Astrobiologie: Colonization_of_Mars

:: 10 Fragen an berufstätige BiologInnen:
Johannes Leitner – Astrobiologie

22/04/2014 von / 0 Kommentare
Titelbild: (c) D Mitriy [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Zur Person

Johannes Leitner hat von 1999 bis 2006 an der Universität Wien sowie an der Universität Oulu, Finnland, Astronomie und Physik studiert. Er ist Astrobiologe bei der Forschungsplattform ExoLife sowie Lehrender an der Universität Wien. Des Weiteren ist er Inhaber und Geschäftsführer der SCI.E.S.COM. Sein Tätigkeitsbereich umfasst unter anderem Vorträge im Bereich Naturwissenschaften. Auf den Grund gegangen werden hier vor allem Themen wie „Gefahren aus dem All“, dem Sonnensystem, „Misson to Mars – Wann wird der erste Mensch seinen Fußabdruck auf dem Mars hinterlassen?“, „Auf der Suche nach der zweiten Erde – Sind wir allein?“, oder „Lust auf die unendlichen Weiten…“. Die nächsten Termine finden sich hier: http://www.sci-e-s.com/kalender_2014.htm
Johannes Leitner Portrait

Johannes Leitner Portrait

1) Johannes, beschreibe bitte kurz Deinen Arbeitsalltag. Was sind Deine Hauptaufgaben?

Die Forschungsplattform ExoLife beschäftigt sich mit den grundlegendsten Fragestellungen innerhalb der sehr interdisziplinären Wissenschaft der Astrobiologie. Im Vordergrund steht dabei eine der wohl ältesten Fragen der Menschheit: Sind wir allein? Die moderne astrobiologische Forschung stützt sich im Wesentlichen auf zwei Zugängen zu dieser Frage. Einerseits entwickeln wir Modelle, um aus den vorhandenen Beobachtungsdaten die Umweltbedingungen auf anderen Planeten oder Monden und deren Entwicklung abzuleiten. Das ist relativ einfach, wenn es sich um Planeten in unserem Sonnensystem handelt, um solche, die wir mit Satelliten erkunden können, es ist aber umso hypothetischer je weniger wir von den Planeten wissen, und insbesondere bei extrasolaren Planeten, wo wir nur selten mehr Daten als Masse, Durchmesser, große Bahnhalbachse des Planeten und einige Sternparameter zur Verfügung haben. Andererseits beschäftigen wir uns in der Astrobiologie auch mit Experimenten um die Entstehung des Lebens besser zu verstehen, oder mit Studien zu speziell ausgewählten Organismen um deren Überlebensfähigkeit bzw. -strategien unter veränderten Umweltbedingungen oder im freien Weltraum zu erforschen.

Diese beiden Ansätze prägen auch meinen Arbeitsalltag. Gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen führen wir bei der Forschungsplattform ExoLife Experimente zur Synthese von Aminosäuren, und dabei insbesondere unter „exotischen“ Bedingungen, also beispielsweise mit verschiedenen Atmosphärenzusammensetzungen, aber auch mit alternativen Lösungsmitteln durch. Dadurch versuchen wir herauszufinden, ob mit anderen „Zutaten“ ebenfalls die Bausteine des Lebens entstehen können. Und wir entwickeln Modelle um die Habitabilitätsparameter von Eismonden im Sonnensystem besser zu verstehen. Viele Stunden sind auch Diskussionen und dem Entwickeln von Ideen und Experimenten gemeinsam mit den KollegInnen von der Forschungsplattform gewidmet.

Daneben bin ich auch in der universitären Lehre tätig, in unserem Astrobiologieseminar versuchen wir die verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen. Seit Jahren engagiere ich mich neben der Lehre auch in der Öffentlichkeitsarbeit und der Wissenschaftspopularisierung. In verschiedenen Vorträgen versuche ich die populärsten Fragestellungen der Astronomie und Astrobiologie allgemein verständlich zu beleuchten und unter dem Motto: „Astrobiologie als interdisziplinärer Zugang zur Naturwissenschaft“ in der Erwachsenenbildung und in der Hochbegabtenförderung unsere zukünftigen NachwuchswissenschaftlerInnen für die Astrobiologie zu begeistern.

2) Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten?

Die zentrale Frage der Astrobiologie ist für mich von großem Reiz, deswegen finde ich die alltägliche Arbeit daran hochspannend. Mein Arbeitstag ist meist sehr abwechslungsreich und Langeweile ist mir fremd. In einem Team zu arbeiten, das gemeinsam der Natur „auf die Schliche“ kommen möchte, macht einfach viel Spaß.

3) Was gehört zu den schwierigsten Dingen in Deinem Beruf? Was sind für Dich die größten Herausforderungen?

Zu den größten Herausforderungen im heutigen Wissenschaftsalltag gehört leider der „Kampf“ um Forschungsgelder, um Drittmittel. Leider müssen wir heute einen Gutteil unserer Zeit dafür aufwenden, aus dem viel zu niedrig dotiertem Topf mit Fördermitteln unseren Anteil zu bekommen. Gerade die interdisziplinäre Grundlagenforschung hat es dabei schwerer als die klassischen Naturwissenschaften oder die Technik. Zu den schwierigsten Aufgaben gehört es auch zu entscheiden, welche Messungen wir aus Kostengründen nicht durchführen.

