:: Rezension: Der Geschmack von Laub und Erde

27/12/2017 von / 0 Kommentare
Titelbild: Quelle: Barbara Oberfichtner


Charles Foster erklärt in „Der Geschmack von Laub und Erde“, warum sich Zecken beim Dachs vor allem an Anus und Perineum anheften, wieso ein Otter lebt als wäre er auf Speed und wie er vom Wolf zum Rothirsch wurde.

Ein schräger Typ ist Charles Foster: Schon als Kind, schreibt er in seinem Buch, „hatte [er] buchstäblich ‚einen Vogel’‘‘. Eine Amsel in seinem Garten hatte sein Interesse für Tiere geweckt – er beschäftigte sich intensiv mit der Vogelart: Las über sie, kartierte ihre Nester, suchte sie täglich auf, hatte eine Schublade voll Amseleierschalen und -zungen. Neben seinem Bett bewahrte er ein Amselhirn auf – und gerne hätte er sich hineingedacht. Über seinem Bett: Selbst präparierte Amseln. Er hatte als Kind großes Interesse daran, Tiere selbst zu präparieren.
„Regenwürmer schmecken nach Schleim und der Erde, aus der sie kommen“, kommentiert er sein Leben als Dachs. Und: Würmer schmecken nicht alle gleich. Im Buch erklärt der Wurm-Sommelier – mit einer gehörigen Prise britischen Humors – die Unterschiede zwischen den „schnörkellos“ schmeckenden Würmern aus dem High Weald in der englischen Grafschaft Kent und den Würmern mit Stout-Bier-Aroma aus der Küstenebene von Somerset.
Wenn Foster einen mitnimmt auf eine Erinnerungstour in seine Ausbildungszeit an einer britischen Universität, wird er nachdenklich über seine Zeit als „Wolf“: Als Jäger hat er mit dem Zielfernrohr Wild erlegt, das keine Chance hatte, ihn rechtzeitig wahrzunehmen. Die Jagd gefiel ihm immer weniger. Und schließlich ließ er sich als Rothirsch jagen, um sich in das gehetzte und gejagte Tier besser hineinversetzen zu können.
Charles Foster studierte Tiermedizin und Rechtswissenschaften an der renommierten Universität von Cambridge in England. Er hat sich mit der Anatomie des Borstenkaninchens im Himalaya und der Chemotaxis in Egeln auseinandergesetzt, die Gazellen in Saudi-Arabien studiert – und er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter des späteren Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs in Jerusalem tätig. Dann wandte er sich ethischen Fragen zu: Er beschäftigte sich mit Ethik in der Medizin, unterrichtet jetzt Ethik und Recht in der Medizin in Oxford. Auf Expeditionen in die ganze Welt, auf der Spur von Tieren und ihren Lebensweisen, ist er immer noch. Auch seine Leidenschaft für die Tierpräparation, die er von Kindheit an hatte, hat er sich erhalten.
Ja, Charles Foster ist zweifellos ein schräger Typ. Aber im positiven Sinne: Er nähert sich dem Leben der Tiere aus einer Perspektive, die erfrischend anders ist. Er lernt die Tiere und das Leben in der Wildnis so kennen, wie sonst kaum jemand. Er nimmt sich selbst dabei nicht ganz ernst – er weiß um seine Limitierungen, ein Tier zu imitieren. Und doch drängt sich dem Leser der Eindruck auf: Wenn ein Tier erzählen könnte, würden sich seine Geschichten ganz ähnlich lesen wie jene von Charles Foster.

Zum Autor: Charles Foster
Der englische Tierarzt und Anwalt Charles Foster unterrichtet Ethik und Recht in der Medizin in Oxford, England. Schon in der Kindheit wollte er so nahe an den Tieren wie möglich sein, um sie und ihre Lebensweise besser zu verstehen. Seine philosophischen Überlegungen zu den Themen Authentizität und Identität brachten ihn dazu, als Dachs, Fischotter, Fuchs, Reh und Mauersegler zu leben. Sein Buch „Der Geschmack von Laub und Erde“ (englisch: „Being a Beast“) ist im Piper Verlag erschienen.

Das Buch:
Der Geschmack von Laub und Erde – wie ich versuchte, als Tier zu leben
Charles Foster
Übersetzt von: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß
Originaltitel: Being a Beast
288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-89029-262-5
Piper Verlag


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