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:: „Wer schreiben will, muss lesen.“

05/06/2013 von / 2 Kommentare


Wie können BiologiestudentInnen  den Weg in den Journalismus  finden? Silvia Jirsa, Chefredakteurin der Zeitung „Medical Tribune“ und Biologie-Alumna der Uni Wien, kehrte im Rahmen des Seminars Wissenskommunikation (Lehrveranstaltungsleiter Dr. Peter Iwaniewicz) Anfang Mai mit Tipps aus der Praxis an die Uni zurück und gab StudentInnen ein Interview.
Dieses Interview wurde im Mai 2013 bereits im Newsletter der Biologie-Alumnis der Uni Wien veröffentlicht (http://eepurl.com/y7Pnf).
Titelbild: SCHREIBMASCHINEN pflanzen (c)C. Nöhren / pixelio.de

Silvia Jirsa ist seit 15 Jahren im Wissenschaftsjournalismus tätig. Ihre Ausbildung begann sie als Biologiestudentin – nach einem kurzen Intermezzo in den Handelswissenschaften. Wie man es nach einem Biologiestudium bis zur Chefredakteurin bringen kann, verriet sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Uni-Seminar „Wissenskommunikation“ im Interview. Mit ihr sprach die Biologie-Studentin Julia Sica.

Frau Mag. Jirsa, schon vor und während des Biologiestudiums war Ihnen klar, dass Sie in den Journalismus gehen wollten. Wie haben Sie darauf hingearbeitet?

Jirsa: Zunächst über die Wahlfächer, die mir außerhalb der Biologie zur Verfügung standen. Diese habe ich unter anderem für Veranstaltungen an der Publizistik genutzt, vom reinen Studium dieses Faches wurde mir bei einer Berufsberatung abgeraten. Weil mir das Wissen aus den Wahlfächern aber noch zu wenig war, habe ich ein Jahr vor Studienabschluss außerdem den damaligen Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit an der Universität Wien begonnen. Derzeit entspricht das etwa dem berufsbegleitenden Masterstudium „Public Communication“. Diese Mischung hat mir insgesamt ein gutes Fundament gegeben. Man kann sich heutzutage aber auch an Fachhochschulen und Medienakademien, von denen es im deutschsprachigen Raum einige gibt, für den Journalismus ausbilden lassen. Am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg werden ein Grundkurs und einzelne Seminare angeboten, die in Salzburg und Wien stattfinden. Das ist für angehende Journalisten sicher interessant.

Zunächst waren Sie für die Austria Presse Agentur und in der PR-Arbeitfür CARE Österreich tätig, Sie haben aber auch als freie Journalistin unter anderem Texte für „Profil“ und „Standard“ geschrieben. Seit etwa zehn Jahren arbeiten Sie für „Medical Tribune“, eine Fachzeitung für Ärzte. Haben Sie ein medizinisches Wörterbuch zu Hause stehen?

Jirsa: Ja, sicher – so viel bekommt man in einem Ökologiestudium nicht mit, dass man sich danach gleich auch in der Medizin auskennt. Das habe ich vor allem in den Anfangszeiten als Redakteurin verwendet, da war mir noch vieles neu.

Und wie sieht Ihre Arbeit heute als Chefredakteurin aus?

Jirsa: Jetzt geht es für mich weniger um das Artikelschreiben als um Planung und Organisation, Themenvergabe sowie die Abstimmung mit den Grafikern und dem Verlag. Unser Redaktionsteam besteht mit mir aus drei fest angestellten und etwa zehn freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, da ist auch Personalführung gefragt.
Unsere Zeitung erscheint wöchentlich, und die Arbeit beginnt offiziell mit einer Redaktionssitzung: Da wird besprochen, wie viele Seiten uns bei der Anzahl an Werbeanzeigen zur Verfügung stehen und welche Themen noch zu verteilen sind. Im Laufe einer knappen Woche füllen wir so nach und nach die Zeitung. Ich muss allerdings immer ein paar Ausgaben vorausplanen und auf dem Laufenden bleiben, was es Neues an Pressekonferenzen, Kongressen, in der Gesundheitspolitik und an den Universitäten gibt. Dabei legen wir den Fokus auf Österreich, internationale Ereignisse können für die Leser aber auch spannend sein. Außer-dem haben wir ein gemeinsames Redaktionssystem mit den Medical-Tribune-Redaktionen in Deutschland und der Schweiz, aus dem wir Artikel verwenden können.

Wenn man, wie üblich, zunächst als freier Mitarbeiter in den Journalismus einsteigt – wie wird das Honorar verrechnet?

Jirsa: Das ist je nach Medium unterschiedlich. Viele Zeitungen zahlen Zeilenhonorar, das beträgt bei uns einen Euro. Bei Magazinen sind auch Seitenpreise üblich.

Und welche Tipps haben Sie für Alumni oder Studenten, die sich für Jobs in diesem Bereich interessieren?

Jirsa: Es ist wichtig, möglichst bald Kontakt zu einem Verlag oder zu anderen Medien zu bekommen, wo man sich erproben und schreiben kann. Im Journalismus ist „learningbydoing“ wichtig. Und auch das Lernen von anderen, etwa indem man eine Zeit lang mit jemandem aus der Branche zusammenarbeitet und sich das eine oder andere abschauen kann. Was ebenfalls oft vergessen wird: Wer schreiben will, muss lesen. Es ist wichtig, sich in der ganzen Bandbreite der Medien bewusst umzuschauen, was, wie und in welcher Form geschrieben und veröffentlicht wird. Es reicht auch nicht, sich in einem einzelnen Fach auszukennen. Vor Recherchen im politischen und rechtlichen Bereich beispielsweise darf man keine Scheu haben. Und es ist wichtig, die Gesellschaft im Auge zu behalten und zu wissen, was in der Welt passiert.

 

Links zum Thema:

Webseite der Biologie Alumnis der Uni Wien

Lehrveranstaltung „Wissenskommunikation“ (Leiter Peter Iwaniewicz)

Webseite der Interviewerin Julia Sica

 


2 Antworten
  1. Stefan Kapeller
    Stefan Kapeller

    Auf der Seite der Schreibwerkstatt (www.schreibwerkstatt.co.at) wurde eben ein Interview mit Petra Tempfer veröffentlicht. Eine Paläontologin die ebenfalls den Weg in den Journalismus gefunden hat:
    http://www.schreibwerkstatt.co.at/2013/09/27/petra-tempfer-von-der-wissenschafterin-zur-redakteurin/

    30.09.2013 um 15:08
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