4) Wie bist Du auf diesen Job aufmerksam geworden?

Ich hatte die Möglichkeit vom Anfang an bei der Entstehung der Forschungsplattform Exolife mitzuwirken und meine Ideen einbringen zu können. Dadurch haben sich verschiedene Projekte aus dem Themenbereich der Astrobiologie für mich ergeben.
Meine Vortragstätigkeit hat sich im Laufe der Jahre entwickelt, zum Bespiel über das Programm „University Meets Public“ bzw. „VHS Science“. Es hat mir immer Spaß gemacht und so habe ich diese Tätigkeiten von der Erwachsenenbildung dann auch auf die Hochbegabtenförderung ausgedehnt und letztendlich dafür die SCI.E.S.COM gegründet.

5) Welche Qualifikationen waren besonders entscheidend, um zu diesem Job zu kommen?

Durch mein Studium der Astronomie mit Schwerpunkt Planetologie hatte ich den großen Vorteil bereits in das Thema Habitabilität eingearbeitet zu sein, und durch mein frühes Interesse an der Astrobiologie habe ich auch schon einige Arbeiten auf diesem Gebiet verfasst. Schon während meines Studiums besuchte ich Lehrveranstaltungen aus der Erdwissenschaft, der Geophysik und Chemie und nahm an einer summer school der ESA (Europäische Weltraumbehörde) zum Thema Astrobiologie im Tiroler Alpbach teil. Interdisziplinäres Arbeiten war schon immer ein großer Wunsch von mir und ich habe meine ganze Ausbildung daraufhin ausgerichtet.

6) War es schon immer Dein Wunsch eine Arbeit dieser Art auszuüben oder hattest Du früher andere Berufswünsche?

Der erste Berufswunsch, an den ich mich heute zurückerinnern kann, war Astronaut. Damit war mein Weg in die Naturwissenschaft praktisch schon vorgezeichnet. Ich denke, das habe ich mit sehr vielen AstronomInnen gemeinsam. Im Laufe meines Astronomiestudiums hat sich mein Interesse dann immer mehr zu den Planetenwissenschaften verschoben und in meiner kürzlich fertiggestellten Dissertation vollzog ich noch den letzten Schritt von der Planetologie zur Astrobiologie.

7) Wie siehst Du die Arbeitsmarktsituation in Deinem Umfeld? Gibt es für BiologInnen Arbeitsmöglichkeiten?

Für die Biologie selbst kann ich diese Frage aus meiner Situation heraus nur schwer beantworten, prinzipiell denke ich aber, dass es für NaturwissenschaftlerInnen verhältnismäßig einfach ist, eine spannende Beschäftigung zu finden. Wichtig ist es dabei auf jeden Fall eine gewisse Flexibilität an den Tag legen und nicht davor zurückzuscheuen, sich in neue Aufgabenbereiche einzuarbeiten oder vielleicht den Traumjob im Ausland zu suchen. Im akademischen Umfeld in Österreich ich es in den letzten Jahren meiner Erfahrung nach schwieriger geworden eine Stelle zu finden, auch durch vermehrte Auslandsberufungen. Ich kann allen Studierenden nur empfehlen, selbst einmal Auslandserfahrung zu sammeln, am besten schon während des Studiums durch ein Auslandssemester.

8) Ist ein Biologiestudium für Deine Position notwendig, welche anderen Ausbildungen wären hilfreich?

Durch meinen astronomischen Zugang zur Astrobiologie musste ich mich aber auch in mir bis dato unbekannte Inhalte einarbeiten, in Themen, die eher in der Biologie zu finden sind und in einem klassischen Astronomiestudium nicht gelehrt werden. Ich glaube aber, dass es relativ egal ist, ob der Schritt in die Astrobiologie über die Biologie oder über die Astronomie/Physik erfolgt, in jedem Fall muss man sich zumindest die für die jeweilige Forschungsfrage wichtigsten interdisziplinären Themen selbstständig erarbeiten.

9) Welche Inhalte des Biologiestudiums benötigst Du in Deinem Berufsalltag am häufigsten?

Für die wissenschaftliche Arbeit innerhalb der Astrobiologie ist ein Biologiestudium auf jeden Fall sehr hilfreich. Ökologie, Mikrobiologie, oder spezieller: Kreislaufsysteme, Evolutionsbiologie, Photosynthese um nur ein paar konkretere Themen zu nennen, spielen in der Astrobiologie eine wichtige Rolle. Aber es sind auch fundierte Kenntnisse der anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen von Nöten.

10) Was würdest Du Biologiestudierenden raten, die sich für einen ähnlichen Job interessieren?

Ich kann nur jeder angehenden Biologin und jedem angehenden Biologen, die/der gern interdisziplinär arbeitet und sich für das Weltall interessiert, empfehlen, zumindest einmal in die Astrobiologie hineinzuschnuppern. Und wenn jemand seine Zukunft in dieser Disziplin sieht, dann würde ich empfehlen, viele Lehrveranstaltungen in verwandten naturwissenschaftlichen Disziplinen zu besuchen.

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt

Johannes Leitner
Webseite von SCI.E.S.COM



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