:: Waldbildung ist … Waldwissen, Waldverständnis, Walderfahrung & Waldbeziehung

25/02/2013 von / 0 Kommentare
Bancalari K, 2011. Waldbildung ist … Waldwissen, Waldverständnis, Walderfahrung & Waldbeziehung. Bioskop (1), 8-10.
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Unterschiedliche Waldangebote und Waldprojekte beinhalten unterschiedliche Schwerpunkte und Zielsetzungen, die sich je nach Anbieter deutlich voneinander unterscheiden.

Im Sinne einer Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) ist es sinnvoll, unterschiedliche Schwerpunktsetzungen zu kombinieren und ergänzend zum eigenen Unterricht anzubieten. Schulen mit fächerübergreifendem Unterricht sind wertvolle Partnerinnen bei der Umsetzung von modernen Waldprojekten, bei denen Waldwissen, Waldverständnis, Walderfahrung und Waldbeziehung gleichwertigen Anteil haben.

Wald & BNE

Die Eignung des Waldes als exemplarisches Themenfeld für die Umsetzung einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung sieht Stoltenberg (2010, S. 6) im Wald selbst begründet. Ihre Darstellung der vier Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (ökonomische, ökologische, soziale, kulturelle Dimension), auf das Themenfeld Wald bezogen, geben einen guten Einblick in die Komplexität der Zusammenhänge (siehe Abb. 1).

Dimensionen nachhaltiger Entwicklung am Beispiel Wald. STOLTENBERG, Ute (2010)

Abb.1 Dimensionen nachhaltiger Entwicklung am Beispiel Wald.
STOLTENBERG, Ute (2010) – Bitte Anklicken für größere Darstellung

In der Umsetzung der Ziele der UN Dekade „Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) geht es nicht um neue Bildungsinhalte sondern um einen Bildungswandel. Die zentrale Zielsetzung ist laut Heinrich u. a. (2007, S. 163f) „der Erwerb der Fähigkeit, immer ausgehend vom eigenen Leben, den eigenen Lebensraum und die Zukunft von Gesellschaften im Sinne einer umfassenden nachhaltigen Entwicklung aktiv mitgestalten zu können.“ Wissenserwerb alleine ist zu wenig, Wissenserwerb muss im Kontext mit Gestaltungskompetenz und Anwendung des Wissens stehen (vgl. ebd. S. 174). Die Praxis der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist „ein Geschehen, bei dem Gefühl und Vernunft, Emotion und Kognition nicht getrennt sind.“ (Mars 2009, S. 18)

Verein Waldpädagogik in Österreich

„Im Wald vom Wald lernen“, lautet das Motto der Waldpädagogik. Nicht auf der Schulbank sondern auf spielerische Weise sollen die Kinder den Wald erforschen und die Zusammenhänge in der Natur selbst entdecken. Eine wirkungsvolle Umwelterziehung kann am besten durch unmittelbares Erleben und eigenes Entdecken erfolgen. Durch diese unmittelbare Begegnung mit dem Wald soll auch das Verständnis für seinen Schutz und seine Pflege gefördert werden. Denn die Nähe zum Wald erweckt in den Kindern die Liebe zur Umwelt und Achtung vor ihr. Durch die Waldpädagogik können Kinder Wissen auf einfache Weise erfahren, indem sie befähigt u. a. werden, ihre Sinnesorgane einzusetzen. Über ganz Österreich verteilt gibt es Waldpädagogische Einrichtungen und WaldpädagogInnen.
www.waldpaedagogik.at

Die Waldpädagogik hat sich in Österreich etabliert

Die klassische Waldführung mit WaldpädagogInnen ist das Hauptangebot. Im Jahr 2010 wurden mehr als 88.000 SchülerInnen in den österreichischen Wald geführt. (vgl. Drehscheibe Wald 2011, o. S.) Der Begriff Waldpädagogik wird sehr differenziert definiert. Stoltenberg (2009) verweist auf die Verwendung des Begriffes Waldpädagogik als Bezeichnung der forstlichen Bildungsarbeit im deutschsprachigen Raum (vgl. ebd. S. 110).

