:: Begeisterte JungforscherInnen auf der Spur des Feuersalamandernachwuchses

12/11/2013 von / 0 Kommentare

Mittwochs 9:30. Die kühle Morgenluft hängt noch über dem Aigner Wald, der Boden ist feucht vom Regen der vergangenen Nacht. Das Thermometer zeigt 13°C. Perfekte Bedingungen für die Salamandersuche. Plötzlich wird die morgendliche Stille von fröhlichen Kinderstimmen durchbrochen, die sich dem Campingplatz nähern. Schon schallen die ersten freudigen Begrüßungsrufe zu den beiden Biologinnen, die am Campingplatz auf die kleinen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warten. Es geht wieder hinein in den Aigner Wald, um im Schwarzenbach Feuersalamanderlarven zu zählen und nach erwachsenen Salamandern zu suchen. Die Kinder wissen ganz genau was zu tun ist, schließlich ist das seit Beginn der Salamandersaison einmal im Monat ihre Aufgabe …

Das Projekt
Seit März 2013 führen Biologinnen der Universität Salzburg im Rahmen des Sparkling Science Projektes „Alpensalamander II“ eine Bestandsaufnahme von Feuersalamanderlarven mit 6 bis 10-jährigen SchülerInnen der Montessoriklasse JM 1 der VS Liefering II durch. Ein etwa 300 m langes Stück des Schwarzenbachs im geschützten Landschaftsteil „Aigner Park“ in Salzburg wird seit 2010 von den BiologInnen regelmäßig (etwa einmal im Monat) untersucht. Die Feuersalamanderlarven in einem Fließgewässer geben Aufschluss über die Populationsgröße der erwachsenen Salamander im Einzugsgebiet des Baches. Ebenso können über Jahre hinweg Populationsschwankungen aufgezeigt, sowie die Einflüsse von verschiedenen Wetterperioden auf die Larvenpopulation im Bach gemacht werden. Die Larvenablage der Feuersalamanderweibchen startet nach der Schneeschmelze im Frühling, meist Anfang März. Die meisten Larven sind generell im April und Mai im Wasser zu finden, mit einem 2. Maximum im Herbst, wenn die Weibchen vor dem Winter oft nochmals zur Larvenablage ans Wasser gehen (Schauer & Meikl, 2012; Cabela, 2001). Intensive Untersuchungen während der Saison 2011 haben gezeigt, dass die beste Zeit für ein Larvenmonitoring in der Dämmerung ab etwa 20 Uhr ist, da die Larven ebenso wie die erwachsenen Salamander eher nachtaktiv sind und bei Dunkelheit auf Beutefang gehen (Schauer & Meikl, 2012). Das Monitoring wurde im Jahr 2013 mit 24 SchülerInnen der VS Liefering II durchgeführt und läuft noch bis 2014 (Abb. 1 siehe Titelbild). Anhand dieser Daten wird die Populationsentwicklung der Feuersalamander weiter verfolgt. Ein weiteres Ziel des Projektes ist es herauszufinden, ob man mit Volksschülern verlässliche wissenschaftliche Daten gewinnen kann.

Zusammenarbeit mit VolksschülerInnen
Die JM1 ist eine altersgemischte, integrative Klasse. Zu Beginn des Jahres lernten die Kinder in einem Workshop alles über die Biologie und Lebensweise der Salamander. Beim ersten Larvenmonitoring im Freiland wurde gemeinsam mit den Kindern die Bachstrecke von unten nach oben abgegangen. Aussehen und Entwicklung der Larven wurden ihnen an lebenden Objekten erklärt. Um die Larven zu zählen, geht man am Besten am Rand des Baches entlang ohne ins Wasser zu steigen. Es werden auch keine Steine oder Äste umgedreht um sich darunter versteckende Larven zu entdecken. So wird das Wasser nicht aufgewühlt. Der pH-Wert und die Wassertemperatur an zwei verschiedenen Stellen werden ebenfalls gemeinsam mit den Kindern bestimmt. Die Daten werden von den Kindern mit Bemerkungen und Fotos genau dokumentiert.

Abb. 2

Abb. 2 Jungforscherin entdeckt Salamander

Beim ersten Monitoring waren die Kinder enttäuscht, weil sie nur 15 Larven im Bach fanden. Beim zweiten Mal waren es dann immerhin schon 45 Stück. Beim dritten Mal wussten die Kinder dann schon ganz genau was zu tun war. Die Feuersalamanderlarven sind für ungeschulte Augen nicht leicht zu finden, aber die Kinder entdecken die Larven mittlerweile ohne Probleme. Im Juni konnten 165 Larven gezählt werden und die Kinder stellten ein merkliches Wachstum der Larven im Vergleich zu den ersten Begehungen fest. Die Zählung wurde während der Sommerferien von den Biologinnen fortgeführt. Im Oktober waren dann die Kinder wieder dran. Sie konnten im Herbst 2013 keine Larven mehr im Bach entdecken. Dafür fanden sie aber erwachsene Salamander und Jungtiere, wodurch sie die direkte Verbindung zwischen Leben im Wasser und Leben an Land herstellen konnten (Abb. 2).

