Vogelfutter

:: Die Winterfütterung von Vögeln

03/02/2014 von / 2 Kommentare

Der Winter ist nicht nur für viele Menschen eine beanspruchende Zeit, sondern vor allem für Wildtiere, die den Witterungsverhältnissen zu trotzen haben. Wer beispielsweise keinen Winterschlaf hält, ist in erster Linie darauf angewiesen, genügend Nahrung zu finden, um seinen Energiebedarf zu decken und somit sein Überleben zu sichern. Viele Menschen versuchen daher im Rahmen der Winterfütterung Vögel in der kalten Jahreszeit zu unterstützen. Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten, damit die gute Absicht wirklich effektiv umgesetzt wird oder nicht sogar schädliche Auswirkungen hat.

Es empfiehlt sich, mit der Fütterung bereits dann zu beginnen, wenn die Tiere noch ausreichend Nahrung finden und diese nicht etwa bereits durch Schnee oder Eis schwer zugänglich ist. Das bietet ihnen die Möglichkeit, sich an einen Futterplatz zu gewöhnen.
Die Frage, wann man danach die Fütterung wieder einstellen soll, ist teilweise recht umstritten. Mittlerweile vertreten viele Vogelkundige die Meinung, den Vögeln bis in den Vorfrühling Nahrung anzubieten. So können sie bei einem eventuellen Wintereinbruch darauf zurückgreifen. Generell gilt die Ansicht, das Füttern allerspätestens mit Beginn der Brutzeit wieder einzustellen, damit die Altvögel ihren Jungen hochwertige Nahrung, etwa in Form von Insekten, verfüttern. Körner und dergleichen sind für Jungvögel nämlich in aller Regel ungeeignet bis schädlich. Außerdem sollte man das Füttern nicht abrupt einstellen, sondern die ausgegebene Menge nach und nach reduzieren, damit sich die Tiere darauf einstellen können.

Bei der Positionierung des Futterplatzes sollte dafür Sorge getragen werden, dass die Umgebung für die Tiere gut überschaubar ist und in der Nähe Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Allerdings ist darauf zu achten, dass sich diese nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Futterstelle befinden, damit potentiellen Fressfeinden keine Deckungsmöglichkeit geboten wird.

Vogelfutter

Abb. 1: Handelsübliche Futtermischung mit Meisenknödeln und -ringen. Äpfel werden besonders gern von Drosseln angenommen.

Die Wahl des geeigneten Futters richtet sich nach den Fressgewohnheiten der Tiere. Man kann hier grob zwischen zwei Typen unterscheiden: Weichfutterfresser und Körnerfresser.
Zu ersterer Gruppe gehören beispielsweise Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder Drosselarten wie die Amsel. Ihnen hilft man am besten mit Beeren, Obst, Rosinen, Feinsämereien, zerquetschten Sonnenblumenkernen und Haferflocken oder im Zoofachhandel erhältlichen Futtermischungen mit Insekten. Bietet man Obst an, darf dies selbstverständlich nicht chemisch behandelt sein. Es empfiehlt sich zudem, es im Ganzen oder in großen Stücken auszulegen. Oben genannte Arten suchen ihre Nahrung zudem lieber am Boden als direkt am Futterhaus.
Körnerfresser wie Sperlinge oder Finken haben einen kräftigeren Schnabel. Sie werden mit Sonnenblumenkernen, Hanf oder Lein und Waldvogelfutter gefüttert.
Daneben gibt es Mischköstler wie die unterschiedlichen Meisenarten, Spechtarten wie der Buntspecht und der Kleiber. Diese Arten nehmen unter anderem Meisenknödel und -ringe an (Abb.1).
Auf keinen Fall eignen sich Küchenabfälle bzw. Reste vom Esstisch als Vogelfutter! So bietet beispielsweise Brot Keimen einen Nährboden, die zu gesundheitsbedrohlichen Gärungsprozessen im Vogeldarm führen können.

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist auch die Hygiene. Vogelkot kann Krankheitserreger beherbergen. Mit Ausscheidungen verunreinigtes Futter sollte man daher immer beseitigen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Winterfütterung nicht nur in Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert wird. Vielfach wird darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um einen Eingriff in die Natur handelt, dessen positive Effekte sehr gering sind. Tatsächlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass man durch derlei Hilfestellungen keine Populationen vor dem Aussterben bewahren wird, sondern „lediglich“ dazu beiträgt, einzelnen Individuen einiger Arten das Überstehen des Winters zu vereinfachen. Um den Rückgang vieler Arten aufzuhalten, sind selbstverständlich weitreichendere Maßnahmen notwendig. Jedoch bietet die Winterfütterung für viele Menschen, insbesondere Kinder, die Möglichkeit, Natur hautnah zu erleben. Sie ist daher als interessensfördernde Maßnahme zu begrüßen.
Beherzigt man hierbei einige Punkte, ist sie eine sinnvolle Unterstützung mit interessanten Beobachtungen von Wildtieren aus nächster Nähe!

 


2 Antworten
  1. Kerstin Thonhauser

    Danke Stefan für den sehr spannenden Link zum Interview mit Peter Berthold. Obwohl ich im Großen und Ganzen schon ein Freund der Vogelfütterung bin, muss ich doch kurz einwerfen, dass man die Nagetierproblematik nicht unterschätzen sollte. Auch wenn Herr Berthold richtig festhält, dass Nagetiere eher nachts auf Futtersuche gehen und offene Flächen meiden, so kann ich nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten, bei der ich zwei Mäuse zur Mittagszeit beim Hinaufkrabbeln eines Vogelhäuschens beobachtet habe. Auch würde die von ihm propagierte Ganzjahresfütterung nicht nur einen Anstieg der Vogelpopulationsdichte zur Folge haben, sondern auch gleichzeitig das Verbreitungsrisiko einer Vielzahl an Krankheitserreger erhöhen. Wie gesagt, ich bin ein Freund der Vogelfütterung, ich finde nur, man sollte sowohl die positiven als auch die negative Aspekte diskutieren.

    05.02.2014 um 10:45
  2. Stefan Kapeller
    Stefan Kapeller

    Danke für den Beitrag! Für mich ist klar, dass die Winterfütterung aus umweltpädagogischer Sicht zu begrüßen ist, weil sie, wie du richtig schreibst, interessensfördernd ist. Ich dachte aber auch, dass das Füttern aus Artenschutzgründen sogar eher nachteilig ist und es ist doch überraschend, dass es wenig umfassende wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt. Überrascht hat mich auch, dass in dem Buch „Vögel füttern, aber richtig“ von Peter Berthold und Gabriele Mohr sogar die Ganzjahresfütterung propagiert wird. Auch interessant, dieses Interview mit Peter Berthold, einem renommierten deutschen Ornithologen: http://www.welt.de/wissenschaft/tierwelt/article5910484/Voegel-fuettern-ist-unsere-moralische-Pflicht.html

    03.02.2014 um 12:30
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