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(c) Dominik Bancalari

Deren (Bund deutscher Forstleute) gemeinsame, kurze Definition für Waldpädagogik lautet „Waldbezogene Umweltbildung. Sie umfasst alle den Lebensraum Wald betreffenden Lernprozesse, die den Einzelnen und die Gesellschaft in die Lage versetzen, langfristig, ganzheitlich und dem Gemeinwohl verpflichtet und damit verantwortungsvoll, sowie zukunftsfähig zu denken und zu handeln (Baschny 2011, S. 33)“. Als die drei Leitziele gelten ein gutes Mensch-Wald-Verständnis, ein gutes Mensch–Mensch-Verhältnis und verantwortungsbewusst handelnde Menschen. Hinsichtlich der (pädagogischen) Grundsätze orientiert sich die Waldpädagogik im deutschsprachigen Raum an der Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung. Umgesetzt wird die Waldpädagogik von Forstleuten und anderen Waldprofis. (vgl. ebd. S. 37ff) Die Waldpädagogik in Österreich ist methodisch geprägt von vielen Einflüssen. Maßgeblich sind dies laut Müller (2011, S. 14 ff) Cornell, mit dem Konzept des „Flow-learnings“, Trommer mit der „Rucksackschule“ und die Stiftung SILVIVA für Umweltbildung und Wald. So vielfältig wie die Definition der Waldpädagogik ist, so facettenreich sind auch die Bildungsangebote im Wald: Waldschulen, Walderlebniszentren, Waldkindergärten, Waldausgänge, Walderlebniscamps, Waldjugendspiele, Wald- und Forstmuseen und vieles mehr. Das derzeitige Internationale Jahr des Waldes hat zur erhöhten Aufmerksamkeit für dieses Thema weltweit beigetragen. In Österreich ist beispielsweise die umfassende Broschüre „Wald und Holz. Ein unschätzbarer Wert“ mit einem Überblick über zahlreiche Angebote in ganz Österreich entstanden. (vgl. Verein Waldpädagogik in Österreich/ Universität für Bodenkultur 2011)

Kooperation und Vernetzung

Bildungsangebote, die den Grundsätzen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung entsprechen, erfordern Kooperation und Vernetzung. Es braucht im schulischen Kontext die Zusammenarbeit von Fachleuten mit PädagogInnen. Unterricht kann sich beim Themenfeld Wald beispielsweise aus biologischer, forstlicher, globaler, kultureller Wissensvermittlung fachübergreifend und sinnlicher, persönlicher, körperlicher Erfahrungen sowie Beteiligung an Projekten in der Region zusammensetzen. Die angewandten Methoden sollen verstärkt systemisches Denken anstatt vorwiegend analytischem fördern (vgl. Bollmann-Zuberbühler 2010 S. 5, S. 19). Einige Praxisentwürfe für die Bildungsarbeit in Wald und Schule haben Kohler/Lude (2010) in dem Buch „Nachhaltigkeit erleben“ ausführlich dargestellt und zusammengefasst.

Bildungsarbeit im Sinne von BNE fordert uns alle heraus, uns selbst und unser Denken und Handeln zu reflektieren, uns mit ExpertInnen und PraktikerInnen zusammen- und auseinander zu setzen und zu kooperieren, neue Wege zu (er)finden und immer wieder von vorne zu beginnen. Kein leichtes, jedoch ein zukunftsorientiertes Unterfangen!

Quellen und Literaturverzeichnis

BASCHNY, Thomas (2011): Internationales Jahr des Waldes & Internationale Waldpädagogik. Unveröffentliche Präsentation anlässlich des 3. Kongress der Waldpädagogik in Bruck an der Mur. Verein Waldpädagogik in Österreich.
BOLLMANN-ZUBERBÜHLER, Brigitte/ FRISCHKNECHTTOBLER, Ursula/KUNZ, Patrick/NAGEL, Ueli/WILHELM HAMITI, Sandra (2010): Systemdenken fördern. Systemtraining und Unterrichtsreihen zum vernetzten Denken. 1.-9. Schuljahr. 1. Auflage, Bern, Buchs: Schulverlag Plus.
DREHSCHEIBE WALDPÄDAGOGIK (2011): Statistik. http://www.schulewald. com/index.php/ statistiken/2010/1052- statistik-2010 [Stand: 1. 10. 2011].
HEINRICH, Martin (Hrsg.)/MINSCH, Jürg/RAUCH, Franz/ SCHMIDT, Esther/ VIEL-HABER, Christian (2007): Bildung und nachhaltige Entwicklung: eine lernende Strategie für Österreich. Empfehlungen zu Reformen im Kontext der UNO-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung (2005-2014). Münster: Monsenstein und Vannerdat.
KOHLER, Beate/LUDE Armin (2010): Nachhaltigkeit erleben. Praxisentwürfe für die Bildungsarbeit in Wald und Schule. München: oekom.
MARS, Elisabeth M.: Der Wald in uns – Nachhaltigkeit kommuniziere. In: MARS, Elisabeth M./HIRSCHMANN, Markus (2009): Der Wald in uns. Nachhaltigkeit kommunizieren. München: oekom Verlag.
MÜLLER, Gerhard (2011): Gewaltprävention durch Waldpädagogik. Der Beitrag interpersoneller Kommunikation in ausgewählten Outdoor Angeboten. Unveröffentlichte Masterthesis. Salzburg: Universität Salzburg.
STOLTENBERG, Ute (2009): Mensch und Wald. Theorie und Praxis einer Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel des Themenfeldes Wald. München: oekom Verlag.
STOLTENBERG, Ute (2010): Perspektivenwechsel ist angesagt. Zur Entdeckung des Waldes in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. In: UMWELTDACHVERBAND (Hrsg.)(1/2010): umwelt & bildung. Wald neu entdecken. Wien: FORUM Umweltbildung, S. 6-9.
VEREIN WALDPÄDAGOGIK IN ÖSTERREICHS/ UNIVERSITÄT FÜR BODENKULUR WIEN (Hrsg.) (2011): Wald und Holz. Ein unschätzbarer Wert. Wien: Ueberreuter.


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