:: Jungforscher geht auf Walexpedition

03/10/2016 von / 0 Kommentare
Titelbild: Wir am Krater des Picos und im Hintergrund der Gipfel des Vulkans. Quelle: André Brandt.

Mitte Juni durfte ich – Stefan Dirschl, Schüler in Linz (OÖ) – an einer Expeditionsreise auf die Azoren teilnehmen. Organisiert wurde dies durch Master MINT, das Forschungsprogramm des deutschen Instituts für Jugendmanagement (IJM). Während der Expedition sahen wir verschiedene Wal- und Delfinarten. Eines der Highlights war die Sichtung von Blauwalen. Doch in diesen zwei Wochen betrieben wir nicht nur fleißig Wal- und Delfinforschung. Mithilfe vieler Befragungen versuchten wir die Kultur und Lebensweise der Insulaner und ihre Einstellung zum Walfang kennen zu lernen. Es war ein gewaltiges Abenteuer.

Endlich war es so weit, wir, 21 JungforscherInnen aus Deutschland,zwei Betreuer und ich, landeten auf der Azoreninsel Pico, bereit, alles zu erforschen, das uns vor die Nase kommt. Doch wie war es dazu gekommen?

Abb.1: 22 Jungforscher am Ende des zweiwöchigen Abenteuers. Quelle: Gero Schäfer

Abb.1: 22 Jungforscher am Ende des zweiwöchigen Abenteuers. Quelle: Gero Schäfer

Reisevorbereitung

Im Dezember erfuhr ich durch meine Lehrerin Frau Mag. Angelika Kragl vom deutschen Institut für Jugendmanagement und dem Forschungsprogramm Master MINT, das diverse Forschungsexpeditionen in unterschiedliche Gebiete dieser Welt anbietet. Schnell war klar, dass ich mich für die Azorenreise mit Schwerpunkt Wal- und Delfinforschung bewerbe möchte; als kurz darauf die positive Rückmeldung kam, gab es nur noch eine Frage: Woher bekomme ich fast 3000€ für diese Reise? Wie auch bei anderen Forschungsreisen war es Aufgabe der TeilnehmerInnen, so viele Sponsoren wie möglich zu finden, um die Reisekosten stemmen zu können. Dank vieler großzügiger SpenderInnen hatte ich bald genug Geld beisammen und konnte fix zusagen. Nachdem auch die letzten Vorbereitungen, wie die Rettungsschwimmer-Prüfung, ein ärztliches Attest für den Tauchschein usw., getroffen waren, hieß es nur noch warten.

Die Reise beginnt

Am 19.Juni ging es zur IJM Geschäftsstelle nach Heidelberg, dort fing die Reise am Abend mit dem ersten Kennenlernen an. Gleich darauf bekamen wir die Instruktionen: Einer der ersten Sätze war „Forschung geht vor Schlaf“. Das sollten wir noch oft zu spüren bekommen, denn es gab vielleicht zwei Tage, an denen wir vor 1 Uhr in der Früh ins Bett gingen. Nach dem informativen Teil begann das Arbeiten. Dazu wurden wir in fünf Gruppen aufgeteilt: Wale & Delfine, Mensch, Kultur & Sprache, Fauna & Flora, Klima & Vulkanismus, Wirtschaft & Infrastruktur. Das war das Einzige, das vorgegeben wurde. Alles andere erarbeiteten wir uns selbst. Wir starteten mit der Ausformulierung der Zielsetzung, die wir danach auch gleich vorstellten. Für meine erste Gruppe – Flora und Fauna – legten wir fest, dass wir einen Katalog von allen gefundenen Pflanzen und Tieren anlegen wollen. Nach zwei Stunden Schlaf ging es mit dem Bus nach Frankfurt und weiter per Flugzeug nach Lissabon. Dort arbeiteten wir während des sechsstündigen Aufenthalts weiter in unseren Gruppen: Es wurde die genaue Arbeitsweise der einzelnen Gruppen ausgearbeitet und protokolliert. Meiner Gruppe entschied zum Beispiel darüber, welche Informationen der gefundenen Tiere und Pflanzen wir notieren werden, wie etwa Name und Fundort, und wie sie dann in eine Tabelle eingetragen werden sollen.

