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:: Die seismische Unterwasser-Erforschung von Erdölvorkommen in Spanien

07/09/2014 von / 0 Kommentare

Das Landwirtschafts- und Umweltministerium Spaniens hat vor kurzem die Erforschung von Öl- und Gasquellen genehmigt. Deswegen ist es der spanischen Firma Repsol jetzt gestattet herauszufinden, ob in den Gewässern um die Kanaren Öl- und Gasquellen zu finden sind. Obwohl Lanzarote und Fuerteventura Biosphärenreservate sind, ist die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) dort positiv ausgefallen. Die Balearen hingegen warten auf die Entscheidung der Zentralregierung. Der aktuelle politische Konflikt zwischen Russland und Europa ist dabei, sich zu einem Energiekonflikt zu entwickeln. Diese Situation kann das Interesse von Unternehmen an Öl- und Gasquellen im Mittelmeer und den Kanaren beschleunigen.

Seit 1981 gewinnt die Repsol-Filiale „Ripsa“ Öl auf der Ölplattform Casablanca. Diese Ölplattform befindet sich in der Nähe des Ebrodeltas in Katalonien. Der Ertrag ist gering, jedoch hat er sich in den letzten Jahren mit der Eröffnung von zwei neuen Ölquellen, von 2.000 auf 8.000 Barrel Öl pro Tag erhöht.

2011 bekam das schottische Unternehmen Cairn Energy die Erlaubnis zur seismischen Unterwassersuche nach Öl- und Gasquellen in den Gewässern zwischen Ibiza und Valencia. Heutzutage gibt es im Golf von Cádiz, im Golf von Biscaya und vor der Küste von Tarragona Ölplattformen, die in Betrieb sind. Außerdem wurden 30 neue Meeresgebiete freigegeben, um Erdölvorkommen zu erforschen. Oceana warnt davor, dass 45% der spanischen Gewässer für die Öl- und Gasforschung und die Nutzung von Kohlenwasserstoff geöffnet werden, wenn die Projekte mit einer noch ausständigen Erlaubnis genehmigt werden.

Oceana

2001 gegründete internationale Organisation zur Erhaltung der Ozeane sowie zum Schutz von marinen Ökosystemen und gefährdeten Arten.
Spanien ist zu 99,7% von importiertem Öl abhängig. Deshalb würde das Finden von Öl in spanischen Gewässern diese externe Abhängigkeit mindern. Die spanische Vereinigung Asociación Española de Compañías de Investigación, Exploración y Producción de Hidrocarburos y Almacenamiento Subterráneo (ACIEP) sagt, dass die Erforschung von Öl und Gas mehr als 250.000 Arbeitsplätze in 20 Jahren schaffen kann. Auf der anderen Seite meint Oceana, dass diese Energiestrategie gegen die Umweltpolitik und das Klimaschutzziel der EU ist.

ACIEP

Vereinigung von Forschungsunternehmen, Erforschung und Produktion von Kohlenwasserstoff und unterirdischer Lagerung.
Die seismische Unterwasser-Erforschung ermöglicht es, geologische Strukturen zu finden, in denen der Rohstoff lagert. Die am meisten für die Erforschung eingesetzten Hilfsmittel sind Druckluftkanonen oder Airguns. Diese Kanonen senden alle 10 Sekunden einen Ton, der die Wasserschicht durchstößt und teilweise vom Untergrund wieder in Richtung Oberfläche reflektiert wird. Dieses Echo wird dort von Hydrophonen empfangen. Die Hydrophone befinden sich an bis zu 2000 m langen Kabeln – sogenannten Streamers – die am Heck des Vermessungsschiffes befestigt sind. Ein Seismograph zeichnet die Signale der Hydrophone auf und speichert sie. Die Daten werden dann mittels Computer zu einem 3D-Bild der Bodenstruktur verarbeitet.

Abb. 1 Schematische Darstellung der seismischen Unterwasser-Erforschung

Abb. 1 Schematische Darstellung der seismischen Unterwasser-Erforschung (© Jaume Vidal)

Die Airguns für die seismische Unterwasser-Erforschung erzeugen eine Tonintensität von bis zu 250 Dezibel (dB). Die Wissenschaftsgemeinschaft sagt, dass Meeressäugetiere bei über 180 dB irreversible physiologische Verletzungen erleiden können. Die Lärmbelästigung durch Airguns kann für Meeressäugetiere, die sich unmittelbar neben so einer Kanone befinden, tödlich sein. Tiere in einem Umkreis von wenigen Kilometern können innere Verletzungen erleiden. Außerdem kann es wegen der chronischen Lärmexposition zu langfristigen Schäden kommen. Eine indirekte negative Auswirkung des Lärms für Meeressäuger aber auch Schildkröten und Raubfische kann eine geringere Dichte an Beutefischen in solchen Arealen sein. Es wurde festgestellt, dass sich die Ausbeute des Fischfangs in der Nähe von Gebieten seismischer Unterwasser-Erforschung unmittelbar bis zu 70% reduziert. Der Präsident von Oceana Europa erklärt, dass man nicht auf einen Ölteppich warten braucht, um Schaden zu beklagen. Die Ölforschungsprojekte schädigen die Fanggründe und die Wege der Tierwanderung von Meeressäugetieren, Schildkröten und Haifischen. Zwischen den Balearen und der Küste Kataloniens gibt es eine Tierwanderroute, die mit dem geplanten Ölerforschungsgebiet überlappt.

