Eine jagende Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Flug, (c) DDd ( [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

:: Die Schwalbe – von der Glücksbotin zum Sorgenkind

11/04/2014 von / 0 Kommentare
Titelfoto: Eine jagende Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Flug, (c) DDd [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Von den vier in Österreich als Brutvögel vorkommenden Schwalbenarten (Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Uferschwalbe und Felsenschwalbe) haben sich die beiden erstgenannten Arten im Laufe der Zeit als sogenannte Kulturfolger dem Menschen sehr eng angeschlossen.
Vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen fanden die Tiere früher ideale Lebensbedingungen: Stallungen boten Nistplätze, in der Nähe von Nutzvieh fanden sie Fluginsekten als wichtige Nahrungsgrundlage und auf nicht asphaltierten Feldwegen konnten sie Lehm für den Nestbau sammeln. Als Insektenjäger erschienen sie dem Menschen nützlich und so ließ man die Tiere bereitwillig an und in Gebäuden nisten.Jedoch ist bereits seit Jahrzehnten bei beiden Arten ein alarmierender Rückgang zu verzeichnen und in einigen Gebieten erscheinen sie mittlerweile in den Roten Listen. Die Bestandsverluste haben vielfältige Ursachen:

  • Entzug der Nahrungsgrundlage (Fluginsekten) durch Luftverschmutzung und Einsatz von Bioziden
  • Versiegelte Bodenflächen verhindern den Zugriff auf das Nistmaterial (Lehm, feuchte Erde)
  • Aufgabe von Bauernhöfen bzw. traditioneller Landwirtschaft zugunsten modernisierter Betriebe (geschlossene, voll klimatisierte Ställe verwehren den Tieren den Zugang)
  • Abwehr von Nistversuchen in Verbindung mit mutwilliger Zerstörung der Nester bei Renovierungsarbeiten

Um die Tiere in geeigneter Form zu unterstützen, muss man bedenken, dass Rauch – und Mehlschwalben unterschiedliche Nistgewohnheiten haben.

Rauchschwalbe mit rostroter Kehle

Rauchschwalbe mit rostroter Kehle

Rauchschwalben (erkennbar an der rostroten Kehle und den langen Schwanzspießen) bauen ihre schalenförmigen und nach oben offenen Nester in den allermeisten Fällen im Inneren von Gebäuden. Früher zogen sie ihre Brut vor allem in Viehställen, Scheunen oder anderen landwirtschaftlichen Gebäuden auf. Aufgrund des Verlusts dieser Brutplätze werden zunehmend Garagen, Geräteschuppen oder auch Toreinfahrten besiedelt. Während der gesamten Brutperiode (diese dauert, je nach geografischer Lage, von April bis September) sind die Vögel auf ungehinderten Einflug angewiesen.
Um diese Art zu fördern, kann man Holzbrettchen (Grundfläche: etwa 15×15 cm) in einem Abstand von ca. 20 cm unterhalb der Decke anbringen. So entsteht eine Konsole, auf der ein neu gebautes Nest eine stabile Grundlage hat. Es gibt auch die Möglichkeit, fertige Kunstnester zu montieren. Es gilt zu beachten, dass die Tiere trotz ihrer geselligen Lebensweise keine Koloniebrüter sind!

Schalenförmiges Nest der Rauchschwalbe

Schalenförmiges Nest der Rauchschwalbe

Möchte man also mehrere Nisthilfen in einem Raum anbringen, so sind diese in einem ausreichenden Abstand voneinander (jedenfalls einige Meter) zu montieren.

Im Gegensatz dazu errichtet die Mehlschwalbe als ursprünglicher Bewohner von Klippen und Steilhängen ihre kugelförmigen und bis auf ein kleines Einflugloch geschlossenen Nester fast ausschließlich an Außenwänden.
Ihre einheitlich weiße Unterseite (Name!) und der nur seicht gegabelte Schwanz unterscheiden sie im Erscheinungsbild von der Rauchschwalbe.

Kugelförmiges Nest der Mehlschwalbe

Kugelförmiges Nest der Mehlschwalbe

Sie leidet vor allem unter dem Ordnungssinn vieler HausbesitzerInnen, denen die Hinterlassenschaften der Jungvögel ein Dorn im Auge sind. Mittlerweile findet man an nicht wenigen Fassaden Abwehrmaßnahmen wie gespannte Drähte oder bunte Plastikstreifen, die auf die Tiere abschreckend wirken sollen. Es kommt auch regelmäßig vor, dass Nester mitsamt Eiern oder Jungvögeln abgeschlagen werden.
Diese Art nimmt bereitwillig Kunstnester an, die am besten direkt unterhalb der Dachkante an der wetterabgewandten Seite des Gebäudes angebracht werden. Sie ist ein ausgesprochener Koloniebrüter, daher empfiehlt es sich, mehrere Nisthilfen nebeneinander anzubringen. Es hat sich vielfach bewährt, die Ansiedelung zu beschleunigen, indem man diese in unmittelbarer Nachbarschaft zu bereits bestehenden Naturnestern montiert.

Für beide Schwalbenarten sind Kunstnester im Fachhandel und mittlerweile auch in vielen Bau – und Lagerhäusern erhältlich. Kotbretter, etwa 50 cm unterhalb der Nester montiert, verhindern das Herabfallen von Ausscheidungen. Hier ist vor allem darauf zu achten, dass die Bretter in ausreichendem Abstand zu den Nestern angebracht werden, um den freien Anflug zum Nest zu gewährleisten.
Wie bereits erwähnt, benötigen die Vögel zum selbständigen Nestbau Lehm oder zumindest feuchte Erde. Beobachtet man in seiner Umgebung Tiere beim Sammeln von Erdklümpchen, leistet man eine wertvolle Hilfestellung, indem man diese Stelle durch das Nachschütten von Wasser feucht hält.

Als Zugvögel verbringen die heimischen Schwalbenarten den Zeitraum zwischen April und September in ihren Brutgebieten. Das Winterhalbjahr über leben sie in Afrika. Leider verschlechtern sich die Umweltbedingungen auch in den Überwinterungsgebieten durch voranschreitende Lebensraumzerstörung. Erschwerend hinzu kommen die Verluste während des Zuges durch die Singvogeljagd. Dies zeigt auf, wie wichtig einheitliche und vor allem länderübergreifende Gesetzesvorgaben sind, um den langfristigen Schutz, auch anderer Tierarten, zu gewährleisten!

Schon gewusst?
Wie eng die Beziehung zwischen Schwalben und Menschen in früherer Zeit war, zeigt die Tatsache, dass man Rauchschwalben durchaus in bewohnten Räumlichkeiten nisten ließ. Dabei hatte sie aufgrund des günstigen Mikroklimas eine Vorliebe für den Rauchabzug über dem offenen Herd. Daher bekam sie auch ihren Namen.
Der Volksmund machte sie zu Glücksbringern, Boten des Sommers und zu Wetterpropheten.
„Wenn die Schwalben tief fliegen, gibt es Regenwetter“, wird auch heute noch vielerorts orakelt. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Redewendung nicht. Während bei Schönwetter Fluginsekten ihre Deckung verlassen und von der Thermik in höhere Luftschichten getragen werden, halten sie sich bei kühleren Temperaturen und Regen eher in Bodennähe oder über großen Wasserflächen auf.
Schwalben stehen unter Naturschutz. Das Fangen, Verletzen oder Töten der Vögel und das Zerstören ihrer Nistplätze ist per Gesetz verboten!


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