.2015 um 21:32
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