Abb.1.: Die Lebensräume der Felsküsten (G. Gretschel)

:: Exkursion ADRIA: Teil 1 – Das Ökosystem

03/04/2013 von / 0 Kommentare

Lebensräume
Die felsige Küste ist für eine Schnorchelexkursion weitaus spannender als Sandböden. Daher wird das Augenmerk in diesem Bericht auf die stark bewachsenen und hochdiversen Hartböden der Adria gerichtet. In Abbildung 1 sind die markanten Lebensräume schematisch dargestellt, die an einer mäßig geneigten Felsküste anzutreffen sind. Bei stärkerer Neigung an weit vorspringenden Klippen bleibt weniger Sediment liegen und die Feinsedimentböden der Schelfebene beginnen erst ab einigen dutzend Metern. Entsprechend sind in dieser Tiefe meist keine Seegräser mehr zu finden, da im Jahresmittel zu wenig Licht für die Photosynthese zur Verfügung steht. An flacher geneigten Küstenabschnitten der Meeresbuchten liegen bereits im seichten Wasser, bis hin zum Strand, Kies und grobes Geröll. Wir treffen dort schon in wenigen Metern Tiefe auf feinere Sedimente, die von Seegräsern bewachsen sind.

Der felsige Strand über der Hochwasserlinie eignet sich wunderbar für spannende Exkursionen zu Fuß. Die charakteristische graue bis braunschwarze Färbung des Kalkgesteins, nahe der Wasserlinie, wird durch das Vorhandensein von im Gestein chemisch bohrenden (endolithischen) Cyanobakterien verursacht. Die winzigen Poren, die kaum tiefer als 1mm in den Fels reichen, ermöglichen es die lebensnotwendige Feuchtigkeit zu halten. Cyanobakterien haben die seltene Fähigkeit den Luftstickstoff, der in der extrem stabilen N2-Form vorliegt, zu spalten und für den Aufbau von Körpersubstanz zu nutzen. Damit stehen sie an der Basis der Nahrungskette und sind am Strand auch die Nahrungsgrundlage für die meisten anderen Organismen, die hier anzutreffen sind. In erster Linie sind das diverse Meeresschnecken der Gattungen Littorina, Patella und Monodonta, die mit ihrer stark mineralisierten Radula das oberflächliche Gestein mitsamt der Cyanobakterien abraspeln und damit wesentlich zur Zerklüftung und Erosion der Küste beitragen.

Abb.1.: Die Lebensräume der Felsküsten (G. Gretschel)

Abb.1.: Die Lebensräume der Felsküsten (G. Gretschel) – Bitte Klicken für größere Darstellung

Im Übrigen ist der Felsstrand eine wüstenartige Zone, in der die raschen Wechsel der Extreme zwischen Hitze und Abkühlung, Feuchtigkeit und Trockenheit sowie Süß- und Salzwasser so heftig sind, dass nur eine Hand voll Lebewesen es schafft, sich dauerhaft hier anzusiedeln. Aufregend wird jedoch ein Blick in die Felstümpel, die nahe der Wasserlinie liegen. Solche, die nur während der Flut mit dem Meer in Verbindung stehen, nennt man Gezeitentümpel. Dort beginnt eine Vielfalt an Leben, die den wahren Reigen an Meeresgeschöpfen unter der Wasserlinie nur erahnen lässt.

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