Logging road East Kalimantan 2005

:: Forschung im Regenwald heute: Engagement für Mensch, Tier und Natur

25/02/2013 von / 0 Kommentare
Titelbild: Abholzung in Kalimantan (c)flickr user:Wakx

Früher kam man in den Regenwald, um zu forschen, nicht um zu schützen. Und heute? Ohne Schutz keine Forschung. Lange ist es her seit Jane Goodall, Diane Fossey und Biruté Galdikas Fuß in unberührte, unerforschte Urwälder gesetzt haben, um Erkenntnisse über unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, zu sammeln. Doch was hat sich seit damals geändert? Ein Lokalaugenschein aus Kalimantan, Borneo.

Persönliches Engagement

1971 kam eine junge Studentin, Birute Galdikas, nach Borneo, um die dort lebenden Orang-Utans in freier Wildbahn zu erforschen. Sie gründete ein erstes Forschungszentrum und konnte durch jahrelange Freilandbeobachtung wichtige Erkenntnisse über die sanften, roten, Affen gewinnen. Gleichzeitig wurde sie aber auch Zeugin einer verheerenden Bewegung, die ein Ziel verfolgt: die Gewinnung von Palmöl. Sie musste mitansehen, wie die Regenwälder gerodet und Palmplantagen weichen mussten. Und sie fand Tag für Tag neue verirrte, verletzte oder verwaiste Orang-Utans, was veranlasste zu handeln. Ihr Camp verwandelte sich zu einer Auffangstation, ihre Mission lautete nun: Regenwald schützen.

Biruté Galdikas hat es heute geschafft, Forschung untrennbar von Naturschutz zu machen und dies in den Köpfen der Wissenschaftler zu verankern. Mittlerweile wurden ein Nationalpark und mehrere Forschungsstationen gegründet, es wird mit Behörden zusammen gearbeitet, Politiker und Einheimische werden zum Dialog eingeladen. Wer in Kalimantan forschen möchte, bringt Geld mit und bezahlt damit nicht nur Futterkosten für Orang-Utans die im Camp gepflegt werden (www.bos.de).

Soziales Engagement

Für viele Einheimische bietet eine Forschungsstation einen neuen Lebensunterhalt, nachdem sie von ihrem Land vertrieben wurden. Indem sie als Tierpfleger, -ärzte oder Dschungelführer arbeiten, können sie wieder ihre Familien ernähren. Zunehmender Ökotourismus durch die Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen bringen ebenfalls neue Arbeitsplätze ein. Darüber hinaus fließen Forschungsgelder in die Förderung sozialer Projekte vor Ort und fördern den gemeinsamen Dialog zum Schutz der Regenwälder und ihrer Bewohner. Der Kontakt zu indonesischen Universitäten und deren Forschungsprojekten wird gesucht, mit dem längerfristigen Ziel, junge Wissenschaftler auf bestem Wege auszubilden. Ihr Wissen in der heimischen Gesellschaft kann wesentlich dazu beitragen, zukünftige Interessen in der Erhaltung der natürlichen Schätze, sowie wirtschaftlich, nachhaltige Entwicklungsziele zu vereinen.

Umwelt Engagement

Orang-Utans zu erforschen und zu schützen bedeutet auch indirekt gegen den Klimawandel anzukämpfen. Die eigentliche Problematik besteht darin, dass mit der Zerstörung des Lebensraums nicht nur die einmalige Vielfalt des Ökosystems Regenwald für immer verschwindet, sondern an dessen Stelle Palmölplantagen entstehen. Jährlich fließt weltweit tonnenweise Palmöl in die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie, seit einigen Jahren geht auch ein beachtlicher Teil in die Produktion von Biotreibstoff. Dabei stützt man sich auf die Tatsache, dass bei der Verbrennung von Biodiesel 40-75 % weniger CO2 frei werden als bei herkömmlichen Diesel.

Allerdings werden dafür in Indonesien Tiefenmoorwälder verbrannt und abgeholzt, die einen größeren Anteil CO2 beinhalten, als der Regenwald. Bei einer Fläche von 2,3 Millionen Hektar werden bei dessen Verbrennung jährlich etwa 200-300 Tonnen CO2 pro Hektar frei, durch Prozesse wie Trocknung und Zersetzung kommen zusätzlich noch 10 Tonnen pro Jahr hinzu (www.klimawandel.de).

Doch wie geht man dagegen vor? Hier sind es vor allem große Umweltschutzorganisationen, die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie prangern beispielsweise prominente Süßwaren- und Kosmetikhersteller an, besetzen Firmengebäude und verbreiten aufsehenerregende Clips im Internet (www.klimaretter.info), was seine Wirkung nicht verfehlt. Forscher fungieren in dieser Hinsicht zumindest als örtliche Berichterstatter, indem sie durch Film- und Fotodokumentation aktuelle Zustände festhalten und diese an weitere Organisationen leiten können.

Fazit

Ich werde oft gefragt, wie ich es denn mit meinem Gewissen vereinbaren kann, Menschenaffen zu erforschen, wo sie doch am Rande der Ausrottung stehen. Ich kann nur zurückgeben, dass die Aufmerksamkeit nicht nur auf Erkenntnisse, sondern auf die Problematik vor Ort gelenkt wird und das nicht nur in Fachkreisen. Durch die globale Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, sowie die Unterstützung vieler lokaler, regierungsunabhängiger Organisationen beziehen viele universitäre Einrichtungen mittlerweile Stellung und helfen auf ihre Weise.

Und langsam aber sicher werden Probleme nicht mehr isoliert, sondern im gemeinsamen Kontext von Umwelt, Menschenrecht und Wirtschaft behandelt und auf globaler Ebene diskutiert.

Weiterführende Links:

http://www.bos.de

http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/palmoel_boom_heizt_klimawandel_an/

http://www.klimaretter.info/hintergruende/72-protest/5503-toetet-nestle-orang-utans

http://www.klimawandel.de/Klimawandel/palmoel-biodiesel-schadet-klima-am-meisten.html


Hinterlasse einen Kommentar