Abb. 3

Abb. 3 Anzahl der gefundenen Feuersalamanderlarven im Schwarzenbach. Oben: Monitoring 2011 durch BiologInnen der Uni Salzburg. Unten: Monitoring 2013 gemeinsam mit 24 SchülerInnen der VS Liefering II

 

Erste Ergebnisse
Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Larvenmonitorings dieser Saison sind sehr gut mit jenen der vergangenen Jahre vergleichbar (Abb. 3). Die Zahlen sind um einiges niedriger, was sich jedoch einfach erklären lässt. Mit Schulkindern kann ein Monitoring niemals zur optimalen Zeit, nämlich während der Dämmerung oder in der Nacht, durchgeführt werden, sondern nur vormittags. Zu diesem Zeitpunkt sind aber nur etwa 5-10% der tatsächlich im Wasser befindlichen Larven zu sehen (Schauer & Meikl, 2012). Wenn man die Zählungen der Kinder also hochrechnet, sind diese durchaus mit den Werten aus den Vorjahren vergleichbar. Folgende Faktoren beeinflussten das „Larvenjahr“ heuer ebenfalls sehr stark. Der Beginn der Larvenablage Anfang März wurde durch eine neuerliche Kälteperiode unterbrochen. Die Weibchen mussten bei der Larvenablage immer wieder pausieren und konnten nicht, wie in den vorangegangenen Jahren, alle Larven innerhalb von wenigen Tagen ablegen. Beim Hochwasser Anfang Juni wurde eine große Menge der noch kleinen Larven, die großen Strömungsgeschwindigkeiten noch nicht standhalten können, weggespült. Die verbliebenen Larven hatten mit der extremen Trockenheit im Juli und August zu kämpfen, denn sie mussten in den wenigen verbliebenen Tümpeln des ansonsten komplett ausgetrockneten Baches ihre Metamorphose vollenden (Abb. 4). Die Monitoringzahlen, die mit den Kindern erhoben wurden, spiegeln also ein schwieriges Jahr für die diesjährige Feuersalamander Nachkommenschaft wider. Wenn nicht zu viele solcher Jahre folgen, ist dies aber noch im Bereich normaler Populationsschwankungen.

Feuersalamanderlarve kurz vor der Metamorphose im August 2013.

Abb. 4 Feuersalamanderlarve kurz vor der Metamorphose im August 2013.

Ausblick
Die Begeisterung der Kinder hat das Jahr über nie nachgelassen und sie freuen sich bereits wieder auf den Beginn der Larvensaison 2014. Daran großen Anteil haben die beteiligten Lehrerinnen, die selbst mit Begeisterung beim Projekt dabei sind und die Kinder immer wieder motivieren. Neben dem Einblick in wissenschaftliche Arbeitstechniken brachte das Projekt den Kindern noch viele weitere Erfahrungen, z.B. welche Ausrüstung nötig ist, um in wilder Natur forschen zu können. Alle Kinder besitzen mittlerweile Gummistiefel und sind auch viel sicherer im Gehen auf rutschigen, abschüssigen Steigen und im Balancieren über Steine im Bachbett geworden. Der Weg von der Bushaltestelle zum Forschungsplatz wird nun nicht mehr als weit wahrgenommen.

Zusammenfassend lässt sich nach diesem ersten Monitoringjahr mit den 6 bis 10-jährigen NachwuchsforscherInnen sagen, dass Volksschulkinder nach entsprechender Anleitung durchaus in der Lage sind, wissenschaftlich verlässliche und verwertbare Monitoringdaten über Feuersalamanderpopulationen zu gewinnen. Eine derartige Zusammenarbeit bringt für beide Seiten, SchülerInnen und ForscherInnen, viele Vorteile und macht ebenso viel Spaß.

Literaturverweise

Aktuelle Projektinfos gibt´s auf www.alpensalamander.eu

Cabela, A., H. Grillitsch& F. Tiedemann. Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich: Auswertung der Herpetofaunistischen Datenbank der Herpetologischen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien. Umweltbundesamt, Wien, 2001.

Schauer, J., Meikl, M., Gimeno, A. & R. Schwarzenbacher. Larval Monitoring of fire salamanders in the framework of a Sparkling Science Project. Ecomont, 2012. S. 41-44.


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