:: CITES – Bedeutung für BiologInnen in Österreich

16/12/2015 von / 1 Kommentar
Titelbild: „CITES-logo“ © CITES Secretariat

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora; CITES-Steckbrief), das den Handel mit international gefährdeten Arten regelt, ist immer mal wieder in den Nachrichten präsent, vor allem wenn es um Wale, Elfenbein oder Rhinozeroshorn geht. Aber auch einige in Österreich heimische Arten sind handelsbeschränkt und es kann zu Berührungspunkten für WissenschafterInnen in Österreich kommen.

Haben wir CITES-Arten?

In CITES sind zum Beispiel alle Orchideen gelistet, was auch für die heimischen Ragwurz- und Knabenkraut-Arten gilt. Ein internationaler Handel damit mag zwar auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig erscheinen, aber ein Extrakt des Männlichen Knabenkrauts (Orchis mascula) wird in einigen Kosmetikprodukten und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Auch abseits der Orchideen gibt es relevante Pflanzen wie Galanthus nivalis (siehe Infobox Schneeglöckchen). Der Handel mit Schneeglöckchen ist ebenso genehmigungspflichtig wie die in Österreich ansteigende Ausfuhr von lebenden Falken.

Schneeglöckchen

„Galanthus nivalis, Botanischer Garten“, Bildunterschrift: Abb. 1: Das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) ist im Anhang B der EU-Verordnung gelistet. ©Martin Rose

Abb. 1: Das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) ist im Anhang B der EU-Verordnung gelistet. © Martin Rose

Schneeglöckchen sind, gemessen an der Anzahl der Individuen, die Pflanzen, welche am häufigsten in die EU eingeführt werden. Aus Georgien und der Türkei zusammen werden jedes Jahr zwischen 15 und 20 Millionen Schneeglöckchen, vor allem Galanthus woronowii, eingeführt. Die heimische Galanthus nivalis wird von Deutschland und den Niederlanden ausgeführt. Der europäische Markt wächst und die Preise für seltene Züchtungen steigen. Im Frühjahr 2015 wurde in Großbritannien ein neuer Rekord aufgestellt: Eine Zwiebel der Züchtung „Golden Fleece“ wurde für umgerechnet 1.906€ verkauft.

In der EU wird das internationale Übereinkommen durch die Verordnung 338/97 umgesetzt. In ihr sind zum Beispiel die heimische Orchidee Sommer-Drehähre (Spiranthes aestivalis) und der Steinadler (Aquila chrysaetos) in der höchsten Kategorie (Anhang A) eingeordnet und dürfen somit kommerziell nicht gehandelt werden.

Insgesamt sind 74 heimische Tierarten (69 davon in Anhang A) und 40 Pflanzenarten (35 davon in Anhang B) in der EU-Verordnung gelistet. Ob eine Art gelistet ist, und wenn ja auf welchem Anhang, kann man auf der Webseite species+ nachschauen.

Verbindung zwischen CITES und FFH-Richtlinie

In der Verordnung 338/97, die CITES in der EU umsetzt, werden die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie berücksichtigt. Dadurch kommt es im Vergleich zur Konvention zu veränderten Listungen. So ist zum Beispiel der Eurasische Luchs (Lynx lynx) laut FFH-Richtlinie eine „streng zu schützende“ Art (Anhang IV). In CITES ist die Art in Anhang II gelistet, wodurch ein kommerzieller Handel möglich, aber genehmigungspflichtig ist. In der EU-Verordnung ist die Art daher in Anhang A gelistet wodurch ein kommerzieller Handel verboten ist. Ähnliches gilt auch für die Vogelschutz-Richtlinie, ein Beispiel dafür ist der schon erwähnte Steinadler.

Ist CITES relevant, wenn ich auf Exkursionen sammle?

Exkursion, Wölzer Tauern

Abb. 2: Exkursion in den Wölzer Tauern. © Martin Rose

CITES hat zwar das Wort „Handel“ im Namen, dieser Begriff bedeutet aber: „Einfuhr aus oder Ausfuhr in ein Land“. Neben einer ganzen Reihe von anderen legistischen Vorraussetzung (z.B. Sammelgenehmigung) kann daher auch CITES bei Exkursionen relevant werden. Die EU hat einen Binnenmarkt für den EU-Raum definiert. Wenn man diesen mit in der EU-Verordnung genannten Arten verlassen oder betreten möchte, benötigt man CITES-Dokumente. Dies gilt zum Beispiel für die Schweiz. Für Arten des Anhang A aus der Natur ist auch innerhalb der EU eine Bescheinigung erforderlich, das gilt daher z.B. für Deutschland. Bei weiten Reisen können auch viele Objekte CITES-relevant sein, die gerne als Reisesouvenirs mitgenommen werden, zum Beispiel Seepferdchen oder Korallen.

