Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik

:: Interview: Studiengang Umweltpädagogik

18/06/2013 von / 1 Kommentar

Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien öffnete 2007 ihre Pforten. Letztes Semester hat der mittlerweile sechste Jahrgang ein Studium begonnen. Das sechssemestrige Bachelorstudium Umweltpädagogik umfasst zwei Schwerpunkte: den Beratungsbereich und den pädagogischen Bereich. Stefanie Wagner, Manuel Riß und Isabell Vogl, Studierende, bzw. AbsolventInnen der Hochschule haben im Gespräch mit Stefan Kapeller für die ABA einige Fragen beantwortet.

Warum habt ihr euch für das Umweltpädagogik Studium an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik entschieden?

Stefanie: Ich war immer schon naturinteressiert. Ich war lange bei den Pfadfindern, wodurch dieses Interesse sicher auch gestärkt wurde. Es war schon lange mein Wunsch in einem Nationalpark zu arbeiten. Mit meiner HTL Ausbildung allein sehe ich da weniger Möglichkeiten. Auf der Webseite eines Nationalparks bin ich dann zufällig auf die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik gestoßen.

Manuel: Der Naturbezug war auch bei mir schon immer da. Daher habe ich auch ein Biologiestudium begonnen, aber bald gemerkt, dass das nicht unbedingt das war, was ich eigentlich wollte. Eigentlich habe ich mich für den gärtnerischen Bereich interessiert und bin dann über einen Link auf der Gartenbauschule Schönbrunn zufällig auf die Hochschule aufmerksam geworden. Mir hat gleich gut gefallen, dass hier nicht nur wissenschaftliche Grundlagen vermittelt werden, sondern konkrete Methoden der Naturvermittlung gelehrt werden.

Isabell: Während dem UBRM Studium (Umwelt- und Bioressourcenmanagement, BOKU Wien) habe ich viel über Nachhaltigkeit gelernt. Mit dem Ziel diese Thematik auch anderen näher zu bringen, habe ich nach einer Weiterbildung im pädagogischen/beratenden Bereich gesucht. Auf die Hochschule bin ich ebenfalls über eine Internetrecherche gestoßen. Beim Studium gefiel mir von Anfang an besonders die vielfältige, praxisorientierte und interdisziplinäre Ausbildung.

Von links: Isabell Vogl, Manuel Riß, Stefanie Wagner. AbsolventInnen / Studierende der Umweltpädagogik an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien.

Von links: Isabell Vogl, Manuel Riß, Stefanie Wagner. AbsolventInnen / Studierende der Umweltpädagogik an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien.

Welche Vorteile seht ihr bei der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik im Vergleich zu Studien an einer Universität oder Fachhochschule?

Manuel: Ein Vorteil im Vergleich zu anderen pädagogischen Hochschulen ist, dass es hier bei vielen Vorlesungen keine Anwesenheitspflicht gibt und man daher etwas flexibler planen kann. Im Vergleich zu einer Uni ist die Anwesenheitspflicht aber immer noch hoch. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Anzahl Studierender, dadurch ist es viel weniger anonym. Wir haben 30-40 Studierende pro Jahrgang, das ergibt auch ein sehr gutes Betreuungsverhältnis.

Stefanie: Ein Studium an der Uni ist oft sehr unübersichtlich, dort ist mehr Selbstorganisation gefragt. An der Hochschule haben wir hingegen bei allen Übungen einen sicheren Platz. Ich finde es außerdem toll, dass wir durch eine Kooperation automatisch an der BOKU mitinskribiert sind und dort auch Lehrveranstaltungen besuchen können.

Isabell: Mir gefällt, dass hier nicht nur Wissen, sondern im Rahmen von Übungen und Praktika viele Methoden vermittelt werden. In acht Wochen Schulpraktikum und acht Wochen Berufspraktikum, welche im Studium vorgesehen sind, lernt man die Praxis sehr gut kennen.

Wie seht ihr die Jobaussichten mit einem Umweltpädagogik-Bachelor?

Manuel: Mit Umweltpädagogik alleine ist es schwer. Viele die hier studieren, haben vorher bereits etwas anderes gemacht. Das macht das Studium aber auch interessant, weil die KollegInnen sehr unterschiedliche Hintergründe und Interessen haben. In jedem Fall sind Zusatzausbildungen ratsam. Für eine PH ist das Berufsbild wohl relativ undefiniert.

uase - Umwelt anders sehen und erleben. www.uase.at

uase – Umwelt anders sehen und erleben. www.uase.at

Isabell: Man muss auch bedenken, dass es das Studium noch nicht so lange gibt. Daher gibt es bis jetzt auch noch nicht viele AbsolventInnen und wenig Erfahrungen zu dem Thema. Man sieht aber schon, dass alle in recht unterschiedlichen Bereichen entsprechend der eigenen Interessen ihre Nische finden. Ein Vorteil bei der Jobsuche ist bestimmt, wenn man viele Kontakte und ein gutes Netzwerk hat. Die uase hat zum Ziel ein solches Netzwerk und eine Plattform für UmweltpädagogInnen zu sein (Anm.d.R.: siehe uase-Infobox unten).

Außerdem lernt man selbst extrem viel, wenn man sich in einem Verein engagiert. Bezüglich Weiterbildungen während des Studiums gibt es an der Hochschule über Kooperationen auch externe Angebote, z.B. Natur- und Landschaftsführer oder Waldpädagogik. Über die PH Baden kann man beispielsweise auch das Lehramt für die Hauptschule mitmachen.

