:: Kräuterwandern am Grazer Schlossberg

04/09/2014 von / 0 Kommentare

Exkursionsbericht und Fotos von Bettina Kain, Mädesüßpudding-Rezept von Karina Hauer.
Am 15. Juni 2014 machten sich einige Mitglieder der Fachgruppe Steiermark auf zum Fuße des Grazer Schlossbergs. Ausgangspunkt war der Karmeliterplatz, wo uns bereits Exkursionsleiter Michael Flechl erwartete. Um 14 Uhr begannen wir nun unsere Wanderung, um die Vielfalt an Kräutern und weitere süße Überraschungen hoch über der Stadt zu entdecken.

Leckere Kräuter und süße Früchtchen

Foto 1: ABA-Mitglieder verkosten den würzigen Chinesischen Lauch

ABA-Mitglieder verkosten den würzigen Chinesischen Lauch

Schon auf dem Weg hin zum Uhrturm lohnt es sich seinen Blick links und rechts über die Wiesen und Waldränder schweifen zu lassen. Hier finden sich bereits zahlreiche Zutaten für einen schmackhaften Salat alà Grazer Schlossberg. Dieser gelingt mit einer beliebigen Mischung aus jungen, frischen Blättern von beispielsweise Rotbuche, Ahorn, Linde, Hainbuche, Löwenzahn, Pfennigkraut und fette Henne.

Foto 2: Dominique überprüft ob die Feigen schon reif sind.

Dominique überprüft ob die Feigen schon reif sind.

Bei Wilden Thymian, Majoran, Oregano und Lavendel können wir die italienische Pizza schon beinahe riechen! Natürlich wurden viele der Kräuter, wie Gänseblümchen, Chinesischer Lauch, Mauerpfeffer und so weiter auch gleich verkostet.

Die Highlights sprießen gleich unter dem Grazer Uhrturm. Hier kann man später im Jahr reife Feigen direkt vom Baum pflücken.
Weiter unten teilen sich Bitterorange und Granatapfel einen felsigen Standort und verführen uns zu dieser Jahreszeit mit wunderschönen, orange leuchtenden Blüten (siehe Titelbild).

Foto 4: Verschiedene Kräuter wachsen überall am Grazer Schlossberg.

Verschiedene Kräuter wachsen überall am Grazer Schlossberg.

Walderdbeeren, Schwarzen Holunder und Bärlauch kann man hingegen schon jetzt verarbeiten und genießen. Im Herbst wird es dann Zeit um sich ein paar Hasel- oder Walnüsse und Esskastanien zu holen.

 

Foto 5: Exkursionsleiter Michael Flechl.

Exkursionsleiter Michael Flechl.

Heile Welt

Doch der Grazer Schlossberg hat nicht nur kulinarisch einiges zu bieten. Hier findet man auch die Zutaten um sein Apothekenkasterl nach einem langen Winter wieder aufzufüllen. Aus Blättern von Linden, Ginkgo und Frauenmantel beispielsweise lassen sich herrliche Tees zaubern. Der Spitzwegerich enthält jede Menge Schleimstoffe und lässt sich zu einem sehr wirksamen Hustentee verarbeiten. Weiters treffen wir auf Ziest, Warzenkraut, echtes Johanniskraut und noch viele andere Heilkräuter (Abb. 4).

Wichtige Sammel-Tipps

Natürlich gibt es beim Sammeln einige Tipps die zu beachten sind. Es ist wichtig, dass man die Pflanzen, die man nützen möchte nicht direkt neben der Straße pflückt. Auch dort wo Hunde leicht ihr Geschäft verrichten können, ist es unratsam zu sammeln und die Kräuter sollten zu Hause auf alle Fälle gründlich gewaschen werden. Weiters sammelt man die Blätter von Pflanzen generell vor der Blüte.

Um in den vollen Genuss der nutzbaren Pflanzenwelt des Grazer Schlossbergs einzutauchen, lohnt es sich allemal bei einer von Michi’s Führungen mitzuwandern!

Wer Graz nicht nur besuchen, sondern auch mal riechen und schmecken möchte, dem stehen zahlreiche Exkursionen zur Verfügung.

Literaturverweise & Websites

Lingg A. 2010. Das Heilpflanzenjahr – Heilkräuter aus dem Zauberkessel der Fülle. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart.

Von Bingen, H. 1993. Heilkraft der Natur – Physica, Pattloch-Verlag, München.

www.fruitmap.at – Plattform für eine gemeinschaftliche Erntelandschaft

www.mundraub.org – In Vergessenheit geratene Früchte wieder in die Wahrnehmung rücken und in Wert zu setzen, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und Biodiversität dauerhaft zu erhalten.

www.transitiongraz.org – Gemeinsame und partizipative Gestaltung für ein nachhaltiges Graz

www.gartenpolylog.org – Interkulturelle Gemeinschaftsgärten

www.urania.at – diverse Führungen, Seminare, Vorträge u.a. in den Bereichen Natur und Umwelt.

Rezept


Mädesüß

Mädesüß

Mädesüßpudding von Karina Hauer

0,5l Milch, davon einige EL (ca. 5 EL) in ein Häferl/Tasse geben

3 EL Zucker

3-5 Blütenstände von Mädesüß (Filipendula ulmaria)

Ca. 28g Stärkemehl (Menge ist davon abhängig, wie „dick“ der Pudding sein soll)

 

Die Blütenstände vom Mädesüß in die Milch geben und über Nacht zugedeckt in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag den Zucker und das Stärkemehl mit der kleinen Menge (kalter) Milch gut verrühren. Die Milch, in der die Blüten über Nacht waren, mitsamt den Blüten erhitzen bis die Milch siedet (also dampft) und dann bei ausgeschalteter Platte ca. 30 Minuten lang stehen lassen. Dann die Milch durch ein Sieb gießen, die Blüten wegwerfen, die Milch noch einmal erhitzen und die Stärkemehl-Zucker-Milch-Mischung einrühren und weiterrühren bis die Masse dick wird. In Schüsselchen umfüllen und kalt stellen.

Mädesüßpudding

Mädesüßpudding

 

Die Zubereitung ist also dieselbe wie bei normalem Fertig-Pudding, nur dass statt normaler Milch mit Blüten aromatisierte Milch verwendet wird.

Mit frischem Obst, Erdbeersauce und/oder Keksen servieren.

 

Tipp: Statt Zucker kann auch Süßstoff verwendet werden.

Hinweis: Personen, die auf Salicylsäure (Aspirin) allergisch reagieren, sollten Mädesüß nicht verwenden, stattdessen kann z. B. auf Holunderblüten (Sambucus nigra) ausgewichen werden.


Hinterlasse einen Kommentar