Blattfisch Befischung

:: 10 Fragen an berufstätige BiologInnen:
Clemens Gumpinger, Technisches Büro für Gewässerökologie

21/10/2013 von / 0 Kommentare

Zur Person

Clemens Gumpinger arbeitete nach seinem Studiums (Studium Irregulare an Universität für Bodenkultur und Universität Wien: „Angewandte Hydrobiologie und Gewässerkunde”) knapp zwei Jahre in einem kleinen Gewässerökologie-Büro in Deutschland. Nach seiner Rückkehr gründete er 1999 das Technische Büro für Gewässerökologie, bzw. meldete es gewerberechtlich an. Mit der Etablierung einer Homepage unter www.blattfisch.at (der Name leitet sich vom Logo ab) wurde auch der Firmenname zunehmend um “blattfisch” ergänzt. Aktuell ist er der Leiter des Büros und beschäftigt 10 Mitarbeiter.
Clemens Gumpinger

1)     Clemens, beschreibe bitte kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Meine Hauptaufgaben haben sich im Laufe der Jahre natürlich verändert. Zum aktuellen Zeitpunkt verbringe ich viel (zuviel) Zeit im Büro, um mich um verwaltungstechnische Notwendigkeiten zu kümmern.

Hauptsächlich bin ich für die Projektakquisition und –präsentation (bei den Auftraggebern) zuständig. Daneben versuche ich einige wenige “persönliche” Projekte zu machen, damit ich mich nicht zu weit von der “tatsächlichen Arbeit” eines Gewässerökologen – vor allem im Freiland entferne.

2)      Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die Vielfältigkeit der Anforderungen ist sehr interessant und hält die Neugierde aufrecht. Am meisten Freude hat man, wenn Projekte tatsächlich zu Erhalt oder gar Verbesserungen unserer Umwelt und der Natur führen.

3)      Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung ist, nicht daran zu verzweifeln, dass man im angewandten Bereich (wir sind auch viel planerisch tätig) – vor allem in großen Infrastruktur- oder anderen wirtschaftlich begründeten Projekten  – nur die Möglichkeit hat, die mit dem Projekt verbundene Naturzerstörung so gering wie möglich zu halten oder nur Teile zu kompensieren.

Am schwierigsten ist definitiv, den Menschen klar zu machen, dass wir auf unsere Natur aufpassen und sie erhalten müssen, um die Lebensgrundlage für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Sehr mühsam ist dabei, dass die allermeisten Menschen keine Ahnung von ökologischen Zusammenhängen haben oder sich die Natur mit viel Halbwissen so erklären, wie sie sie eben gerne sehen wollen.

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4)      Wie bist Du auf diesen Job aufmerksam geworden?

Ich war immer schon “naturbegeistert”, deswegen habe ich zuerst Biologie und später das Studium Irregulare gewählt. Während des Studiums am Institut für Hydrobiologie an der Boku habe ich meine Verbundenheit zu Gewässern entdeckt und vertieft. Bezüglich des Jobs war es einfach eine Notwendigkeit, sich selbständig zu machen.

5)      Welche Qualifikationen waren besonders entscheidend, dass Du diesen Job bekommen hast?

Ein abgeschlossenes Studium ist zumindest ein hilfreiches Kriterium bei der Gründung eines Büros, das ja durchaus viele verwaltungstechnische Anforderungen mit sich bringt. Zusätzliche (v. a. wirtschaftlich orientierte) Ausbildungen sind natürlich auch ein Vorteil.

6)      War es schon immer Dein Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Da “früher” bei mir schon etwas länger zurückliegt, kann ich mich nicht mehr an alle Berufswünsche erinnern, es gab aber nach der Matura durchaus den Versuch, in künstlerischer Richtung zu arbeiten (z.B. industrial design). Letztendlich habe ich diese Wünsche aber mit zu wenig Nachdruck verfolgt.

7)      Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Gibt es für  BiologInnen Arbeitsmöglichkeiten?

Ich denke schon. Man muss sich dessen bewusst sein, dass diese “Umwelt- und Naturschutzbranche” nicht dazu geeignet ist, sehr viel Geld zu verdienen. Allerdings ist die Betätigung in der Regel sehr befriedigend. Die Arbeitsumgebung (freie Natur, letzte intakte Landschaften und Gewässer, etc.) und die Beschäftigung mit Lebewesen wiegen dieses finanzielle Manko sehr gut auf.

8)      Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

In der Biologie kann man sich ja sehr in Detailbereiche vertiefen. Dies kann auch im Job hilfreich sein (z.B. Insektenexperten, etc.). In der angewandten Arbeit ist aber häufig zusätzliches wirtschaftliches und technisches Wissen sehr hilfreich. In meinem Fall gehört beispielsweise eine große Portion wasserbautechnisches Verständnis zum Repertoire, das man ständig braucht.

9)      Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und biologische Regelkreise ist von eminenter Bedeutung. Einerseits ist dies nötig, um die Auswirkungen von Eingriffen in die Umwelt gut abschätzen zu können, andererseits ist die Wissensvermittlung – vor allem die Erklärung, wie spezifische Vorhaben ökologisch einzuschätzen sind – in der täglichen Arbeit permanent gefragt.

10)      Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Einerseits sollte man sich ein möglichst umfangreiches fundiertes Wissen über – ebendiese – ökologischen Zusammenhänge aneignen. Andererseits sollte man sich – auf Basis dieses Wissens – viel zutrauen und fachlich versiert auch gegenüber scheinbar übermächtigen Organisationen aufzutreten wagen.
Ergänzend sind eine gute Menschenkenntnis, eine positive Einstellung trotz häufig nicht machbar erscheinender ökologischer Umsetzunsgaspekte und eine gewisse Kompromissfähigkeit sehrwichtig.

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt

www.blattfisch.at
technisches büro für gewässerökologie
gabelsbergerstraße 7
4600 wels


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