Limax cinereoniger

:: Faszination Schnegel: Interview mit Robert Nordsieck

15/12/2013 von / 1 Kommentar

Zur Person

Robert Nordsieck, studierte an der  Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und lebt seit dem Jahre 2000 in Wien. Er ist Verfasser der aufschlussreichen und wunderschön bebilderten Webseiten www.weichtiere.at und www.schnegel.at. Für weitere Informationen über den Autor und/oder Weichtiere, besuchen sie die angegebenen Links!

Titelbild: Limax cinereoniger

Robert Nordsieck

Robert Nordsieck

Sehr geehrter Herr Nordsieck, wie lange beschäftigen Sie sich schon mit Weichtieren im Allgemeinen und Gastropoden im Speziellen?
Mein erstes Schneckenbuch habe ich, glaube ich, in der zweiten Klasse Gymnasium bekommen – es handelte sich um Forcarts Schnecken und Muscheln. Mein Vater hat mich immer mit Büchern zu dem Thema versorgt, aber ernsthaft habe ich mich mit Weichtieren erst im Verlauf meines Studiums in den 90ern befasst und dann in der Folgezeit, als ich ab 2000 die Homepage zu schreiben begonnen hatte und die ersten Projekte kamen, an denen ich teilnehmen durfte.

Was mich persönlich immer wieder erstaunt, ist die unterschiedliche Reaktion der Menschen auf Gehäuseschnecken und Nacktschnecken. Was glauben Sie, woher kommt dieser Ekel vieler Menschen vor Schnecken ohne Gehäuse?
Nacktschnecken dürften bereits durch ihr Äußeres einige Urängste im Menschen wachrufen. Sie sind schleimig, sie erinnern den Urmenschen in uns an eine Schlange, und nicht zu vergessen der mittlerweiler vererbte Hass auf Nacktschnecken im Garten, die schon der Oma den Kopfsalat zerfressen haben.

Wenn man von sogenannten Nacktschnecken spricht, wird häufig zuerst an die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) gedacht. Wie kommt es, dass diese Art so erfolgreich wurde?
Der in mehrfacher Hinsicht Gemeine Arion hat sich in unsere heimischen Nacktschneckenpopulationen hineingepaart. Er legt deutlich mehr Eier, manchmal auch mehrmals im Jahr und im Gegensatz zu den heimischen Arion-Arten kann vulgaris öfter mehrjährig sein, wenn es der Winter erlaubt.

Viele Laien, scheinen jede Nacktschnecke als Schädling zu sehen und deshalb wird oft alles was kein Gehäuse trägt zerschnitten, gekocht, gesalzen…usw. Welche Arten leiden denn besonders darunter, dass man sie für Schädlinge hält?
Fälschlicherweise für schädliche Nacktschnecken gehalten werden natürlich vor allem die Schnegel (Limacidae), wie der einheimische Tigerschnegel. Dieser frisst sogar andere Nacktschnecken und deren Gelege, wäre also eher ein Alliierter als ein Feind. Giftkorn im Garten schädigt alle Schnecken, somit auch die Häuschenschnecken.

Gäbe es biologische Methoden zur Bekämpfung von „Schadschnecken“ im eigenen Garten?
Neben dem reinen Absammeln und Fallenstellen empfiehlt sich die Anlage eines biologischen Gartens, in dem sich natürliche Feinde der Schnecken, etwa Erdkröte und Igel, Eidechsen und Salamander, ansiedeln können. Die artgerechte Haltung von Laufenten ist extrem aufwendig, schmutzintensiv und es stellt sich zudem die Frage, wohin mit den Enten wenn die Schnecken weg sind. Überdies fressen Laufenten keineswegs nur Schnecken.

Wieviele Arten heimischer und nicht heimischer Nacktschnecken gibt es etwa in Österreich?
Im Ganzen gibt es knapp 40 Nacktschneckenarten in Österreich, von denen bei weitem die meisten heimisch sind. Selbst Arion vulgaris ist ja nun schon seit Jahren hier zu finden.

Vor kurzem konnte ich Videoaufnahmen einer Paarung zweier Tigerschnegel (Limax maximus) bewundern, ist das Liebespiel anderer Nacktschnecken ähnlich?
Eine so spektakuläre Paarung wie beim Tigerschnegel findet sich nur bei manchen Schnegeln. Allgemein ist bei dieser Gruppe die Paarungsmethode artspezifisch und wird zur Bestimmung herangezogen. Interessante Paarungsmethoden finden sich auch bei anderen Nacktschneckengruppen, unter diesen vor allem bei den Ackerschnecken (Agriolimacidae), vgl. die Forschung der Gruppe um Heike Reise.

Was fasziniert Sie persönlich an der Gruppe der Nacktschnecken?
Die Nacktschnecken haben viel Spannendes zu bieten. Neben ihrem unbestreitbar hübschen Äußeren (viele bunte Farben, auch das elegante Aussehen eines Schnegels) zeigen sie viele interessante Verhaltensweisen. Die Paarung wurde bereits erwähnt, Manche Nacktschnecken können sich vom Blatt purzeln lassen um Feinden zu entrinnen, Schnegel können mit dem Mantelschild flattern um Feinde zu erschrecken. Auch sind Nacktschnecken ganz schneckenuntypisch schnell und flexibel unterwegs. Schlussendlich sind Nacktschnecken auch für interessante Entdeckungen gut, wie zum Beispiel die roten Varianten des Schwarzen Schnegels, die man in Niederösterreich gefunden hat.

Vielen Dank für das Interview!

Video: Paarung zweier Tigerschnegel, Limax maximus

Kontakt

Robert Nordsiek

www.schnegel.at
www.weichtiere.at


Eine Antwort
  1. Clemens M. Brandstetter

    Der Paarungsmodus der Nacktschnecken der Gattung Limax (Schnegel) ist artbestimmend. Sie sind wahre Akrobaten, manche formen im Zuge der Paarung einen bis zu 80 cm langen reissfesten Schleimfaden, an dem sie hängen. Andere Arten haben einen bis zu 92 cm (!) langen Penis, an deren Spitze sie – wie alle Limax-Arten – das Sperma wechselseitig austauschen. Weitere Infos zur Paarung finden sich hier http://wirbellose.at/hommage

    04.06.2014 um 09:45
Hinterlasse einen Kommentar