Selbst gebaute Insektennisthilfe Gunczyhof; (Foto: Gernot Kunz)

:: Insektenhotels im Baumarkt – für Wildbienen geeignet?

19/06/2015 von / 0 Kommentare
Titelbild: Selbst gebaute Insektennisthilfe Gunczyhof; (Foto: Gernot Kunz)

Mit Frühlingsbeginn finden sich vermehrt Insektenhotels in den Regalen unserer Baumärkte wieder: Sie sind hübsch, preiswert und suggerieren Naturschutz. Nimmt man diese Insektennisthilfen jedoch genauer unter die Lupe, wird das biologisch geschulte Auge so einige Verkaufsschmähs entdecken.

 Insektenhotels im Baumarkt – für Wildbienen ungeeignet?
Die Honigbiene (Apis mellifera) wird gerne als Vorzeigeobjekt für Insektenhotels verwendet; (Foto: Laura Pabst)

Abb. 1 Die Honigbiene (Apis mellifera) wird gerne als Vorzeigeobjekt für Insektenhotels verwendet; (Foto: Laura Pabst)

Besonders im Frühling füllen Insektenhotels die Baumarktregale und sollen NaturfreundInnen und HobbygärtnerInnen zum Kauf verlocken. Wildbienen Nisthilfen anzubieten und ihren Bestand dadurch zu fördern ist gut gemeint, jedoch können Nisthilfen aus dem Baumarkt oftmals genau das Gegenteil bewirken: Die im Markt angebotenen Insektenhotels sind zwar zumeist optisch ansprechend, aber ansonsten weitestgehend funktionslos, da beim Bau der Nisthilfen nicht auf die Bedürfnisse der Insekten Rücksicht genommen wurde. „Biologisches Halbwissen“ zeigt sich beispielsweise durch Werbefotos auf den Verpackungen – gezeigt wird die beliebte Bienenart Apis mellifera, also die Honigbiene (Abbildung 1). Diese Art baut sich allerdings aus Wachs selbst Waben für ihre Brut. Ein Insektenhotel mit vorgefertigten Bruthilfen wird daher von ihnen nicht angenommen. Zudem sind Honigbienen in der Nähe ihrer Waben aggressiv, was bei Wildbienen nicht zutrifft.

Der Wunsch des Verbrauchers, der Natur etwas Gutes zu tun und sich gleichzeitig der Insektenvielfalt im Garten zu erfreuen, wird sich durch den Kauf solcher Insektenhotels aber nicht erfüllen: Eine allzu starke Besiedelung wird sich hier nämlich nicht einstellen.

Richtiger Bau funktionstüchtiger Insektennisthilfen

Zusammenstellung diverser Baumaterialen eines praxistauglichen Insektenhotels; (Foto: Gernot Kunz)

Abb. 2 Zusammenstellung diverser Baumaterialen eines praxistauglichen Insektenhotels; (Foto: Gernot Kunz)

Wer ernsthaft Interesse an der Förderung heimischer Wildbienen und anderer Insekten hat, baut sich am besten selbst Nisthilfen. Dazu können unterschiedlichste Baumaterialien wie Schilf- und Bambushalme, morsches Totholz und Löß verwendet werden (Abbildung 2).
Die unten stehende Tabelle soll einen groben Überblick über die gängigen Naturmaterialien geben.

Tabelle 1: Häufig verwendete Materialien für Insektennisthilfen (www.naturgartenfreude.de)
EmpfehlenswertNicht empfehlenswert
Hartholzklötze mit Bohrungen im rechten Winkel zur Holzfaser
Weichholz (z.B. Nadelholz)
Pappröhrchen

Glas-Plastikröhren
Bambus, Schilf
Kieferzapfen
Markhaltige PflanzenStroh
Morsches TotholzStammscheiben mit Bohrungen im Hirnholz
LößÄste ohne jede Bohrung
Gebrannter Ton mit runden Löchern unterschiedlicher DurchmesserFächer mit Borkenstücke
Selbst gebaute Insektennisthilfe für den Balkon; (Foto: Laura Pabst)

