:: Vom Eisernen Vorhang zum Grünen Band

21/12/2016 von / 0 Kommentare
Titelbild: Das Grüne Band entlang der ehemaligen „innerdeutschen Grenze“ bietet der Natur einzigartige Rückzugsräume und Wanderkorridore. Quelle: Klaus Leidorf

Die Geschichte des Grünen Bandes ist eng mit der europäischen Zeitgeschichte von Ost und West verbunden. Was noch vor nicht allzu langer Zeit den Kontinent entzweite, schuf einzigartige Refugien von teils fast unberührter Natur, welche es heute zu bewahren gilt. Zu diesem Zweck wurde das Grüne Band Europas ins Leben gerufen.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte

Entstanden aus der höchst angespannten politischen Situation nach dem zweiten Weltkrieg, durchzog der Eiserne Vorhang mehrere Jahrzehnte Europa von der Barentssee im Norden bis an das Schwarze Meer im Süden. Diese durch Grenzanlagen und Sperrzonen menschenfeindlich gewordenen Gebiete boten der Natur nötige Rückzugsgebiete und Wanderkorridore, welche vor allem im Westen durch steigende Industrialisierung zunehmend an Fläche verloren. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war die Zukunft dieser Gebiete ungewiss.

Abb. 1: Ein Abschnitt des Eisernen Vorhangs. Quelle: Nationalpark Donauauen

Entstehung des Grünen Bandes

Schon in den 1970er Jahren erkannten Experten den naturschutzfachlichen Wert von eben diesem Gebiet, das auch als „Todesstreifen“ bezeichnet wurde. Aus zahlreichen regionalen Initiativen ging schließlich im Jahr 2003 die European Green Belt Initiative hervor, die es sich zum Ziel gesetzt hat diesen paneuropäischen Habitatverbund langfristig zu sichern. Das Grüne Band wird in vier Hauptregionen untergliedert: Fennoskandien, Ostsee, Zentraleuropa und Balkan. Diese erstrecken sich insgesamt über mehr als 12.500 Kilometer. Natürlich ist ein Biotopverbund dieser Dimension kein lückenloser, sondern vielmehr eine perlenkettenartige Ansammlung von 40 Nationalparks und weiters 3.272 Schutzgebieten, die innerhalb eines Radius von 25 Kilometern um das Band liegen.

Abb. 2: Karte des European Green Belt mit seinen vier Hauptregionen. Quelle: European Green Belt Initiative Coordination Group

Das Grüne Band Österreichs

Österreich trägt mit über 1.200 Kilometern einen bedeutenden Anteil am Grünen Band Zentraleuropa. Besondere Bedeutung tragen hier die Grenzflüsse und Randgebirge. Der österreichische Abschnitt des Grünen Bandes schlängelt sich vom Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich im Mühlviertel entlang der Staatsgrenze bis in die Südsteiermark und Kärnten. Dabei durchstreift es unter anderem die Nationalparks Thayatal, Donau-Auen und Neusiedler See – Seewinkel. In Österreich ist der Naturschutzbund hauptverantwortlich und der Ansprechpartner für das Grüne Band Österreich.

Abb. 3: Abendstimmung im Nationalpark Neusiedlersee. Hier trifft eine einzigartige Naturlandschaft auf eine teils noch traditionell bewirtschaftete Kulturlandschaft, die lange Zeit von der Lage am Eisernen Vorhang beeinflusst war. Quelle: Gabriel Kirchmair

Pressefahrt am Grünen Band in Oberösterreich

Im Oktober 2016 lud der Naturschutzbund zu einer Pressefahrt am Grünen Band im Grenzgebiet von Oberösterreich zu Bayern und Tschechien ein.

Abb. 4: Gruppenbild von der Pressefahrt am Grünen Band Europas (07.10.2016). Quelle: Naturschutzbund


Als besonders schützenswerte Landschaft zeigte sich da das Natura 2000 Gebiet Maltsch bei Leopoldschlag. Die Feuchtwiesen an der Maltsch bieten Vogelarten wie dem Wachtelkönig, der Bekassine und auch dem Braunkehlchen einen wichtigen Lebensraum. Um diese Flächen offen zu halten, werden sie mit Wasserbüffeln beweidet. In der Maltsch selbst findet sich die seltene Flussperlmuschel.

Abb. 5: Natura 2000 Gebiet Maltsch bei Leopoldschlag in Oberösterreich. Durch die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln können diese Feuchtwiesen langfristig vor Verbuschung geschützt werden. Quelle: Gabriel Kirchmair


Als Infrastruktur für den sanften Ökotourismus und interessierte Einheimische wurden in Leopoldschlag ein Grünes-Band-Zentrum und in Windhaag bei Freistadt das Green-Belt-Center eingerichtet. Letzteres wurde 2015 eröffnet und bietet auf großer Fläche eine Ausstellung zum Grünen Band Europas. Einen großen grenzüberschreitenden Naturraum bildet der Böhmerwald welcher sich neben Deutschland (Bayrischer Wald) und Oberösterreich auch nach Tschechien (Šumava) erstreckt. In diesem ausgedehnten Waldgebiet findet sich unter anderem auch eine Population von Luchsen, von der auch schon ein Nachweis auf österreichischem Gebiet gelang.

Abb. 6: Trotz einiger Rückschläge bahnt sich der Luchs als Rückkehrer den Weg nach Österreich. Quelle: Joseph Limberger


Dabei muss uns bewusst sein, dass wir von den weitaus extensiver bewirtschafteten und vielerorts naturbelasseneren Gebieten jenseits der Staatsgrenze zu den ehemaligen Ostblockstaaten zehren, welche teilweise stark mit der von intensiver Land- und Forstwirtschaft geprägten Landschaft in Österreich kontrastieren. Aber auch dort fand man nach dem Fall des Eisernen Vorhangs durchaus gefallen am westlichen Landschaftsbild.
„Nach der Wende wollten viele Tschechen, dass die Landschaft so gepflegt aussieht wie in Österreich.“ Mag. Pavel Hubený, Direktor des Nationalpark Šumava.

Zukunftsperspektiven

Die Zukunft des Grünen Bandes steht im Zeichen der Kooperation und Aufklärung. Es gilt die Fragmentierung der einzelnen Gebiete so gut es geht zu verhindern, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu erhöhen und eine noch bessere grenzübergreifende Zusammenarbeit bereitzustellen. Das Gebiet des ehemaligen Eisernen Vorhangs sollte aber auch als ein kulturelles Denk- und Mahnmal erhalten bleiben, welches ansonsten wie vieles nur allzu schnell in Vergessenheit geraten könnte.


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