Orchideen aus dem Baumarkt

Phalaenopsis, Niederlande

Abb. 3: Gewerbliches Gewächshaus in den Niederlanden, dass auf die Vermehrung von Phalaenopsis-Hybriden spezialisiert ist. © Martin Rose

Da alle Orchideen gelistet sind, gilt dies auch für Hybride der beliebten Phalaenopsis- und Vanda-Orchideen. Pro Jahr werden mehrere Millionen Phalaenopsis-Hybride gehandelt. Dies inkludiert keine Hybride die in der EU (vor allem Niederlande) produziert und verkauft werden. In dem abgebildeten Gewächshauskomplex (Abb. 3) werden pro Woche mehrere tausend Phalaenopsis-Orchideen produziert und in den Handel gebracht. Dabei handelt es sich zwar um sehr große Mengen, diese sind aber aus Artenschutzsicht unbedenklich. Es gibt für Orchideen vereinfachte Bestimmungen, wenn feststeht, dass sie aus künstlicher Vermehrung stammen. Sie können daher ohne Bedenken gekauft werden.

Was ist mit Herbar- oder Museumsmaterial?

CITES gilt, wenn nicht anders angegeben, für alle Teile einer Pflanze oder eines Tieres, und damit auch für Herbar- und Museumsmaterial. Allerdings gibt es ein vereinfachtes Verfahren für den Austausch mit diesen Materialien zwischen registrierten wissenschaftlichen Institutionen – das Etikettenverfahren. Dabei wird die zuständige Behörde über den geplanten Austausch und die beteiligten Institutionen vorab informiert. Die Objekte werden mit einem entsprechenden Etikett markiert (Resolution Conf. 11.15 (Rev. CoP12)). Derzeit sind in Österreich 33 wissenschaftliche Institutionen in CITES registriert, eine Liste befindet sich auf der Homepage der Konvention. Das Etikettenverfahren kann auch für Lebendpflanzen angewendet werden, wenn beide an der Transaktion beteiligten Institutionen als wissenschaftliche Einrichtungen in CITES gelistet sind.

Sind invasive Arten gelistet?

Trachemys scripta elegans, Österreich

Abb. 4: Durch das Aussetzen von Haustieren ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) auch in Österreich anzutreffen. © Gerald Benyr

Neobiota gehören eigentlich nicht zum Aufgabenbereich der Konvention, einige Taxa sind allerdings in der EU-Verordnung aufgeführt. Dazu gehört die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) die auf Grund von „weiteren Faktoren des Artenschutzes“ gelistet wurde. Aus insgesamt 17 Ländern ist die Einfuhr von lebenden Individuen vollständig verboten. Für einige Länder wie die USA, wo die Unterart ihr natürliches Verbreitungsgebiet hat, ist dies bereits seit 1997 nicht erlaubt. Bei einer Einfuhr aus allen anderen Ländern ist eine Genehmigung notwendig.

 

Schwerpunkte von Österreich

Bulbophyllum santosii, Botanischer Garten

Abb. 5: Bulbophyllum santosii aus der Sammlung des Botanischen Gartens der Universität Wien. Die Art kommt auf den Philippinen vor. © Martin Rose

Von Österreich werden und wurden mehrere Schwerpunkte gesetzt. Unter dem Vorsitz von Österreich wurden etwa die CITES-Richtlinien für den Transport von lebenden Tieren und Pflanzen diskutiert und die entsprechende Resolution verabschiedet. Der Botanische Garten der Universität Wien, als Fachstelle für CITES-Pflanzen, arbeitet an der Umsetzung der Konvention für Pflanzen und hat unter anderem eine CITES-Checkliste für die Orchideen aus dem Verwandtschaftskreis Bulbophyllum herausgegeben.  Ein starker internationaler Fokus des Bundesministeriums sind Fragen, die CITES und Livelihoods/Lebensgrundlagen von lokalen Dorfgemeinschaften betreffen. So wurde von Österreich 2015 ein Symposium in Südafrika mitorganisiert, auf dem diskutiert wurde, welchen Einfluss die illegalen Aktivitäten im Artenhandel auf lokale Dorfgemeinschaften haben und wie diese helfen können diese Aktivitäten zu verhindern (Tagungsbericht „Beyond enforcement“, 2015 und weitere Informationen).

 
 

Handel in Österreich


Österreich ist, mit Ausnahme der Schweiz, von EU-Mitgliedsstaaten umgeben. Da dies als Binnenmarkt definiert ist, sind dafür keine Genehmigungen notwendig und es gibt keine Angaben zum Handel. Beim übrigen Handel hat Österreich bis 2005 vor allem Orchideen exportiert, dies ist seither jedoch sehr stark zurückgegangen. Ansteigend ist allerdings die Ausfuhr von Falken. Lebend werden vor allem Kakteen so wie Korallen eingeführt, und bei den Produkten vor allem kleine Lederstücke (Handelscode LPS). Österreich ist der viertgrößte Importeur der EU, allerdings wird der Handel stark von Frankreich dominiert.


Eine Antwort
  1. Stefan Kapeller
    Stefan Kapeller

    Danke, sehr informativ!

    16.12.2015 um 18:26
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