Evolution der Schule

:: Schule der 10-14-Jährigen nach biologischen Richtlinien

01/09/2014 von / 3 Kommentare

Ausgangslage ist COMENIUS´ alle alles durch alles zu lehren.

Zurzeit gibt es Biologisches verstreut im Unterrichtsalltag:
In Biologie wird ein buntes Gemenge aus Zoologie, Botanik, Mykologie, Somatologie, Genetik, … unterrichtet. Als Unterrichtsprinzip fungiert die Umweltkunde, befindet sich quasi in einer Warteschleife um in den Fachlehrplan aufgenommen zu werden. Ernährung und Haushalt sind auf fast-food-Ausmaße zusammengekürzt. In der Verhaltensnote kommt eine Populärvariante der Ethologie zum Tragen. Auch der Schularzt impft nicht nur, sondern trägt manchmal vor. Gelegentlich säumt ein Schulgarten die Feuermauer des Schulhauses.

Biologie kann indes in der Schule mehr leisten, und zwar in den allgemeinen Erziehungszielen:
Persönliche Ziele: Grundlage ist die Ethologie für Humanverhalten im Allgemeinen und das Verhalten Aufwachsender im Speziellen, ergänzt z. B. durch Entwicklungspsychologie.
Artgerechtes Verhalten ist dann gegeben, wenn letztlich der Großteil der Menschen artgerecht leben kann. Das hieße ausgeglichene sozialökonomische Verhältnisse anzupeilen und artig miteinander umzugehen, also das Zusammenspiel zu pflegen. Unartigkeit, also störendes bzw. zerstörendes Verhalten braucht nicht mit dem moralischen Zeigefinger der Ethik in kleinkarierte Kategorien gepresst werden, sondern am Artverhalten des Homo sapiens erläutert werden. Dieses Artverhalten spannt sich von der gegenwärtigen Klassengesellschaft der Schule bis in die zu vergegenwärtigenden geschichtlichen Groß- und Gräueltaten. All das macht Menschsein im Alter von 10-14 Jahren aus und ist somit Lehrinhalt.
Ernährungsverhalten – d. s. Kenntnisse über Essbares und dessen Zubereitung – beeinflussen die Zusammensetzung der Erdatmosphäre.
Das Sexualverhalten entscheidet über die Partnerwahl. Die bestmögliche Partnerwahl ist eine gute Grundlage für die Vermehrung. Der Nachwuchs soll vom Investment profitieren können, letztlich Fitnesserhaltung.
Das Revierverhalten ist zu erweitern zur Suche nach der biologischen Nische, deren Verteidigung dann tatsächlich Sinn hat.
Soziale Ziele: Grundlage ist die Soziobiologie, der z. B. pädagogische Soziologie folgt. Themen sind der Platz in der Klassengesellschaft (übrigens nicht Klassengemeinschaft, deren positive Bedeutung überschätzt wird), Rang, Freundschaften/Abneigungen als Vorübung für die Position in der Gesellschaft und im Habitat.
Kognitive Ziele: Grundlage ist die Evolution der Kognition, auf die z. B. Lerntheorie aufbaut. Schließlich ist alles Lernen in irgendeiner Form kognitiv. Das Erlernte, in diesem Fall für die meisten Schüler Allgemeinbildung, mündet in eine berufliche Aus- oder Vorbildung.

Darüber hinaus werden Arbeits- und Denkweisen der Biologie in die Bildungsplanung aufgenommen, schließlich handelt es sich um Investment, und nicht um Ablagerung.
Die Evolution lehrt Sackgassen, Weiterentwicklung, Homologien, Ähnlichkeiten in Form von Mustern, … anhand von Mutation, Variation und Selektion. Mit diesem Inventar werden Bildungsinhalte/-wege ausgewählt bzw. geändert.
Die systematische Ordnung oder ordnende Systematik wird auf die Einordnung von Bildungsinhalten im Lehrplan angewandt, desgleichen in der Anordnung der Bildungswege für die Vervollständigung der Bildung davor und danach. Methodisch werden je nach entwicklungsgeschichtlichem Anteil Fächergruppen vernetzt und parallel geführt.

  • Fächergruppe mit der Entwicklungsgeschichte seit den Ursprüngen des irdischen Lebens
  • Fächergruppe mit der Entwicklungsgeschichte des homo sapiens
  • Sprachliche Fächergruppe
  • Technische Fächergruppe
  • Informatik als Unterrichtsprinzip

Wenn in pädagogischer Anthropologie auf die langen Wellen der Schulentwicklung geschaut wird, dann beginnt die institutionelle Beschulung Europas im „gymnásion“ der Griechen. Nach der Völkerwanderung wird die Beschulung kirchlich und hält bis heute zum Teil an. 1774 wird sie laut Maria Theresia Habsburg zum Politikum, was derzeit handfest im Proporz, eine Koalitionsvereinbarung aus dem Jahr 1946, und der Einführung des Faches „Politische Bildung“ nachwirkt. In Anbetracht von PISA und sonstigen Evaluationen,… ist ein Entwicklungsschritt angebracht, sonst mündet Schule in einer Bildungssackgasse. Dieser Schritt ist aus Vernunftgründen bewusst zu setzen, und nicht der „versklavenden Welle“ zu überlassen. Von der unbewussten zur bewussten Auswahl der Bildungsinhalte und –wege ist ein logischer Lernschritt zu setzen.

Titelbild: Stefan Kapeller, basierend auf diesem und diesem Bild

3 Antworten
  1. Josef Fally

    „Ausgangslage ist COMENIUS´ allen alles durch alles zu lehren.“

    Achtung: Hier ist der Dativ dem Akkusativ sein Tod!

    Lieben Gruß,
    J. Fally

    08.12.2014 um 15:13
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