Erste Sichtungen

Am ersten Morgen auf den Azoren war ich mit meiner Gruppe trotz Regen noch vor dem Frühstück draußen, um Pflanzen und Tiere zu fotografieren, die wir am Abend in unserer Dokumentation beschreiben wollten. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Lajes um von dort die ersten Ausfahrten aufs Meer zu machen. Wir hatten Glück und konnten bereits an unserem ersten Tag jeweils einen Pottwal und Finnwal beobachten.
Außerdem sichteten wir Rissodelfine, auch Rundkopfdelfine genannt, Gemeine Delfine, Streifendelfine und Pilotwale, eine weitere Delfinart.

Eindrücke zu den Sichtungen

Obwohl wir jeden Tag viele verschiedene Wal- und Delfinarten sahen, war doch jede Sichtung etwas Besonderes und Einzigartiges. Da gab es Delfinschulen mit fünfzig und mehr Tiere zu sehen, die neben uns ruhig schwammen oder auf der Oberfläche ruhten. Pottwale, die neugierig bis auf einige Meter an unser Boot heranschwammen, um dann nach langem Beobachten und Nebenherschwimmen in die Tiefe zu entschwinden.


Eine große Gruppe von Gemeinen Delfinen, die mit ihren Jungtieren um und unter unserem Boot schwammen und neugierig zur Kamera kamen. Außerdem sahen wir einen Rissodelfin, der trotz nicht vorhandener Rückenflosse gelernt hatte zurechtzukommen.
Ein unbeschreibliches Erlebnis waren auch die drei Seiwale, die sich durch uns nicht stören ließen, sodass wir sie ewig beobachten konnten, wie sie neben uns herschwammen. Ebenso waren die Schnabelwale etwas ganz Besonderes.
Einmal warteten wir fast eine Stunde auf ein weiteres Erscheinen dieser interessanten Tiere. Außerdem machten wir Unterwasseraufnahmen von True-Zweizahnwalen, Familie der Schnabelwale. Diese Aufnahmen sind womöglich die ersten mit Jungtier, doch um das zu überprüfen wurden sie nach Schottland zur St. Andrews Universität, zu Vincent Janik und Natacha Aguilar de Soto, gesendet.

Arbeitsweisen auf dem Boot

Während der Sichtungen dokumentierte die jeweilige Wal- & Delfin-Gruppe alle möglichen Infos. Wenn es möglich war, haben wir die Geschwindigkeit gemessen, indem wir neben den Tieren gleich schnell hergefahren sind und die Werte am GPS-Gerät abgelesen haben. Wir bestimmten mit diesem Gerät zudem den genauen Standort. Des Weiteren wurden Artname, Aussehen, Gruppengröße, besondere Merkmale und die Atemfrequenzen notiert.

Abb. 9: Notizen zu den Atemfrequenzen eines Blauwals. Quelle: Stefan Dirschl

Abb. 9: Notizen zu den Atemfrequenzen eines Blauwals. Quelle: Stefan Dirschl


Dazu maßen wir mithilfe einer Stoppuhr die Zeit, die die Tiere unter Wasser blieben. Mit diesen Daten konnten wir unter anderem feststellen, dass vor allem die Wale ein paar Mal hintereinander kurz untertauchen, um dann einen längeren Tieftauchgang zu starten.

Arbeit nach den Ausfahrten

Nach den Ausfahrten fing die meiste Arbeit an, denn jetzt galt es die Forschungsergebnisse auszuwerten und zu dokumentieren. Die Tier- und Pflanzengruppe erfasste ihre Aufnahmen und deren Beschreibung im Protokoll. Die Delfin- und Walgruppe dokumentierte zusätzlich noch das Verhalten der gesichteten Tiere, den Standort, die Atemfrequenz und, wenn möglich, die Geschwindigkeit der Tiere. Die anderen drei Gruppen trugen die Antworten der Befragungen in die Protokolle ein.
Des Weiteren präsentierten wir täglich unsere Ergebnisse des Tages in einer PowerPoint Präsentation. Danach wurden noch die Gruppen für den nächsten Tag eingeteilt. Bis wir ins Bett kamen, war es meist halb eins. Um halb acht begann dann schon der nächste Forschungstag.

