:: Wälder – faszinierende Ökosysteme auf unserem Planeten

26/02/2013 von / 0 Kommentare
Titelbild: Wald bei Hallstatt (c) Stefan Kapeller
Bolhàr-Nordenkampf HR, 2011. Wälder – Faszinierende Ökosysteme auf unserem Planeten. Bioskop (1), 5.
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Was macht diese Faszination aus? Vom Zusammenspiel der Wurzeln mit Pilzen und Bakterien in der Rhizosphäre bis hin zum Kampf von Nadeln und Blättern im Kronendach gegen die meist nach Wasser gierige Atmosphäre sorgen unzählige Regelkreise für das Funktionieren des Ökosystems Wald. Die Gesellschaft zur Förderung der Pflanzenwissenschaften, deren Ziel es ist, synoptische Forschung unter dem Motto „Vom Gen zum Ökosystem“ zu unterstützen, hat sich daher entschlossen, das Bioskop zum Schwerpunkt „Jahr des Waldes“ zu finanzieren.

Nur mit einem umfassenden Ansatz können die wissenschaftlichen Grundlagen für eine zeitgemäße Waldbewirtschaftung geschaffen werden. Begleitende Forschung ist nötig, da an allen Regelkreisen unzählige Organismen beteiligt sind, die nicht nur gemäß der trophischen Strukturen des Ökosystems – vom Produzenten bis zum Destruenten – zusammen arbeiten, sondern sie müssen auch laufend auf die Veränderungen der chemisch-physikalischen Faktoren, wie Temperatur, Feuchte, Licht, Wind u.v.a. in ihrer Umwelt reagieren.
Diese Selbstregulation im Faktorengeflecht (Homöostase) zeigt, dass in allen Lebensgemeinschaften (Syusien) eines Waldes ein dynamisches Zusammenspiel vorliegt, das es insbesondere naturnahen Wäldern möglich macht, sehr flexibel auf interne und externe Veränderungen zu reagieren. Die Nutzung des Waldes durch den Menschen greift in Selbstregulation ein und verändert seine ökosystemaren Eigenschaften. Die Veränderung kann wertfrei über Hemerobie-Stufen erfasst werden, die Auskunft darüber geben, wie naturnah Wälder noch sind. In Österreich sind nur 2% natürliche Urwälder, aber 25% naturnahe Wälder, was bei einer Waldbedeckung von ca. 48% schon sehr beachtlich ist. Österreich gilt als eines der waldreichsten Länder der Erde, in dem die Waldfläche laufend größer wird. Österreich hat es also geschafft, die Waldbewirtschaftung nachhaltig auszurichten, insbesondere, wenn man bedenkt, dass bei uns im 18. Jahrhundert vor allem die Bergwälder wüst zugerichtet wurden. Die jungen Fichtentriebe wurden im Frühjahr „geschneitelt“, um das Vieh zu füttern, der Waldboden wurde gemäht, um Einstreu mangels Stroh zu haben und im Sommer durften die Tiere auf die Waldweide, wo sie die flachliegen Wurzel der Fichten mit Hufen beschädigten. Der Holzzuwachs ging dramatisch zurück bis beschlossen wurde, die Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und nicht nur so viel zu entnehmen wie zuwächst, sondern auch die Selbstregulation möglichst zu schonen, sodass die Wälder langfristig erhalten bleiben und kontinuierlich genutzt werden können.

Wälder werden mit recht als effektive CO2 Speicher angesehen. Im naturnahen, schlagreifen Fichtenwald mit 700 Stämmen / ha sind bei uns im Holz circa 600 t CO2 gespeichert. Inklusive Boden und den ungenützten Teilen steigt der Wert auf circa 1 300 t CO2 an. Wollten wir mit solchen Wäldern den CO2 Anstieg in der Atmosphäre seit 1990 von 340 ppm auf 385 ppm durch eine Vergrößerung der Waldflache kompensieren, wäre dies eine Waldfläche von 652 500 km² , was etwa der 12-fachen Fläche von Österreich entspricht. Durch die „Ganzbaumernte“ und die verschiedenen Bringungstechniken kann netto der CO2 Speicherwert stark sinken.

Wenn wir Holz heizen, wird, ohne Berücksichtigung der CO2 Äquivalente der „grauen“ Energie, nur das vor 80 Jahren gespeicherte CO2 wieder frei. Lange Transportwege reduzieren aber die CO2 Bilanz naturnaher Nutzungskreisläufe. So haben Holzkackschnitzel aus ukrainischen Bäumen eine negative Energie und CO2 Bilanz. Am besten ist natürlich die Holzenergie vor der eigenen Haustüre, aber wer hat das schon?
Wälder sind für uns einfach schön, aber auch düster und unheimlich und manchmal undurchdringlich. Diese zuletzt angeführte Eigenschaft wünschen wir uns für die Schutz- und Bannwälder, die uns, so vorhanden, vor Muren und Lawinen bewahren sollen.
Unsere Wälder sind ein wunderbarer Teil Naturlandschaft und wir können uns glücklich schätzen, wenn sie nachhaltig  genutzt werden und wir sie als Ort der Erholung von Geist und Seele erleben dürfen. Ad multos annos!