Lage spanischer Ölplattformen, aktueller, geplanter und genehmigter Nutzungslizenzen, sowie der durchgeführten seismischen Unterwasser-Untersuchungen Quelle: WWF (aus dem Spanischen übersetzt)

Abb. 2: Erdölförderung in Spanien. Lage aktueller, geplanter und genehmigter Nutzungslizenzen für Untersuchungen, sowie die Lage der durchgeführten seismischen Unterwasser-Untersuchungen
Quelle: WWF (aus dem Spanischen übersetzt)

Die seismische Unterwasser-Erforschung bringt Gebiete von reicher Artenvielfalt in Gefahr. Auf den Kanaren ist zum Beispiel eine Auffangstation für Meeressäugetiere geplant. Die ozeanographische Besonderheit der kanarischen Inseln macht das Archipel zu einem Zentrum einer reichen Vielfalt an Meeressäugetieren. Dort leben wandernde Tierarten wie der Schwertwal (Orcinus orca) oder die Mönchsrobbe (Monachus monachus). Ebenso leben in dem Gewässer um die Kanaren auch Gemeine Delfine (Delphinus delphis) in ständiger Kolonie, sowie Große Tümmler (Tursiops truncatus) und Kurzflossen-Grindwale (Globicephala macrorhynchus). Außerdem bilden die Neptungraswiesen (Posidonia oceanica) im Mittelmeer eine der wichtigsten und produktivsten Ökosysteme für den Erhalt dieser Biodiversität des Meeres. Neptungraswiesen haben eine hohe Eignung, Kohlenstoff zu absorbieren und zwischen den Blättern des Neptungrases herrscht eine große Artenvielfalt. Beide Ökosysteme sind wegen der seismischen Unterwasser-Erforschung und wegen dem Risiko eines Ölteppichs jetzt in Gefahr, wenn die Unternehmen Öl und Gas finden.
Viele Tierarten und Meeresgebiete sind aufgrund der seismischen Unterwasser-Erforschung für die Öl- und Gasförderung gefährdet, obwohl sie durch völkerrechtliche Verträge und Gemeinschaftsrechte geschützt sind. Trotzdem ist die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) in den Gewässern der kanarischen Inseln positiv ausgefallen.

Tursiops truncatus in den Gewässern Menorcas (Balearen). Foto: Jaume Vidal

Abb. 3: Tursiops truncatus in den Gewässern Menorcas (Balearen). Foto: Jaume Vidal

Nicht nur Meeressäugetiere und Ökosysteme sind gefährdet, sondern auch die Ökonomie und die Gesellschaft. 2013 sind 60,6 Millionen internationale Touristen nach Spanien gekommen und haben 59.082 Millionen Euro ausgegeben (9,6% mehr als 2012). Dies entspricht einem Anteil an der Gesamtwertschöfung (BIP) von 10,9%. Spanien ist das beliebteste Reiseziel der EU-Länder. Diese Zahlen können sich zum Beispiel aufgrund einer möglichen Ölkatastrophe, oder wenn die Landschaft und die Strände nicht mehr so schön sind wie früher, schnell reduzieren. Auch der Sektor des Fischfangs kann Auswirkungen spüren, da der Fang, wie zuvor bereits erwähnt, durch den Lärm der Airguns deutlich zurückgeht.
Die Geschichte hat uns viele Beispiele von Naturkatastrophen gezeigt: die Ölkatastrophe von Exxon Valdez in Alaska 1989, die Ölpest der Prestige an der spanischen un französischen Küste im Jahr 2002, oder die Ölkatastrophe der Explorations-Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko 2010. Die beste Lösung, um diese Katastrophen zu vermeiden, ist das alte Modell von Kohlenstoffenergie durch erneuerbare Energie, Energieeinsparung und Energieeffizienz zu ersetzen.
Die Experten des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) warnen uns ständig vor der Gefahr der globalen Erwärmung. Um diese – bereits spürbare – Gefahr noch zu verhindern, muss man jetzt auf globaler Ebene reagieren, sonst kann es zu spät sein.


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