Arbeitsweise und Ergebnisse

In den darauffolgenden Tagen lernten wir uns nicht nur gegenseitig besser kennen, sondern ebenso die Arbeitsweisen. Vieles ging einfacher und schneller, es war nicht mehr ungewöhnlich, bis spät in die Nacht zu arbeiten und eigentlich auch am Tag immer aktiv zu sein. Bei den anderen drei Gruppen, Mensch, Kultur & Sprache, Klima & Vulkanismus, Wirtschaft & Infrastruktur, mussten wir vor allem Befragungen zu den verschiedenen Themen machen. Doch es war gar nicht so leicht, genügend Leute zu finden, die Englisch sprachen, Zeit hatten und auch bereit waren unsere Fragen zu beantworten. Natürlich wurden alle Antworten in unsere Dokumentation miteinbezogen. Wir bekamen sehr interessante Antworten, so sagte zum Beispiel ein Einwohner Picos zu der Frage, was er von dem Verbot des Walfangs halte: „Früher war der Walfang fair, denn mit den kleinen Booten und nur mit Speeren bewaffnet, war es eine 50/50 Chance, ob der Mensch oder der Wal gewinnt, doch jetzt mit den großen Waffen ist es nicht mehr fair.“. Die meisten sprachen sich gegen den Walfang aus. Die Gruppe Klima & Vulkanismus war nicht nur für Befragungen zuständig, sondern musste ebenfalls Informationen über den Vulkan Pico herausfinden. Außerdem maß diese Gruppe mit einem speziellen Gerät die Wassertemperatur, den pH–Wert und den Salzgehalt des Meerwassers. Anhand dieser Messergebnisse im Vergleichen zu den Daten von 2015 fanden wir heraus, dass der pH–Wert von 8 auf 8,4 gestiegen ist.

Abb. 10: Der Vulkan Pico. Quelle: André Brandt

Abb. 10: Der Vulkan Pico. Quelle: André Brandt

Das Highlight – der Blauwal

Der Blauwal, das größte Säugetier der Welt, war ein fantastischer Anblick. Zwei Mal hatten wir das Glück Blauwale zu sehen und zweimal war es genial. Man merkte richtig, wie es leise im Boot wurde, jeder war fasziniert von diesen riesigen Tieren. Nur durch die Durchsage der Atemzeiten wurde die Stille unterbrochen. Das erste Mal, als wir Blauwale sahen, waren sie ungefähr 100 Meter entfernt. Es war eine etwa 30 Meter lange Kuh, das ist selbst für einen Blauwal sehr groß, und ihr Kalb.
Ohne sich einschüchtern zu lassen, schwammen sie ruhig vor uns her, immer wieder auf- und abtauchend. Das zweite Mal begegneten uns ein Blauwalweibchen (26 Meter) und ein Bulle (22 Meter). Diesmal waren sie nur etwa acht Meter vom Boot entfernt. Scheinbar uninteressiert schwammen sie vor dem Boot, tauchten lange unter, um dann plötzlich zehn Meter weiter vorne wiederaufzutauchen.
Zweimal hob ein Tier plötzlich eine der Seitenflossen hoch, um sie dann mit einem lauten Klatscher wieder ins Wasser fallen zu lassen. Wir verbrachten über eine Stunde bei diesen zwei Tieren, begleitet von fünf weiteren Whale-Watching-Booten.

Delfinschwimmen und weitere Highlights

Der zweite Höhepunkt war eindeutig das Schwimmen mit den Delfinen. Dabei muss man Glück haben, denn die Delfine kommen normalerweise nicht zu den Menschen, sondern schwimmen eher von diesen weg.

Abb. 14: Expeditonsteilnehmerin mit Delfinen im Wasser. Quelle: André Brandt

Abb. 14: Expeditonsteilnehmerin mit Delfinen im Wasser. Quelle: André Brandt


Trotzdem sah ich, wie auf einmal sieben Meter vor mir drei Rissodelfine durchs Wasser glitten. Ein wunderschöner Augenblick. Nur ich und die drei Delfine, sonst nichts. Doch wir schwammen nicht nur mit Delfinen, sondern zwei unserer Gruppe hatten das Glück gemeinsam mit einem zwei Meter hohen Mondfisch im Wasser zu sein.


(Video: Mondfisch (Mola mola) Quelle: André Brandt)

Weitere Highlights waren die zwei Tauchscheine, die ich machen konnte und die vielen Tauchgänge, die damit verbunden waren. Auch die Besteigung des Vulkans Pico, die höchste Erhebung Portugals, war sehr spannend und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Danksagung


Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei meinen Förderern bedanken, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Sie haben mich unterstützt und so gezeigt, wie wichtig ihnen Jugendforschung ist. Natürlich möchte ich mich auch bei meiner Schule, vor allem bei Direktor OStR. Mag. Robert Michelic, bei meinen LehrerInnen Frau Mag. Kragl, Frau Mag. Wurzinger und Herr Mag. Schöppl, und bei der Elternvereinsobfrau Frau Mag. Kritzinger bedanken.

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