Stefanie: Im Umweltbereich ist es sicher schwierig einen Job zu finden, egal mit welchem Studium. Ehrenamtlich kann man natürlich alles machen, gut bezahlte Stellen, habe ich das Gefühl gibt es wenig. Ein Pluspunkt ist vielleicht, dass der Studienplan sehr breit ist und auch Fächer wie Chemie und Raumplanung beinhaltet. In einem solch interdisziplinären Studium lernt man sich schnell in ein neues Themengebiet einzuarbeiten, was am Arbeitsmarkt sicher auch ein Vorteil ist. Ich selbst hoffe, dass mir die Kombination HTL- und Hochschulabschluss einen Vorteil verschafft.

Was macht euch bei der Umweltpädagogik am meisten Spaß? Was gefällt euch weniger?

Stefanie: Das Thema Umweltschutz ist oft nicht leicht zu vermitteln, weil es meist durch eher negative Anlässe zur Sprache kommt. Es ist eine Herausforderung immer positive Ansätze zu finden. Mir gefällt die Diskussion von ökologischen Themen, auch im Freundeskreis. Anfangs konnten einige meiner Freunde wenig damit anfangen, wenn ich von meinem Studium erzählt habe. Mittlerweile sprechen sie mich aber immer öfter von selbst bei Umweltthemen an.

Manuel: Mir macht es Spaß in Klassen zu stehen. Ich möchte nicht reines Fachwissen im Frontalunterricht vermitteln, so wie ich es in der Schule erfahren habe, sondern Unterricht lebensnahe gestalten und Naturbegeisterung wecken. Am besten ist, wenn ich mitbekomme, wie die Jugendlichen in der Pause noch den Stoff weiterdiskutieren.

Isabell: Mir macht es Spaß inhaltlich zu arbeiten und Aspekte des Alltags auf Nachhaltigkeit abzustimmen. Ich mag es die Werte der “Bildung für nachhaltigen Entwicklung” zu vermitteln: Wie kann man Menschen beibringen, ihr Leben nachhaltig zu gestalten?

Manuel: Leider kann man schlecht überprüfen, ob sich im Verhalten der Leute wirklich etwas verändert. Ob kurzfristige Erfolgserlebnisse auch langfristig Wirkung zeigen, weiß man nicht. Das ist dann auch nicht wirklich befriedigend.

Warum ist es euch wichtig Kinder und Jugendliche für die Natur zu begeistern?

Isabell: Natur ist unsere tägliche Begleiterin, leider haben wir manchmal verlernt mit ihr richtig umzugehen. Je früher man anfängt das wieder zu lernen, desto besser!

Stefanie: Der Spruch, dass unsere Kinder die Zukunft sind, ist mir zwar eigentlich zu kitschig, aber trotzdem: es ist nun mal so! *lacht*

Manuel: Natur ist unsere Lebensgrundlage. Wir können sehr viel von ihr lernen und ich denke, haptische Naturerfahrungen sind nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene enorm wichtig. Es geht darum, die größeren Zusammenhänge zu begreifen und zu verstehen, dass ökologische Kreisläufe unmittelbar mit Themen unseres Alltags und gesellschaftlichen Aspekten zusammenhängen.

Weitere Infos zum Thema:

Mit Umweltbildung in die Zukunft: beraten – vermitteln – unterrichten – Brücken bauen

Im Wintersemester 2013/2014 startet der in Österreich einzigartige Studiengang Umweltpädagogik an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien zum sechsten Mal. Er bietet Ihnen die Möglichkeit, grundlegende pädagogische, didaktische, fachliche und persönliche Schlüsselkompetenzen auf fundierter wissenschaftlicher Grundlage zu erwerben.
Themen wie lokale und regionale Nachhaltigkeit, der Umgang mit Naturräumen, Klimaschutz und Energieeffizient stehen genauso am Programm wie allgemeine Bildungswissenschaften, Umweltpädagogik, Persönlichkeitsbildung sowie Projekt- und Prozessmanagement. Mehrwöchige Praktika in Schulen und beratenden Organisationen bringen Praxisnähe und Verbindung zu potentiellen Berufsfeldern.

Der Studiengang steht AbsolventInnen von Berufsbildenden Höheren Schulen, Höheren Land- und Forstwirtschaftlichen Schulen sowie AbsolventInnen von einschlägigen Universitäten insbesondere der Universität für Bodenkultur und Fachshochschulen offen. Für die Aufnahme sind ein Orientierungsworkshop und ein Aufnahmegespräch verpflichtend. Abschluss Bachelor of Education.

Eine Voranmeldung zum Studiengang Umweltpädagogik ist noch bis 5. September 2013 online möglich. Die Aufnahmetests finden im Rahmen der Orientierungsworkshops am 2.Juli und am 13.September 2013 statt.

Alle Infos auf www.agrarumweltpaedagogik.ac.at

UASE - Umwelt Anders Sehen Und Erleben

uase - Umwelt anders sehen und erleben. www.uase.at

Das Entdecken der Umwelt ist wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Deshalb bietet die uase einen neuen, kreativen Zugang zu unserer natürlichen Umgebung.

Gemeinsam mit jungen Menschen entwickeln die Umweltpädagoginnen und Umweltpädagogen der uase Programme, um Umwelt auf spannende Weise zu erleben.Diese reichen von Ausflügen, bis hin zu Workshops und längeren Projekten.

www.uase.at

 


Eine Antwort
  1. Stefan Kapeller
    Stefan Kapeller

    Ein neuer berufsbegleitender Lehrgang an der Hochschule könnte auch für BiologInnen interessant sein:
    „SMART MEDIA STRATEGIES – Innovative Öffentlichkeitsarbeit für NGOs“
    (Start: Oktober 2013; zwei Semester)
    http://smartmediastrategies.wordpress.com/

    26.06.2013 um 13:03
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