Verena Wiesbauer Ali

:: 10 Fragen an berufstätige BiologInnen:
Verena Wiesbauer Ali – Eco Islanders Maldives

12/11/2013 von / 0 Kommentare

Zur Person

Verena Wiesbauer Ali arbeitet selbstständig als freischaffende Meeresbiologin (“consultant”). Im Jahr 2011 gründete sie auf den Malediven die Firma ECO ISLANDERS MALDIVES. Unter anderem führt sie Umweltverträglichkeitsprüfungen und Monitorings zu Land und im Wasser durch, leitet ein Marine Centre, bietet Workshops und Fortbildungen an und engagiert sich für den Schutz und die Sanierung von Korallenriffen.
Verena Wiesbauer Ali

1) Verena, beschreibe bitte kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Ich bin prinzipiell an 3-4 Tagen in der Woche in zwei verschiedenen Hotelinseln als Meeresbiologin tätig, sowohl als Lektorin, als auch als Managerin eines kleines Marine Centres in einem Hotel. Ich habe sehr viel Kontakt zu Touristen und verbinde im Grunde genommen Meeresbiologie und Tourismus auf den Malediven. An den anderen Tagen der Woche bin flexibel, je nach laufenden Projekten, entweder auf weiteren Inseln tätig oder arbeite ab und zu auch von zu Hause aus an Berichten.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Dass ich durch mein biologisches Wissen dazu beitragen kann, Touristen, die meist mit Biologie nicht viel zu tun hatten, die Meeresbiologie näher zu bringen und zu sehen, was ich dadurch bewirken kann. Der abwechslungsreiche Arbeitsalltag ist spannend, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

In meinem Fall ist es eine Herausforderung, biologisches Wissen für alle Nationalitäten verständlich aufzubereiten und alle Hotelgäste zu erreichen. Eine (positive) Herausforderung ist es auch, den Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu bereiten. Frustrierend ist, dass man nicht überall gleichzeitig sein kann, und zu sehen, dass es den Einheimischen leider sehr an Liebe zu ihrer Umwelt mangelt.

4) Wie bist Du auf diesen Job aufmerksam geworden?

In diese Art von Job bin ich durch meinen Lektor auf der Universität (Dr. Reinhard Kikinger, Biologie) geraten, der von einer Stelle als Meeresbiologin gehört hat und mich dafür empfohlen hat. Danach habe ich zwei Jahre lang in einer privaten Firma als Umweltverträglichkeitsprüferin gearbeitet. Diese Firma habe ich im Internet gegoogelt und sie einfach angeschrieben. Zufällig suchten sie eine Meeresbiologin. Als ich im Umweltministerium als Prüferin registriert wurde, habe ich mich selbstständig gemacht. Dies ermöglicht mir nun, in verschiedenen Bereichen tätig zu sein, d.h. einerseits als Verena Wiesbauer AliUmweltverträglichkeitsprüferin (ca. 10% meiner Zeit), andererseits als “consultant” auf zwei verschiedenen Inseln. Den Job als Lektorin habe ich bekommen, nachdem ich dem Management den ersten meeresbiologischen Vortrag gratis angeboten habe; der hat ihnen gefallen und jetzt mache ich das seit mehr als zwei Jahren. Die Arbeit als Leiterin eines Marine Centres habe ich durch den Eigentümer angeboten bekommen, der über einige Ecken von mir gehört hatte und gerade nach einer Meeresbiologin gesucht hatte.

5) Welche Qualifikationen waren besonders entscheidend, dass Du diesen Job bekommen hast?

Ein Universitätsabschluss, Flexibilität, Enthusiasmus und Engagement und eine “can-do-attitude”. Entscheidend, diesen Job zu behalten ist, 110% dabei zu sein. Man muss sehr verständnisvoll sein, mit unterschiedlichen Kulturen zusammen arbeiten können und etwaige Engstirnigkeiten komplett ablegen.

6) War es schon immer Dein Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Ich hatte während meiner Gymnasiumzeit keine konkreten Berufswünsche. Erst gegen Ende erwachte das Interesse an der Biologie. Privat bin ich auf die Malediven gestoßen und dort “hängen” geblieben. Dann hab ich mich entschieden, etwas zu studieren, womit ich hier leben kann. Ich bin also von einem generellen Interesse an Biologie an die Meeresbiologie geraten. Die Verbindung zum Tourismus hat sich mit der Zeit ergeben und sich als “Traum-Kombination” für mich herausgestellt.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Gibt es für BiologInnen Arbeitsmöglichkeiten?