Abb. 3 Selbst gebaute Insektennisthilfe für den Balkon; (Foto: Laura Pabst)

Hat man ausreichend Materialien zusammengesammelt, kann das Bauen der Bruthilfe beginnen. Verwendet man Halme mit Hohlräumen, ist darauf zu achten, dass diese nach hinten zu verschlossen und frei von Fasern sind (Abbildung 3). Fasern und unsaubere Schnittkanten/Bohrungen können die häutigen Flügel verletzen und werden daher meist schon im Vorfeld von Wildbienen gemieden. Damit sich ein breites Artenspektrum etablieren kann, sollte der Lochdurchmesser 2-9 mm betragen. Ebenso wichtig ist es, dass die Rückseite der Bruthilfe verschlossen ist; beispielsweise durch eine Holzplatte.

Standort

Nach der Fertigstellung des Insektenhotels, wird es an einem geeigneten Platz aufgehängt. Dieser sollte windgeschützt sein und keinen direkten Kontakt zum Untergrund aufweisen, da die Brut ansonsten Gefahr läuft, aufgrund von Feuchtigkeit Schimmelpilzen zum Opfer zu fallen. Insekten lieben direkte Sonneneinstrahlung. Falls Dächer montiert wurden, muss daher darauf geachtet werden, dass diese nicht zu groß ausfallen, um eine Schattenwirkung zu vermeiden. Weiters sollte bedacht werden, dass nicht nur Wildbienen die Nisthilfen lieben werden: Ist das Insektenhotel reich an Bewohnern, werden dies Katzen und Vögel bemerken und versuchen, sich daran zu bedienen. Auch andere Prädatoren wie Radnetzspinnen (Araneae) versuchen ihr Glück. In diesem Fall sollte die Förderung der heimischen Insekten höhere Priorität besitzen. Die Nisthilfe sollte an einen katzensicheren Ort montiert und Spinnen entfernt werden. Singvögel können meist nur mit Hilfe eines Gitters am Herauszupfen der Schilf- und Bambushalme gehindert werden. Im Notfall müsste man an solchen Standorten auf Halme verzichten und auf Hartholzbohrungen umstellen, die von den gleichen Bienenarten angenommen werden.

Schlussendlich kann das neue Bauwerk zum Kunstwerk veredelt werden. Die Insektenhotels können mit Tiergesichtern, gebastelten Tontieren oder auch dekorativen Dächern verziert werden – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!

Hotelbesucher – wer besiedelt die Insektenhotels?

Ist das Insektenhotel richtig installiert, wird es im Laufe der Vegetationsperiode von diversen tierischen Gästen besucht werden. Nicht nur die erwünschten Wildbienen werden sich über die günstigen Nisthilfen freuen, sondern auch Parasiten wie Ameisenwespen (Mutilliden), Goldwespen (Chrysididae) und andere parasitische Wespen (siehe Abbbildung 4).

Wenn Entomologen die Arten richtig bestimmt haben und das Insektenhotel Teil einer öffentlichen Einrichtung (z.B. Naturparks, Schulen) ist, bietet es sich an, die Nisthilfen zusätzlich mit Info-Tafeln auszustatten. So wird die Nisthilfe zum Anschauungsobjekt mit Lerneffekt und begeistert nicht nur Insekten, sondern auch naturinteressierte Menschen.

Xylocopa violacea (Blaue Holzbiene), Chrysididae indet. (Goldwespe), Osmia rufa (Rote Mauerbiene), Hyleus sp. (Maskenbiene) (Fotos: Gernot Kunz)

Abb. 4 Xylocopa violacea (Blaue Holzbiene), Chrysididae indet. (Goldwespe), Osmia rufa (Rote Mauerbiene), Hyleus sp. (Maskenbiene) (Fotos: Gernot Kunz) 

 


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