Es gibt immer wieder freie Stellen als MeeresbiologInnen. Ich betreibe eine Webseite, auf der sich fertige MeeresbiologInnen (BSc, MSc, PhD) registrieren können und die ich im Falle einer freien Stelle kontaktiere, ob sie sich gerne bewerben wollen: http://gimmarine.webs.com.

Ich kann nur den Link zwischen BiologInnen und der Personalabteilung oder dem Management herstellen. Der Service ist für alle Seiten gratis. Es gibt natürlich keinen Überfluss an Stellen… Immerhin 25 MeeresbiologInnen (darunter 6 Österreicherinnen) haben über meine Webseite in den letzten 2 Jahren eine Stelle gefunden. Davon haben einige bereits nach Vertragsende die Malediven verlassen. Die meisten bleiben nicht länger als ein Jahr; selten 2-3 Jahre.

Verena Wiesbauer Ali8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Ja, ein Biologiestudium ist notwendig, im Speziellen Meeresbiologie. Eine Tauchausbildung ist ebenfalls notwendig. Diese hat man allerdings als MeeresbiologIn sowieso.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Die praktische Arbeit im Korallenriff. Das meeresbiologische Praktikum in Dahab war eines der sinnvollsten meeresbiologischen Kurse. In meinem Fall waren Dr. Kikinger’s Vorlesungen über das Plankton und über die Biodiversität der Malediven, sowie Prof. Velimirov’s “Biologie rezenter Riffe” extrem hilfreich. Prof. Karl Kleemann’s “Kanaeozoische Scleractinia” war hart, aber hat den Grundstein gelegt, sich später weiter in Korallentaxonomie einzulesen. Prof. Stachowitsch Vorlesungen waren alle sehr inspirierend, sein Engagement ist ansteckend und hat mir sehr geholfen. Natürlich sind auch alle einführenden Vorlesungen unheimlich wichtig, um sich ein Grundwissen anzueignen. GIS, Statistik, Präsentationstechniken und wissenschaftliche Schreibtechniken sind ebenfalls sehr wichtig und sollte man als Meeresbiologe nicht unterschätzen.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

MeeresbiologInnen, die gerne auf den Malediven arbeiten möchten, können sich gerne auf meiner Webseite (gratis) registrieren, allerdings sind die Stellen natürlich limitiert und man darf sich nicht zu viel erwarten. Als Österreicherin kann ich – nur für wirklich enthusiastische KandidatInnen – ein besonders gutes Wort einlegen. Die Entscheidung liegt beim Management und man darf nicht enttäuscht sein, wenn es nicht klappt.

Generelle Empfehlungen: Engstirnigkeit und Sorgen ablegen; offen sein und positiv denken; sich nicht zu viel Stress machen. Arbeitet in verschiedenen verwandten Bereichen; nehmt auch mal eine Volunteer-Position an, wenn es finanziell möglich ist. Macht viele Praktika, lernt von anderen Biologen, reist ins Ausland! Es gibt immer irgendwo Stellen, für die man geeignet ist, besonders in Entwicklungsländern.  Exzellentes Englisch ist von großem Vorteil; eine oder mehrere weitere Fremdsprachen besonders im Hotel ein besonders dickes Plus. In Entwicklungsländern ist wohl die Bezahlung nicht besonders hoch, aber der Lebensstil ist anders und am wichtigsten ist, dass einem die Arbeit Spaß macht. Es eröffnen sich immer weitere Wege. Offenheit und Anpassungsfähigkeit (andere Länder, andere Sitten, andere Arbeitsstile). Als Meeresbiologe hat man häufig bessere Chancen, einen Job zu bekommen, wenn man zusätzlich Dive Master oder Dive Instructor ist. Als Absolvent einer österreichischen Universität hat man in Asien besonders gute Aussichten.Und wer mal die Malediven mit kleinem Budget bereisen und/oder betauchen möchte, darf sich gerne unter ecoislanders@gmail.com melden!Verena Wiesbauer Ali

Vielen Dank für das Interview!



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